Distanz-Tees und Farben: welche Platzlänge zu Ihrem Spiel passt
Seit 2026 stehen in den Migros Golfparks Zahlen statt Farben auf den Abschlägen. Die Frage dahinter betrifft jeden Platz im Land: Die meisten Amateure spielen eine Länge, die nicht zu ihrer Schlagweite passt.
Kurz gefasst
- Faustregeln: durchschnittliche Driver-Trageweite mal 28 oder Distanz mit dem Eisen 7 mal 42.
- Die Distanz-Tees der Migros Golfparks zeigen die Platzlänge geteilt durch hundert, unabhängig von Alter und Geschlecht.
- Jeder Abschlag hat sein eigenes Course und Slope Rating: kein Handicapnachteil von vorne.
- Wer während der Runde den Abschlag wechselt, spielt keine handicapwirksame Runde mehr.
- Im Turnier bestimmt die Spielleitung die Abschläge, in der Freizeitrunde jede Person selbst.
Wer 2026 in einem Migros Golfpark an den ersten Abschlag kommt, sucht die gewohnten Farben vergebens. Auf den Markierungen stehen Zahlen: 63, 59, 54, 50. Hinter dieser kleinen Änderung steckt eine Frage, die sich fast alle Amateure zu selten stellen: Wie lang darf ein Platz für das eigene Spiel eigentlich sein?
Die Antwort ist in den meisten Fällen kürzer, als man denkt. Wer von einem Abschlag spielt, der zur eigenen Schlagweite passt, trifft mehr Grüns, verliert weniger Bälle und ist früher im Clubhaus. Es ist die einzige Verbesserung im Golf, die am selben Nachmittag wirkt und keinen Franken kostet. Dieser Beitrag rechnet sie mit Schweizer Beispielen durch.
Zahlen statt Farben: was die Migros Golfparks umgestellt haben
Mit der Saison 2026 haben die Golfparks in Holzhäusern, Moossee, Oberkirch, Otelfingen, Signal de Bougy und Waldkirch die farbigen Abschlagsmarkierungen durch Distanz-Tees ersetzt. Die Zahl auf dem Marker ist die gerundete Platzlänge geteilt durch hundert. Misst ein Platz von den hintersten Abschlägen 6’283 Meter, steht dort 63; misst er von vorne 5’154 Meter, steht dort 52. Migros Golf beruft sich dabei auf das Prinzip «Tee It Forward» und auf Empfehlungen der USGA und der PGA of America.
Der Kern der Umstellung ist nicht die Beschriftung, sondern die Botschaft dahinter. Bisher hätten Männer automatisch von Gelb oder Weiss und Frauen von Rot oder Blau abgeschlagen, schreibt Migros Golf in seinen Fragen und Antworten zum neuen System, und diese Einteilung sage wenig über die passende Platzlänge aus. Die Distanz-Tees sind ausdrücklich alters- und geschlechtsunabhängig. Am ersten Abschlag jeder Anlage steht zusätzlich eine Empfehlung zur Wahl der Teebox.
Auf dem Platz selbst ändert sich nichts. Die Abschläge liegen dort, wo sie immer lagen, und haben ihre eigenen Ratings behalten. Wer auf einem privaten Clubplatz mit Farben spielt, kann dieselbe Überlegung genauso anstellen: Die Farbe ist eine Längenangabe, keine Kategorie.
Zwei Faustregeln, ein Ergebnis
Die bekannteste Faustregel stammt aus der amerikanischen Kampagne Tee It Forward: durchschnittliche Trageweite mit dem Driver mal 28 ergibt die passende Platzlänge. Wer den Driver 180 Meter weit trägt, gehört auf einen Platz von rund 5’000 Metern, wer 210 Meter trägt, auf etwa 5’900 Meter.
Migros Golf empfiehlt eine zweite Rechnung, die für viele Spieler einfacher ist, weil sie das Eisen 7 besser kennen als den Driver: Distanz mit dem Eisen 7 mal 42. Die Beispiele aus den Fragen und Antworten des Unternehmens: 140 Meter mal 42 ergeben 5’880 Meter, also Tee 59; 100 Meter mal 42 ergeben 4’200 Meter, also Tee 42. Dazu eine Kontrollfrage für den Platz: Wer auf einem Par 4 nach zwei Schlägen in der Nähe des Grüns liegt, spielt die richtige Länge.
Beide Regeln führen ungefähr zum selben Abschlag, sofern das Eisen 7 etwa zwei Drittel der Driver-Trageweite erreicht; genau dieses Verhältnis steckt in den Faktoren 28 und 42. Wichtig ist bei beiden das Wort durchschnittlich. Gemeint ist nicht der eine Drive mit Rückenwind im August, sondern die Zahl, die sich über zehn Schläge wiederholt. Sie liegt bei den meisten zehn bis zwanzig Meter unter der Zahl im Kopf. Und gemeint ist die Trageweite ohne Rollen, weil der Rollweg auf einem weichen Schweizer Fairway im Frühling ohnehin fehlt.
