Zwanzig Minuten Aufwärmen, auch bei fünf Grad am ersten Tee
Zwei verlorene Schläge auf den ersten drei Bahnen sind über eine Saison sechzig Schläge. Zwanzig Minuten kosten nichts und ändern das.
Kurz gefasst
- Bewegung vor Bällen: Rotation und Hüfte, kein statisches Dehnen vorher.
- Kurz vor lang, Schwunglänge steigern statt Kraft, Driver höchstens fünf Bälle.
- Die Range dient dem Erkennen der Kurve des Tages, nicht der Korrektur.
- Zehn Minuten lange Putts: die Grüngeschwindigkeit ist die einzige neue Information.
- Bei Kälte eine Schicht mehr und ein Schläger mehr auf den ersten Löchern.
Zehn Minuten vor dem Start ankommen, sechs Driver schlagen, losspielen: So beginnt die Mehrheit der Runden. Die ersten drei Löcher dienen dann dem Warmwerden, und die Karte ist gelaufen, bevor sie begonnen hat. Zwanzig Minuten genügen, um das zu ändern.
Rechnen Sie einmal nach, was diese drei Löcher kosten. Wer auf den ersten drei Bahnen im Schnitt zwei Schläge mehr verliert als auf den letzten drei, verschenkt über eine Saison mit dreissig Runden sechzig Schläge, und zwar ohne einen einzigen technischen Fehler. Es ist der billigste Gewinn im Amateurgolf, und er kostet nur die Entscheidung, früher da zu sein.
Bewegen, bevor geschwungen wird
Kalte Muskulatur erzeugt einen kurzen, hektischen Schwung. Fünf Minuten Bewegung, Armkreisen, Rumpfdrehungen mit einem Schläger auf den Schultern, ein paar Ausfallschritte, stellen die Beweglichkeit her. Das ist kein Training, das ist ein Start.
Bei Schmerzen aufhören und ärztlich abklären lassen; hier steht kein medizinischer Rat.
Zwei Bewegungen lohnen besonders, weil Golf genau sie verlangt und ein Bürotag genau sie abbaut: die Drehung aus der Brustwirbelsäule und die Beweglichkeit der Hüften. Ein Schläger quer über den Schultern, Füsse in Schwungstellung, langsam nach rechts und links drehen, zwanzig Mal. Und im Ausfallschritt das hintere Hüftgelenk öffnen, je Seite dreissig Sekunden. Mehr braucht es vor einer Runde nicht.
Was ausdrücklich nicht hilft, ist langes statisches Dehnen vor dem Start. Es senkt kurzfristig die Kraftentwicklung, und für Golf brauchen Sie Bewegung in Bewegung, nicht Dehnung im Stehen. Das statische Dehnen gehört ans Ende der Runde.
Kurz vor lang
Beginnen mit dem Wedge, halbe Schwünge, Füsse zusammen. Diese Stellung erzwingt Gleichgewicht und zentriert den Treffpunkt. Zehn Bälle. Danach Dreiviertelschwünge mit einem mittleren Eisen, zehn Bälle. Der Driver kommt zum Schluss, höchstens fünf Bälle.
Die Range vor der Runde dient nicht der Schwungkorrektur, sondern dem Erkennen der Ballflugkurve des Tages.
Dieser Satz ist der wichtigste des ganzen Themas. Wer zwanzig Minuten vor dem Start feststellt, dass der Ball nach rechts geht, und beginnt, das zu reparieren, steht am ersten Abschlag mit zwei widersprüchlichen Gedanken im Kopf. Wer stattdessen feststellt, dass der Ball nach rechts geht, und beschliesst, den Tag über weiter links zu zielen, spielt sein Handicap.
Steigern Sie ausserdem die Schwunglänge und nicht die Kraft. Halbe Schwünge, dann Dreiviertel, dann voll: Der Körper braucht die Reihenfolge, und der Ballkontakt wird dabei besser statt schlechter, was die Aufwärmphase gleichzeitig zu einer Vertrauensphase macht.
