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Technik

Bise, Joran und dünne Höhenluft: drei Fehler im Gegenwind

Gegenwind gibt dem Ball keinen zusätzlichen Spin, er erhöht die Anströmgeschwindigkeit. Die Rechnung, der richtige Schläger, und warum die Faustregel im Engadin nicht dieselbe ist wie im Seeland.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 9 min
Golferin auf einem freiliegenden Grün über dem Meer
Photo Mikhail Nilov / Pexels

Kurz gefasst

  • Gegenwind kostet rund doppelt so viel, wie derselbe Wind von hinten zurückgibt.
  • Sechs Meter Spiellänge je 10 km/h Gegenwind. 30 km/h sind zwei Schläger, nicht einer.
  • In der Höhe zuerst die Höhe rechnen, dann den Wind: dünne Luft gibt Länge und nimmt dem Wind Kraft.
  • Bise, Joran, Föhn und Talwind folgen dem Gelände. Wer sie kennt, liest die Runde besser als jede Wetter-App.

Der Wind ist das einzige Hindernis auf einem Golfplatz, das sich bewegt, und das einzige, auf das die meisten Golfer genau falsch reagieren. Der Ball bleibt fünfundzwanzig Meter zu kurz, fällt fast senkrecht herunter und bleibt liegen, und der Reflex heisst: den nächsten fester schlagen. So wird aus zwei Schlägern Wind ein Nachmittag, der vier kostet.

Geheimnisvoll ist daran nichts. Es ist Rechnen, und die Rechnung ist unsymmetrisch: Gegenwind nimmt ungefähr doppelt so viel, wie derselbe Wind von hinten zurückgibt. Drei Fehler erklären fast den gesamten Schaden, und alle drei passieren, bevor der Schläger sich bewegt.

Was Gegenwind wirklich macht

Zuerst das, was fast alle falsch haben. Gegenwind lässt den Ball nicht schneller drehen. Der Spin, der die Schlagfläche verlässt, ist genau der, den Ihr Treffmoment erzeugt hat, und kein Wind legt etwas drauf.

Was der Wind hinzufügt, ist Anströmgeschwindigkeit. Die Geschwindigkeit des Balls relativ zur Luft ist seine eigene plus die des entgegenkommenden Windes, und sowohl Auftrieb als auch Luftwiderstand steigen steil mit dieser Zahl. Derselbe Spin erzeugt also mehr Auftrieb. Der Ball steigt höher als geplant, bleibt länger oben, gibt dem Wind mehr Zeit und fällt zuletzt steil und weit vor dem Ziel herunter.

Das ist der ganze Mechanismus. Der Ball ballonisiert, weil die Luft schneller geworden ist, nicht weil der Ball mehr Spin bekommen hat. Und genau das sagt Ihnen, was zu tun ist: dem Wind weniger Höhe und weniger Zeit geben und ihm nicht auch noch zusätzlichen Spin liefern.

Zwei Zahlen gehören ins Gedächtnis. Als Faustregel gilt: rund sechs Meter zusätzliche Spiellänge je 10 km/h Gegenwind, und rund drei Meter weniger je 10 km/h Rückenwind. Ein Wind von 30 km/h von vorn verlängert den Schlag also um etwa 18 Meter, für die meisten Spieler zwei Schläger. Dieselben 30 km/h von hinten nehmen etwa neun Meter weg, also einen.

Eine von Golf Digest veröffentlichte Launchmonitor-Modellierung zeigt dasselbe an einem einzigen Schläger. Ein Tour-Eisen 7 mit 152 Metern Carry in ruhiger Luft trug bei 16 km/h Gegenwind rund 16 Meter weniger und bei demselben Wind von hinten rund 12 Meter mehr. Gegenwind kostet mehr, als Rückenwind einbringt. Jede Windentscheidung sollte von dieser Ungleichheit ausgehen.

Fehler eins: fester schlagen

Der teuerste, und beinahe unwillkürlich. Der Wind drückt gegen Sie, also drücken Sie zurück: derselbe Schläger wie an einem ruhigen Tag, und dann volle Kraft. Jeder Teil davon verschlimmert die Lage. Mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit an einer gelofteten Fläche bedeutet mehr Backspin, und mehr Backspin in Luft, die ohnehin zusätzlichen Auftrieb erzeugt, ist das exakte Rezept für einen Ball, der steigt, stehen bleibt und fällt. Ein festerer Schwung verschiebt zudem den Treffpunkt, bei Hölzern nach oben, bei Eisen ins Dünne, und kostet Balance an einem Tag, an dem Balance ohnehin knapp ist.

Der alte Satz, man solle bei Wind lockerer schwingen, stimmt. Er scheitert trotzdem regelmässig, weil die Leute lockerer schwingen und denselben Schläger nehmen. Locker ist die halbe Anweisung. Die andere Hälfte heisst: mehr Schläger.