Otelfingen als Rechenbeispiel
Der Golfpark Otelfingen liegt 25 Minuten von Zürich auf 512 Metern über Meer. Sein 18-Loch-Platz Par 72 misst laut Platzbeschreibung je nach Abschlag die folgenden Längen. Die beiden rechten Spalten zeigen, welche Durchschnittswerte nach den zwei Faustregeln zu dieser Länge passen.
| Platzlänge Otelfingen | Driver-Trageweite (Länge durch 28) | Eisen 7 (Länge durch 42) |
|---|---|---|
| 6’277 Meter | rund 224 Meter | rund 149 Meter |
| 5’914 Meter | rund 211 Meter | rund 141 Meter |
| 5’353 Meter | rund 191 Meter | rund 127 Meter |
| 5’034 Meter | rund 180 Meter | rund 120 Meter |
Ein Spieler, dessen Eisen 7 im Schnitt 125 Meter trägt, gehört also nicht an den zweiten, sondern an den dritten oder vierten Abschlag. Auf den anderen Anlagen sieht es ähnlich aus: Der 18-Loch-Platz Zugersee in Holzhäusern misst von den vier Abschlägen 5’853, 5’651, 5’148 und 4’948 Meter, der Platz Panorama in Oberkirch als Par 71 5’908, 5’685, 5’240 und 5’009 Meter.
Was ein zu langer Platz tatsächlich kostet
Die Rechnung dahinter ist einfach. Ein Spieler mit 180 Metern Trageweite, der von 6’100 Metern spielt, steht auf den meisten Par 4 mit rund 160 Metern Rest vor einem Grün, das für ein mittleres Eisen gebaut wurde. Aus dieser Distanz trifft ein mittleres Handicap nur selten ein Grün. Es folgen Annäherung, Chip und zwei Putts, und aus Par wird auf Loch um Loch ein Bogey oder mehr.
Von 5’200 Metern bleiben demselben Spieler rund 110 Meter, also ein Wedge oder ein kurzes Eisen. Das sind mehrere getroffene Grüns mehr pro Runde und damit mehrere Schläge weniger, ohne eine einzige Schwungänderung. Dazu kommt die Müdigkeit: Wer auf jedem Loch am Limit schlägt, spielt die zweiten neun Löcher schlechter als die ersten. Wer seine Statistik nach Lochgruppen aufschlüsselt, sieht das oft schwarz auf weiss.
Und die Anlage merkt es mit. Migros Golf nennt in seinen Unterlagen eine Auswertung, nach der 56 Prozent der Golferinnen und Golfer von der passenden Teebox nachweislich schneller spielten, 85 Prozent mehr Spass hatten und 93 Prozent es sofort wieder tun würden. Wie viel Zeit sonst noch auf der Runde verloren geht, steht im Beitrag zum Spieltempo.
Ihr Handicap rechnet korrekt mit
Im World Handicap System, das Swiss Golf in der Schweiz anwendet, hat jeder Abschlag sein eigenes Course Rating und Slope Rating. Migros Golf hält fest, dass seine Plätze von allen Abschlägen für Damen und Herren offiziell geratet sind und dass von jeder Teebox eine General-Play-Runde registriert werden kann. Die Spielvorgabe passt sich entsprechend an: Von vorne erhalten Sie weniger Vorgabenschläge, weil der Platz leichter ist. Es entsteht weder ein Vorteil noch ein Nachteil.
Seit 2023 lässt sich eine Freundschaftsrunde als General Play über die Swiss Golf App erfassen, alternativ mit Ankündigung im Sekretariat und unterschriebener Karte direkt nach der Runde. Der Handicap Index entspricht dem Durchschnitt der besten acht aus den letzten zwanzig Resultaten.
Eine Einschränkung sollten Sie kennen: Wer während der Runde den Abschlag wechselt, spielt keine handicapwirksame Runde mehr. Das gilt nach den Migros-Unterlagen ausdrücklich für General Play. Probieren darf man auf einer freien Runde jederzeit, gewertet wird nur eine Runde von einem einzigen Abschlag.
Im Turnier entscheidet die Spielleitung
Die Freiheit bei der Wahl der Teebox gilt für die private Runde. In Wettspielen legt die Spielleitung die Abschläge fest, und sie sind für alle Teilnehmenden verbindlich. In den Migros Golfparks spielen Damen im Turnier weiterhin von den vorderen, Herren von den hinteren Abschlägen, an der Turnierregelung hat die Umstellung nichts geändert.
Das ist kein Widerspruch. Ein Wettspiel braucht für alle Teilnehmenden einer Kategorie dieselbe Aufgabe. In der Freizeitrunde dagegen darf jede Person im Flight von ihrer eigenen Länge spielen, auch wenn die Mitspielenden weiter hinten stehen.
Das eigentliche Hindernis ist der Kopf
Migros Golf zitiert eine Studie der amerikanischen National Golf Foundation: 73 Prozent der Golfer kennen das Konzept, aber nur 30 Prozent haben tatsächlich den Abschlag gewechselt. Als Hauptgründe nennt die Erhebung Ego und Gewohnheit, fehlende Information und die Erwartung, die man an den eigenen Abschlag hat.