Den Schlag des Tages finden
An manchen Tagen geht der Ball nach links, an anderen nach rechts. Wer die ganze Runde gegen seine Kurve kämpft, verliert fünf Schläge. Wer sie akzeptiert und entsprechend zielt, spielt sein Handicap. Zehn Bälle mit demselben Schläger auf rund 130 Meter zeigen die Form für heute.
Legen Sie dabei fest, was Ihr sicherer Schlag ist, und zwar bevor Sie ihn brauchen. Für die meisten Amateure ist das ein leicht von links nach rechts fliegender Ball mit einem Schläger mehr, weil er berechenbarer ist als der Versuch, gerade zu schlagen. Auf einem engen Loch mit Wasser rechts ist die Kenntnis dieses einen Schlages mehr wert als jede Technikstunde.
Und beobachten Sie den Wind, während Sie schlagen. Auf der Range steht man häufig anders zum Wind als auf Bahn 1, aber die Stärke lässt sich abschätzen, und die erste Schlägerwahl des Tages ist bei vielen Amateuren um einen ganzen Schläger falsch.
Was fast alle auslassen
Zehn Minuten auf dem Putting-Grün, und zwar nicht mit Ein-Meter-Putts. Lange Putts rollen lassen, um das Tempo zu spüren. Die Grüngeschwindigkeit ist die einzige Information, die sich von Anlage zu Anlage und von Tag zu Tag wirklich ändert. Danach ein paar Chips vom Grünrand.
Eine Leiter macht das systematisch: je drei Bälle auf sechs, neun und zwölf Meter zum selben Loch, hin und zurück. Sie wollen nichts lochen, Sie eichen die Länge der Bewegung auf die Fläche von heute. Ein betautes Grün um acht Uhr ist deutlich langsamer als dasselbe Grün um vierzehn Uhr, und diese Differenz ist über eine Runde mehrere Schläge wert.
Die letzten zwei Minuten gehören dann doch den kurzen Putts, aber mit einer Bedingung: fünf in Folge aus einem Meter, und bei jedem Fehlschlag beginnt die Zählung von vorn. Man geht mit einem gelochten Putt zum ersten Abschlag und nicht mit einem verschobenen.
Wenn nur zehn Minuten bleiben
- Drei Minuten Bewegung ohne Schläger.
- Zwei Minuten halbe Wedge-Schwünge.
- Fünf Minuten lange Putts.
Den Driver weglassen: Er kommt auf Loch 1 ohnehin, wichtiger sind ein bewegter Körper und ein kalibriertes Putt-Tempo.
Und wenn gar keine Zeit bleibt, weil die Anfahrt länger gedauert hat: Machen Sie die drei Minuten Bewegung auf dem Parkplatz und spielen Sie die ersten beiden Löcher bewusst konservativ, also mit einem Hybrid vom Abschlag und mit der Grünmitte als Ziel. Das ist kein Aufwärmen, aber es begrenzt den Schaden auf die zwei Löcher, um die es geht.
Die erste Bahn als Teil des Aufwärmens
Selbst nach zwanzig guten Minuten ist der erste Abschlag der Schlag, den Sie am schlechtesten schlagen werden, und das ist normal: Es ist der einzige Schwung des Tages ohne einen Vergleichswert davor.
Behandeln Sie Bahn 1 deshalb als Fortsetzung des Aufwärmens. Nehmen Sie einen Schläger, der sicher im Spiel bleibt, auch wenn das Loch nach Driver aussieht, spielen Sie die Grünmitte statt der Fahne, und akzeptieren Sie ein Bogey ohne Widerspruch. Die Karte fängt gefühlt auf Bahn 4 an.
Ein Detail, das den Unterschied macht: Machen Sie Ihre gewohnte Routine auf dem ersten Abschlag vollständig, auch wenn eine Gruppe wartet. Genau dort wird sie zuerst weggelassen, und genau dort wird sie am dringendsten gebraucht.
