Course Rating und Slope: so lesen Sie die Course-Handicap-Tabelle im Club und rechnen selbst nach
Am Aushang vor dem ersten Abschlag stehen zwei unscheinbare Werte wie 70,2 und 131. Sie entscheiden über Ihre Vorgabeschläge, über die Bewertung Ihres Ergebnisses und darüber, welche Abschlagsfarbe heute zu Ihnen passt.
Kurz gefasst
- Der Course-Rating-Wert ist die erwartete Schlagzahl des Scratch-Spielers; der Slope-Wert von 55 bis 155, Standard 113, misst den Abstand zum Bogey-Spieler mit Index um 20,0 (Herren) oder 24,0 (Damen).
- Course Handicap, früher Spielvorgabe = Handicap-Index × (Slope ÷ 113) + (Course Rating − Par): Mit Index 18,4 werden daraus je nach Abschlag 17 oder 24 Schläge.
- Laut DGV hängt auf jeder Golfanlage eine Course-Handicap-Tabelle aus; die Werte erheben vom DGV ausgebildete Course-Rating-Teams, überprüft etwa alle acht bis zehn Jahre.
- Ohne Heimatclub führt die Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV Ihren Handicap-Index; der Jahresbeitrag für Erwachsene lag im Oktober 2026 bei 195 €.
Wer im Herbst auf einem fremden Platz spielt, steht vor dem ersten Abschlag meist vor einem Aushang mit vielen kleinen Spalten: Abschlagsfarben, Herren, Damen, darunter lange Reihen mit Handicap-Index und Schlagzahl. Darüber stehen zwei Werte, die kaum jemand bewusst liest, etwa 70,2 und 131. Der erste ist der Course-Rating-Wert, der zweite der Slope-Wert. Gemeinsam legen sie fest, wie viele Vorgabeschläge Sie auf dieser Runde bekommen, wie Ihr Ergebnis in den Handicap-Index eingeht und ob die gelben Abschläge für Sie heute eine faire Wahl sind. Dieser Ratgeber erklärt, was hinter den beiden Zahlen steckt, wie Sie damit rechnen und wo der Deutsche Golf Verband (DGV) sie für Sie bereithält.
Zwei Werte, zwei verschiedene Maßstäbe
Der häufigste Irrtum lautet: Je höher der Slope, desto schwerer der Platz. Ganz falsch ist das nicht, aber es trifft den Kern nicht. Die beiden Werte messen unterschiedliche Dinge.
Der Course-Rating-Wert gibt an, wie viele Schläge ein Scratch-Spieler, also ein Golfer mit Handicap-Index um 0,0, von einer bestimmten Abschlagsfarbe unter normalen Bedingungen durchschnittlich braucht. Er wird auf eine Dezimalstelle genau angegeben. Liegt er über dem Par, ist der Platz selbst für sehr gute Spieler schwerer, als die Scorekarte vermuten lässt; liegt er darunter, ist er leichter.
Der Slope-Wert beschreibt dagegen ein Verhältnis: um wie viel schwerer derselbe Platz für einen Bogey-Spieler ist als für den Scratch-Spieler. Er ist eine ganze Zahl zwischen 55 und 155; 113 gilt als Standard. Der DGV betont in seinen Unterlagen ausdrücklich, dass der Slope für sich allein keine Aussage über die Schwierigkeit eines Platzes trifft. Er dient einzig dazu, Ihren Handicap-Index in ein Course Handicap umzurechnen.
Ein dritter Wert taucht auf kaum einer Scorekarte auf, steckt aber in beiden: das Bogey Rating, im DGV-Sprachgebrauch BR-Wert. Es ist die erwartete Schlagzahl des Bogey-Spielers.
Die beiden Bezugsspieler, in Metern
Das Course Rating System, das der DGV als Lizenznehmer in Deutschland anwendet, arbeitet mit zwei gedachten Golfern. Ihre Definitionen sind so konkret, dass Sie sich selbst einordnen können.
- Scratch-Spieler: Ein Herr schlägt vom Tee rund 229 Meter und erreicht ein Loch von rund 430 Metern mit zwei Schlägen. Eine Dame schlägt rund 192 Meter und erreicht ein Loch von rund 366 Metern mit zwei Schlägen.
