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Nachhaltiges Golf: was „Golf und Natur“ bedeutet

Ein brauner Platz im August ist meist gut gepflegt und nicht schlecht. Was eine Anlage ökologisch unterscheidet, sind die Flächen, die niemand bespielt.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 7 min
Teich und hohes Gras am Fairwayrand
Photo cottonbro studio / Pexels

Kurz gefasst

  • „Golf und Natur“ des DGV zertifiziert Bewirtschaftung, nicht Optik.
  • Extensive Randflächen sind Lebensraum, wenn das Schnittgut abgefahren wird.
  • Fest und braun spielt sich besser und kostet ein Vielfaches weniger Wasser.
  • Die größte Emission eines Golftages steht meist auf dem Parkplatz.
  • Pitchmarken, Divots und Bunker sind Pflegeaufwand, kein Benimm.

Golfplätze verbrauchen Fläche, Wasser und Energie, und die Branche weiß das. In Deutschland gibt es dafür ein eigenes Programm: „Golf und Natur“, vom Deutschen Golf Verband getragen, das Anlagen für ihre ökologische und ressourcenschonende Bewirtschaftung zertifiziert. Hier steht, was das bedeutet und woran Sie eine gut geführte Anlage erkennen.

Die Debatte über Golf und Umwelt wird in Deutschland meist mit zwei Bildern geführt: dem sattgrünen Fairway im Hochsommer und dem Beregnungsbogen um zwölf Uhr mittags. Beide Bilder sind aussagekräftig, aber nicht so, wie sie üblicherweise gelesen werden. Ein sattgrüner Platz im August ist ein Platz, der viel Wasser bekommt, und der Beregnungsbogen um zwölf Uhr ist der Beweis dafür, dass das Wasser falsch eingesetzt wird. Beides ist inzwischen die Ausnahme.

Was das Programm ist

„Golf und Natur“ bewertet eine Anlage nicht nach ihrer Optik, sondern nach ihrer Bewirtschaftung: Pflege der Spielflächen, Naturschutz auf den Flächen, die nicht bespielt werden, Umgang mit Wasser und Energie, sowie Arbeitssicherheit und Qualitätsmanagement. Die Zertifizierung erfolgt in Stufen, und sie wird regelmäßig überprüft.

Der praktische Effekt: Eine zertifizierte Anlage hat dokumentiert, wie viel Wasser sie verbraucht, welche Flächen sie extensiv pflegt und was sie an Dünger und Pflanzenschutz einsetzt. Das ist mehr, als die meisten Sportstätten über sich sagen können.

Der zweite, weniger bekannte Effekt betrifft den Betrieb selbst. Eine Anlage, die ihren Wasser- und Energieverbrauch erfasst, weiß, wo sie Geld verliert, und die Zertifizierung ist deshalb häufig der Anlass, aus dem eine Beregnungssteuerung erneuert oder ein Speicherteich gebaut wird. Ökologie und Betriebswirtschaft zeigen an dieser Stelle in dieselbe Richtung, was in Umweltfragen selten genug vorkommt.

Warum Fläche das eigentliche Thema ist

Ein 18-Loch-Platz ist ein großes Stück Land, aber nur ein Teil davon ist Spielfläche. Der Rest, also Roughs, Waldränder, Gewässer und Böschungen, kann entweder kurz gehalten oder als Lebensraum entwickelt werden. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Anlage, die Natur verbraucht, und einer, die Natur beherbergt.

Gut geführte Plätze haben in den letzten Jahren erhebliche Flächen aus der intensiven Pflege genommen. Das sieht im Frühsommer weniger aufgeräumt aus und ist ökologisch das Gegenteil von Vernachlässigung.

Was auf diesen Flächen entsteht, ist in einer ausgeräumten Agrarlandschaft nicht selbstverständlich: Magerrasen, Blühstreifen, Totholz, ungestörte Gewässerränder. Ein Golfplatz ist in vielen deutschen Regionen die größte zusammenhängende Fläche, die weder gepflügt noch bebaut wird, und das ist das stärkste sachliche Argument, das die Branche hat.

Es hat allerdings eine Bedingung: Die Flächen müssen tatsächlich extensiv gepflegt werden und nicht nur unbespielt sein. Ein einmal im Jahr gemähter Streifen mit abgefahrenem Schnittgut ist Lebensraum; derselbe Streifen wöchentlich gemulcht ist es nicht. Diesen Unterschied macht das Zertifizierungsverfahren sichtbar, und er ist von außen kaum zu beurteilen.

Wasser, der Punkt, der zunehmend zählt

Trockene Sommer haben die Beregnung von der Selbstverständlichkeit zur Managemententscheidung gemacht. Die Antworten der Anlagen: trockenheitstolerantere Gräser, Beregnung nur auf Grüns und Abschlägen, Speicherteiche und Brauchwassernutzung statt Trinkwasser.

Ein Platz, der im August braun ist, ist nicht schlecht gepflegt. Er ist häufig gut gepflegt: Fest und braun spielt sich besser als weich und grün, und es kostet ein Vielfaches weniger Wasser.

Rechtlich ist das inzwischen an vielen Orten keine Wahl mehr. In trockenen Sommern erlassen Landkreise und Kommunen Entnahmeverbote für Oberflächengewässer, und Anlagen ohne eigenen Speicher oder ohne Brunnenrecht stehen dann ohne Wasser da. Der Speicherteich, der wie eine Investition in Landschaftsgestaltung aussieht, ist in Wahrheit eine Versicherung gegen den August.

Auch die Grasart entscheidet mit. Der Umbau von Grüns auf feinere, tiefer wurzelnde Gräser läuft über Jahre und macht die Fläche in dieser Zeit unruhig, spart danach aber dauerhaft Wasser und Dünger. Wenn Ihre Anlage ihre Grüns über zwei Saisons umstellt, ist das der Grund, warum sie sich zwischendurch schlechter putten lassen, und es ist eine Entscheidung für die nächsten zwanzig Jahre.

