Sechs Anfängerfehler, die Bälle kosten: provisorischer Ball, Laubregel, Biotope und Wildschweinzäune
Sechs bis acht verlorene Bälle pro Runde sind bei Golfanfängern nichts Ungewöhnliches, und fast alle verschwinden wegen Gewohnheiten, nicht wegen des Schwungs. Wer diese Gewohnheiten ändert und die passenden Golfregeln kennt, behält die Bälle, spart Zeit und Schläge. Im Oktober kommen auf deutschen Plätzen Laub, Biotope und Wildschweine dazu.
Kurz gefasst
- Schauen Sie jedem Schlag bis zur Landung nach und nennen Sie einen festen Orientierungspunkt: Nach drei Minuten Suche ist ein Ball verloren (Regel 18.2a).
- Liegt der Ball in einer Penalty Area, müssen Sie nicht neu abschlagen: Regel 17 erlaubt für einen Strafschlag die Erleichterung zurück auf der Linie, bei Rot auch seitlich innerhalb von zwei Schlägerlängen.
- Kündigen Sie den zweiten Ball mit dem Wort „provisorisch“ an; „ich spiele noch einen“ reicht nach Regel 18.3b nicht.
- Lesen Sie im Herbst den Aushang: Laubregel F-14, Spielverbotszonen mit grünen Pfahlköpfen und Wildzäune werden von Club zu Club verschieden behandelt.
Nach der ersten Saison zählen die meisten Golfanfänger zusammen, was sie ausgegeben haben: Schnupperkurs, Platzreife, Schläger, Greenfees. Eine Zeile fehlt fast immer, nämlich die Bälle. Sechs, acht, an schlechten Tagen auch zehn Stück pro Runde sind bei Einsteigern keine Seltenheit, und die wenigsten davon gehen durch einen missratenen Schwung verloren. Sie verschwinden, weil niemand hingeschaut hat, weil der Driver aus Gewohnheit aus dem Bag kommt, weil der zweite Ball demselben Teich hinterherfliegt wie der erste. Das sind Gewohnheiten, und Gewohnheiten lassen sich schneller ändern als ein Slice. Dieser Beitrag geht die sechs teuersten Fehler durch, erklärt, welche Golfregel Ihnen jeweils einen günstigeren Ausweg bietet, und zeigt, wo deutsche Plätze im Oktober ihre ganz eigenen Ballfallen haben: Laub, Heide, Biotope mit grünen Pfahlköpfen und umgewühlte Fairways.
Warum ein verlorener Ball doppelt zählt
Ein verfehltes Grün kostet Sie einen Schlag. Ein Ball im Aus oder ein Ball, der nicht mehr auftaucht, kostet Sie einen Strafschlag, den Weg zurück und den Schlag, den Sie wiederholen müssen. Die Golfregeln nennen das Schlag und Distanzverlust (Regel 18.1). Auf der Scorekarte steht dann schnell eine Sieben oder Acht, wo eine Fünf möglich gewesen wäre. Wer die Löcher einer verkorksten Runde im Nachhinein durchgeht, stellt fast immer fest: Die hohen Zahlen stehen dort, wo ein Ball weg war.
Die gute Nachricht steckt in derselben Beobachtung. Keine der folgenden Korrekturen verlangt einen neuen Schwung. Sie können alle sechs schon am nächsten Wochenende anwenden, mit genau dem Golf, das Sie heute spielen. Wer danach weiterdenken möchte, findet im Beitrag über Platzmanagement, das Schläge spart die Fortsetzung.
Fehler eins: Sie schauen dem Ball nicht bis zur Landung nach
Der häufigste Grund für einen verlorenen Ball ist banal: Keiner hat gesehen, wo er liegen geblieben ist. Der Ball steigt, wird vor dem hellen Himmel zum Punkt, verschwindet, und die Gruppe marschiert in eine ungefähre Richtung. Nach drei Minuten Suche ist er nach Regel 18.2a verloren, auch wenn er nur zehn Meter neben der Stelle liegt, an der alle suchen.
Verfolgen Sie jeden Schlag, bis der Ball wirklich liegt, und verankern Sie die Stelle an etwas, das sich nicht bewegt: eine Birke mit hellem Stamm, die linke Kante eines Bunkers, einen Entfernungspfahl, ein Scheunendach hinter dem Platz. „Irgendwo da rechts“ ist kein Ort. „Zwei Schritte vor der einzelnen Eiche“ ist einer.
Machen Sie daraus eine Regel in der Gruppe. Solange jemand schlägt, reden die anderen nicht und schauen hin. Wer etwas gesehen hat, sagt es laut: „Links vom Weg aufgekommen, Richtung Waldrand, auf Höhe des 150-Meter-Pfahls.“ Drei oder vier Augenpaare finden Bälle, die ein einzelner Spieler nie wiedersieht. Und im Herbst, wenn das Licht früher schwindet, lohnt ein gelber oder orangefarbener Ball, der sich im Gras und im Laub deutlich besser abhebt als ein weißer.
