Lakeballs in der Schweiz: wann sich gebrauchte Golfbälle lohnen
Lakeballs lohnen sich für Training, private Runden und alle, die regelmässig Bälle verlieren. Entscheidend sind die Qualitätsstufe und die Frage, ob der Ball nur gewaschen oder neu lackiert wurde. Im Turnier spielen Sie ein Modell in gleichbleibendem Zustand.
Kurz gefasst
- Die Qualitätsstufe beschreibt die Oberfläche, nicht die Liegedauer im Wasser.
- Gewaschen ist nicht neu lackiert: «refinished» verändert Hülle und Dimples.
- Fünf Dutzend Pro V1 aus dem Teich sparen gegenüber neuen rund CHF 130.
- Im Turnier ein Modell, jeden Ball markieren: ein falscher Ball kostet zwei Schläge.
Eine Schachtel neuer Titleist Pro V1 (2025) kostete bei einem Onlinehändler am 17. September 2026 CHF 64.90. Bei einem Schweizer Anbieter gab es am selben Tag zwölf geborgene Pro V1 für CHF 38.85, bei einem zweiten Schweizer Händler zwölf gewaschene Pro V1 im Aktionspreis für CHF 31.50. Der Abstand ist gross genug, dass sich bei Golfbällen die Frage stellt, was Sie für die Hälfte des Preises bekommen und wann sich der Kauf lohnt.
Die kurze Antwort: für Training, private Runden und alle, die regelmässig Bälle im Wasser oder im Wald lassen, fast immer. Für Turniere und für alle, die ihr kurzes Spiel auf einen Ball abgestimmt haben, nur mit einer sorgfältig gewählten Qualitätsstufe und einem einzigen Modell.
Woher die Bälle stammen
Die Wasserhindernisse auf Schweizer Plätzen sind keine Zierteiche. Der Golfclub Breitenloo mit Blick über das Glatttal hat bei seinem Re-Design 2005 und 2006 acht Seen mit einer Gesamtfläche von 12’845 Quadratmetern angelegt, als Lebensraum für Amphibien und Wasservögel und als Hindernis für Golferinnen und Golfer. Was dort und anderswo hineinfliegt, bleibt nicht liegen.
Einer der Schweizer Anbieter erzählt seine Geschichte so: 2007 ärgerten sich zwei Freunde im Golfclub Limpachtal über die teuren Bälle, die im Wasser verschwanden, besorgten sich eine einfache Tauchausrüstung und holten sie selbst heraus. Aus dem Hobby wurde eine GmbH mit Büro und Lager. Die Bälle werden laut Firma in Zusammenarbeit mit Golfclubs geborgen oder von Lieferanten zugekauft, maschinell gewaschen, nach Marke und Typ sortiert und von Hand in die Qualitätsstufen A, B und C eingeteilt. Verkauft wird in Zwölferschachteln und Fünfzigernetzen, die Schachteln stammen aus Berner Karton.
Im Handel heissen diese Bälle Lakeballs, «Golfbälle mit Erfahrung» oder Occasionsbälle. Gemeint ist stets dasselbe: ein gespielter Ball, der gefunden, gereinigt und wieder verkauft wird.
Was Wasser mit einem Ball anstellt
Ein moderner Mehrschichtball ist deutlich robuster als die gewickelten Bälle früherer Jahrzehnte, aber er ist nicht hermetisch verschlossen. Über Wochen und Monate kann Wasser durch die Hülle in den Kern dringen, der dann an Elastizität verliert; das kostet Ballgeschwindigkeit und damit Länge. Das Problem für Käuferinnen und Käufer: Man sieht einem Ball nicht an, ob er zwei Wochen oder zwei Jahre unten lag.
Anders liegt der Fall bei Bällen, die trocken im Rough, unter Büschen oder am Waldrand aufgelesen wurden. Solange die Hülle unversehrt ist, spielen sie sich wie neu. Auch langes Lagern im Keller schadet einem heutigen Ball nicht; die Vorstellung, Bälle würden im Regal alt, stammt aus der Zeit der Flüssigkerne.
Die Qualitätsstufe ist der eigentliche Preis
Weil die Liegedauer unsichtbar ist, beschreiben Händler den Zustand der Oberfläche. Ein Schweizer Anbieter erklärt seine B-Qualität offen: feine Kratzer auf der äussersten Schicht, leichtes Abblättern, minimale Verfärbungen, laut Anbieter trotzdem voll spielbar. Solche Bälle landen zum Beispiel im Mix aus 50 Pro V1 und Pro V1x für CHF 124.85, also knapp CHF 2.50 pro Ball, während die Zwölferschachtel Pro V1 in der besseren Sortierung auf gut CHF 3.20 pro Ball kommt.
