Distanzpfosten, Birdie Book und Slope: die Platzkarte lesen, auch auf 1’800 Metern
Die Scorekarte, das Birdie Book und der Distanzpfosten sagen Ihnen, wohin das Loch Ihren Fehlschlag haben möchte, sofern Sie wissen, bis wohin gemessen wurde. Fünf Dinge vor jedem Abschlag, eine Rechnung vom Grün zurück zum Tee und zwei Korrekturen, die in den Bergen dazukommen.
Kurz gefasst
- Vor jeder Zahl zwei Fragen: gemessen ab welchem Abschlag, und bis Grünmitte oder bis Grünanfang?
- Die Farbcodes unterscheiden sich: In Sagogn ist Weiss 150 Meter bis Anfang Grün, in Limpach 200 Meter bis Grünmitte.
- Course Handicap = Handicap-Index mal Slope durch 113, plus Course Rating minus Par. In Davos (Slope 130, CR 68,8, Par 68) werden aus Index 20,0 gerundet 24 Schläge.
- In den Bergen fliegt der Ball weiter, als die Zahl auf dem Pfosten vermuten lässt: Distanzen auf den ersten Löchern neu eichen und das Gefälle mit dem Auge schätzen. Die Höhenfunktion des Lasers bleibt aus.
Die meisten Golferinnen und Golfer schauen eine Platzkarte an wie den Liniennetzplan in einer fremden Stadt: lange genug, um die nächste Haltestelle zu finden, nie lange genug, um das Netz zu verstehen. Die Skizze auf der Scorekarte, die Lochtafel am Abschlag, das Birdie Book aus dem Sekretariat und der Plan in der App zeigen mehr als ein Bild der Bahn. Richtig gelesen, sagen sie Ihnen, wohin das Loch Ihren Fehlschlag haben möchte.
Eine Karte macht Ihren Schwung nicht besser. Sie verhindert, dass Sie einen guten Schwung genau auf die Stelle richten, an der er einen Schlag kostet, und für jemanden, der um die 100 spielt, ist das mehr wert als alles, was er diesen Monat auf der Range ändern könnte.
Was eine Platzkarte wirklich sagt
Auf einer Schweizer Anlage begegnen Ihnen vier Arten von Karten. Die Skizze auf der Scorekarte zeigt die Form der Bahn, die wichtigsten Hindernisse und ein paar Zahlen, massstabsgetreu ist sie selten. Die Lochtafel am Abschlag ist oft dieselbe Skizze in gross. Ein Birdie Book ist vermessen und massstabsgetreu, mit den Distanzen zum Erreichen und zum Überspielen der Bunker. Ein GPS-Bild, im Cart oder in einer App, liegt auf einem Satellitenfoto und misst ab Ihrem Standort.
Bevor Sie einer Zahl trauen, beantworten Sie zwei Fragen. Gemessen ab wo? Die Längen auf der Tafel zählen ab einer fixen Markierung, und die Abschlagmarkierungen können am Morgen zehn Meter versetzt worden sein. Gemessen bis wohin? Manche Anlagen messen bis Grünmitte, andere bis Grünanfang. Das steht meist klein auf der Scorekarte oder in den Platzregeln, und genau diese Zeile kostet am meisten, wenn man sie überliest.
Dann suchen Sie den Massstab. Ein Fairway, das auf der Skizze grosszügig wirkt, kann dort, wo Ihr Drive landet, 27 Meter breit sein. Im Birdie Book messen Sie eine bekannte Distanz mit dem Daumen ab und haben ein Lineal für das ganze Loch.
Fünf Dinge, die Sie vor jedem Abschlag suchen
- Ihre Landezone. Nehmen Sie Ihren echten Carry mit dem geplanten Schläger, nicht den besten Drive des Jahres. Was liegt auf dieser Distanz: Fairway, Bunker, eine Penalty Area, ein Dogleg, durch das Sie hindurchrollen?
- Die Breite auf dieser Distanz. Das Fairway kann auf 180 Metern 40 Meter breit sein und auf 230 Metern nur noch 23. Das ist oft das beste Argument für einen kürzeren Schläger vom Tee.
- Die Linien, die Schläge kosten. Weisse Pfosten oder Linien markieren Aus, also Schlag und Distanz. Rote und gelbe markieren Penalty Areas, aus denen Sie mit einem Strafschlag droppen. Zeigt die Karte Aus eng auf der einen Seite, wissen Sie, welche Seite Sie bevorzugen.
- Tiefe und Form des Grüns. Ein Grün von 32 Metern Tiefe ist je nach Fahne ein Unterschied von zwei oder drei Schlägern. Ein nierenförmiges Grün mit einem Bunker in der Einbuchtung sind zwei kleine Ziele.
- Die kurze Seite. Verfehlen Sie auf der Seite ohne Bunker und mit viel Grün vor sich, ist ein Bogey das Schlimmste. Auf der anderen Seite entstehen die Doppelbogeys.
