Fairways treffen: vier Entscheidungen vor dem Abschlag
Mehr Fairways sind selten eine Schwungfrage. Wählen Sie den Abschlag, der zu Ihrer Länge passt, zielen Sie auf den Rand, von dem Ihr Fehlschlag wegführt, nehmen Sie den Schläger, den Sie sicher treffen, und schwingen Sie kontrolliert.
Kurz gefasst
- Die Migros Golfparks haben Distanz-Tees mit Empfehlungen an den ersten Abschlägen eingeführt.
- Course und Slope Rating gleichen die Teebox für das Handicap aus.
- Auf den Fairwayrand zielen, von dem der eigene Fehler wegführt.
- Auf kurzen Par 4 den sichersten Schläger nehmen, nicht automatisch den Driver.
- Bei Seitenwind reagiert der Driver am stärksten.
Auf dem 18-Loch-Platz «Zugersee» im Golfpark Holzhäusern ist das schwierigste Loch laut Scorekarte, Handicap-Index 1, ein Par 4 von 317 Metern ab dem hintersten Abschlag und 268 Metern ab dem vordersten. Kein Monster, kein Loch, das nach Länge verlangt. Schwierig macht es, dass ein Abschlag, der das Fairway verpasst, die ganze Bahn verändert. Genau so sieht es auf vielen Schweizer Plätzen aus: Wald, Hänge und Bäche liegen nah an den Spielbahnen, und ein verfehltes Fairway kostet nicht einen halben, sondern oft einen ganzen Schlag.
Die gute Nachricht: Mehr Fairways zu treffen hat wenig mit einem neuen Schwung zu tun. Es hängt an vier Entscheidungen vor dem Schlag, und alle vier lassen sich schon in der nächsten Runde ändern.
Entscheidung 1: Welcher Abschlag passt zu Ihnen?
Der grösste Hebel wird am seltensten genutzt. Wer von einem Abschlag spielt, der für seine Länge zu weit hinten liegt, greift auf jedem Par 4 zum Driver und schlägt ihn mit voller Kraft. Beides kostet Fairways.
Die Migros Golfparks haben dazu ein neues Abschlagsystem eingeführt: Die farbigen Markierungen wurden durch Distanz-Tees mit Zahlen ersetzt, nach dem international verbreiteten Prinzip «Tee It Forward». An den ersten Abschlägen stehen Empfehlungen, welche Teebox zu welcher Schlagweite passt. Die Begründung der Golfparks: Wer von der passenden Platzlänge spielt, hat weniger unverhältnismässig lange Löcher, erreicht Par 4 und Par 5 öfter mit realistischen Annäherungen statt mit langen Hölzern und hat mehr Chancen auf Pars und Bogeys.
Für das Handicap entsteht dabei kein Nachteil. Swiss Golf erklärt das über das USGA Course Rating System, die Basis des World Handicap System: Für jeden Abschlag gibt es ein Course Rating und ein Slope Rating, die die Schwierigkeit für Scratch- und Bogey-Golfer beschreiben. Ein Standardplatz hat ein Slope Rating von 113. Wer weiter vorne abschlägt, spielt also nicht «leichter» im Sinne des Handicaps, sondern mit angepassten Vorgaben. Mehr dazu im Artikel Welche Abschläge.
Entscheidung 2: Wohin zielen Sie?
Die meisten Amateure zielen auf die Mitte des Fairways und verfehlen es nach beiden Seiten. Bessere Spieler zielen auf den Rand, von dem ihr typischer Fehlschlag wegführt. Wer den Ball meistens nach rechts verliert, zielt auf die linke Fairwaykante. Fliegt der Ball gerade, liegt er links im Fairway; dreht er wie gewohnt, liegt er in der Mitte oder rechts, aber immer noch auf dem kurzen Gras.
Dahinter steckt ein einfaches Bild. Kein Amateur trifft mit dem Driver einen Punkt, sondern eine Ellipse, die mehrere Dutzend Meter breit sein kann und meistens zu einer Seite verschoben ist. Die Aufgabe am Abschlag ist, die breite Seite dieser Ellipse auf das Fairway zu legen.
Dazu müssen Sie Ihren Fehlschlag kennen. Notieren Sie eine Runde lang bei jedem Abschlag, wo der Ball liegen bleibt: links, Fairway, rechts. Fast alle entdecken dabei eine dominante Seite. Unterscheiden Sie dabei zwischen Startrichtung und Kurve: Ein Ball, der links startet und nach rechts dreht, verlangt eine andere Korrektur als einer, der gleich nach rechts startet. Mit einer Ballflugmessung wie Trackman, die in den Migros Golfparks laut Tarifseiten ohne Zusatzkosten auf der Range verfügbar ist, sehen Sie beides getrennt.
Entscheidung 3: Welcher Schläger?
Bauen Sie das Loch vom Grün her auf. Welche Annäherungsdistanz hätten Sie gerne? Und welcher Schläger lässt sie am sichersten übrig? Auf einem kurzen, engen Par 4 bringt ein Hybrid oder ein Holz, das im Fairway liegen bleibt, oft einen bequemen vollen Schlag aufs Grün, während der Driver entweder ein kurzes Wedge oder einen Schlag aus dem Wald hinterlässt.
Ein Test über drei Runden macht das messbar: Spielen Sie auf allen kurzen Par 4 Ihres Heimplatzes vom Abschlag mit dem Schläger, den Sie am sichersten treffen, und vergleichen Sie Fairways und Score mit drei Runden, in denen Sie den Driver nehmen. Welche Distanzen Ihnen danach mit den kurzen Schlägern bleiben, sollten Sie kennen; wie man sie misst, zeigt der Artikel über Wedge-Distanzen.