Fehler zwei: Ihr Ball trägt kein Kennzeichen
Sie finden einen Ball genau dort, wo Ihrer liegen müsste. Gleiche Marke, gleiche Nummer. Leider spielt Ihr Flightpartner dasselbe Modell, und beide Bälle haben die Runde im Rough begonnen. Regel 7.2 nennt drei Wege, einen Ball zu identifizieren: Jemand hat ihn zur Ruhe kommen sehen, er trägt Ihr Kennzeichen, oder er stimmt in Marke, Typ, Nummer und Zustand überein, und es liegt kein gleicher Ball in der Nähe. Trifft nichts davon zu, dürfen Sie ihn nicht als Ihren behandeln. Gelingt die Identifizierung nicht innerhalb der drei Minuten, ist Ihr Ball verloren.
Schlimmer noch: Spielen Sie den Ball eines anderen, ist das ein falscher Ball nach Regel 6.3c. Die Grundstrafe beträgt im Zählspiel zwei Strafschläge, im Lochspiel verlieren Sie das Loch, und den Fehler müssen Sie anschließend mit Ihrem eigenen Ball korrigieren.
Regel 6.3a empfiehlt, den Ball zu kennzeichnen, schreibt es aber nicht vor. Nehmen Sie die Empfehlung ernst. Ein wasserfester Stift, zwei Punkte, ein Strich oder Ihre Initialen, immer an derselben Stelle, und zwar bei jedem Ball in der Tasche, nicht nur beim ersten. Sagen Sie am ersten Abschlag, welche Marke Sie spielen und wie Ihr Zeichen aussieht. Das dauert zehn Sekunden und erspart jede Diskussion im hohen Gras.
Fehler drei: Der Driver kommt an jedem Abschlag aus dem Bag
Viele Einsteiger nehmen den Driver, weil er nun einmal der Schläger für den Abschlag ist. Er ist aber auch der Schläger, den die meisten am wenigsten gerade treffen. Auf einer engen Bahn mit Aus entlang der Straße oder einem Graben auf der rechten Seite bringen die zusätzlichen 20 oder 30 Meter wenig, wenn dafür jeder zweite Ball im Aus landet.
Fragen Sie sich vor jedem Abschlag, wo Ihr typischer Fehlschlag landet. Liegt dort Ärger, nehmen Sie den Schläger, mit dem Sie am geradesten spielen, auch wenn es ein Hybrid oder ein Eisen 7 ist. Sie stehen danach weiter vom Grün entfernt, aber auf dem Fairway und mit dem Ball, den Sie mitgebracht haben. Wie Sie erkennen, welche Seite einer Bahn die sichere ist, beschreibt unser Beitrag über das Treffen von mehr Fairways. Und wer von vorderen Abschlägen spielt, hat über Wasser und Gräben deutlich kürzere Carrys vor sich; mehr dazu unter Welche Abschläge passen.
Fehler vier: der Lückenschuss aus dem Wald
Ihr Ball liegt hinter einer Kiefer, zwischen den Stämmen öffnet sich eine Lücke von der Breite einer Tür, und dahinter wartet das Grün. Den Schlag durch diese Lücke schaffen Sie vielleicht einmal von zehn Versuchen. In den anderen neun trifft der Ball einen Stamm oder einen Ast und springt tiefer in den Wald, ins Unterholz oder über den Zaun ins Aus.
Der günstigere Weg führt fast immer seitlich hinaus: ein flacher Schlag mit Eisen 7 oder 8 auf dem kürzesten Weg zurück aufs Fairway. Das fühlt sich an wie ein verschenkter Schlag. Tatsächlich spart es Schläge, denn die Alternative sind oft zwei oder drei weitere Versuche aus demselben Wald, und es spart den Ball, den der mutige Schlag gekostet hätte.
Dasselbe gilt für den langen Schlag über den Teich aus 170 Metern. Würden Sie keine Wette darauf eingehen, dass er gelingt, legen Sie vor auf eine Entfernung, die Ihnen liegt, und spielen Sie von dort ins Grün. Liegt der Ball im Wald so ungünstig, dass gar kein Schlag möglich ist, dürfen Sie ihn nach Regel 19 für einen Strafschlag für unspielbar erklären und zum Beispiel innerhalb von zwei Schlägerlängen droppen, nicht näher zur Fahne.