Die Zahlen lesen: erreichen, überspielen, Anfang, Ende
Ein gutes Birdie Book nennt zu jedem Hindernis zwei Zahlen. Die Zahl zum Erreichen eines Bunkers ist die Distanz bis zu seiner vorderen Kante, die Zahl zum Überspielen jene bis zur hinteren Kante, und bei einem Fairwaybunker liegen oft rund 20 Meter dazwischen. Trägt Ihr Drive 200 Meter und liegt der Bunker bei 190 zum Erreichen und 210 zum Überspielen, schlagen Sie direkt hinein.
Beim Grün ist es dasselbe. 140 Meter bis Grünmitte können 127 bis zum Anfang und 152 bis zum Ende bedeuten. Bei einer Fahne vorne ist die Zahl zur Mitte einen Schläger zu lang, bei einer Fahne hinten einen zu kurz. Fragen Sie im Sekretariat, wie der Club die Fahnenposition anzeigt.
Den Höhenunterschied zeigt eine Karte am schlechtesten. Einige Birdie Books setzen Pfeile oder Plus- und Minuszahlen, ein Satellitenbild zeigt gar nichts. In der Schweiz ist das keine Nebensache.
Das Loch vom Grün aus rückwärts planen
Entscheiden Sie zuerst, von wo Sie den Annäherungsschlag spielen wollen, und arbeiten Sie sich dann zurück zum Abschlag.
Nehmen Sie ein Par 4 von 355 Metern. Links liegt ein Fairwaybunker, 210 Meter zum Erreichen und 235 zum Überspielen, rechts eine Penalty Area von 215 bis 255 Metern. Das Grün ist 27 Meter tief, kurz links liegt ein Bunker. Der Driver wirkt wie der natürliche Schläger. Er ist auch der Schläger, der beide Hindernisse ins Spiel bringt.
Jetzt rückwärts. Ihr verlässlichster voller Annäherungsschlag ist ein Eisen 9 über rund 125 Meter. Dafür muss der Abschlag 230 Meter weit gehen, genau dorthin, wo sich beide Hindernisse verengen. Ein Hybrid über 185 Meter lässt 170 übrig, eine lange Annäherung, aber aus dem breitesten Teil des Fairways. Ein Holz 3 über 205 Meter lässt 150 mit dem Eisen 6, von einer Stelle kurz vor Bunker und Penalty Area. Aus dem hoffnungsvollen Driver ist die Wahl zwischen zwei vernünftigen Schlägern geworden, und die Annäherung gehört auf die rechte Hälfte des Grüns, weg vom Bunker kurz links.
Das dauert etwa dreissig Sekunden pro Loch. Meist ist die Antwort naheliegend; die Karte macht sich an den drei oder vier Löchern bezahlt, an denen sie es nicht ist.
Die Karte zu Ihrer eigenen machen
- Tragen Sie an jedem Abschlag Ihren Carry mit Driver, Holz 3 und Hybrid ein.
- Kreisen Sie die Stellen ein, an denen ein Fehlschlag einen Schlag kostet, und zeichnen Sie einen Pfeil zur sicheren Seite.
- Notieren Sie auf jedem Par 4 und Par 5 Ihre Wunschdistanz für die Annäherung.
- Setzen Sie nach jeder Runde einen Punkt dorthin, wo Ihre Abschläge gelandet sind. Nach drei Runden zeigen die Punkte, auf welche Seite Sie wirklich verfehlen.
Die Regeln erlauben das. Handschriftliche Notizen sind zulässig, solange Sie keine detaillierte Kopie der Grünkonturen anfertigen. Seit dem 1. Januar 2019 begrenzen USGA und R&A Darstellungen von Grüns, die während der Runde verwendet werden, auf einen Massstab von 1:480, also etwa 1 cm für 4,8 m, oder kleiner. Klassische Birdie Books mit Grünumriss und groben Neigungen bleiben erlaubt. Ein Laser oder GPS-Gerät ist erlaubt, sofern die Spielleitung die Platzregel nicht erlassen hat, die es verbietet (Muster-Platzregel G-5), die Funktion zur Messung von Höhenunterschieden muss aber ausgeschaltet sein. Der erste Verstoss kostet die Grundstrafe, ein zweiter in derselben Runde bedeutet Disqualifikation.
Die häufigsten Fehler
- Die Zahl zur Mitte für die Zahl zur Fahne halten. Das kostet bei jeder Fahne vorne oder hinten einen Schläger.
- Den falschen Abschlag lesen. Skizzen zeigen oft die Länge ab den hintersten Abschlägen.
- Einer alten Karte vertrauen. Bunker werden zugeschüttet, Abschläge verlegt.
- Für den besten Schlag planen. Nehmen Sie den Carry, den Sie sieben von zehn Mal schlagen.