Für die Driving Range, das Kurzspieltraining im Garten oder eine Runde auf dem Wintergrün ist die günstigere Stufe völlig ausreichend. Für Bälle, mit denen Sie auf dem Platz Annäherungen spielen, lohnt die bessere Klasse. Eine aufgerauhte Stelle verändert Spin und Flugbahn, und genau das wollen Sie bei einem 60-Meter-Schlag aufs Grün nicht.
Kaufen Sie bevorzugt bei Anbietern, die ihre Stufen schriftlich definieren. Eine gelbliche, ungleichmässige Verfärbung der Hülle ist ein Hinweis auf lange Liegezeit oder starke Sonneneinstrahlung. Solche Bälle gehören in den Übungskorb.
Gewaschen oder neu lackiert: der Unterschied, der nicht auf dem Preisschild steht
Es gibt zwei grundverschiedene Verfahren. Beim einen werden die Bälle gereinigt und sortiert, die Originalhülle bleibt, wie sie ist. Beim anderen wird die Oberfläche abgeschliffen, neu lackiert und neu bedruckt. Das zweite Verfahren greift in die äusserste Schicht und in die Tiefe der Dimples ein, also genau in das, was das Flugverhalten und den Spin im kurzen Spiel bestimmt. Ein so behandelter Premiumball trägt noch den Namen, verhält sich aber nicht mehr zwingend so.
Die Begriffe im Handel sind leider nicht einheitlich. Ein Anbieter bezeichnet seine Pro V1 als «rewashed», also gewaschen. Ein anderer spricht davon, dass die Bälle gereinigt und «aufbereitet» werden, meint damit aber Waschen und Sortieren. Englische Etiketten wie «refinished» oder «recoated» deuten dagegen auf eine neue Lackschicht hin. Im Zweifel fragen Sie beim Händler nach, bevor Sie zwei Dutzend bestellen.
Für welche Runden sich Lakeballs eignen
- Für das Training auf dem Übungsgelände, wo der Ball ohnehin in der Hecke landen darf.
- Für nasse Frühlingsrunden und Wintergolf auf Matten und Wintergrüns, wo niemand exakte Längen erwartet.
- Für Plätze mit viel Wasser, etwa eine Anlage wie Breitenloo mit acht Seen, und für kurze Neunlochrunden nach Feierabend.
- Für Einsteigerinnen und Einsteiger, die pro Runde mehrere Bälle verlieren und den Unterschied eines Urethanballs rund ums Grün noch gar nicht nutzen können.
Die Rechnung ist schnell gemacht. Wer pro Runde zwei Bälle verliert und dreissig Runden im Jahr spielt, braucht fünf Dutzend. Mit den oben genannten Preisen kosten fünf Dutzend neue Pro V1 rund CHF 325, dieselbe Menge Lakeballs aus der Zwölferschachtel rund CHF 195. Die Differenz von etwa CHF 130 können Sie in eine Trainerstunde oder in ein Fitting stecken.
Wann Sie besser neue Bälle spielen
Im Clubturnier und in jeder Runde, die für Ihr Handicap zählt, spielen Sie ein einziges Modell in gleichbleibendem Zustand. Das ist keine Frage des Prestiges, sondern der Längenkontrolle. Bei einem halben Wedge-Schwung können zwei unterschiedliche Bälle leicht einige Meter auseinanderliegen, und genau diese Meter entscheiden, ob der Ball auf dem Grün liegen bleibt oder dahinter im Rough.
Wer eine gemischte Tüte Bälle unterschiedlicher Modelle spielt, sammelt ausserdem keine brauchbaren Erfahrungswerte. Jede Annäherung beginnt mit einem anderen Ball und damit mit einer anderen Länge.
Was die Regeln verlangen
Nach den Golfregeln müssen Sie ein Loch grundsätzlich mit dem Ball beenden, mit dem Sie abgeschlagen haben; zwischen zwei Löchern dürfen Sie wechseln. Spielen Sie im Zählspiel einen falschen Ball, kostet das die Grundstrafe von zwei Schlägen. Bei Lakeballs mit fremden Markierungen oder Logos passiert das häufiger, als man denkt. Zeichnen Sie deshalb jeden Ball vor der Runde mit einem Stift so, dass Sie ihn eindeutig erkennen.
Manche Wettspiele schreiben zusätzlich vor, dass während der ganzen Runde dieselbe Marke und dasselbe Modell gespielt wird. Ob das gilt, steht in der Ausschreibung oder am Anschlagbrett des Clubs. Lesen Sie nach, bevor Sie eine gemischte Schachtel ins Bag legen.
