Hanglagen im Golf: die vier Schräglagen auf hügeligen Schweizer Plätzen meistern
Eine Hanglage verändert den wirksamen Loft und, seitlich, die Richtung der Schlagfläche. Passen Sie Stand, Schlägerwahl und Ziel an, statt den Schwung zu ändern. Rollt der Ball am Hang von selbst weiter, spielen Sie ihn straflos von der neuen Stelle.
Kurz gefasst
- Ball über den Füssen: Ball geht links, kürzer greifen, rechts zielen, eher ein Schläger weniger.
- Ball unter den Füssen: Ball geht rechts, tief in die Knie, Höhe halten, links zielen, eher ein Schläger mehr.
- Bergauf ein bis zwei Schläger mehr, bergab ein bis zwei weniger, Schultern parallel zum Hang.
- Auf Bergplätzen wie Arosa oder Samedan Hang- und Höhenkorrektur zusammenrechnen.
- Regel 9.3: Bewegt sich der Ball durch natürliche Kräfte, wird er von der neuen Stelle gespielt, nicht zurückgelegt.
Wer im Appenzellerland in Gonten spielt, erlebt auf einer Runde fast alles, was ein Hang mit einem Golfball anstellen kann. Der Club beschreibt seine 18-Loch-Anlage (Par 71, 910 m ü. M.) als leicht hügelig, und die Lochbeschreibungen auf der Website lesen sich wie ein Kurs in Hanglagen: Loch 4 steigt an, Loch 5 führt vom höchsten Punkt der Anlage wieder hinunter, am Par 3 auf Loch 10 geht es leicht aufwärts, Loch 12 fällt leicht ab, und Loch 17 nennt der Club ausdrücklich ein Loch mit stark abfallender Hanglage, das bei schlechter Balllage knifflig wird.
Auf der Range dagegen steht jeder Ball auf einer ebenen Matte oder einem flachen Abschlag. Deshalb überrascht die erste schiefe Lage auf dem Platz so viele Spielerinnen und Spieler. Dabei verhält sich jede der vier Grundlagen vorhersehbar. Sie müssen nicht anders schwingen, sondern anders stehen, anders zielen und oft einen anderen Schläger nehmen.
Warum der Hang die Schlagfläche verstellt
Ein Schläger ist für ebenen Boden gebaut. Steht der Ball schief zu Ihren Füssen, ändern sich zwei Werte, noch bevor Sie ausholen:
- Der wirksame Loft. Er richtet sich nach dem Boden, auf dem Sie stehen. Bergauf wird er grösser, bergab kleiner.
- Die Richtung der Schlagfläche. Liegt der Ball seitlich höher oder tiefer als Ihre Füsse, kippt der Lie-Winkel, und die Fläche zeigt nach links oder rechts, obwohl Sie sie gerade zum Ziel ausgerichtet haben.
Das ist Geometrie und kein Schwungfehler. Mit mehr Kraft lässt es sich nicht beheben, mit einer angepassten Ansprechposition und einem verschobenen Ziel schon.
Die vier Lagen im Überblick
| Lage | Ballflug (Rechtshänder) | Ansprechen | Schläger und Ziel |
|---|---|---|---|
| Ball über den Füssen | startet und dreht nach links, flacher | kürzer greifen, aufrechter, Gewicht Richtung Fussballen | eher ein Schläger weniger, rechts zielen |
| Ball unter den Füssen | startet und dreht nach rechts | tief in die Knie, Gewicht auf die Fersen, Griffende halten | eher ein Schläger mehr, links zielen |
| Bergauf | höher und kürzer | Schultern parallel zum Hang, Gewicht hinten | ein bis zwei Schläger mehr |
| Bergab | flacher, rollt weit | Schultern parallel zum Hang, Gewicht vorne, Ball weiter hinten | ein bis zwei Schläger weniger, Rollweg einplanen |
Ball über den Füssen: der Hook kommt von allein
Diese Lage fühlt sich angenehm an, weil der Ball nah ist. Genau das macht sie tückisch. Die Schlägerspitze hebt sich vom Boden, die Fläche zeigt nach links, und der Schwung wird flacher, weil Sie seitlich an der Böschung stehen. Beides zusammen schickt den Ball links weg, oft mit einer Drehung, die ihn noch weiter nach links trägt.
Versuchen Sie nicht, dagegen zu arbeiten. Wer die Hände im Treffmoment festhält, um den Ball gerade zu zwingen, schiebt ihn nach rechts, und dann ist keine der beiden Richtungen geplant. Besser:
- Den Griff einige Zentimeter kürzer fassen, weil der Ball näher liegt.
- Etwas aufrechter stehen und das Gewicht leicht nach vorne auf die Fussballen bringen, damit Sie nicht rückwärts vom Hang kippen.
