Neun Löcher und Kurzplätze: unterschätztes Golf
Achtzehn Löcher sind eine historische Konvention und keine sportliche Notwendigkeit. Neun Löcher zählen genauso, kosten die Hälfte und dauern zwei Stunden.
Kurz gefasst
- Neun-Loch-Runden sind im World Handicap System voll vorgabewirksam.
- Zwei Drittel der Amateurschläge fallen innerhalb von 100 Metern.
- Auf einem Kurzplatz zählt jeder Schlag: das fehlt dem Üben auf der Wiese.
- Par-3-Platz, Pitch and Putt und Kurzbahn sind nicht dasselbe.
- Viele deutsche Clubs haben eine kaum genutzte Kurzbahn im Beitrag.
Das unterschätzteste Golf in Deutschland wird auf Neun-Loch-Anlagen und Kurzplätzen gespielt, meist von Leuten, die keine fünf Stunden haben und gemerkt haben, dass sie keine brauchen.
Achtzehn Löcher sind eine historische Konvention und keine sportliche Notwendigkeit. Sie stammen aus einer Zeit, in der ein Golftag ein Tag war, und sie sind heute der Hauptgrund, warum Menschen mit Beruf und Familie das Spiel aufgeben oder gar nicht erst anfangen. Die Alternativen existieren, sie sind vorgabewirksam, sie kosten weniger, und in Deutschland werden sie praktisch nicht beworben.
Neun Löcher sind eine richtige Runde
Rund zwei Stunden, etwa die Hälfte des Greenfees, und im World Handicap System genauso vorgabewirksam wie achtzehn. Für jemanden mit Job und Kindern ist die Runde nach Feierabend der Unterschied zwischen wöchentlich und monatlich spielen.
Das System rechnet dabei sauber: Eine gewertete Neun-Loch-Runde wird über Course Rating und Slope der gespielten neun Löcher in ein Ergebnis umgerechnet, das mit einer Achtzehn-Loch-Runde vergleichbar ist. Für den Spieler heißt das schlicht: Karte abgeben wie sonst auch.
Praktisch ist der wichtigste Effekt nicht die Zeit, sondern die Häufigkeit. Wer zwölfmal im Jahr achtzehn Löcher spielt, hat zwölf Golftage; wer vierzigmal neun Löcher spielt, hat vierzig, und der zweite wird deutlich schneller besser, weil Golf ein Spiel der Wiederholung ist.
Auf Kurzplätzen liegen die Schläge
Rund zwei Drittel der Schläge eines Amateurs fallen innerhalb von 100 Metern, und ein Kurzplatz ist eine Stunde von nichts anderem. Es ist das effizienteste Training im Golf, verkleidet als Runde, und der am wenigsten einschüchternde Ort für jemanden, der noch nie gespielt hat.
Der Unterschied zum Kurzspielbereich der Range ist entscheidend: Auf einem Kurzplatz zählt jeder Schlag, es gibt nur einen Ball, und die Lage ist die, die man bekommt. Genau diese Bedingungen fehlen dem Üben auf der Wiese, und genau sie erklären, warum sich das Geübte sonst so schlecht überträgt.
Für die meisten Amateure ist eine Stunde auf einem Par-3-Platz deshalb mehr wert als eine Stunde auf der Range, und sie kostet an vielen Anlagen weniger als zwei Körbe Bälle.
Der öffentliche Einstieg
Neun-Loch-Anlagen und Kurzplätze sind das günstigste, schnellste und am wenigsten abschreckende Golf des Landes, also der natürliche Einstieg für alle, die in einer Indoor-Box angefangen haben. Viele Clubs haben einen Kurzplatz neben dem großen Platz, den die Mitglieder kaum nutzen und auf dem Gäste fast immer willkommen sind.
Der zweite praktische Vorteil ist der Zugang. Auf den meisten Kurzplätzen wird keine Platzreife verlangt, häufig auch kein Handicapnachweis, und Leihschläger stehen bereit. Für jemanden, der einmal ausprobieren will, ob ihm das Spiel liegt, ist das die einzige Tür, die ohne Vorbedingung offen steht.
Fragen Sie im Sekretariat trotzdem nach, weil einzelne Anlagen den Kurzplatz an Wochenenden für Kurse blockieren und weil die Öffnungszeiten häufig kürzer sind als die des großen Platzes.