Höhe und Kälte: warum der Ball nicht überall gleich fliegt
Die Schweiz hat eine Besonderheit, die mit dem Ball selbst nichts zu tun hat und trotzdem jede Längenmessung verfälscht. In dünnerer Luft fliegt derselbe Ball weiter. Der Golfclub Riederalp liegt auf 2000 Metern und bezeichnet sich als höchstgelegenen Golfplatz der Schweiz; Mittellandplätze liegen viel tiefer. Wer einen Lakeball gegen einen neuen vergleichen will, tut das deshalb auf dem gleichen Platz und am gleichen Tag, nicht in den Ferien in den Bergen.
Kälte wirkt in die Gegenrichtung. Unter etwa zehn Grad fühlt sich jeder Ball härter an und fliegt kürzer, ob neu oder aus dem Teich. An kühlen Tagen hilft ein einfacher Trick: zwei Bälle desselben Modells mitnehmen, einen in der Hosentasche warm halten und zwischen den Löchern tauschen. Das ist nach den Regeln erlaubt, solange Sie nicht mitten in einem Loch wechseln.
Einen Vorrat anlegen
Haben Sie ein Modell gefunden, das zu Ihrem Spiel passt, kaufen Sie gleich einen Saisonvorrat derselben Sorte. So spielen Sie von April bis Oktober mit identischen Bällen und lernen Ihre Längen kennen. Die Winterpause eignet sich dafür gut, weil die Bälle im Keller keinen Schaden nehmen.
Sortieren Sie nach jeder Runde aus. Ein Ball mit sichtbarem Schnitt oder einer Schürfstelle von einem Baum oder einem Wegrand wandert in den Übungskorb. Das dauert fünf Sekunden pro Ball und erspart Ihnen Annäherungen, die ohne erkennbaren Grund zu kurz oder zu lang geraten.
Im Ausland bestellen?
Ausländische Onlineshops sind bei Lakeballs oft günstiger, der Preis auf der Website ist aber nicht der Endpreis. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit hält fest, dass Sendungen aus dem Ausland grundsätzlich zoll- und mehrwertsteuerpflichtig sind, und die Post oder der Kurierdienst verrechnet für die Verzollung zusätzlich eigene Gebühren. Die Mehrwertsteuer beträgt 8,1 Prozent. Bei einem Netz Bälle für wenige Dutzend Franken frisst das den Preisvorteil rasch auf.
Wer die Bälle selbst über die Grenze bringt, kann Waren für den privaten Gebrauch bis zu einem Gesamtwert von CHF 150 pro Person und Tag mehrwertsteuerfrei einführen. Liegt der Einkauf darüber, wird die Steuer auf den ganzen Betrag fällig.
Wo Sie Lakeballs in der Schweiz kaufen
Ein reiner Onlineshop für Lakeballs führt die Bälle nach Modell in Zwölferschachteln, zum Beispiel Pro V1 oder Pro V1x für CHF 38.85, und in Fünfzigernetzen nach Marke oder Eigenschaft. Bestellungen gehen an Werktagen je nach Verfügbarkeit innert 24 Stunden per DPD auf den Weg; ab CHF 350 ist der Versand kostenlos. Abholen können Sie dort derzeit nicht.
Ein zweiter Schweizer Händler führt eine eigene Rubrik für Lake Balls und Overrun-Bälle. Am 17. September kosteten dort zwölf gewaschene Pro V1 CHF 31.50, zwölf Srixon AD333 CHF 18.80 und ein Mix aus 50 TaylorMade-Lakeballs CHF 62. Wer werktags bis 12 Uhr bestellt, erhält die Ware am nächsten Arbeitstag. Ein Schwesterportal des Händlers listet gebrauchte und Overrun-Bälle in einer eigenen Kategorie.
Fragen Sie zudem im Pro-Shop Ihrer Anlage, ob dort geborgene Bälle aus den eigenen Teichen verkauft werden. So wissen Sie wenigstens, woher sie kommen.
Panxis Golf unterhält keine geschäftliche Verbindung zu diesen Anbietern und erhält keine Provision. Alle Preise stammen von den Websites der Händler, Stand 17. September 2026, und können sich laufend ändern.
Wie diese Seite entstanden ist
Preise und Verfügbarkeit stammen vom 17. September 2026 von Golfers Paradise, TopBall (Erlach) und outletgolf.ch (Umbrail Golf Import AG, Dübendorf). Panxis Golf hat keine geschäftliche Verbindung zu diesen Anbietern.