- Nach rechts zielen, und zwar umso mehr, je steiler der Hang ist.
- Mit einem Schläger weniger rechnen: Die geschlossene Fläche nimmt Loft weg, der Ball fliegt flacher und rollt weiter.
Ball unter den Füssen: tief bleiben bis nach dem Treffmoment
Diese Lage ist die unangenehmste, weil sie das Gleichgewicht fordert. Die Ferse des Schlägers senkt sich, die Fläche zeigt nach rechts, und der Ball fliegt rechts weg. Der typische Fehler ist aber ein anderer: Der Körper richtet sich im Abschwung auf, weil der Ball so weit weg scheint, und die Unterkante des Schlägers trifft den Ball in der Mitte.
Gehen Sie tiefer in die Knie als gewohnt, beugen Sie sich mehr aus der Hüfte, verlagern Sie das Gewicht Richtung Fersen und fassen Sie den Schläger ganz am Ende. Diese Höhe halten Sie, bis der Ball weg ist. Zielen Sie links vom Ziel, nehmen Sie eher einen Schläger mehr und schwingen Sie kontrolliert statt voll. Ein Schlag, bei dem Sie im Gleichgewicht bleiben, ist hier mehr wert als zehn Meter Länge.
Bergauf: mit dem Hang schwingen, nicht in ihn hinein
Am Aufwärtshang ist der wichtigste Handgriff, die Schultern an die Neigung anzupassen: die vordere Schulter höher, das Gewicht mehr auf dem hinteren Bein. Dann schwingt der Schläger den Hang entlang nach oben. Wer versucht, waagrecht zu stehen, schlägt in den ansteigenden Boden und bleibt stecken.
Der Hang addiert Loft. Der Ball steigt steil, landet weich und kommt deutlich kürzer herunter. Nehmen Sie bei spürbarer Steigung ein bis zwei Schläger mehr. Weil das Gewicht hinten bleibt und die Hände früh abrollen, neigt der Ball zudem nach links: Zielen Sie etwas rechts.
In Gonten zeigt Loch 9, wie Steigung und Sicht zusammenkommen: Nach dem Anstieg von Loch 8 liegt das Grün laut Club hinter einer Kuppe, und ein Richtungspfahl zeigt die Linie. Wenn Sie das Ziel nicht sehen, richten Sie sich nach solchen Markierungen und nicht nach Ihrem Gefühl.
Bergab: dem Ball den Hang hinunter folgen
Der Abwärtshang ist die schwierigste der vier Lagen. Der Boden hinter dem Ball liegt höher als vor ihm, und der Schläger trifft leicht zuerst den Boden. Passen Sie auch hier die Schultern dem Hang an, diesmal mit der vorderen Schulter tiefer, das Gewicht vorne und den Ball etwas weiter hinten im Stand.
Dann schwingen Sie den Schläger durch den Treffmoment den Hang hinunter. Der Reflex, den Ball in die Luft zu schaufeln, erzeugt den dünnen Treffer, der flach über das Grün schiesst. Der Hang nimmt Loft weg: Ein mittleres Eisen fliegt wie ein längeres, flach, und rollt weit. Nehmen Sie ein bis zwei Schläger weniger und planen Sie den Rollweg ein. Der Ball neigt eher nach rechts, zielen Sie also etwas links. Ist der Hang steil und das Grün vorne geschützt, ist ein Wedge auf eine ebene Stelle oft die bessere Wahl als der direkte Angriff.
Wo ein Ball hinter dem Grün in einer steilen Lage enden kann, sagen manche Clubs sogar in der Lochbeschreibung. Für das kurze, leicht abfallende Par 3 auf Loch 12 in Gonten warnt der Club, dass ein zu langer Ball rechts und hinter dem Grün in sehr steiler Lage liegen bleiben kann. Solche Hinweise lesen Sie am besten vor der Runde im Birdiebook oder auf der Website.
Was die Regeln am Hang erlauben
Für eine schiefe Lage gibt es keine straflose Erleichterung. Beim Stand gilt Regel 8.1b: Sie dürfen die Füsse fest aufsetzen und sich in lockerem Boden in vernünftigem Mass eingraben, und Sie dürfen den Stand fair einnehmen. Ein normaler Stand oder Schwung steht Ihnen aber nicht zu. Verboten ist nach Regel 8.1a, die Bodenoberfläche zu verändern, lose Gegenstände zu einem Podest aufzuschichten oder Zweige wegzubiegen. Das kostet die Grundstrafe, im Zählspiel zwei Schläge.
