Zum Inhalt springen
Technik

Grüns lesen: die Methode statt des Geheimnisses

Das letzte Drittel zuerst lesen, das große Gefälle finden, das Tempo vor der Kurve festlegen — und Poa annua am Nachmittag einrechnen.

La rédaction Panxis Golf · · 3 min
Un joueur exécute un coup roulé sur un green rapide, bunkers en arrière-plan.
Sur un green rapide, c'est la longueur du mouvement qui change, pas le geste. — Photo Madison Wooley / Pexels

Grüns lesen gilt als Geheimwissen. Tatsächlich ist es Beobachtung und ein wenig Arithmetik. Drei Gewohnheiten bringen einen Amateur nahe an die Lesequalität eines Professionals, und keine davon kostet Geld.

Das letzte Drittel zuerst lesen

Ein Putt bricht am stärksten, wenn er langsam wird — also kurz vor dem Loch. Deshalb wird beim Loch begonnen und rückwärts gelesen. Die ersten zwei Drittel zählen weit weniger, als die meisten annehmen.

Das große Gefälle vor dem kleinen

Wasser fließt irgendwohin. Beim Betreten des Grüns den tiefsten Punkt der Umgebung suchen: einen Bach, einen Teich, die Senke. Auf flach wirkenden Anlagen im Norden ist dieses große Gefälle oft die einzige verlässliche Information. Putts brechen häufiger dorthin, als die Oberfläche vermuten lässt.

Die Füße benutzen

Auf der Linie vom Ball zum Loch gehen. Die Füße spüren ein Gefälle, das das Auge nicht sieht. Das geschieht, während die Mitspieler spielen, und kostet keine Sekunde Spielzeit.

Das Tempo entscheidet über die Kurve

Ein fest gespielter Putt bricht weniger, ein sterbender Putt bricht mehr. Zuerst das Tempo festlegen, dann die Kurve für dieses Tempo lesen. Der häufigste Fehler ist, die Kurve zu unterschätzen, weil man fester zu spielen plante, als man dann tatsächlich spielt.

Auf einen Punkt zielen, nicht auf eine Linie

Eine Verfärbung oder eine ausgebesserte Pitchmarke wenige Zentimeter vor dem Ball auf der Startlinie wählen und den Ball darüber rollen lassen. Auf zehn Zentimeter zu zielen ist ungleich präziser als auf ein Loch in zehn Metern.

Poa annua und der Nachmittagsstart

Viele ältere deutsche Grüns tragen einen hohen Anteil Poa annua, die im Lauf des Tages wächst. Ein Putt am Morgen rollt sauber; derselbe Putt um sechzehn Uhr springt in den letzten sechzig Zentimetern und wird langsam. Das ist kein schlechter Schlag, das ist die Oberfläche — am Nachmittag also etwas mehr Tempo und etwas weniger Kurve. Und wer zum ersten Mal auf einer Anlage spielt, behandelt die ersten drei Putts bewusst als Kalibrierung.

Die Übung dazu

Vier Bälle in drei Metern Abstand um ein Loch am Hang. Alle vier putten und dabei nur die letzten sechzig Zentimeter betrachten. Danach dasselbe aus fünf Metern. Zehn Minuten genügen, damit das Auge lernt, was das letzte Drittel auf diesem Grün tut.

Was man lassen sollte

  • Nicht nur von hinter dem Ball lesen: mindestens zwei Blickwinkel.
  • Nicht länger brauchen als die Mitspieler: langsam lesen heißt nicht besser lesen.
  • Nicht die Linie beschuldigen, wenn der Putt gezogen war: die Schlagflächenstellung erklärt mehr Fehlputts als das Gefälle.

Ein Artikel pro Tag reicht Ihnen nicht?

Der monatliche Newsletter bündelt, was zu lesen war – ohne Lärm.

Ebenfalls lesenswert