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Bälle statt Schläge verlieren: sechs Anfängerfehler und die Fallen in Biotop, Blumenwiese und Laub

Drei oder vier verlorene Bälle auf neun Löchern sind bei Anfängern keine Ausnahme, und fast keiner davon geht wegen eines schlechten Schwungs verloren. Wer sechs Gewohnheiten ändert, behält die Bälle, spart Zeit und Strafschläge und kennt die Stellen, an denen Schweizer Plätze besonders gern Bälle schlucken.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 10 min
Ein Teich mit roten Pfosten vor einem Grün, im Vordergrund ein Bunker
Photo Nici Gottstein / Pexels

Kurz gefasst

  • Jeden Ball bis zur Landung verfolgen und laut einen Fixpunkt nennen: Vier Augenpaare finden Bälle, die eines verliert.
  • Liegt der Ball in einer Penalty Area, müssen Sie nicht vom Abschlag wiederholen: Regel 17 erlaubt mit einem Strafschlag Erleichterung auf der Linie zurück, bei roten Pfählen auch seitlich innerhalb von zwei Schlägerlängen.
  • Einen provisorischen Ball vor dem Losgehen ankündigen, mit dem Wort «provisorisch»; ohne Ankündigung wird der zweite Ball zum Ball im Spiel.
  • Spielverbotszonen, oft Biotope mit roten Pfählen und grünen Köpfen, sind tabu, und im Oktober versteckt das Laub weisse Bälle: dann hilft ein farbiger Ball.

Am Ende der ersten Saison rechnen die meisten Neugolferinnen und Neugolfer zusammen: Kurs für die Platzreife, Mitgliedschaft, Greenfees, vielleicht ein gebrauchter Halbsatz. Ein Posten fehlt fast immer auf dieser Liste, obwohl er an jedem Spieltag anfällt: die Bälle, die im Wald, im Bach oder in einer Blumenwiese bleiben. Wer auf neun Löchern drei oder vier Bälle verliert, ist auf einem Schweizer Platz keine Ausnahme. Erstaunlich ist, wie wenig davon mit dem Schwung zu tun hat. Die meisten Bälle gehen verloren, weil niemand hingeschaut hat, weil der falsche Schläger aus dem Bag kam oder weil man nicht wusste, was die Regeln nach einem Fehlschlag erlauben. Diese Gewohnheiten lassen sich schneller ändern als ein Slice. Hier sind die sechs teuersten, die Regeln, die Ihnen dabei helfen, und die Stellen, an denen Plätze in der Deutschschweiz besonders gern Bälle schlucken.

Die Rechnung, die auf keiner Scorekarte steht

Ein verfehltes Grün kostet einen Schlag. Ein Ball im Aus oder ein verlorener Ball kostet einen Strafschlag, die Distanz und den Ball selbst. Darum sehen die Resultate von Anfängern oft schlechter aus, als ihr Schwung eigentlich ist: Die Löcher mit der Acht oder der Neun auf der Karte sind fast immer jene, auf denen ein Ball verschwunden ist.

Dazu kommen die Franken. Ein neuer Ball ist kein grosser Betrag, ein Dutzend pro Runde aber schon, und am Ende einer Saison summiert sich das. Die gute Nachricht: Keine der sechs Korrekturen verlangt eine neue Technik. Sie können alle schon auf Ihrer nächsten Runde anwenden, mit dem Schwung, den Sie heute haben.

Erster Fehler: Der Ball fliegt, und niemand schaut ihm nach

Der häufigste Grund für einen verlorenen Ball ist banal. Der Ball startet, der Kopf kommt hoch, der Blick sucht einen weissen Punkt vor einem hellen Himmel, verliert ihn, und die Gruppe marschiert in eine ungefähre Richtung. Nach drei Minuten Suche ist der Ball nach Regel 18.2a verloren, auch wenn er nur zehn Meter neben der vermuteten Stelle liegt.

Gewöhnen Sie sich an, jeden Ball bis zur Landung zu verfolgen und die Stelle sofort mit etwas zu verbinden, das sich nicht bewegt: eine Birke mit hellem Stamm, das rechte Ende eines Bunkers, ein Distanzpfosten, ein Scheunendach hinter dem Fairway. «Etwa dort hinten» ist kein Fixpunkt. «Drei Schritte links vom zweiten Pfosten, vor dem Holzstapel» ist einer.