Ein Punkt wird oft falsch gespielt: Rollt der Ball an einem steilen Hang von selbst weiter, weil Wind oder Schwerkraft ihn bewegen, ist das nach Regel 9.3 straflos, und Sie spielen ihn von der neuen Stelle. Zurückgelegt wird er nicht. Haben dagegen Sie den Ball bewegt, etwa beim Aufsetzen des Schlägers, kostet das nach Regel 9.4b in der Regel einen Strafschlag, und der Ball muss zurückgelegt werden. Setzen Sie den Schläger an steilen Stellen deshalb nur leicht oder gar nicht hinter dem Ball auf.
Ist eine Lage wirklich nicht spielbar, bleibt der unspielbare Ball nach Regel 19 mit einem Strafschlag. Das ist oft billiger als ein Schwung, bei dem Sie nicht sicher stehen.
Höhenunterschied und Höhenlage: zwei weitere Korrekturen
Am Hang vermischen viele Golfer zwei Dinge: die Neigung, auf der sie stehen, und den Höhenunterschied zum Grün. Beides verändert die Schlägerwahl, aber getrennt. Klären Sie zuerst, wie viel höher oder tiefer das Grün liegt, dann die Lage unter Ihren Füssen, und legen Sie sich erst danach fest. Ein Entfernungsmesser hilft dabei nur bedingt: In handicapwirksamen Runden erlaubt Regel 4.3 das Messen von Distanzen, aber nicht das Messen von Höhenunterschieden.
Auf Bergplätzen kommt die dünne Luft dazu, in der der Ball weiter fliegt. Der Golf Club Arosa bezeichnet seinen Bergplatz als einen der höchstgelegenen 18-Loch-Plätze Europas, Samedan im Engadin liegt auf 1721 m ü. M. Dort summieren sich die Effekte: Ein Abwärtshang nimmt bereits Loft weg, die Höhe schenkt zusätzliche Länge. Die klassische Folge ist die Annäherung bergab, die über das Grün fliegt. Rechnen Sie die Korrektur für den Hang und die für die Höhe zusammen, statt nur eine davon zu berücksichtigen.
Wo Sie Hanglagen in der Schweiz üben
Ebene Übungsflächen bereiten schlecht auf schiefe Lagen vor. Drei Möglichkeiten helfen trotzdem:
- Am Rand des Übungsgrüns: Böschungen neben Chipping-Zonen sind echte seitliche Hanglagen. In den Migros Golfparks ist die Nutzung der Übungsanlagen für Pitching, Chipping und Putting kostenlos. Zwanzig Minuten Chips aus einer Schräglage zeigen Ihnen mehr als eine Stunde auf der flachen Driving Range.
- Auf einem hügeligen Platz: Anlagen wie Gonten beschreiben in ihren Lochinfos, wo es auf- und abwärts geht. Wählen Sie für eine Trainingsrunde gezielt einen solchen Platz und notieren Sie, auf welchen Löchern Sie welche Lage hatten und wie der Ball reagiert hat.
- Mit einem Pro auf dem Platz: Eine Privatlektion bei der Migros Golf Academy kostet CHF 120 für 50 Minuten. Nutzen Sie sie für eine kurze Platzrunde, auf der der Pro Ansprechposition und Zielwahl an echten Hängen korrigiert.
Ein Probeschwung neben dem Ball, auf derselben Neigung, ist die billigste Übung von allen: Beobachten Sie, wo der Schläger das Gras streift. Dort wird er auch beim echten Schlag den Boden berühren. Machen Sie ihn so, dass Sie die Lage des Balls nicht verändern.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Anlagen.
Fünf Punkte für die nächste Runde
- Vor dem Schlag benennen, welche der vier Lagen es ist, und die Fläche entsprechend erwarten.
- Ball über den Füssen: kürzer greifen, rechts zielen. Ball unter den Füssen: tief bleiben, links zielen.
- Bergauf ein bis zwei Schläger mehr, bergab ein bis zwei weniger, Schultern jeweils parallel zum Hang.
- Auf Bergplätzen Hangkorrektur und Höhenkorrektur zusammenrechnen.
- Rollt der Ball von selbst weiter, von der neuen Stelle spielen; den Schläger an steilen Stellen nicht fest aufsetzen.
Keine dieser Lagen verlangt einen neuen Schwung. Sie verlangt eine Entscheidung vor dem Schlag: Stand, Schläger und Ziel passend zum Boden. Auf den hügeligen Plätzen der Schweiz spart das über eine Saison mehr Schläge als manche Trainingsstunde.
Die Regelhinweise beziehen sich auf die Golfregeln von R&A und USGA, insbesondere die Regeln 4.3, 8.1, 9.3, 9.4 und 19. Die Lochbeschreibungen stammen von der Website des Golfplatzes Gonten.