Dagegen hilft zuerst eine Perspektive: Ein Tourspieler mit 300 Metern Drive, der aus 160 Metern ein Eisen 7 spielt, bewegt sich auf einem proportional kürzeren Platz als die meisten Clubmitglieder auf ihren gewohnten Abschlägen. Und dann ein Satz, den Migros Golf seinen Kundinnen und Kunden gleich mitliefert, für die Frage im Flight: Die kürzere Teebox passt besser zu meinem Spiel, und die Abschläge sind da, um ausprobiert zu werden.
Am leichtesten fällt der Schritt zu zweit. Wenn zwei Personen im Flight gleichzeitig vorrücken, ist es keine Ausnahme mehr, sondern eine Entscheidung.
Die Tagesform und die Jahreszeit
Niemand ist an einen Abschlag gebunden. Migros Golf empfiehlt ausdrücklich, an einem kurzen Tag eine Teebox weiter vorne zu wählen und an einem starken Tag eine weiter hinten. Für die handicapwirksame Runde gilt nur: vor dem ersten Schlag entscheiden, nicht unterwegs.
Die Jahreszeit wirkt in dieselbe Richtung. Im April, bei tiefen Temperaturen und weichen Fairways, fehlt der Rollweg, und kalte Luft kostet zusätzlich Weite. Derselbe Platz spielt sich dann spürbar länger als im August. Wer im Hochsommer von einem Abschlag gut zurechtkommt, sollte im Frühling und im Spätherbst einen weiter vorne in Betracht ziehen.
Par 3 und Par 5 zeigen den Unterschied am deutlichsten
Über die Länge eines Platzes entscheiden die Par 4, das Erlebnis einer Runde prägen aber die beiden anderen Lochtypen. Ein Par 3 von 175 Metern ist für jemanden mit 180 Metern Driver-Trageweite ein Loch, auf dem er mit einem Holz auf ein Grün zielt, das für ein Eisen gebaut wurde. Einen Abschlag weiter vorne wird daraus ein Hybrid oder ein langes Eisen mit einer echten Chance. Beim Otelfinger Loch 4 etwa liegen zwischen dem hintersten und dem vordersten Abschlag 39 Meter, 169 gegenüber 130 Metern.
Bei den Par 5 wirkt der Effekt angenehmer. Ein Par 5 von 440 Metern ist in drei bequemen Schlägen erreichbar, eines von 500 Metern nicht. Plötzlich wird ein Bunker am Landepunkt zu einer Entscheidung, die der Architekt gemeint hat, statt zu einer Zone, die man von hinten ohnehin nie erreicht.
Wo Sie in der Schweiz Ihre Distanzen messen
Ohne ehrliche Durchschnittswerte funktioniert keine der beiden Faustregeln. In den Migros Golfparks sind die Driving Ranges und die Ballverfolgung mit Trackman gratis nutzbar, bezahlt werden nur die Bälle, in Otelfingen etwa CHF 3.50 für 20 Bälle mit der Ballkarte für Gäste. Die kostenlose App «Trackman Range» zeigt unter anderem Carry, Gesamtdistanz, Ballgeschwindigkeit und Startwinkel. Zehn Schläge mit dem Eisen 7 und zehn mit dem Driver, den besten und den schlechtesten streichen, und Sie haben Ihre Zahl.
Wer tiefer gehen will, bucht eine Stunde bei einer Lehrperson: Alle Migros Golf Pros sind nach Angaben des Unternehmens «Trackman certified Level 2» und können die passende Teebox gleich mitempfehlen. Was ein Fitting an zusätzlichen Informationen liefert, steht in einem eigenen Beitrag.
Auf Clubplätzen mit klassischen Farben stehen Längen, Course Rating und Slope auf der Scorekarte und auf der Website der Anlage. Fragen Sie im Sekretariat zusätzlich, ob alle Abschläge für alle Spielenden offen sind. Die Anlagen und ihre Kontakte finden Sie über Swiss Golf.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu Migros Golf, zu Swiss Golf oder zu den genannten Anlagen.
Der Vergleich über drei Runden
Machen Sie aus der Frage einen Versuch. Spielen Sie zwei Runden von Ihrem gewohnten Abschlag und eine vom nächstkürzeren, jeweils zur ähnlichen Tageszeit und bei ähnlichem Wetter, und notieren Sie vier Zahlen: Score, getroffene Grüns, verlorene Bälle und Rundenzeit. Bei den meisten verbessern sich alle vier gleichzeitig. Wo nicht, spielen Sie bereits von der richtigen Länge, und Sie wissen es jetzt, statt es zu vermuten.
- Durchschnittliche Trageweite mit Driver und Eisen 7 messen, nicht schätzen.
- Driver mal 28 oder Eisen 7 mal 42 rechnen und den passenden Abschlag suchen.
- Eine ganze Runde von dort spielen, ohne unterwegs zu wechseln.
- Score, Grüns, verlorene Bälle und Rundenzeit notieren.
- Im Frühling und Spätherbst einen Abschlag weiter vorne in Betracht ziehen.
Fast niemand geht danach zurück. Und wer es doch tut, hat eine Zahl statt einer Vermutung.






