Höhengolf: warum der Ball in Crans und Samedan weiter fliegt
Zwei Prozent mehr Carry pro 300 Höhenmeter, aber nicht bei jedem Schläger: wie Sie Ihre Schlägerwahl auf 1'500 bis 1'700 Metern anpassen.
In Crans-Montana und in Samedan fliegt der Ball weiter, und das ist keine Einbildung. Auf 1’500 bis 1’700 Metern ist die Luft spürbar dünner, der Ball trifft auf weniger Widerstand. Das Problem ist nicht der Distanzgewinn, sondern die Frage, wie gross er ist und bei welchen Schlägern er zählt.
Die Faustregel: zwei Prozent pro 300 Meter
Als Ausgangspunkt gilt: rund zwei Prozent mehr Carry pro 300 Höhenmeter. Auf 1’500 Metern über Meer sind das etwa zehn Prozent gegenüber der Ebene, auf 1’700 Metern in Samedan etwas mehr. Aus 150 Metern Carry werden so rund 165.
Die Regel ist ein Startwert, kein Naturgesetz. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und vor allem der Wind in den Alpentälern verschieben das Ergebnis in beide Richtungen. Wer sie als Ausrede für einen schlechten Schlag verwendet, hat sie falsch verstanden.
Nicht jeder Schläger gewinnt gleich viel
Der Effekt hängt an der Flugzeit. Ein Schlag, der lange in der Luft ist, profitiert stärker als einer, der flach und kurz fliegt. Konkret heisst das: Driver und lange Eisen gewinnen am meisten, die kurzen Eisen und Wedges am wenigsten, und beim Putten ändert sich gar nichts.
Der praktische Schluss für eine Runde in Crans oder Samedan: Rechnen Sie beim Driver mit dem vollen Effekt, bei den Wedges mit fast keinem. Wer pauschal einen Schläger weniger nimmt, ist mit dem Pitching Wedge plötzlich hinter dem Grün.
Das Gefälle zählt mehr als die Höhe
Auf einem Bergplatz kostet Sie ein Schlag bergauf mehr Meter, als die Höhenlage Ihnen schenkt. Auf einem Schlag mit zwanzig Metern Höhenunterschied bergauf verlieren Sie deutlich mehr, als zehn Prozent dünnere Luft ausgleichen. Der Blick auf die Scorekarte hilft dabei nicht: Sie zeigt die horizontale Distanz.
Deshalb bringt ein Entfernungsmesser mit Höhenkorrektur auf einem Alpenplatz mehr als jede Rechenregel – im Turnier ist die Funktion allerdings nicht überall zugelassen, prüfen Sie die Platzregel.
Was die Höhe mit dem Körper macht
Achtzehn Löcher auf 1’700 Metern sind anstrengender als achtzehn Löcher im Mittelland, und das merken die meisten erst ab Loch zwölf. Trinken Sie mehr, als Sie es gewohnt sind, nehmen Sie etwas zu essen mit, und planen Sie die Runde nicht auf den ersten Tag nach der Anreise.
Die Sonne ist der zweite Punkt: Auf dieser Höhe ist die UV-Belastung deutlich höher als im Flachland. Sonnencreme und Kopfbedeckung sind hier Ausrüstung, nicht Komfort.
Die Plätze, auf denen sich das lohnt
- Crans-sur-Sierre, auf dem Hochplateau von Crans-Montana bei rund 1’500 Metern: der 18-Loch-Platz Severiano Ballesteros, der 9-Loch-Platz Jack Nicklaus und der Noas mit neun Löchern, der fast das ganze Jahr offen ist.
- Engadin Samedan, auf 1’700 Metern: der älteste Golfclub der Schweiz, 1893 gegründet, mit den beiden 18-Loch-Plätzen Samedan und Zuoz-Madulain, beide Par 72.
- Verbier, auf 1’531 Metern, mit den Plätzen Esserts und Moulins, offen von Mai bis November je nach Schneelage.
- Gstaad-Saanenland, 18 Löcher Par 70 auf 1’400 Metern, in einem Flachmoor von nationaler Bedeutung.
Wie Sie die erste Runde angehen
Spielen Sie die erste Runde in der Höhe ohne Zählen. Notieren Sie stattdessen bei jedem vollen Schlag die tatsächliche Distanz. Nach achtzehn Löchern haben Sie eine persönliche Tabelle, die jeder Faustregel überlegen ist, weil sie Ihre Ballflugkurve enthält und nicht die eines Durchschnittsspielers.
Die zweite Runde spielen Sie dann mit dieser Tabelle – und mit dem Wissen, dass der Wind in einem Alpental innerhalb von zwei Löchern die Richtung wechseln kann.
Wo Sie reservieren
- Golf Club Crans-sur-Sierre: Startzeiten und Tarife der laufenden Saison.
- Engadine Golf Club: Samedan und Zuoz-Madulain.
- Golf Club Verbier: am Wochenende unbedingt vorher reservieren.
- Golfclub Gstaad-Saanenland.
Die Greenfees der Alpenplätze liegen in der Hochsaison deutlich über denen im Mittelland; lassen Sie sich den Betrag in Franken bei der Reservation bestätigen. Prüfen Sie vor der Abreise ausserdem die Platzöffnung. In den Bergen entscheidet der Schnee über den Saisonstart, nicht der Kalender.