Fehler zwei: ein Schläger, wo die Rechnung zwei sagt

Die meisten korrigieren durchaus. Sie korrigieren nur so, als wäre Wind symmetrisch, und legen gegen den Wind genau einen Schläger drauf, wie sie mit dem Wind genau einen wegnehmen. Nach der Rechnung oben fehlt Ihnen damit ein Schläger.

Machen Sie es richtig. Schätzen Sie den Wind in Zehnerschritten: 10, 20, 30 oder 40 km/h. Genauigkeit ist nicht der Punkt, und die meisten überschätzen ohnehin. Rechnen Sie sechs Meter je 10 km/h auf Ihre echte Carry-Länge, nicht auf die, die Sie gern hätten, und nehmen Sie dann den Schläger, der die Summe mit einem ruhigen Schwung abdeckt, und nicht den, der sie mit dem besten Treffer der Saison abdeckt.

Und dann der Teil, der es funktionieren lässt: den grösseren Schläger mit etwa drei Vierteln schwingen und kurz durchschwingen, die Hände nicht höher als die Brust. Ein Eisen 7 auf achtzig Prozent fliegt flacher und hält die Linie deutlich besser als ein perfekt getroffenes Eisen 9. Wenn der Ball tief bleiben muss, nehmen Sie das Loft über den Schläger heraus und nicht über die Hände. Wer mit einem Wedge einen tiefen Ball bauen will, endet im Vorwärtspressen und in einem Flieger, den niemand kontrolliert.

Die Ansprechposition für den flachen Schlag ist schnell erklärt und einen Korb Bälle wert: Ball eineinhalb Zentimeter weiter hinten, Griff zwei bis drei Zentimeter kürzer, Gewicht leicht auf der vorderen Seite, Stand etwas breiter. Das kurze Ende ist der Teil, den alle weglassen, und genau der hält den Spin unten.

Fehler drei: den Wind an der falschen Stelle lesen

Der dritte Fehler ist ein Lesefehler, und er ruiniert den Schlag, bevor überhaupt ein Schläger gezogen wird. Golfer lesen den Wind dort, wo sie stehen, und wo sie stehen, ist meist die windgeschützteste Stelle der Bahn.

Ein Abschlag zwischen Föhren sagt Ihnen nichts. Ein Grün in einer Mulde lässt die Fahne schlaff hängen, während die Luft sechs Meter darüber über die Baumkronen streicht. Hochgeworfenes Gras meldet, was die Luft auf Knöchelhöhe tut, und dort verbringt Ihr Ball die nächsten sechs Sekunden gerade nicht. Lesen Sie die Baumkronen, die höchste sichtbare Fahne und die Wolken. Wenn Kronen und Fahne sich widersprechen, glauben Sie den Kronen.

Derselbe Fehler hat eine zweite Hälfte: Gegenwind verstärkt jede Kurve, die Sie dem Ball ohnehin mitgeben. Ein Fade, der bei Windstille acht Meter driftet, driftet bei kräftigem Gegenwind zwanzig. Mit der gewohnten Ballkurve auf die Fahne zu zielen ist derselbe Fehler wie der falsche Schläger. Zielen Sie dorthin, wo Wind und Ballkurve den Ball tatsächlich hinlegen, und bei Seitenwind reiten Sie ihn, statt dagegenzuhalten. Gegen den Seitenwind zu halten heisst mehr Spin, und Spin ist heute das Einzige, was Sie sich nicht leisten können.

In der Höhe rechnet der Wind anders

Das ist die Schweizer Besonderheit, und sie wird auf beiden Seiten falsch eingeschätzt. In dünner Luft fliegt der Ball weiter, das weiss jeder, der in Crans-Montana oder im Engadin gespielt hat: auf 1500 Metern sind es grob zehn Prozent mehr Länge, im Oberengadin noch etwas mehr.

Weniger bekannt ist die zweite Hälfte. Dieselbe dünne Luft übt auch weniger Kraft auf den Ball aus, wenn sie sich bewegt. Ein Gegenwind von 30 km/h auf 1600 Metern nimmt also weniger Länge als derselbe Wind auf 400 Metern im Mittelland. Wer die Faustregel von oben unverändert in die Berge mitnimmt, nimmt dort zu viel Schläger und fliegt über das Grün, nachdem er den ganzen Sommer zu kurz war. Zwei Korrekturen, die in verschiedene Richtungen zeigen, gehören einzeln gerechnet und dann addiert: zuerst die Höhe dazu, dann den Wind ab.

Was der Wind rund ums Grün macht

Die Annäherung bekommt alle Aufmerksamkeit, und das kurze Spiel verschenkt still genauso viel. Gegen den Wind landet ein Pitch steil und beisst stärker als erwartet, der Ball, der auf zweieinhalb Meter hätte auslaufen sollen, bleibt auf sechs liegen. Mit dem Wind rutscht derselbe Schlag durch. Ändern Sie den Schlag, nicht die Anstrengung: gegen den Wind schlägt ein flacher, laufender Chip mit dem Eisen 9 jedes hohe Wedge, weil das Wedge den Ball senkrecht in die schnellste verfügbare Luft stellt.

