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Plätze

Von welchen Abschlägen sollten Sie spielen?

Trageweite mit dem Driver mal 28 ergibt die Platzlänge, die zu Ihnen passt. Der einzige Preis dieser Entscheidung ist ein Gefühl.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 9 min
Tee im kurz geschnittenen Gras
Photo Ryan Latimer / Pexels

Kurz gefasst

  • Aus 170 Metern trifft ein mittleres Handicap kaum ein Grün, aus 130 mehrere.
  • Gemeint ist die gemessene durchschnittliche Trageweite, nicht der beste Drive.
  • Course Rating und Slope rechnen jede Farbe korrekt um: kein Handicapnachteil.
  • Alle Farben stehen auf deutschen Anlagen praktisch überall allen offen.
  • Im April spielt derselbe Platz gut einen Schläger länger als im August.

Es gibt weit mehr Amateure, die einen zu langen Platz spielen, als umgekehrt, und es ist die am leichtesten zu behebende Sache im Golf. Die richtigen Abschläge lassen einen Platz so spielen, wie er gezeichnet wurde, und machen eine Vierstundenrunde möglich.

Es ist außerdem die einzige Verbesserung, die sofort wirkt, nichts kostet und kein Training verlangt. Wer eine Farbe vorrückt, spielt am selben Nachmittag andere Annäherungen, trifft mehr Grüns, verliert weniger Bälle und geht eine halbe Stunde früher nach Hause. Der einzige Preis ist ein Gefühl, und mit dem beschäftigt sich der größere Teil dieses Textes.

Die Rechnung, die niemand macht

Ein Platz von 6100 Metern verlangt auf den meisten Par 4 einen Drive und ein mittleres Eisen. Wer den Driver 180 Meter trägt, steht auf fast jedem Loch mit 170 Metern vor einem Grün, das für ein Eisen 7 gebaut wurde. Das ist eine Ausdauerprüfung, keine Golfprüfung.

Der Effekt verstärkt sich über die Runde. Aus 170 Metern trifft ein mittleres Handicap kaum ein Grün, spielt also Annäherung, Chip und zwei Putts, und macht auf zwölf von vierzehn Par 4 Bogey oder schlechter. Aus 130 Metern trifft dieselbe Person mehrere Grüns, und die Karte sieht anders aus, ohne dass sich ein Schwung geändert hätte.

Dazu kommt die Erschöpfung. Wer auf jedem Loch am Limit schlägt, ermüdet, und die zweiten neun Löcher werden systematisch schlechter als die ersten. Die Statistik der eigenen Löcher 10 bis 14 im Vergleich zu 1 bis 5 zeigt das bei fast jedem, der einen zu langen Platz spielt.

Die Faustregel, die funktioniert

Multiplizieren Sie Ihre durchschnittliche Trageweite mit dem Driver mit 28. Wer 180 Meter trägt, gehört auf einen Platz von rund 5000 Metern; 210 Meter deuten auf etwa 5900. Die Formel stammt aus der Kampagne Tee It Forward, und jede veröffentlichte Auswertung zeigt tiefere Scores und schnellere Runden.

Entscheidend ist das Wort durchschnittlich. Gemeint ist nicht der eine Drive mit Rückenwind im August, sondern die Zahl, die sich bei zehn Schlägen wiederholt, und sie liegt bei den meisten Amateuren zehn bis zwanzig Meter unter der Zahl, die sie im Kopf haben. Und gemeint ist die Trageweite, nicht die Gesamtweite, weil der Rollweg im deutschen Frühjahr ohnehin verschwindet.

Wer die Zahl nicht kennt, bekommt sie in zwanzig Minuten: eine Indoor-Box mit Launch Monitor, zehn Drives, den besten und den schlechtesten streichen. Das ist die einzige Messung, die für diese Entscheidung nötig ist.

Was sich ändert, wenn Sie vorrücken

Annäherungen kommen aus Distanzen, die Sie wirklich spielen können, Grüns halten, und Par 5 werden in drei bequemen Schlägen erreichbar. Die meisten sehen zum ersten Mal den Platz, den sie aus dem Fernsehen kennen.

Auch die Architektur wird sichtbar. Bunker, die von hinten hoffnungslos weit weg lagen, kommen ins Spiel und stellen die Frage, die der Architekt gestellt hat; ein Dogleg wird zu einer Entscheidung statt zu einer Formalität; und ein Par 3 mit erhöhtem Grün wird zu einem Eisen statt zu einem Hybrid.

Und das Tempo ändert sich. Weniger verlorene Bälle, weniger Schläge insgesamt, weniger Suchen im Rough: Eine Gruppe, die von passenden Abschlägen spielt, ist regelmäßig eine halbe Stunde schneller, und das merkt jeder auf der Anlage.