Fehler fünf: zweimal in dasselbe Wasser
Der erste Ball fliegt in den Teich vor dem Abschlag. Der Einsteiger legt einen zweiten Ball auf, schlägt denselben Schlag, und auch dieser verschwindet. Auf öffentlichen Anlagen gehört das zu den häufigsten Bildern überhaupt, und es ist vollkommen unnötig.
Teiche, Bäche und Gräben sind in den Golfregeln Penalty Areas (Regel 17), gekennzeichnet mit gelben oder roten Pfählen oder Linien. Ist bekannt oder so gut wie sicher, dass Ihr Ball darin liegt, haben Sie für einen Strafschlag mehrere Möglichkeiten. Neben Schlag und Distanzverlust gibt es die Erleichterung zurück auf der Linie: Sie droppen auf einer gedachten Geraden von der Fahne durch den Punkt, an dem der Ball zuletzt die Grenze der Penalty Area gekreuzt hat, so weit nach hinten, wie Sie möchten. Bei einer roten Penalty Area kommt die seitliche Erleichterung hinzu, also ein Drop innerhalb von zwei Schlägerlängen von diesem Punkt, nicht näher zur Fahne. In beiden Fällen liegt das Wasser hinter Ihnen. Das Neuauflegen am Abschlag ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, und für Anfänger meist die schlechteste.
Eine zweite Gewohnheit hilft dem Geldbeutel: Spielen Sie auf Bahnen mit Wasser einen gebrauchten Ball mit Kratzern. Zwischen zwei Löchern dürfen Sie den Ball jederzeit wechseln. Welche gebrauchten Bälle dafür gut genug sind, steht in unserem Beitrag über Teichbälle.
Fehler sechs: Sie sagen nicht „provisorisch“
Der Abschlag zieht Richtung Waldrand. Er könnte noch im Rough liegen, also gehen Sie die 180 Meter nach vorn, suchen drei Minuten und finden ihn nicht. Jetzt schicken die Regeln Sie zurück zum Abschlag, während die nächste Gruppe schon wartet. Viele Einsteiger gehen diesen Weg nicht, droppen irgendwo und schreiben eine Zahl auf, die mit den Regeln wenig zu tun hat.
Genau dafür gibt es den provisorischen Ball (Regel 18.3). Könnte Ihr Ball außerhalb einer Penalty Area verloren oder im Aus sein, dürfen Sie vor dem Vorgehen einen zweiten Ball von derselben Stelle spielen. Entscheidend ist die Ankündigung vor dem Schlag. Sie müssen das Wort „provisorisch“ verwenden oder Ihre Absicht auf andere Weise unmissverständlich machen. „Ich spiele noch einen“ reicht nach Regel 18.3b nicht; ohne klare Ankündigung wird der zweite Ball unter Schlag und Distanzverlust zum Ball im Spiel. Finden Sie den ersten Ball innerhalb von drei Minuten, spielen Sie ihn weiter und nehmen den provisorischen auf. Finden Sie ihn nicht, spielen Sie mit dem provisorischen weiter, mit derselben Strafe wie ohnehin, aber ohne den Rückweg.
Ist dagegen bekannt oder so gut wie sicher, dass der Ball nur in einer Penalty Area liegen kann, ist ein provisorischer Ball nicht erlaubt. Dann gelten die Möglichkeiten aus Fehler fünf.
Manche Anlagen haben zusätzlich die Musterplatzregel E-5 eingeführt, eine Alternative zu Schlag und Distanzverlust. Für zwei Strafschläge droppen Sie in einem Bereich zwischen der geschätzten Stelle des verlorenen Balls und dem Fairwayrand, statt zurückzugehen. Sie gilt nur, wo die Spielleitung sie erlassen hat, und oft nicht für alle Runden. Der Tegernseer Golf-Club Bad Wiessee etwa erlaubt sie nach seinen Platzregeln vom August 2026 ausschließlich im freien Spiel und nicht in Wettspielen. Fragen Sie im Sekretariat oder lesen Sie den Aushang. Weitere Regelirrtümer, die sich unter Freizeitgolfern hartnäckig halten, sammelt unser Beitrag über falsch angewendete Golfregeln.
Wo deutsche Plätze im Herbst Bälle schlucken
Die sechs Fehler sind überall dieselben. Wo der Ärger liegt, hängt in Deutschland aber stark von der Jahreszeit und der Landschaft ab. Im Oktober kommen ein paar Fallen dazu, die es im Sommer kaum gibt.