- Bogey-Spieler: Ein Herr mit Handicap-Index um 20,0 schlägt rund 183 Meter und erreicht mit zwei Schlägen rund 338 Meter. Eine Dame mit Handicap-Index um 24,0 schlägt rund 137 Meter und kommt mit zwei Schlägen rund 256 Meter weit.
Die Werte sind aus Yards umgerechnet und gerundet, das System stammt ursprünglich aus den USA. Wer mit dem Driver selten über 180 Meter kommt, spielt also eher in der Liga des Bogey-Spielers, auch wenn sein Index niedriger ist.
Wie aus zwei Erwartungswerten ein Slope wird
Der Slope ergibt sich aus dem Abstand zwischen Bogey Rating und Course Rating. Bei den Herren wird dieser Abstand mit 5,381 multipliziert, bei den Damen mit 4,240. Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet.
Ein Beispiel mit erfundenen Werten: Von den gelben Abschlägen eines Parklandplatzes erwartet das Rating-Team für den Scratch-Herrn 70,2 Schläge und für den Bogey-Herrn 94,6. Der Abstand beträgt 24,4 Schläge, mal 5,381 ergibt das 131,3, also einen Slope von 131. Für die Damen von den roten Abschlägen desselben Platzes sollen es 73,4 und 99,8 sein: 26,4 mal 4,240 ergibt 111,9, gerundet 112.
Daran sieht man, warum zwei Plätze mit gleichem Course Rating ganz unterschiedliche Slopes haben können. Auf einem langen, offenen Heideplatz mit breiten Spielbahnen verliert der Bogey-Spieler vor allem Länge, ein Fehlschlag kostet selten mehr als einen Schlag. Auf einem kürzeren Waldplatz mit engen Schneisen, Teichen vor den Grüns und Aus an beiden Seiten verliert der Scratch-Spieler wenig, der Bogey-Spieler dagegen auf fast jeder Bahn. Der Abstand wächst, der Slope steigt.
Was die Rating-Teams auf dem Platz erfassen
Die Werte legt nicht der Club selbst fest. Der DGV bildet nach eigenen Angaben Course-Rater aus und stellt sie zu Rating-Teams zusammen, die regional zugeordnet die Anlagen seiner Mitglieder bewerten. An einem Bewertungstag gehen sie Bahn für Bahn ab.
Ausgangspunkt ist die effektive Spiellänge. Die vermessene Länge wird korrigiert, wenn der Ball auf festen Fairways weit oder auf feuchten kaum rollt, wenn es deutlich bergauf oder bergab geht, wenn ein Dogleg zum Vorlegen zwingt oder der Wind meist aus einer Richtung kommt. Dazu kommen Hindernisfaktoren, getrennt für Scratch- und Bogey-Spieler: Breite der Landezone, Rough und die Chance, sich daraus zu befreien, Bunker, Wasser, Aus, Bäume, Größe und Schutz des Grüns, Geschwindigkeit und Neigung der Grünfläche und ein psychologischer Faktor für Bahnen, auf denen sich mehrere Schwierigkeiten häufen.
Jede Abschlagsfarbe gilt dabei als eigener Platz mit eigenen Werten, und Herren und Damen werden getrennt bewertet. Bewertet wird der Platz im normalen Spielbetrieb, nicht im Turnier-Setup mit versteckten Fahnen.
Vom Handicap-Index zu Ihren Schlägen auf der Runde
Ihr Handicap-Index gilt überall gleich. Wie viele Vorgabeschläge Sie auf einem bestimmten Platz und von einer bestimmten Farbe erhalten, sagt das Course Handicap. Ältere Golferinnen und Golfer kennen es noch als Spielvorgabe; der DGV verweist bei diesem Begriff heute auf das Course Handicap. Die Formel lautet:
Course Handicap = Handicap-Index × (Slope ÷ 113) + (Course Rating − Par)
Nehmen wir eine Spielerin mit Handicap-Index 18,4 und zwei erfundene Abschläge, beide Par 72. Von Abschlag A mit 68,9 und Slope 121 rechnet sie 18,4 × 121 ÷ 113 = 19,70, dazu 68,9 − 72 = −3,1, ergibt 16,60, also 17 Schläge. Von Abschlag B mit 73,6 und Slope 139 sind es 18,4 × 139 ÷ 113 = 22,63, dazu +1,6, ergibt 24,23, also 24 Schläge. Sieben Schläge Unterschied bei unverändertem Index.