Der Einwand und die Antwort

Vorrücken fühlt sich nach Zugeständnis an, und dieses Gefühl ist das ganze Hindernis. Ein Profi mit 300 Metern Drive und einem Eisen 7 aus 160 spielt einen proportional kürzeren Platz als die meisten Clubmitglieder.

Der zweite Einwand lautet, die Farben seien nach Geschlecht oder Alter zugeordnet. Auf vielen deutschen Anlagen sind sie das historisch gewesen, und die Verbände haben sich davon gelöst: Maßgeblich ist die Länge, die zum Spiel passt, und die Abschlagsfarbe ist eine Streckenangabe und keine Kategorie. Fragen Sie im Sekretariat, welche Farben für alle offen sind; die Antwort lautet fast überall: alle.

Der dritte Einwand ist der ehrlichste: Man will vor den Mitspielern nicht vorrücken. Dagegen hilft nur, es einmal zu tun und die Karte zu vergleichen, am besten allein an einem ruhigen Nachmittag.

Das Handicap funktioniert weiter

Im World Handicap System hat jeder Abschlag sein eigenes Course Rating und seinen eigenen Slope, und der DGV veröffentlicht diese Werte für jeden Platz. Eine Karte von vorderen Abschlägen ist vorgabewirksam und wird korrekt umgerechnet.

Praktisch heißt das: Von einem kürzeren Abschlag bekommen Sie weniger Vorgabenschläge, weil der Platz leichter ist, und Ihr Ergebnis wird entsprechend gewertet. Es entsteht weder ein Vorteil noch ein Nachteil, sondern nur eine Runde, die Ihrem Spiel entspricht.

Die Werte stehen auf der Scorekarte und auf der Website des Clubs, getrennt nach Farbe und nach Damen und Herren. Ein Blick darauf lohnt vor der ersten Runde auf einer fremden Anlage, weil zwei Plätze mit derselben Meterzahl unterschiedlich schwer sein können.

Gemischte Flights und kombinierte Abschläge

Nichts verlangt, dass alle von denselben Abschlägen spielen. Viele deutsche Anlagen publizieren inzwischen kombinierte Abschläge, die vordere und hintere Markierungen Loch für Loch mischen, was einer Gruppe mit dreißig Handicappunkten Spannweite eine sinnvolle Prüfung gibt.

In einer Privatrunde spielt ohnehin jeder von der Farbe, die zu ihm passt, und die Vorgabenschläge werden über Course Rating und Slope korrekt verrechnet. Das ist keine Improvisation, sondern genau der Zweck, für den das System gebaut wurde.

Wenn ein Club kombinierte Abschläge einführen will, ist der Aufwand gering: Die Werte müssen einmal bewertet und veröffentlicht werden, danach steht eine zusätzliche Spalte auf der Scorekarte. Es ist eine der wenigen Maßnahmen, die Spieltempo und Zufriedenheit gleichzeitig verbessern.

Die Abschläge und die Jahreszeit

Ein Platz ist nicht das ganze Jahr über gleich lang. Im April, bei acht Grad und weichem Boden, spielt sich dieselbe Anlage gut einen Schläger länger als im August, weil kalte Luft und fehlender Rollweg sich addieren.

Wer im Hochsommer von einer bestimmten Farbe gut zurechtkommt, sollte im Frühjahr und im Spätherbst eine weiter vorne in Betracht ziehen. Das ist kein Zugeständnis, sondern dieselbe Rechnung mit den Bedingungen des Tages, und es ist der Grund, warum Aprilrunden von den gewohnten Abschlägen so mühsam sind.

Was Clubs tun können

Auf der Anlagenseite ist die Sache noch einfacher als auf der Spielerseite, und sie kostet fast nichts.

Der erste Schritt ist eine Tabelle auf der Scorekarte oder am ersten Abschlag, die Trageweiten mit empfohlenen Farben verknüpft. Sie nimmt der Entscheidung das Persönliche: Wer liest, dass 180 Meter Trägerweite zu rund 5 000 Metern Platzlänge passen, rückt vor, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Der zweite ist die konsequente Benennung. Farben statt Herren- und Damenabschläge, Meterzahlen statt Rangfolgen, und eine ausdrückliche Aussage, dass alle Farben allen offenstehen. Mehrere deutsche Anlagen haben das umgestellt und berichten, dass die Rundenzeiten am Wochenende messbar gesunken sind.

Der dritte ist die Bewertung kombinierter Abschläge, damit gemischte Gruppen eine gewertete Karte spielen können. Das ist ein einmaliger Verwaltungsaufwand mit dauerhafter Wirkung.