Neun Löcher gut zu spielen ist eine andere Übung
Bei halb so vielen Löchern kostet ein Katastrophenloch proportional doppelt so viel, also belohnen neun Löcher den vorsichtigen Abschlag und die Grünmitte noch mehr. Es ist außerdem das richtige Format, um eine Änderung nach dem Winter zu testen.
Auch für das Aufwärmen gilt eine andere Rechnung. Wer auf achtzehn Löchern die ersten drei zum Warmwerden benutzt, verliert einen Sechstel der Runde; auf neun Löchern ist es ein Drittel. Fünfzehn Minuten vor dem Start, davon zehn auf dem Übungsgrün, sind bei einer kurzen Runde noch wichtiger als bei einer langen.
Und die Statistik funktioniert unverändert. Getroffene Fairways, Grüns in Regulation, Drei-Putts, Up and downs und Strafschläge lassen sich über neun Löcher genauso notieren, und zwei Neun-Loch-Runden ergeben dieselbe Datenmenge wie eine lange.
Die Abendrunde
Im Juni und Juli hält das Licht bis nach einundzwanzig Uhr, und eine Neun-Loch-Runde am Abend ist das günstigste Golf auf jeder Preisliste, oft für wenige zwanzig €, auf einem leeren Platz. Halbes Set, zu Fuß, und zwei Bälle aus den unbequemen Lagen, wenn niemand folgt.
Weiter nördlich reicht das Licht länger: An der Ostsee und in Schleswig-Holstein ist im Juni eine Startzeit um halb acht realistisch, in Bayern eher um sieben. Prüfen Sie, ab wann der Nachmittagstarif gilt, weil er je nach Anlage zwischen vierzehn und siebzehn Uhr beginnt und eine Startzeit zwanzig Minuten später regelmäßig deutlich weniger kostet.
Eine Warnung gehört dazu: Rechnen Sie damit, dass Sie nicht ganz durchkommen, wenn Sie zu spät starten. Neun Löcher zu Fuß und zu zweit dauern gut anderthalb Stunden, zu viert eher zwei, und ein abgebrochenes achtes Loch im Dunkeln ist ein ärgerliches Ende einer guten Idee.
Kurzplatz, Par-3-Platz, Pitch and Putt
Die Begriffe werden in Deutschland durcheinander verwendet, und der Unterschied entscheidet darüber, ob eine Anlage zu Ihrem Zweck passt.
Ein Par-3-Platz besteht ausschließlich aus Löchern zwischen etwa 60 und 130 Metern und ist damit eine ernsthafte Prüfung des Eisen- und Wedgespiels. Ein Pitch-and-Putt-Platz ist kürzer, meist unter 80 Metern pro Loch, und trainiert vor allem Annäherung und Putten. Ein Kurzplatz im weiteren Sinn kann beides sein und enthält gelegentlich auch ein kurzes Par 4.
Für das Training des Bereichs, in dem die meisten Schläge fallen, ist der Par-3-Platz die beste Wahl. Für eine Runde mit Kindern oder Einsteigern ist Pitch and Putt richtig, weil dort jedes Grün in einem Schlag erreichbar ist und niemand einen Ball verliert.
Eine dritte Variante gibt es an vielen deutschen Anlagen, ohne dass sie beworben wird: den großen Platz, gespielt von den vordersten Abschlägen. Das ergibt für einen Einsteiger eine Runde, die sich anfühlt wie ein Kurzplatz, und sie ist im Greenfee meist ohnehin enthalten.
Was neun Löcher für das Handicap bedeuten
Für die Handicapentwicklung sind viele kurze Runden besser als wenige lange, und zwar aus einem systematischen Grund: Das World Handicap System bildet den Durchschnitt der acht besten aus den letzten zwanzig gewerteten Runden. Wer vierzig Runden im Jahr abgibt, hat deutlich mehr Gelegenheiten, eine gute darunter zu haben, als jemand mit zwölf.
Wichtig ist nur, dass die Runden auch abgegeben werden. Die häufigste Ursache für ein Handicap, das seit drei Jahren steht, ist nicht mangelnder Fortschritt, sondern die Gewohnheit, nur die guten Karten einzureichen und die schlechten liegen zu lassen.
Und rechnen Sie mit einer Anlaufphase: Für die ersten Runden nach einer Umstellung schwankt die Zahl, und das ist normal. Zwanzig gewertete Ergebnisse sind die Schwelle, ab der ein Handicap etwas über einen Spieler aussagt.
