Spieltempo in der Schweiz: Richtzeiten, Reglemente und vier Stunden ohne Hetze
Auf einer vollen Schweizer Anlage geht die Zeit nicht beim Schwung verloren, sondern zwischen den Schlägen. Swiss Golf misst im Turnier den Abstand zur Gruppe vorne, und genau dort setzt man auch in der Freizeitrunde an.
Kurz gefasst
- Im Turnier ist eine Gruppe ausser Position, wenn sie mehr als ein Startintervall hinter der Gruppe vorne liegt.
- Swiss Golf straft gestaffelt: Verwarnung, ein Strafschlag, zwei weitere, Disqualifikation.
- Suchzeit drei Minuten, 40 Sekunden pro Schlag als Richtwert, im Stableford aufnehmen, wenn kein Punkt mehr möglich ist.
- In den Migros Golfparks ist Telefonieren auf der Anlage untersagt, und die Distanz-Tees sollen die Runden verkürzen.
- Vier Stunden zu viert und zu Fuss sind ohne Hetze erreichbar.
Samstagmorgen in einem Schweizer Golfpark: Die Abschlagzeiten sind seit Tagen ausgebucht, die Flights starten dicht hintereinander, und gegen Mittag stauen sich drei Gruppen am siebten Abschlag. Niemand auf dem Platz schwingt langsam. Verloren geht die Zeit zwischen den Schlägen, und genau dort lässt sie sich zurückholen.
Dieser Beitrag geht vom Schweizer Rahmen aus: was Swiss Golf im Turnier als langsames Spiel ahndet, was Clubs in ihre Reglemente schreiben und was die Golfparks der Migros vorschreiben. Danach folgen die Gewohnheiten, mit denen eine Gruppe ohne jede Hetze auf vier Stunden kommt.
Was im Turnier als zu langsam gilt
Für die Meisterschaften von Swiss Golf ist die Sache geregelt. Die Allgemeinen Regeln des Verbands, Version 23 vom Februar 2026, verlangen, dass ohne unangemessene Verzögerung gespielt wird, und geben jeder Gruppe eine Richtzeit vor, in der eine Anzahl Löcher und die ganze Runde gespielt sein müssen. Gemessen wird an Zeitkontrollpunkten. Ein Loch gilt als beendet, wenn alle Spieler der Gruppe es zu Ende gespielt haben, und wo die Spieler ihre Scores selbst elektronisch erfassen, ist jedes Loch ein Kontrollpunkt.
Die erste Gruppe des Tages ist «ausser Position», wenn sie einen Kontrollpunkt nach Ablauf der Richtzeit passiert. Jede folgende Gruppe ist es, wenn sie an einem Kontrollpunkt mehr als ihr Startintervall hinter der Gruppe vor ihr liegt und zugleich die Richtzeit überschritten hat. Im Zählspiel kann eine solche Gruppe zunächst mündlich verwarnt werden. Danach kosten zwei verpasste Kontrollpunkte einen Strafschlag, drei verpasste zwei weitere, vier führen zur Disqualifikation.
Das klingt nach Spitzengolf, betrifft aber auch das Clubturnier: Der Golfclub Appenzell etwa sanktioniert langsames Spiel ausdrücklich gemäss den Reglementen und Empfehlungen von Swiss Golf. Die wichtigste Lehre daraus ist einfach. Gemessen wird der Abstand zur Gruppe vorne, nicht der Abstand zur Gruppe hinten.
Ein Clubreglement als Beispiel: Appenzell
Wie so etwas im Club konkret aussieht, zeigt das Reglement «Spieltempo» des Golfclubs Appenzell in Gonten, von der Spielkommission im März 2019 erlassen. Es zählt die Grundsätze auf, die für alle gelten, unabhängig von der Spielstärke:
- die Vorgabezeiten auf der Scorekarte oder am Anschlagbrett einhalten;
- den Kontakt zum vorausgehenden Flight halten;
- höchstens drei Minuten nach einem Ball suchen;
- ausserhalb der Reihenfolge spielen, solange Sicherheit und Fairness nicht leiden;
- den Ball aufnehmen, wenn in der Spielform keine Punkte mehr möglich sind und bereits eine Lücke nach vorne besteht.
Für Turniere hält das Reglement fest, dass eine Gruppe verwarnt wird, wenn sie das Zeitlimit überschreitet und den Anschluss verloren hat, und dass eine Zeitmessung angeordnet wird, wenn sie zwei Löcher später immer noch zurückliegt. Ein Spieler, der unter Messung mehr als 40 Sekunden für seinen Schlag braucht, verstösst gegen Regel 5.6b. Die Strafen folgen derselben Treppe: Verwarnung, ein Strafschlag, zwei Strafschläge, Disqualifikation.