- Laub im Rough und unter Bäumen. Ein weißer Ball verschwindet unter Herbstlaub in Sekunden. Ohne besondere Regelung gilt auch hier: Nach drei Minuten ist er verloren, und es bleibt Schlag und Distanzverlust. Manche Clubs führen im Herbst deshalb die sogenannte Laubregel ein, die Musterplatzregel F-14. Sie erlaubt der Spielleitung, Laubhaufen als Boden in Ausbesserung zu behandeln, mit strafloser Erleichterung nach Regel 16.1, selbst wenn der Ball im Haufen nicht gefunden wird, solange bekannt ist, dass er dort liegt. Ob sie gilt, steht am Aushang. Einzelne Blätter dürfen Sie als lose hinderliche Naturstoffe überall entfernen; bewegt sich der Ball dabei, kostet das außerhalb des Grüns einen Strafschlag.
- Biotope mit grünen Pfahlköpfen. Viele deutsche Anlagen schützen Feuchtwiesen, Gewässerränder oder Trockenrasen als Spielverbotszonen. Der DGV kennzeichnet sie mit Pflöcken mit grünen Köpfen; ist die Fläche eine Penalty Area, ist der Pflock darunter rot oder gelb. Liegt Ihr Ball dort, dürfen Sie ihn nicht spielen und müssen Erleichterung nehmen, und auf den meisten Plätzen dürfen Sie die Fläche nicht einmal betreten, um ihn zu holen. Feuchtgebiete, Heiden und Trockenrasen sind zudem nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Ein Ball in einem Biotop ist also in jedem Fall ein abgeschriebener Ball.
- Heide und Kiefern im Norden. Auf Heideplätzen wie dem Hamburger Golf-Club Falkenstein, dessen Platz in einer Parklandschaft mit Heideflächen und altem Baumbestand liegt, ist dichtes Heidekraut oft kaum zu spielen. Wer dort landet, ist mit einem Strafschlag nach Regel 19 meist besser bedient als mit drei Versuchen, den Ball herauszuhacken. Hier zahlt sich der Schläger vom Abschlag, der das Fairway trifft, besonders aus.
- Wildschweine und ihre Zäune. Wenn es nachts kühler wird, wühlen Wildschweine auf manchen Plätzen ganze Bahnen um. Der Golfclub Augsburg hat solche Schäden nach einer Oktobernacht als Boden in Ausbesserung gekennzeichnet, mit strafloser Erleichterung nach Regel 16.1b. Beim Golfplatz Rheintal in Oftersheim gelten Wildschweinschäden laut Platzregeln generell als Boden in Ausbesserung, elektrische Wildschweinzäune außerhalb einer Penalty Area dagegen als Aus. Andere Clubs behandeln ihren Wildzaun als unbewegliches Hemmnis. Derselbe Zaun kann also hier einen Strafschlag kosten und dort gar nichts. Lesen Sie die Platzregeln, bevor Sie losgehen.
- Die Farben der Pfähle. Weiß bedeutet Aus, Gelb und Rot bedeuten Penalty Area, Blau bedeutet Boden in Ausbesserung. Wer diese vier Farben kennt, entscheidet am Ball schneller, ob ein provisorischer Ball sinnvoll ist und welche Erleichterung zur Wahl steht.
Vieles davon lernen Sie bei der DGV-Platzreife: In der Theorieprüfung kommen 30 Fragen aus einem Katalog von 170 zu Golfregeln, Handicap und Verhalten auf dem Platz, dazu eine Platzbegehung und eine Runde über neun Löcher. Was dabei verlangt wird, erklärt unser Beitrag zur DGV-Platzreife. Wer anschließend auf kurzen Anlagen mit weniger Wasser und Wald Erfahrung sammelt, verliert in den ersten Monaten spürbar weniger Bälle.
Vor der nächsten Runde abhaken
- Jeden Ball in der Tasche mit demselben Zeichen versehen und am ersten Abschlag sagen, was Sie spielen.
- Zwei gebrauchte Bälle für die Wasserbahnen in ein eigenes Fach stecken, im Herbst dazu einen gelben oder orangefarbenen.
- Die Platzregeln am Aushang lesen: Laubregel, Spielverbotszonen, Wildzäune, und ob E-5 im freien Spiel erlaubt ist.
- Bei jedem Schlag dem Ball bis zur Landung nachschauen und einen festen Orientierungspunkt laut nennen.
- Auf engen Bahnen den Schläger nehmen, der am geradesten fliegt, nicht den längsten.
- Könnte ein Ball verloren oder im Aus sein: „provisorisch“ sagen und vor dem Vorgehen einen zweiten Ball spielen.
- Aus dem Wald seitlich zurück aufs Fairway, aus dem Teich droppen und weiterspielen, aus der Heide im Zweifel unspielbar erklären.
Zählen Sie vor dem ersten Abschlag die Bälle in Ihrer Tasche und nach dem letzten Grün noch einmal. Die Differenz ist für Einsteiger das ehrlichste Maß für Fortschritt, ehrlicher als der Score. Und anders als der Score lässt sie sich schon bei der nächsten Runde verbessern.