Machen Sie daraus eine Regel für den ganzen Flight. Wer nicht schlägt, schaut zu und redet nicht. Vier Augenpaare finden Bälle, die ein einzelnes nie findet. Und sagen Sie nach jedem Abschlag laut, was Sie gesehen haben, für alle: «Rechts in den Wald gesprungen, ungefähr auf Höhe der Bank.» Dieser eine Satz rettet mehr Bälle als jedes neue Material.

Zweiter Fehler: ein Ball ohne Kennzeichen

Sie finden einen Ball genau dort, wo Ihrer liegen müsste. Gleiche Marke, gleiche Nummer, und Ihr Mitspieler spielt dasselbe Modell. Nach Regel 7.2 dürfen Sie einen Ball nur dann als Ihren behandeln, wenn Sie ihn identifizieren können. Gelingt das nicht innerhalb der drei Minuten, ist Ihr Ball verloren, obwohl er vielleicht vor Ihnen liegt. Und wer den falschen Ball spielt, erhält nach Regel 6.3c die Grundstrafe, im Zählspiel zwei Strafschläge.

Die Regeln sagen dazu in Regel 6.3a nur, der Spieler «sollte» seinen Ball kennzeichnen. Machen Sie aus diesem «sollte» ein «immer». Ein wasserfester Stift genügt: zwei Punkte, ein Strich, Ihre Initialen, jedes Mal an derselben Stelle. Nennen Sie auf dem ersten Abschlag Marke, Nummer und Kennzeichen, bevor jemand schlägt. Das dauert zehn Sekunden und erspart Ihnen die Diskussion im Rough.

Dritter Fehler: der Driver aus Gewohnheit

Viele Anfänger nehmen auf jedem Abschlag den Driver, weil er nun einmal der Schläger für den Abschlag ist. Er ist aber auch der Schläger, mit dem sie am wenigsten gerade spielen. Auf einem schmalen Loch mit Wald auf der einen und Aus auf der anderen Seite sind die zwanzig oder dreissig Meter Mehrlänge den Ball nicht wert, den er dafür aufs Spiel setzt.

Schauen Sie vor jedem Abschlag, wo Ihr üblicher Fehlschlag landen würde. Liegt dort Wasser, Wald oder eine Auslinie, nehmen Sie den Schläger, den Sie am geradesten treffen, auch wenn es ein Hybrid oder ein Eisen 7 ist. Sie liegen dann weiter hinten, aber auf dem Fairway, und der Ball ist noch im Spiel. Wie man die richtige Seite eines Lochs wählt, zeigt unser Beitrag über mehr getroffene Fairways. Ebenso hilft es, die Platzkarte vorher anzusehen: Unser Leitfaden zum Lesen der Platzkarte erklärt, wo Auslinien und Penalty Areas eingezeichnet sind.

Vierter Fehler: der Heldenschlag durch die Lücke

Ihr Ball liegt im Wald hinter einer Buche. Zwischen zwei Stämmen sehen Sie eine Lücke Richtung Grün, kaum breiter als eine Gartentür. Vielleicht einmal von zehn Versuchen geht der Ball durch. Die anderen neun Male trifft er einen Ast und fällt tiefer in den Wald, oder er springt über den Waldrand ins hohe Gras.

Die günstigere Lösung ist fast immer der kurze Weg zurück: flach mit einem Eisen 7 oder 8 seitlich aufs Fairway, die kürzeste Strecke ins Freie. Das fühlt sich an wie ein verschenkter Schlag. In Wahrheit spart es Schläge, weil die Alternative zwei oder drei weitere Versuche aus demselben Wald sind, und es spart den Ball, den der mutige Schlag gekostet hätte.

Dasselbe gilt für den langen Schlag über einen Weiher aus 160 Metern. Würden Sie nicht einen Zwanziger darauf wetten, dass er gelingt, legen Sie vor auf eine Distanz, die Sie mögen, und spielen von dort aufs Grün.

Fünfter Fehler: zweimal ins gleiche Wasser

Der Abschlag landet im Teich vor dem Grün. Der Anfänger legt einen zweiten Ball auf das Tee, spielt denselben Schlag und verliert auch diesen. Auf vielen Plätzen sieht man das jeden Tag, und es ist völlig unnötig.