Der letzte Punkt der Liste ist der am meisten unterschätzte. Wer im Stableford an einem Loch keinen Punkt mehr holen kann, nimmt den Ball auf. Das kostet nichts, weder für die Wertung noch für das Handicap, und es erspart der Gruppe dahinter drei oder vier Minuten.
Wo die Minuten auf Schweizer Anlagen verloren gehen
Die Golfparks der Migros Golf AG in Holzhäusern, Moossee, Oberkirch, Otelfingen, Signal de Bougy und Waldkirch sind öffentlich zugänglich und entsprechend gut gebucht. Ihr Platz- und Betriebsreglement 2026 zeigt, woran ein dichter Betrieb hängt. Langfristige Buchungen sind frühestens sieben Tage im Voraus ab 07.00 Uhr möglich, kurzfristige ab 12.00 Uhr am Vortag. Wer verhindert ist, muss spätestens vier Betriebsstunden vor der Tee-Time absagen. Ein leerer Startplatz hilft niemandem, ein zu spät abgesagter verärgert eine Warteliste.
Eine Ziffer des Reglements betrifft das Tempo direkt: Das Telefonieren ist auf der gesamten Spielanlage zu unterlassen, ausser bei einem medizinischen Notfall. Ein Gespräch am Abschlag hält eine ganze Gruppe auf, nicht nur die Person am Telefon.
Der zweite Bremsklotz steht am Abschlag selbst. Seit der Saison 2026 ersetzen die Migros Golfparks die Farbmarkierungen durch Distanz-Tees: Die Zahl auf dem Marker ist die Platzlänge in Hundert Metern, also 63 für rund 6’300 Meter. Migros Golf beruft sich dabei auf Erhebungen, nach denen 56 Prozent der Golferinnen und Golfer von einem passenden Abschlag nachweislich schneller spielten. Wer von zu weit hinten spielt, schlägt mehr Hölzer ins Rough, sucht öfter und spielt längere dritte Schläge. Wie man die passende Länge findet, erklärt unser Beitrag zu den Abschlägen.
Die Gruppe verteilt sich, statt zu wandern
Ein Viererflight, der geschlossen von Ball zu Ball geht, ist langsam, ohne es zu merken. Besser geht jede Person direkt zu ihrem eigenen Ball, sobald es sicher ist, misst die Distanz und wählt den Schläger, während die anderen spielen. Wer an der Reihe ist, ist dann tatsächlich bereit.
Regel 6.4b ermutigt im Zählspiel ausdrücklich dazu, ausserhalb der Reihenfolge zu spielen, wenn es sicher und verantwortungsvoll geschieht. Das ist Ready Golf, und es gilt auch im Clubturnier. Im Lochspiel bleibt die Reihenfolge Teil der Taktik und wird eingehalten.
Carts machen die Sache nicht automatisch schneller. Zwei Spieler in einem Wagen fahren zuerst zum einen Ball und dann zum anderen. Liegen die Bälle auf verschiedenen Seiten der Bahn, sollte der Fahrer den Mitspieler mit zwei Schlägern absetzen und selbst weiterfahren.
Der provisorische Ball und die drei Minuten
Nach Regel 18.2a ist ein Ball verloren, wenn er nicht innerhalb von drei Minuten gefunden wird. Die teuerste Minute ist aber nicht die Suche, sondern der Rückweg zum Abschlag. Ein Spieler, der nach vorne geht, nichts findet und zurückkehrt, kostet seine Gruppe fünf bis sieben Minuten und die Gruppe dahinter ebenso viel. Ein am Abschlag angesagter provisorischer Ball verhindert das.
Manche Clubs haben zudem die Musterplatzregel E-5 eingeführt, mit der ein verlorener Ball oder ein Ball im Aus gegen zwei Strafschläge auf Höhe der Stelle, an der er verloren ging, bis hinüber an den Rand des Fairways ersetzt werden darf. Für Wettspiele guter Spieler ist sie nicht gedacht, und sie steht, wo sie gilt, auf der Scorekarte oder am Anschlagbrett. Fragen Sie im Sekretariat nach, bevor Sie sich darauf verlassen.
Grün, Bag und Scorekarte
Auf dem Grün entscheidet die Reihenfolge der kleinen Handgriffe. Die eigene Puttlinie wird gelesen, während die anderen putten. Kurze Putts werden zu Ende gespielt, statt markiert und zurückgelegt. Die Fahne darf seit 2019 im Loch bleiben, und wer nicht auf sie angewiesen ist, lässt sie stecken.
