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Technik

Mehr als der Handicap-Index: fünf Spalten auf der Scorekarte

Der Handicap-Index sagt, wie gut Sie an guten Tagen spielen. Fünf zusätzliche Spalten auf der Scorekarte zeigen nach drei Runden, wo an den anderen Tagen die Schläge bleiben, und geben dem Training im Winter eine klare Richtung.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 7 min
Hand notiert Zahlen auf einer Scorekarte
Photo Mikhail Nilov / Pexels

Kurz gefasst

  • Swiss Golf berechnet den Index aus den besten 8 der letzten 20 Runden, pro Loch zählt höchstens ein Netto-Doppelbogey.
  • Bei verfehlten Fairways die Seite notieren, bei verfehlten Grüns kurz oder lang.
  • Drei-Putts und gelochte kurze Putts trennen zwei verschiedene Probleme.
  • Up and downs nach Bunker, Rough und Vorgrün getrennt zählen.
  • Mit drei Runden Zahlen lässt sich im Club ein Handicap Review besser begründen.

Swiss Golf rechnet Ihren Handicap-Index aus den besten acht Ihrer letzten zwanzig handicapwirksamen Runden. Diese Zahl sagt, wie gut Sie an guten Tagen spielen. Sie sagt nichts darüber, wo an den anderen Tagen die Schläge verloren gehen. Dafür braucht es fünf eigene Spalten auf der Rückseite der Scorekarte, und nach drei Runden ist das Bild meistens eindeutig.

Warum das nötig ist, weiss jeder, der nach einer Runde erzählt: Man erinnert sich an den Drive ins Aus an der 5 und an den Dreiputt an der 17, und man vergisst die elf Annäherungen, die kurz vor dem Grün liegen blieben. Eine einfache Statistik ist ein Gedächtnis, das nicht auswählt.

Was die Handicapberechnung ohnehin schon zählt

Es lohnt sich, zuerst zu verstehen, womit das offizielle System arbeitet, weil es die eigene Statistik sinnvoll ergänzt. Das World Handicap System gilt in der Schweiz seit 2021, Swiss Golf ist dafür Lizenznehmer. Für die Berechnung zählt pro Loch höchstens ein Netto-Doppelbogey, also null Stableford-Punkte. Ein Katastrophenloch mit neun Schlägen belastet das Handicap deshalb nicht voll, die Karte und das Clubturnier aber sehr wohl.

Seit 2024 wandelt das System auch 9-Loch-Resultate automatisch in ein 18-Loch-Score-Differential um: das tatsächliche Ergebnis über neun Löcher plus ein erwarteter Score für die übrigen neun, abgeleitet aus dem Handicap-Index und Durchschnittswerten vergleichbarer Spieler. Gültig sind in der Schweiz Einzelrunden im Stableford, Zählspiel, Par/Bogey und Maximum Score, nicht aber Lochspiel. Und mit General Play können Sie auch eine private Runde handicapwirksam spielen, angemeldet in der Swiss Golf App oder im Clubsekretariat, mit einem Marker und bestätigt nach der Runde.

Das ist die Grundlage. Wer General Play regelmässig nutzt, spielt ohnehin mit Karte und Marker. Die fünf zusätzlichen Spalten kosten dann nur noch etwa eine Minute pro Loch.

Spalte 1: Fairways, mit Seite

Notieren Sie an jedem Par 4 und Par 5, ob der Abschlag das Fairway getroffen hat, und bei einem Fehler die Seite: L oder R. Die Seite ist wichtiger als die Quote. Gehen fünf von sechs Fehlern nach rechts, haben Sie keine Schwungbaustelle, sondern eine Ballkurve, die Sie beim Zielen einrechnen. Wer auf den linken Fairwayrand zielt, trifft ab der nächsten Runde mehr Fairways, ohne etwas zu ändern. Mehr dazu im Beitrag Mehr Fairways treffen.

Spalte 2: Grüns in Regulation, kurz oder lang

Ein Grün in Regulation heisst: auf der Puttfläche mit zwei Schlägen weniger als Par. Bei den meisten Amateuren sind es zwei bis sechs pro Runde, und diese Zahl hängt enger mit dem Handicap zusammen als jede andere.

Entscheidend ist die Zusatznotiz bei einem verfehlten Grün: kurz, lang, links oder rechts. Amateure verfehlen Grüns weit überwiegend kurz, weil sie mit ihrem besten Schlag rechnen statt mit ihrem durchschnittlichen. Zeigen drei Runden zwölf kurze von fünfzehn verfehlten Grüns, heisst das Trainingsprogramm: einen Schläger mehr nehmen. Die Durchschnittswerte liefert Ihnen Trackman Range in den Migros Golfparks gratis, und wie Sie daraus eine Tabelle bauen, steht im Beitrag über Wedge-Distanzen.

Spalte 3: zwei Puttzahlen statt einer

Die Gesamtzahl der Putts täuscht. Wer den ganzen Tag auf einen Meter chippt, sieht aus wie ein guter Putter. Notieren Sie stattdessen zwei Dinge: Drei-Putts und gelochte Putts innerhalb von drei Metern.

Die beiden Zahlen beschreiben zwei verschiedene Probleme. Viele Drei-Putts bedeuten fehlende Längenkontrolle, und dagegen helfen zehn Minuten lange Putts vor jeder Runde. Wenige gelochte kurze Putts bedeuten eine unsichere Startlinie, und dort helfen eine feste Routine und ein Putter, der zu Ihnen passt.