Wer das konsequent notiert, hat nach wenigen Runden seine eigene Statistik. Der Artikel über fünf Zahlen, die man notieren sollte, zeigt, welche Werte sich lohnen.
Entscheidung 4: Wie hart?
Spielen Sie eine Runde, in der Sie jeden Abschlag mit gefühlt acht Zehnteln schlagen. Die meisten verlieren dabei ein paar Meter und gewinnen Fairways. Der Grund liegt im Treffpunkt: Ein kontrollierter Schwung trifft die Schlagfläche zentraler, und ein zentraler Treffer mit etwas weniger Tempo fliegt oft fast gleich weit wie ein Randtreffer mit voller Kraft, dafür gerader.
Am Abschlag selbst: drei Details
- Die Breite nutzen. Der Abschlagbereich ist keine Linie zwischen zwei Markierungen, sondern eine Fläche, die bis zu zwei Schlägerlängen nach hinten reicht. Wer den Ball nach rechts verliert, teet auf der rechten Seite auf und zielt nach links, weg von der Gefahr.
- Die Teehöhe. Beim Driver soll etwa die halbe Kugel über der Schlägerkrone stehen. Zu tief erzeugt einen steilen Schlag mit viel Spin, zu hoch trifft die Oberkante.
- Die Routine. Hinter dem Ball ein Ziel wählen, dann einen Zwischenpunkt einen Meter vor dem Ball auf dieser Linie. Schlagfläche zum Zwischenpunkt, Körper zur Schlagfläche. Wer von der Seite zielt, zielt fast immer daneben. Die Grundlagen dazu stehen im Artikel über Griff und Stand.
Bise, Föhn und Hanglagen
Schweizer Plätze haben ihre eigenen Windlagen. Die Bise weht im Mittelland kalt aus Nordosten, der Föhn in den Alpentälern warm und böig aus Süden. Beide machen den Abschlag schwieriger, auf unterschiedliche Weise.
Gegen den Wind: einen Schläger mehr, ruhiger schwingen. Ein härterer Schwung erzeugt mehr Spin, und Spin lässt den Ball im Gegenwind steigen und abdrehen. Bei Seitenwind: Er wirkt auf den Driver stärker als auf jeden anderen Schläger, weil der Ball am längsten in der Luft ist, und er verstärkt eine vorhandene Kurve. Zielen Sie deshalb mit dem Wind im Rücken Ihrer Kurve noch weiter auf die sichere Seite, oder nehmen Sie einen Schläger, der flacher fliegt.
Dazu kommen Hanglagen auf Voralpen- und Bergplätzen. Ein Fairway, das nach rechts abfällt, lässt einen Ball, der rechts landet, noch weiter rollen. Zielen Sie dort auf die hohe Seite, denn der Hang bringt den Ball in die Mitte zurück.
Wenn der Ball doch im Wald liegt
Auf Plätzen mit viel Wald ist nach einem verfehlten Fairway oft die Frage wichtiger, ob der Ball überhaupt gefunden wird. Spielen Sie bei Zweifel sofort einen provisorischen Ball, mit klarer Ansage. Und prüfen Sie auf der Scorekarte, ob Ihr Club die Platzregel eingeführt hat, die bei verlorenem Ball oder Aus gegen zwei Strafschläge das Weiterspielen in der Nähe erlaubt. Die Details stehen im Artikel über häufige Regelirrtümer.
Und aus dem Wald gilt: seitlich zurück aufs Fairway, nicht durch die Lücke zur Fahne. Liegt der Ball nach dem Abschlag im Sand statt im Wald, hilft der Artikel zum Fairwaybunker; für Grünbunker der zum Bunkerschlag.
Wo Sie das in der Schweiz üben
Auf der Range mit Messsystem. Ausrichtung und Streuung übt man dort, wo Zahlen entstehen. In den Migros Golfparks ist die Range kostenlos nutzbar und Trackman ohne Zusatzkosten verfügbar; 20 Bälle kosten für Gäste CHF 3.50. Legen Sie immer einen Schläger als Ausrichtungshilfe auf den Boden, denn die Matten liegen parallel zueinander und nicht zu Ihrem Ziel. Wählen Sie zwei Fahnen als «Fairwaybreite» und zählen Sie, wie viele von zwanzig Drives dazwischen landen.
Auf dem Platz. Wo es Distanz-Tees gibt, lesen Sie am ersten Abschlag die Empfehlung und spielen Sie eine Runde von der vorgeschlagenen Teebox. Zählen Sie danach Fairways und Score.
Beim Material. Wenn der Ball über Wochen systematisch zur selben Seite geht, lohnt sich ein Blick auf Schaft und Loft des Drivers. Manche Fachgeschäfte arbeiten beim Fitting nach eigenen Angaben mit Trackman und Foresight und rechnen die Fitting-Kosten beim Kauf an. Was eine solche Messung zeigt, erklärt der Artikel zum Eisen-Fitting. Und wenn es eine Schwungfrage ist, klärt sie ein Swiss-PGA-Pro schneller als jede Materialänderung.
Panxis Golf hat keine geschäftliche Beziehung zu den genannten Anbietern und erhält keine Provision.
Drei Runden, drei Versuche
- Runde 1: jeden Abschlag notieren und den dominanten Fehlschlag finden.
- Runde 2: auf den Rand zielen, von dem der Fehler wegführt, und die Breite des Abschlags nutzen.
- Runde 3: auf kurzen Par 4 den sichersten Schläger nehmen, mit acht Zehnteln Kraft.
Getroffene Fairways sind die Statistik, die sich am schnellsten verbessern lässt, weil der grösste Teil des Gewinns aus Entscheidungen stammt, nicht aus Technik.