Das Bag oder der Trolley gehört auf die Seite des Grüns, die zum nächsten Abschlag zeigt. Wer den Trolley vor dem Grün stehen lässt, geht nach dem Einlochen zurück, während die Gruppe dahinter mit dem Eisen in der Hand wartet. Über achtzehn Löcher ist das bei vier Personen leicht eine Viertelstunde.
Die Scores werden am nächsten Abschlag notiert, nicht auf dem Grün und nicht davor. Wer mit einer App wie der PC Caddie App spielt, trägt ebenfalls erst dort ein.
Vorbereitet am Ball, nicht gehetzt
Die 40 Sekunden aus Regel 5.6b sind eine Empfehlung, keine Stoppuhr für die Freizeitrunde. Sie zeigen aber, wo die Zeit liegt: Wer die Distanz kennt, den Wind geprüft und den Schläger gewählt hat, bevor er an der Reihe ist, braucht diese Zeit locker. Wer erst am Ball zu rechnen beginnt, braucht das Doppelte und schwingt oft halb überzeugt.
Gekürzt wird deshalb nie die eigene Routine. Zwei Probeschwünge bleiben zwei Probeschwünge. Gespart wird in den Sekunden davor, beim Gehen, beim Messen, beim Warten auf die anderen.
Durchspielen lassen, und wen man informiert
Liegt eine Gruppe ein ganzes Loch hinter der vorderen Gruppe und wartet hinter ihr ein schnellerer Flight, winkt sie ihn durch. Am einfachsten geschieht das an einem Par 3: Die eigene Gruppe spielt auf das Grün, markiert, tritt zur Seite und lässt die anderen abschlagen. Nach drei Minuten ist der Druck weg.
Wer hinter einer langsamen Gruppe festsitzt, diskutiert nicht auf der Bahn. Das Reglement der Migros Golfparks verpflichtet alle Besuchenden, den Anweisungen des Personals Folge zu leisten. Das Personal ist also auch die richtige Adresse, wenn ein Feld aus dem Takt gerät. In einem Club ist es das Sekretariat oder die Spielkommission.
Wenn die Zeit knapp ist: weniger Löcher
Nicht jede Runde muss achtzehn Löcher haben. In Otelfingen, 25 Minuten von Zürich, kostet eine 9-Loch-Runde von Montag bis Freitag CHF 55, die 6-Loch-Academy CHF 25. Wer nach der Arbeit zwei Stunden hat, spielt dort entspannter als auf einer vollen 18-Loch-Runde, die er nicht fertig bekommt. Mehr dazu im Beitrag über Neun Löcher und Kurzplätze.
Warum schnelleres Spiel meist besseres Spiel ist
Eine Gruppe im Takt kühlt zwischen den Schlägen nicht aus. Wer seine Entscheidung schon auf dem Weg zum Ball getroffen hat, steht mit einem Gedanken über dem Ball statt mit vier, und bei einem halb überzeugten Eisen ist das der Unterschied zwischen Grün und Bunker. Fünf Stunden auf einem vollen Platz sind für die meisten Amateure zwei Schläge schlechter als vier.
Die Zeiten, die realistisch sind
Vier Stunden zu viert und zu Fuss, dreieinhalb zu zweit: Das ist auf einer vollen Schweizer Anlage ohne Hetze erreichbar, wenn alle dieselben Gewohnheiten haben. Für die nächste Runde genügen fünf davon:
- Direkt zum eigenen Ball gehen und den Schläger wählen, bevor Sie an der Reihe sind.
- Bei Zweifel sofort einen provisorischen Ball ansagen und spielen.
- Im Stableford aufnehmen, wenn kein Punkt mehr möglich ist.
- Trolley auf der Seite des nächsten Abschlags abstellen.
- Die Scores am nächsten Abschlag notieren und das Telefon im Bag lassen.
Keiner dieser Punkte verlangt einen schnelleren Schwung. Sie nutzen nur die Zeit, in der ohnehin gewartet wird.
Wo sich das auf dem Platz zeigt
Drei Plätze aus unserem Verzeichnis, die Kondition verlangen.
- Golf Emmental: Ein Platz von Kurt Rossknecht nach dem Grundsatz «Hard Par, Easy Bogey»: Par 72 über 5465 Meter im hügeligen Emmental, mit Blick auf Schloss Burgdorf.
- Golf & Country Club Zürich Zumikon: Von 1931, überarbeitet von Harradine, in der Spitzengruppe der Schweizer Ranglisten: strategische Bunker, Wasser um fast jedes Grün, und kein Zugang ohne Mitglied.
- Golf Club Ybrig: Achtzehn Löcher mit fünf Seen im Hoch-Ybrig: eine flache erste und eine hügelige zweite Neun, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, und im Hochsommer die kühlere Alternative.
Wir haben diese Plätze nicht gespielt; jede Seite sagt, worauf sie sich stützt.