Auf dem Grün bewegt Wind ab 30 km/h einen langsamen Ball tatsächlich, vor allem auf dem letzten Meter, wo er kaum noch rollt. Breiter stehen, kürzer stossen. Eine Regel lohnt sich zu kennen: Bewegt der Wind Ihren ruhenden Ball, gibt es keine Strafe, und Sie spielen ihn von der neuen Stelle. Die Ausnahme gilt auf dem Grün, wo ein bereits aufgenommener und zurückgelegter Ball an seine ursprüngliche Stelle zurückkommt. Das ist Regel 9.3, und sie ist der Grund, auf einem windigen Grün erst zu markieren und zurückzulegen, wenn Sie wirklich putten.

Wo Schweizer Golfer echten Gegenwind treffen

Die Schweiz gilt nicht als Windland, weil sie keine Küste hat. Das ist ein Trugschluss: was hier fehlt, ist der stetige Seewind, nicht der Wind. Was die Schweiz stattdessen hat, sind vier sehr unterschiedliche Winde, die sich alle nach dem Gelände richten, und wer sie kennt, liest eine Runde besser als jede Wetter-App.

Die Bise ist der wichtigste. Sie kommt aus Nordost, wird zwischen Jura und Alpen zusammengedrückt und fegt über das ganze Mittelland, am kräftigsten im Winter und im Frühling. Die offenen Anlagen im Seeland, rund um den Neuenburgersee und am oberen Genfersee bekommen sie ungebremst, dazu kalte, dichte Luft, die für sich allein schon Länge kostet. Eine Bisenlage ist der Tag, an dem eine Bahn von 140 Metern zwei Schläger mehr verlangt, und das über die ganze Runde in dieselbe Richtung.

Der Joran ist die unangenehme Variante: ein Fallwind, der vom Jurakamm auf den Neuenburgersee herunterstürzt, oft innerhalb von Minuten und meist am späten Nachmittag. Er dreht die Windrichtung einer Bahn zwischen Abschlag und Annäherung, was ihn zum einzigen Schweizer Wind macht, bei dem man nach dem Drive noch einmal neu liest.

Der Föhn gehört den Alpentälern. Im St. Galler Rheintal, im Urnerland und im Wallis bringt er warme, trockene Luft und kräftigen Südwind zugleich, und weil die Luft dabei zusätzlich trocken und warm ist, fliegt der Ball mit dem Wind absurd weit. Der vierte ist der unauffälligste und trifft am meisten Runden: der Talwind, der tagsüber das Tal hinauf weht und abends wieder hinunter. Auf einer Anlage im Wallis oder im Bündnerland spielt sich dieselbe Bahn um zehn Uhr und um sechzehn Uhr in entgegengesetzten Windrichtungen, und das steht auf keiner Scorekarte.

Üben kostet nichts extra. Die meisten warten den ruhigen Tag ab, und das ist genau verkehrt herum: Suchen Sie sich den windigsten Nachmittag des Monats statt des ruhigsten und schlagen Sie einen halben Korb geradewegs hinein. Anders lernen Sie nie, was Ihr eigener Ball tut, statt dessen, was eine Tabelle behauptet. Eine ruhige Neunloch-Runde am späten Nachmittag, wenn niemand hinter Ihnen spielt, kostet CHF 0 Aufpreis, wenn das Greenfee ohnehin bezahlt ist, und genau dann weht es am stärksten. Wer über ASGI oder die Migros GolfCard spielt, findet auf den öffentlichen Anlagen abends die günstigsten Startzeiten dafür. Und wenn Ihre Driving Range nur in eine Richtung zeigt, gehen Sie an dem Tag hin, an dem der Wind dagegensteht.

Fünf Dinge für die nächste Runde

  • Wind in Zehnerschritten schätzen, sechs Meter je 10 km/h aufschlagen, danach den Schläger wählen.
  • Mehr Schläger nehmen und auf drei Viertel mit kurzem Ende schwingen. Immer beide Hälften.
  • In der Höhe zuerst die Höhe rechnen, dann den Wind, und die beiden Korrekturen nicht vermischen.
  • Die Baumkronen lesen, nicht die Fahne und nicht das hochgeworfene Gras.
  • Rund ums Grün flacher und länger: der laufende Chip mit dem Eisen 9 schlägt das hohe Wedge.

Nichts davon verlangt einen anderen Schwung. Es verlangt einen anderen Schläger, ein anderes Ziel und eine Windlesung, die woanders stattfindet als direkt neben Ihren Füssen. Wer bei Bise zwei Schläger mehr nimmt und auf drei Viertel schwingt, unterschreibt im Seeland eine Karte. Wer denselben Schläger nimmt und fester schlägt, verbringt den Nachmittag im Bunker vor dem Grün.

Regelangaben beziehen sich auf die Golfregeln im Stand von 2026, insbesondere Regel 9.3 zum durch Naturkräfte bewegten Ball.

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