Und nutzen Sie die ersten beiden Grüns als Messgeräte. Der erste lange Putt des Tages sagt Ihnen mehr über die Geschwindigkeit als zehn Minuten Übungsgrün, weil das Übungsgrün fast nie exakt so gepflegt ist wie die Spielgrüns.
Kühle Morgen im Frühjahr und Herbst
In der Schweiz beginnt die Saison bei Temperaturen um fünf bis zehn Grad, und auf den Bergplätzen liegt der Saisonstart noch später. Dann verlängert sich die Aufwärmzeit spürbar, und eine zusätzliche Schicht Kleidung bringt mehr als zehn zusätzliche Bälle. Der Ball fliegt bei Kälte ausserdem kürzer, ein Schläger mehr ist auf den ersten Löchern die Regel, nicht die Ausnahme.
Zwei Dinge helfen an einem kalten Morgen mehr als alles andere. Eine Mütze, weil der Körper über den Kopf am schnellsten auskühlt, und Handwärmer in der Tasche, damit die Hände zwischen den Schlägen warm bleiben; kalte Hände zerstören das Gefühl im kurzen Spiel vollständig. Ein zweiter Handschuh im Bag, für den Fall, dass der erste durchnässt, gehört in der Schweiz ganzjährig dazu.
Und rechnen Sie mit weichem Boden. Kalte Luft und nasses Fairway kosten zusammen fast einen ganzen Schläger auf Annäherungen und deutlich mehr am Abschlag. Wer das in die ersten drei Löcher einrechnet, statt es dort zu entdecken, hat die halbe Aufwärmarbeit schon erledigt.
Wo Sie sich in der Schweiz aufwärmen können
Nicht jede Anlage hat eine Range, und noch weniger haben eine, die vor der ersten Startzeit geöffnet ist. Fragen Sie im Sekretariat, ab wann Bälle verfügbar sind und ob die Ballautomaten früh am Morgen bestückt werden; auf einigen Anlagen beginnt der Betrieb später als die erste Startzeit.
Wo eine Range fehlt, ist das Übungsgrün die Antwort, und es ist im Greenfee oder im Beitrag praktisch überall enthalten. Zehn Minuten lange Putts plus fünf Minuten Bewegung sind ein vollwertiges Aufwärmen, und für den Score sind sie mehr wert als eine halbe Stunde Rangebälle.
Im Winter und an Regentagen leisten die Indoor-Anlagen mit Simulator, die es in den grösseren Schweizer Städten und in den Migros GolfParks stundenweise gibt, denselben Dienst, wenn Sie vor einer Reiserunde eine halbe Stunde Zeit haben.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Anlagen oder Anbietern.
Nach der Runde
Zwei Minuten ruhiges Dehnen wirken für den Folgetag mehr als alles andere. Wer zwei Tage hintereinander spielt, merkt es bereits bei der zweiten Runde.
Jetzt ist auch der Moment für die statischen Dehnungen, die vorher nichts zu suchen hatten: Oberschenkelrückseite, Hüftbeuger, Brustmuskulatur, je dreissig Sekunden. Dazu trinken, und zwar bevor der Durst da ist, weil eine Runde bei Wärme mehr Flüssigkeit kostet, als die meisten annehmen.
Wo sich das auf dem Platz zeigt
Drei Plätze aus unserem Verzeichnis, die Kondition verlangen.
- Golf Emmental: Ein Platz von Kurt Rossknecht nach dem Grundsatz «Hard Par, Easy Bogey»: Par 72 über 5465 Meter im hügeligen Emmental, mit Blick auf Schloss Burgdorf.
- Golf & Country Club Zürich Zumikon: Von 1931, überarbeitet von Harradine, in der Spitzengruppe der Schweizer Ranglisten: strategische Bunker, Wasser um fast jedes Grün, und kein Zugang ohne Mitglied.
- Golf Club Ybrig: Achtzehn Löcher mit fünf Seen im Hoch-Ybrig: eine flache erste und eine hügelige zweite Neun, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, und im Hochsommer die kühlere Alternative.
Wir haben diese Plätze nicht gespielt; jede Seite sagt, worauf sie sich stützt.