Was das für Ihren Score bedeutet

Ein Beispiel mit runden Zahlen. Ein Spieler mit 180 Metern Trageweite auf einem 6 100-Meter-Platz hat auf den Par 4 im Schnitt rund 160 Meter Rest und trifft davon vielleicht zwei Grüns; auf einem 5 200-Meter-Platz hat er rund 110 Meter Rest und trifft sechs oder sieben.

Fünf zusätzlich getroffene Grüns bedeuten für ein mittleres Handicap etwa vier bis fünf Schläge weniger, ohne jede technische Änderung. Dazu kommen die Bälle, die im Rough neben einem zu langen Loch nicht mehr verloren gehen, und die halbe Stunde, die die Runde kürzer wird.

Wichtig ist dabei die Erwartung: Das Handicap sinkt nicht automatisch, weil das System die kürzere Länge einrechnet. Was sinkt, ist die Zahl auf der Karte und die Anstrengung, und beides zusammen ist der Grund, warum fast niemand zurückgeht.

Wo Sie das in Deutschland klären

Die Längen aller Abschlagsfarben stehen auf der Scorekarte und auf der Website der Anlage, zusammen mit Course Rating und Slope. Die Anlagensuche von Golf in Deutschland führt zu den Anlagen und ihren Kontakten.

Fragen Sie im Sekretariat zwei Dinge: welche Farben für alle Spieler offen sind, und ob die Anlage bewertete kombinierte Abschläge anbietet. Beides ist eine Zwei-Minuten-Auskunft, und beide Antworten sind heute deutlich großzügiger als der Ruf der Sache.

Für die Trageweite Ihres Drivers, ohne die die Rechnung nicht funktioniert, sind Indoor-Anlagen mit Launch Monitor in fast allen deutschen Großstädten stundenweise buchbar, ebenso öffentliche Ranges mit Ballverfolgung rund um München, Berlin, Hamburg und im Rheinland. Die Fitting-Bereiche von Fachgeschäften und großen Golfzentren liefern denselben Wert.

Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Anlagen, Händlern oder Verbänden.

Der Sonderfall Par 3 und Par 5

Die Länge eines Platzes wird über die Par 4 entschieden, aber die Erfahrung einer Runde hängt an den anderen beiden Lochtypen.

Ein Par 3 von 175 Metern ist für einen Spieler mit 180 Metern Trageweite kein Par 3, sondern ein Loch, auf dem er mit dem Driver oder einem Holz auf ein Grün zielt, das dafür nicht gebaut ist. Von einer Farbe weiter vorn wird daraus ein Hybrid oder ein langes Eisen, also ein Schlag mit einer realistischen Chance.

Bei den Par 5 wirkt der Effekt umgekehrt und angenehmer: Ein Par 5 von 440 Metern ist in drei bequemen Schlägen erreichbar, eines von 500 nicht, und der Unterschied zwischen einem Loch, auf dem ein Birdie denkbar ist, und einem, auf dem man dreimal am Limit schlägt, ist genau diese Zahl.

Der Test über drei Runden

Machen Sie daraus einen Vergleich statt einer Meinung. Spielen Sie zwei Runden von Ihrer gewohnten Farbe und eine von der nächstvorderen, jeweils zur selben Tageszeit und unter ähnlichen Bedingungen, und notieren Sie vier Zahlen: Score, getroffene Grüns, verlorene Bälle und Rundenzeit.

Bei den allermeisten Spielern verbessern sich alle vier gleichzeitig, und zwar deutlicher, als sie erwartet hatten. Wo das nicht der Fall ist, spielen Sie bereits von der richtigen Farbe, und Sie wissen es nun statt es zu vermuten.

Und nehmen Sie eine Person mit, die dasselbe ausprobiert. Der Widerstand gegen das Vorrücken ist ein sozialer und kein sportlicher, und er löst sich am schnellsten auf, wenn zwei Leute im Flight dieselbe Entscheidung treffen.

Einmal richtig ausprobieren

  • Ermitteln Sie ehrlich Ihre durchschnittliche Trageweite, gemessen und nicht geschätzt.
  • Multiplizieren Sie mit 28 und suchen Sie den passenden Abschlag.
  • Spielen Sie eine ganze Runde von dort und notieren Sie Score und Rundenzeit.
  • Prüfen Sie Course Rating und Slope der Farbe, damit die Karte korrekt gewertet wird.
  • Im Frühjahr und Spätherbst eine Farbe weiter vorne in Betracht ziehen.

Fast niemand geht danach zurück. Und wer es doch tut, hat wenigstens eine Zahl statt einer Vermutung, was in dieser Frage schon mehr ist, als die meisten Golferinnen und Golfer je hatten.

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