Spalte 4: Up and downs, nach Lage

Bei jedem verfehlten Grün notieren Sie, ob Sie mit zwei Schlägen fertig waren, und aus welcher Lage der Versuch kam: Bunker, Rough oder Vorgrün. Fast alle Amateure sind vom Vorgrün klar besser als aus dem Sand und üben trotzdem lieber Bunkerschläge. Die Zahl nach Lage zeigt, wo die Übungszeit hingehört.

Spalte 5: Strafschläge mit einem Wort

Jeder Strafschlag bekommt ein Wort zur Entscheidung davor: Driver, Wasser, Aus, Baum. Die meisten Spieler verschenken so zwei bis vier Schläge pro Runde, und fast immer an denselben drei oder vier Löchern ihres Heimplatzes. Das ist Platzmanagement, keine Technik, und eine geänderte Schlägerwahl an diesen Löchern wirkt am nächsten Wochenende.

So sieht die Karte aus

Auf der Rückseite der Scorekarte ziehen Sie neben den Lochnummern fünf schmale Spalten: FW, GIR, Putts, Up and down, Strafe. In jede Zeile kommt ein Kreuz, ein Strich oder ein Buchstabe, bei den Putts eine Zahl. Wer mit der Swiss Golf App spielt, schreibt die Zusatzspalten trotzdem auf Papier, weil sie am Abschlag des nächsten Lochs in fünf Sekunden notiert sind. Addiert wird erst zu Hause, nie auf dem Platz.

Richtwerte, ohne sie zur Norm zu machen

Als grobe Orientierung über achtzehn Löcher: Wer um die 100 Schläge spielt, trifft typischerweise drei bis fünf Fairways und ein bis drei Grüns in Regulation, hat drei oder mehr Drei-Putts und rettet etwa jedes fünfte verfehlte Grün. Wer die 90 anpeilt, gewinnt am schnellsten über weniger Strafschläge und weniger Drei-Putts, beides ohne Schwungarbeit. Wer die 80 anpeilt, kommt an den Grüns in Regulation nicht vorbei, also an der Distanzkontrolle mit Eisen und Wedges.

Der einzige Vergleich, der wirklich zählt, ist der mit Ihren eigenen Zahlen aus dem Vorjahr.

Wo Schweizer Clubspieler die Zahlen nutzen können

Der erste Ort ist die Handicap-Kommission Ihres Homeclubs. Swiss Golf schreibt vor, dass der Homeclub mindestens einmal pro Jahr für alle Spielerinnen und Spieler einen Handicap Review durchführt. Sie können einen solchen Review auch selbst verlangen, wenn Ihr Handicap-Index Ihre tatsächliche Spielstärke nicht mehr widerspiegelt. Eine Anpassung beträgt mindestens einen vollen Schlag, eine Erhöhung höchstens 5.0 Schläge über den sogenannten Low Handicap Index, Ausnahmen vorbehalten. Eine eigene Statistik über mehrere Runden ist in einem solchen Gespräch ein besseres Argument als ein Gefühl.

Der zweite Ort ist die Lehrperson. Die Migros Golf Academy bietet eine Privatlektion von 25 Minuten für CHF 65 an, von 50 Minuten für CHF 120. Mit fünf Spalten aus drei Runden in der Hand ist eine kurze Lektion oft genug, weil die Frage schon klar ist. Und die Migros Golf Pros arbeiten nach Angaben des Unternehmens mit Trackman, dessen App Ihre Daten aus Range, Indoor und Unterricht an einem Ort sammelt.

Der dritte Ort ist der Winter. Die Kategorie mit dem grössten Rückstand bestimmt das Training zwischen November und März. Treffqualität und Distanzen lassen sich in einer Indoor-Anlage mit Launchmonitor gut bearbeiten, Putten auf einer Matte zu Hause, Bunker und Rough dagegen erst wieder im Frühling.

Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu Swiss Golf, Migros Golf oder Trackman.

Was die Zahlen nicht können

Fünf Spalten zeigen, wo die Schläge verloren gehen, nicht warum. Wenige getroffene Fairways können am Schwung liegen, am Ziel, am Schläger vom Abschlag oder daran, dass der Platz von zu weit hinten gespielt wird. Wie Sie die passende Länge wählen, erklärt der Beitrag zu den Abschlägen. Die Statistik grenzt das Feld ein, die Ursache findet eine Lehrperson schneller, wenn sie die Zahlen sieht.

Drei Runden genügen

Der häufigste Einwand lautet, drei Runden seien zu wenig. Für feine Unterschiede stimmt das. Hier suchen Sie aber nicht die zweite Nachkommastelle, sondern die eine Kategorie, in der Sie am weitesten vom Ziel entfernt sind, und die fällt nach drei Runden auf. Nehmen Sie sich danach eine Kategorie pro Quartal vor, nicht fünf gleichzeitig, und zählen Sie neu, bevor Sie urteilen.

  • Fairways an Par 4 und Par 5, bei Fehlern die Seite.
  • Grüns in Regulation, bei Fehlern kurz, lang, links oder rechts.
  • Drei-Putts und gelochte Putts innerhalb von drei Metern.
  • Up and downs, getrennt nach Bunker, Rough und Vorgrün.
  • Strafschläge mit einem Wort zur Entscheidung davor.

Eine Karte, ein Stift, eine Minute pro Loch. Nach drei Wochen wissen Sie mehr über Ihr Spiel als nach drei Jahren Erinnerung.

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