Gewässer sind nach Regel 17 Penalty Areas. Liegt Ihr Ball bekanntermassen oder so gut wie sicher darin, müssen Sie nicht vom Abschlag wiederholen. Mit einem Strafschlag haben Sie weitere Möglichkeiten. Bei gelben wie bei roten Pfählen dürfen Sie Erleichterung auf der Linie zurück nehmen: Sie droppen auf der gedachten Linie vom Loch durch den Punkt, an dem der Ball zuletzt die Grenze der Penalty Area gekreuzt hat, so weit zurück, wie Sie möchten. Bei roten Pfählen kommt die seitliche Erleichterung dazu, innerhalb von zwei Schlägerlängen von diesem Punkt, nicht näher zur Fahne. Wo der Club eine Dropzone eingerichtet hat, ist sie nach der Hard Card von Swiss Golf eine zusätzliche Möglichkeit, ebenfalls mit einem Strafschlag; die Platzregeln sagen Ihnen, ob es eine gibt. In jedem Fall liegt das Wasser danach hinter Ihnen. Der zweite Ball vom Tee ist nur eine der Möglichkeiten, für Anfänger meist die schlechteste.

Eine Gewohnheit lohnt sich zusätzlich: Spielen Sie an Wasserlöchern einen älteren, zerkratzten Ball. Zwischen zwei Löchern dürfen Sie den Ball wechseln. Welche gebrauchten Bälle sich dafür eignen, lesen Sie in unserem Beitrag über Teichbälle.

Sechster Fehler: losgehen ohne provisorischen Ball

Der Abschlag zieht Richtung Waldrand. Er ist wohl noch drin, denken Sie, und gehen die 180 Meter nach vorne. Nach drei Minuten Suche ist nichts zu finden. Jetzt schickt Sie Regel 18.1 zurück zum Abschlag, mit Schlag und Distanzverlust. Den Weg zurück, während der nächste Flight wartet, mag kaum jemand machen, und so wird irgendwo gedroppt und eine Zahl notiert, die mit den Regeln wenig zu tun hat.

Der provisorische Ball löst das Problem. Könnte Ihr Ball ausserhalb einer Penalty Area verloren oder im Aus sein, dürfen Sie nach Regel 18.3 von derselben Stelle einen zweiten Ball spielen, bevor Sie nach vorne gehen. Sie müssen das vor dem Schlag ankündigen und dabei das Wort «provisorisch» verwenden oder unmissverständlich klarmachen, dass es ein provisorischer Ball ist. «Ich spiele noch einen» reicht nicht; ohne Ankündigung wird der zweite Ball zum Ball im Spiel. Finden Sie den ursprünglichen Ball innerhalb der drei Minuten auf dem Platz und ausserhalb einer Penalty Area, spielen Sie ihn weiter und heben den provisorischen auf. Sonst spielen Sie mit dem provisorischen weiter, mit derselben Strafe, die Sie ohnehin gehabt hätten, aber ohne Fussmarsch und ohne Stau.

Einen Haken gibt es: Ist klar, dass der Ball nur in einer Penalty Area sein kann, ist ein provisorischer Ball nicht erlaubt. Dann gelten die Möglichkeiten aus dem fünften Abschnitt.

Manche Clubs haben zudem die Musterplatzregel E-5 in Kraft gesetzt. Sie erlaubt bei einem verlorenen Ball oder einem Ball im Aus, gegen zwei Strafschläge in der Nähe der Stelle zu droppen, statt zurückzugehen. Sie gilt nur dort, wo die Spielleitung sie eingeführt hat, und bei Turnieren oft nicht. Fragen Sie im Sekretariat nach oder lesen Sie die Platzregeln. Weitere Regeln, die oft verkehrt angewendet werden, finden Sie in unserem Artikel über falsch angewendete Golfregeln.

Wo Schweizer Plätze die Bälle schlucken

Die sechs Fehler sind überall gleich. Wo sie in der Deutschschweiz teuer werden, hat mit dem Gelände zu tun: Viele Plätze liegen an Waldrändern, an Bächen und Seeufern oder neben geschützten Flächen, und im Oktober kommt das Laub dazu.