Davon zu unterscheiden ist das Playing Handicap, die Schlagzahl, die in einer Turnierwertung tatsächlich zählt. Die Handicap-Regeln empfehlen für das Einzel-Zählspiel 95 Prozent; in Deutschland entspricht das Playing Handicap laut DGV meistens dem Course Handicap, und nur wenn die Ausschreibung ein anteiliges Handicap vorsieht, etwa im Vierer oder Scramble, wird es angepasst. Bei 95 Prozent würden aus den 24,23 von Abschlag B übrigens 23 Schläge. Welche Regel gilt, steht in der Ausschreibung.
Der Rückweg: wie die Werte Ihr Ergebnis bewerten
Nach der Runde arbeiten dieselben Zahlen in die andere Richtung. Aus jedem Handicap-relevanten Ergebnis wird ein Score Differential:
Score Differential = (113 ÷ Slope) × (GBE − Course Rating − PCC)
GBE steht für das gewertete Bruttoergebnis: Jedes Loch zählt höchstens als Netto-Doppelbogey, also Par plus Ihre Vorgabeschläge auf dem Loch plus zwei. PCC ist die Course-Rating-Korrektur, die am Abend automatisch berechnet wird, wenn mindestens acht Spieler mit Index 26,4 oder besser ein Ergebnis über 18 Löcher eingereicht haben. Sie beträgt −1, +1, +2 oder +3, wenn der Platz an diesem Tag deutlich leichter oder schwerer gespielt hat als gewohnt. Ihr Handicap-Index ist der Durchschnitt der acht besten aus Ihren 20 jüngsten Score Differentials.
Zwei erfundene Runden zeigen, warum das Bruttoergebnis allein wenig sagt. Eine 91 auf einem Platz mit 73,8 und Slope 142 ergibt 113 ÷ 142 × 17,2 = 13,7. Eine 85 auf einem Platz mit 68,6 und Slope 116 ergibt 113 ÷ 116 × 16,4 = 16,0. Die 91 war die stärkere Runde. Hätte am Tag der 91 Dauerregen geherrscht und das System eine Korrektur von +1 ermittelt, läge das Differential sogar bei 113 ÷ 142 × 16,2 = 12,9.
Was die beiden Zahlen nicht wissen
Ein Rating beschreibt den Normalzustand. Es weiß nichts von frisch aerifizierten Grüns, vom Ostwind, der an diesem Tag über den Platz pfeift, oder vom Rough, das vor der Clubmeisterschaft stehen gelassen wurde. Die Korrektur gleicht manches für das Handicap aus, nicht aber für Ihr Gefühl auf der Runde.
Ebenso wenig verrät ein Slope von 135, warum ein Platz schwer ist. Der eine verlangt Länge und lange Carrys über Wasser, der andere Präzision zwischen Bäumen. Ein Longhitter mit unruhigem Driver und ein kurzer, gerader Spieler erleben beide sehr verschieden.
Und Ratings altern. Laut DGV müssen sie in regelmäßigen Abständen von etwa acht bis zehn Jahren überprüft werden. Wurden zwischenzeitlich Abschläge gebaut, Bunker zugeschüttet oder Bäume gefällt, spielt der Platz unter Umständen anders, als die Zahlen sagen.
Wo Sie Course Rating und Slope in Deutschland finden
Am Aushang im Club. Nach den Unterlagen des DGV hängt auf jeder Golfanlage eine Course-Handicap-Tabelle aus, mit einer Spalte pro Abschlagsfarbe und getrennt für Herren und Damen sowie für 9 und 18 Löcher. Die Clubs drucken sie direkt aus dem DGV-Serviceportal. Dort lesen Sie Ihr Course Handicap ab, ohne zu rechnen; Course-Rating- und Slope-Wert stehen in der Regel auch auf der Scorekarte.