Wenn die Zeit wirklich knapp ist
Es gibt eine Stufe unterhalb der Neun-Loch-Runde, und sie wird in Deutschland kaum genutzt: drei oder sechs Löcher nach Feierabend. Auf einer leeren Anlage am späten Abend ist das an vielen Orten ohne Weiteres möglich, oft zu einem reduzierten Tarif, und es dauert weniger lang als ein Kinobesuch.
Es zählt nicht für das Handicap, und das ist der ganze Nachteil. Für den Erhalt des Gefühls, für eine Übungsrunde mit einer neuen Schlägerwahl oder für eine halbe Stunde mit einem Kind ist es die beste verfügbare Form.
Fragen Sie im Sekretariat danach. Die Antwort lautet häufiger ja, als man erwartet, weil eine Anlage an einem leeren Abend lieber ein kleines Greenfee einnimmt als keines.
Was Clubs damit machen könnten
Die meisten deutschen Anlagen bieten Neun-Loch-Runden an und behandeln sie als Restposten: kein eigener Tarif in der Kommunikation, kein Turnier, keine Wertung. Dabei ist es das Format, mit dem sich jüngere und berufstätige Mitglieder halten lassen.
Was funktioniert, ist unspektakulär: ein vorgabewirksames Neun-Loch-Wettspiel am Wochentagabend, eine feste Startzeitfenster dafür, und eine Ergebnisliste, die genauso aushängt wie die der Sonntagsturniere. Clubs, die das eingeführt haben, berichten von vollen Abendstartlisten und von Mitgliedern, die vorher zweimal im Jahr gespielt haben.
Wo Sie sie in Deutschland finden
Das Platzverzeichnis des Deutschen Golf Verbands listet die Neun-Loch- und Kurzanlagen, auch jene, die in Hochglanzführern fehlen. In den Ballungsräumen sind sie oft die am einfachsten zugänglichen Anlagen ohne lange Vorreservierung.
Rund um München, Berlin, Hamburg, Köln und Düsseldorf gibt es zudem öffentliche Anlagen und große Golfzentren mit Kurzbahn oder Neun-Loch-Platz, die Tageskarten ohne Mitgliedschaft verkaufen. Genau dort ist auch der richtige Ort, um jemanden mitzunehmen, der noch nie gespielt hat.
Und fragen Sie auf Ihrer eigenen Anlage nach dem Kurzplatz. Erstaunlich viele deutsche Clubs haben eine Sechs- oder Neun-Loch-Kurzbahn hinter der Range, die kaum genutzt wird und im Beitrag enthalten ist.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Anlagen oder Verbänden.
Jemanden mitnehmen
Der Kurzplatz ist der beste Ort, um jemandem das Spiel zu zeigen, und der große Platz der schlechteste. Auf achtzehn Löchern erlebt ein Einsteiger vier Stunden lang, dass er anderen im Weg ist; auf sechs Par-3-Löchern erlebt er, dass er ein Grün trifft.
Ein paar Regeln machen den Unterschied. Nehmen Sie höchstens drei Schläger mit, ein Eisen 7, ein Wedge und einen Putter, weil jede zusätzliche Entscheidung eine zu viel ist. Zählen Sie nichts, solange niemand danach fragt. Und sagen Sie in einer Stunde höchstens zwei Dinge zur Technik, am besten zum Griff und zur Ballposition, weil alles Weitere nicht ankommt.
Wenn die Anlage es zulässt, spielen Sie zu zweit einen Ball und wählen abwechselnd, wer schlägt. Das nimmt jeden Druck aus der Sache und ist der Grund, warum Scramble-Formate mit Anfängern funktionieren und Zählspiel nicht.
Diesen Monat zu tun
- Die nächstgelegenen Neun-Loch- und Kurzanlagen suchen und die Abendtarife ansehen.
- Einen Monat lang einmal pro Woche neun Löcher nach der Arbeit spielen und die Karten abgeben.
- Jemanden, der noch nie gespielt hat, auf den Kurzplatz mitnehmen statt auf die Range.
- Auf der eigenen Anlage nach der Kurzbahn fragen, die im Beitrag enthalten ist.
- Im Sekretariat fragen, ob drei oder sechs Löcher am späten Abend möglich sind und zu welchem Tarif.
Achtzehn Löcher sind das Format, das Golf geerbt hat, nicht das, welches die meisten in eine Woche einbauen können. Wer das einmal ernst nimmt, spielt im Jahr dreimal so oft und wird schneller besser als jemand, der auf den freien Samstag wartet.