Wo Sie in der Deutschschweiz eine verlässliche Karte finden, und was die Berge daran ändern
Beginnen Sie mit den Markierungen auf dem Fairway, und verlassen Sie sich nicht auf einen einheitlichen Farbcode. Buna Vista Golf in Sagogn markiert 200 Meter blau, 150 Meter weiss und 100 Meter rot, gemessen bis Anfang Grün. Golf Limpach im Solothurnischen setzt Punkte von 300 bis 100 Meter in Grün, Schwarz, Weiss, Gelb und Rot, gemessen bis Grünmitte, jeweils mit Angaben für Grünanfang und Grünende. Weiss heisst also hier 150 Meter und dort 200, und Mitte ist nicht überall Mitte. Lesen Sie die Platzregeln vor dem ersten Abschlag.
Dann das Birdie Book. Viele Clubs führen eines, etwa Schinznach Bad, Gonten oder Arosa, und die Website birdiebook.ch listet Ausgaben für über dreissig Schweizer Plätze, von Appenzell über Bad Ragaz und Lipperswil bis Waldkirch. Manche Clubs stellen es als PDF auf die eigene Website; das kostet Sie keinen Franken. Spielen Sie einen neuen Platz, drucken Sie es am Vorabend aus und planen Sie die heiklen Löcher am Küchentisch rückwärts.
Die Rückseite der Scorekarte enthält die Platzregeln: Auslinien, Dropzonen und Spielverbotszonen. Das sind oft geschützte Naturflächen, die Sie nicht betreten dürfen; wie sie markiert sind und wie Sie Erleichterung nehmen, regelt Ihr Club. Vorne stehen Par, Längen in Metern, der Index der Löcher und für jeden Abschlag Course Rating und Slope Rating.
Das Course Rating gibt an, was ein Scratch-Golfer von diesem Abschlag im Schnitt spielt; das Slope Rating, wie viel schwieriger der Platz für alle anderen ist, mit 113 als Standard. Nach den Handicap-Regeln, die Swiss Golf anwendet, gilt: Handicap-Index mal Slope Rating geteilt durch 113, plus Course Rating minus Par. In Davos spielen die Herren Par 68 über 5’469 Meter, Course Rating 68,8, Slope 130. Mit Handicap-Index 20,0 ergibt das 23,0 plus 0,8, gerundet 24 Schläge. Rechnen müssen Sie das nicht: Viele Clubs stellen eine Course-Handicap-Tabelle auf, Arosa etwa als PDF neben Scorekarte, Birdie Book und interaktiver Karte.
In den Bergen verschweigt die Karte am meisten. Davos liegt auf 1’560 Metern und ist überwiegend flach, die Engadiner Plätze auf rund 1’700 Metern; jener in Samedan, 1893 eröffnet und der älteste der Schweiz, misst 6’217 Meter bei Par 72. Dort stimmt die Zahl auf dem Pfosten, aber Ihr Ball fliegt weiter. Wie viel weiter, hängt von Schlag und Flughöhe ab, die veröffentlichten Faustregeln gehen auseinander. Mit den Distanzen aus dem Mittelland landet der Ball hinter dem Grün.
Auf steilen Plätzen kommt das Gefälle dazu. Der Golf Club Arosa liegt auf rund 1’800 Metern, spielt Par 65 mit vier Abschlägen pro Loch über stark geneigtes Gelände; das längste Par 3, die 15, misst 228 Meter und geht bergab. Hier sagt die Meterzahl fast nichts über den richtigen Schläger. Rechnen Sie in zwei Schritten: zuerst die dünne Luft abziehen, dann für deutlich bergab oder bergauf einen Schläger weniger oder mehr. Die Höhenfunktion Ihres Lasers bleibt dabei aus; das Gefälle schätzen Sie mit dem Auge.
Ein GPS-Bildschirm im Cart oder eine App auf Satellitenbild-Basis hilft dabei nur begrenzt. Fragen Sie jedes Gerät, ob es die heutige Fahnenposition kennt oder nur die Grünmitte, und denken Sie daran, dass Satellitenbilder nach einem Umbau veraltet sein können. Wo nur eine Lochtafel steht, schreiten Sie vom nächsten Distanzpfosten ab und suchen die kurze Seite.
Die Routine für jeden Abschlag
- Prüfen Sie Ihren Abschlag und ob die Zahlen bis Grünmitte oder Grünanfang gemessen sind.
- Suchen Sie Ihren echten Carry auf der Karte: Was liegt dort, wie breit ist die Bahn?
- Finden Sie Aus und Penalty Areas und wählen Sie die sichere Seite.
- Wählen Sie die Wunschdistanz für die Annäherung und den Abschlagschläger, der sie übrig lässt.
- In den Bergen: Höhe abziehen, Gefälle mit dem Auge schätzen.
- Merken Sie sich die kurze Seite des Grüns.
Dreissig Sekunden, achtzehn Löcher. Wie Sie daraus einen Plan für die ganze Runde machen, lesen Sie in Platzmanagement in der Schweiz: fünf Schläge ohne Schwungumbau. Welches Gerät Ihnen die Zahlen liefert, klärt Laser oder GPS: was den Score wirklich senkt, und von welchen Abschlägen aus Sie planen sollten, steht in Von welchen Abschlägen sollten Sie wirklich spielen? Panxis Golf unterhält keine geschäftliche Beziehung zu den hier genannten Anlagen.