Auf der Website des Clubs. Viele Anlagen veröffentlichen ihre Werte. Der Golf Club Würzburg etwa hat nach der Neubewertung durch den DGV in diesem Jahr einen Vergleich 2019 gegen 2026 online gestellt. Von Gelb, Par 71, stiegen die Herrenwerte von 71,5 und Slope 133 auf 72,0 und Slope 131; neu dazu kam unter anderem ein oranger Abschlag mit 64,1 und Slope 113. Für einen Herrn mit Index 18,4 ergibt Gelb heute 22 Schläge, Orange dagegen 18,4 × 113 ÷ 113 − 6,9 = 11,5, also 12. Ein Blick auf die Tafel zeigt, wie viel die Wahl der Farbe ausmacht.
Ihren Handicap-Index finden Sie im digitalen DGV-Ausweis, nach Registrierung auf golf.de unter „Mein Bereich“; dort steht auch Ihr Handicap-Verlauf. Für Runden im Ausland gilt: Ihr Heimatclub braucht Course Rating und Slope des gespielten Platzes, um das Ergebnis manuell zu erfassen. Notieren Sie beide Werte also schon auf der Scorekarte.
Wer die Ratings macht. Die Bewertungen führen die vom DGV ausgebildeten Course-Rating-Teams durch. Turnusmäßige Re-Ratings sind für DGV-Mitglieder bis zu drei Abschlagsfarben je Geschlecht kostenlos, zusätzliche Farben oder Bewertungen außerhalb des Turnus stellt der DGV in Rechnung.
Ohne Heimatclub. Einen Handicap-Index führt in Deutschland nur, wer Mitglied bei einem DGV-Mitglied ist. Eine Möglichkeit ohne Club ist die Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV (VcG): Der Kalenderjahresbeitrag für Erwachsene lag im Oktober 2026 laut VcG bei 195 €, bei monatlicher Zahlung 16,90 €; ermäßigt sind es 95 € im Jahr. Dafür gibt es einen anerkannten Mitgliedsausweis und die Führung des Handicap-Index.
Vor der nächsten Runde
- Course-Rating- und Slope-Wert Ihrer Abschlagsfarbe auf Scorekarte, Aushang oder Club-Website nachsehen.
- Ihr Course Handicap in der Course-Handicap-Tabelle ablesen oder mit der Formel nachrechnen.
- Course Rating mit dem Par vergleichen: Zwei Schläge darüber heißt, ein Ergebnis über Par ist dort keine schwache Runde.
- Ab einem Slope um 135 und unsicherem Abschlag eine Farbe weiter vorn in Betracht ziehen.
- In der Ausschreibung prüfen, ob mit vollem oder anteiligem Handicap gespielt wird.
- Bei Runden im Ausland beide Werte notieren, damit Ihr Club das Ergebnis erfassen kann.
Zwei Zahlen auf einer Tafel bringen keinen Putt ins Loch. Sie sagen Ihnen aber vor dem ersten Schlag, wie ein guter Tag auf genau diesem Platz aussieht.
Wie diese Seite entstanden ist: Die Definitionen von Scratch- und Bogey-Spieler, die Slope-Formel und die Hindernisfaktoren stammen aus dem Course Rating System; Course-Handicap- und Score-Differential-Formel, Course-Rating-Korrektur und Playing Handicap aus den Handicap-Regeln des World Handicap Systems und dem „WHS-Update für Spielsaison 2026“ des DGV, alle im Oktober 2026 gelesen. Die Meterangaben sind aus Yards umgerechnet und gerundet. Die Beispiele mit Abschlag A und B, dem Parklandplatz und den beiden Runden sind erfunden; die Würzburger Werte stammen von der Website des Golf Club Würzburg, der Beitrag der VcG von der Website der VcG, beides im Oktober 2026 abgelesen. Panxis Golf unterhält zu keiner hier genannten Organisation eine geschäftliche Beziehung.