  • Spielverbotszonen und Biotope: Auf manchen Plätzen sind geschützte Feuchtgebiete und Biotope als Spielverbotszonen festgelegt, häufig innerhalb einer Penalty Area und markiert mit roten Pfählen mit grünen Köpfen. Aus einer solchen Zone dürfen Sie nicht spielen, und Platzregeln verbieten oft auch, sie zu betreten. Suchen Sie dort keinen Ball. Sie nehmen Erleichterung, wie es die Platzregeln vorsehen. Der Ball bleibt dort, wo er ist. Im Golfclub Interlaken-Unterseen etwa erstreckt sich der 18-Loch-Platz entlang des Naturschutzgebiets Weissenau am Thunersee.
  • Blumenwiesen ausserhalb der Spielbahnen: Viele Clubs lassen Flächen neben den Fairways als Wiesen wachsen. Im Golf Club Arosa werden die Blumenwiesen laut einem Bericht der European Golf Association nur einmal im Jahr gemäht, im August. Wer im Sommer dorthin schlägt, findet den Ball selten. Merken Sie sich die Landestelle besonders genau, und denken Sie an den provisorischen Ball.
  • Wald und Hanglagen: Wo ein Fairway am Hang liegt, rollt ein Ball, der den Rand erwischt, oft weiter in den Wald, als man denkt. Hier hilft vor allem der dritte Abschnitt: auf schmalen Löchern lieber das Eisen als den Driver.
  • Herbstlaub: Ende Oktober decken Blätter das Rough und die Waldränder, und ein weisser Ball verschwindet darunter in Sekunden. Laub zählt nach Regel 15 zu den losen hinderlichen Naturstoffen. Sie dürfen es fast überall entfernen, ausserhalb des Grüns aber vorsichtig: Bewegt sich der Ball dabei, kostet das einen Strafschlag, und er muss zurückgelegt werden. Ein gelber oder oranger Ball ist jetzt eine echte Hilfe.
  • Kürzere Tage: Am Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren zurückgestellt. In der Dämmerung sieht man die Landung kaum noch, und Bälle gehen schneller verloren. Starten Sie früh genug, damit die letzten Löcher nicht im Halbdunkel stattfinden.

Für den Einstieg lohnt sich zudem ein Blick auf kleinere Anlagen. Swiss Golf lässt die Prüfung auf dem Platz, den letzten Teil der Platzreife, ausdrücklich auch auf einem 6- oder 9-Loch-Platz oder einer Pitch-&-Putt-Anlage zu, und das Verzeichnis des Verbandes führt neben den 98 Mitgliedclubs auch Pitch & Putts und Driving Ranges auf. Auf kurzen Löchern gibt es weniger Wald und weniger Wasser zwischen Abschlag und Grün, und Sie üben genau die Gewohnheiten, die später auf dem grossen Platz Bälle sparen. Welche Kurzplätze in Frage kommen, steht in unserem Überblick über 9-Loch- und Kurzplätze. Und wer nach der Platzreife mit Index 54.0 auf der Swiss Golf Card startet, die Swiss Golf seit dem 1. Februar 2024 statt des alten Vermerks «PR» ausweist, findet im Beitrag über den Einstieg ins Golf in der Schweiz die nächsten Schritte.

Vor der nächsten Runde: zum Abhaken

  • Jeden Ball im Bag mit demselben Zeichen markieren und es dem Flight auf dem ersten Abschlag zeigen.
  • Zwei oder drei ältere Bälle in eine separate Tasche stecken, für die Löcher mit Wasser.
  • Die Platzregeln lesen: Aus, gelbe und rote Pfähle, Spielverbotszonen, Dropzonen, und ob E-5 gilt.
  • Bei jedem Schlag hinschauen, bis der Ball liegt, und laut einen Fixpunkt nennen.
  • Auf engen Löchern mit dem geradesten Schläger abschlagen, nicht mit dem längsten.
  • Bei einem möglicherweise verlorenen Ball oder einem Ball im Aus «provisorisch» sagen und einen zweiten Ball schlagen, bevor Sie losgehen.
  • Aus dem Wald seitlich aufs Fairway, aus dem Wasser droppen und weiterspielen.
  • Im Oktober einen farbigen Ball mitnehmen und früh genug starten.

Zählen Sie vor dem ersten Abschlag die Bälle in Ihrem Bag und nach dem letzten Grün noch einmal. Die Differenz ist für Anfänger der ehrlichste Massstab für Fortschritt, und anders als beim Handicap können Sie ihn schon auf der nächsten Runde verbessern.

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