Was Sie als Spieler tatsächlich beeinflussen

  • Pitchmarken ausbessern, jede einzelne. Eine nicht reparierte Pitchmarke braucht Wochen zum Ausheilen, eine sofort reparierte Stunden.
  • Divots zurücklegen oder mit der Sandmischung füllen.
  • Bunker harken, und zwar von der flachen Seite aus.
  • Auf den Wegen bleiben, wo es verlangt ist, besonders bei Nässe.
  • Frostsperren einhalten, ohne Diskussion; Tritte auf gefrorenes Gras zerstören die Pflanze und nicht nur den Halm.

Das klingt nach Etikette und ist in Wahrheit Pflegeaufwand, den Sie der Anlage abnehmen oder aufbürden.

Zwei weitere Punkte kosten nichts und werden selten genannt. Erstens: Spielen Sie zu Fuß, wenn Sie können. Ein Cart auf nassem Boden verdichtet ihn, und Bodenverdichtung ist die Ursache, die Greenkeeper mit Aerifizieren wieder aufheben müssen. Zweitens: Lassen Sie den Ball liegen, den Sie im Wasser oder im hohen Gras nicht finden, statt lange zu suchen, und nehmen Sie dafür jeden gefundenen fremden Ball und jedes Stück Plastik mit.

Was die Anlage bezahlt, wenn niemand hinsieht

Die Kostenblöcke einer deutschen Golfanlage sind Personal, Energie und Wasser, in dieser Reihenfolge. Alle drei sind in den letzten Jahren gestiegen, und alle drei hängen unmittelbar daran, wie intensiv gepflegt wird.

Deshalb ist die Frage, wie grün ein Platz im Juli aussieht, keine Geschmacksfrage, sondern eine Beitragsfrage. Eine greenfee-de/“>Mitgliedschaft in einem Club, der auf Optik pflegt, wird teurer als eine in einem Club, der auf Spielbarkeit pflegt, und der zweite Platz spielt sich besser. Das ist der unbequeme Teil der Debatte, weil er nicht bei der Anlage liegt, sondern bei den Erwartungen der Mitglieder.

Ein Greenkeeping, das erklärt, warum die Fairways im August nicht beregnet werden, macht deshalb mehr für die Nachhaltigkeit einer Anlage als jede zusätzliche Maschine. Und Mitglieder, die diese Erklärung akzeptieren, machen den größten Teil davon.

Energie, Maschinen und der Weg zum Platz

Neben Wasser und Fläche steht ein dritter Block, über den seltener gesprochen wird: Energie. Ein Maschinenpark aus Spindelmähern, Aufsitzmähern, Aerifiziergeräten und Fahrzeugen läuft in der Saison täglich, und die Umstellung auf elektrische Geräte hat in den letzten Jahren spürbar begonnen, vor allem bei Grünsmähern und bei den Carts.

Dazu kommen Clubhaus und Gastronomie, die auf vielen Anlagen mehr Energie verbrauchen als der gesamte Platzbetrieb, und die Beregnungspumpen, die in einem heißen August zum größten Einzelposten werden. Photovoltaik auf den Dächern von Maschinenhalle und Clubhaus ist deshalb keine Symbolik, sondern rechnet sich in Jahren.

Und der größte Einzelposten in der Ökobilanz eines Golftages steht meistens gar nicht auf dem Platz, sondern auf dem Parkplatz. Wer vierzig Kilometer zu einer Runde fährt, hat mehr Emissionen verursacht als die Pflege des Lochs, das er spielt. Fahrgemeinschaften innerhalb der Spielgruppe sind der wirksamste Beitrag, den ein einzelner Golfer leisten kann, und er kostet nichts außer einer Absprache.

Woran Sie eine gut geführte Anlage erkennen

Extensiv gepflegte Randflächen mit hohem Gras und Blühstreifen. Grüns, die fest und schnell sind statt weich und grün. Sichtbare Wasserwirtschaft, etwa Speicherteiche. Und ein Greenkeeping, das erklärt, was es tut, statt sich für braune Stellen zu entschuldigen.

Und langfristig auch daran, dass das Greenfee stabil bleibt: Wasser und Energie sind die Kostenblöcke, die ein Greenfee in € nach oben treiben.

Zwei weitere Erkennungszeichen: ein veröffentlichter Pflegekalender, aus dem hervorgeht, wann aerifiziert und besandet wird, und Hinweistafeln auf den Extensivflächen, die erklären, was dort wächst. Beides kostet fast nichts und unterscheidet Anlagen, die eine Strategie haben, von Anlagen, die eine Broschüre haben.

Wo Sie weiterlesen und nachfragen

  • Der Deutsche Golf Verband führt das Programm „Golf und Natur“ und listet die zertifizierten Anlagen.
  • Fragen Sie Ihre Heimatanlage nach ihrem Zertifizierungsstand und nach der Wasserstrategie. Die Antwort sagt viel über die Führung des Clubs.
  • Fragen Sie im Sekretariat nach dem Pflegekalender für die Saison, damit Sie wichtige Runden nicht in die Aerifizierungswochen legen.
  • Sprechen Sie den Head-Greenkeeper an, wenn Sie ihn auf dem Platz treffen. Es ist die am besten informierte und am seltensten befragte Person auf der Anlage.

Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Verbänden oder Anlagen.

Nachhaltigkeit im Golf ist keine Marketingfrage, sondern eine Betriebsfrage. Die Anlagen, die das früh verstanden haben, werden in zehn Jahren die günstigeren Greenfees haben.

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