Golf bei Gegenwind: Schlägerwahl, flacher Ball und Bise, Föhn und Höhenluft
Gegenwind gibt dem Ball keinen zusätzlichen Spin, er erhöht die Anströmgeschwindigkeit, und der Ball steigt und fällt kurz. Nehmen Sie gegen den Wind grosszügig mehr Schläger, schwingen Sie auf drei Viertel und lesen Sie den Wind in den Baumkronen. Im Mittelland bringt die Bise, in den Alpentälern der Föhn die windigen Tage.
Kurz gefasst
- Gegenwind kostet mehr Länge, als derselbe Wind von hinten bringt: gegen den Wind grosszügiger aufrunden.
- Mehr Schläger, drei Viertel Schwung, Ball etwas zurück, kurzes Finish; nicht fester schlagen.
- Wind in Baumkronen und an der höchsten Fahne lesen, nicht am hochgeworfenen Gras.
- Auf Bergplätzen zuerst die Höhe, dann den Wind einrechnen.
- Bise weht laut MeteoSchweiz über das Mittelland und wird Richtung Genfersee stärker, Föhn ist im Frühling am häufigsten.
Die Schweiz hat keine Küste, und trotzdem kennt jede Golferin im Mittelland den Tag, an dem jeder Ball zu kurz bleibt. MeteoSchweiz beschreibt die Bise als nordöstlichen Wind, der hauptsächlich über das Mittelland weht und zwischen Jura und Alpen kanalisiert wird. In den Föhntälern der Alpennordseite erreichen die heftigsten Föhnstürme jedes Jahr Spitzen von 100 bis 140 km/h, gemessen am klassischen Föhnstandort Altdorf. Wind ist hier kein Küstenthema, sondern Teil der Saison.
Die meisten Schläge, die ein windiger Tag kostet, gehen nicht auf den Wind selbst zurück, sondern auf die Reaktion darauf: fester schlagen, zu wenig Schläger nehmen, den Wind am falschen Ort lesen. Alle drei Fehler passieren vor dem Schwung, und alle drei lassen sich abstellen.
Warum Gegenwind mehr nimmt, als Rückenwind gibt
Ein verbreiteter Irrtum lautet, Gegenwind gebe dem Ball zusätzlichen Spin. Das stimmt nicht. Der Spin entsteht im Treffmoment an der Schlagfläche, und daran ändert die Luft danach nichts.
Was sich ändert, ist die Geschwindigkeit des Balls relativ zur Luft. Fliegt der Ball in den Wind, addiert sich die Windgeschwindigkeit zu seiner eigenen. Auftrieb und Luftwiderstand wachsen mit dieser Anströmgeschwindigkeit überproportional. Derselbe Spin erzeugt also mehr Auftrieb, der Ball steigt höher als geplant, bleibt länger in der Luft, wird länger gebremst und fällt steil und kurz herunter. Golfer nennen das Ballonieren.
Mit dem Wind im Rücken läuft es umgekehrt, aber nicht spiegelbildlich. Der Ball verliert Auftrieb, fliegt flacher und kommt früher herunter. Er gewinnt zwar Länge, aber weniger, als derselbe Wind von vorne kostet. Daraus folgt die wichtigste Regel für jeden windigen Tag: Gegen den Wind müssen Sie mehr Schläger dazunehmen, als Sie mit dem Wind wegnehmen.
Wie viel das bei Ihnen ausmacht, hängt von Ballgeschwindigkeit, Abflugwinkel und Spin ab. Statt einer fremden Tabelle zu vertrauen, messen Sie es selbst (dazu unten mehr) und notieren sich für zwei, drei Windstärken, wie viele Schläger mehr oder weniger Sie brauchen.
Fehler eins: gegen den Wind fester schlagen
Der Reflex ist verständlich: Der Wind drückt, also drückt man zurück, mit demselben Schläger wie an einem ruhigen Tag und vollem Einsatz. Doch mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit mit einem gelofteten Schläger heisst mehr Backspin, und mehr Backspin in Luft, die ohnehin zusätzlichen Auftrieb liefert, schickt den Ball erst recht in die Höhe. Dazu kommen schlechtere Treffer und ein wackliger Stand, gerade wenn der Wind auch am Körper zerrt.
Der bekannte Rat «bei Wind locker schwingen» ist richtig, aber nur die halbe Anweisung. Wer locker schwingt und denselben Schläger nimmt, bleibt noch kürzer. Die andere Hälfte heisst: mehr Schläger.
Fehler zwei: zu wenig Schläger dazunehmen
Viele Spielerinnen und Spieler korrigieren zwar, aber symmetrisch: einen Schläger mehr gegen den Wind, einen weniger mit dem Wind. Weil Gegenwind stärker wirkt, reicht das gegen den Wind oft nicht. So wählen Sie besser:
- Wind grob schätzen: schwach, mittel, stark. Mehr Genauigkeit bringt auf dem Platz wenig.
- Von der echten Carry-Distanz ausgehen, nicht vom besten Schlag der Saison.
- Gegen den Wind grosszügiger aufrunden als mit dem Wind abrunden.
- Den längeren Schläger kontrolliert schwingen: etwa drei Viertel Ausholbewegung, kurzes Finish, die Hände enden ungefähr auf Brusthöhe.
Für den flachen Ball ändern Sie das Ansprechen, nicht die Hände im Treffmoment: den Ball etwas weiter hinten im Stand, den Griff einige Zentimeter kürzer, das Gewicht leicht auf der vorderen Seite, den Stand etwas breiter für die Balance. Nehmen Sie den Loft über die Schlägerwahl heraus. Wer mit einem Wedge einen flachen Ball erzwingen will, indem er die Hände weit nach vorne drückt, verliert die Kontrolle über Länge und Richtung.
Fehler drei: den Wind am falschen Ort lesen
Am Abschlag zwischen Bäumen oder auf einem Grün in einer Mulde spüren Sie oft kaum Wind, während er ein paar Meter höher kräftig weht. Ihr Ball verbringt den grössten Teil seines Flugs genau in dieser Höhe. Hochgeworfenes Gras zeigt deshalb nur, was die Luft auf Knöchelhöhe tut.
Lesen Sie in dieser Reihenfolge: die Baumkronen, die höchste sichtbare Fahne auf dem Platz, die Wolken. Widersprechen sich die Fahne am Grün und die Baumkronen, trauen Sie den Kronen. Und prüfen Sie vor der Annäherung erneut, statt die Windlesung vom Abschlag mitzunehmen, denn auf einem Platz mit Waldschneisen und Kuppen kann die Richtung zwischen zwei Standorten ändern.
Seitenwind: die eigene Ballkurve mitrechnen
Wind verstärkt jede Kurve, die der Ball ohnehin hat. Ein leichter Fade, der bei Windstille ein paar Meter driftet, kann bei kräftigem Wind von links weit nach rechts getragen werden. Zielen Sie deshalb dorthin, wo Wind und Kurve den Ball gemeinsam hintragen, und lassen Sie den Ball mit dem Seitenwind fliegen. Wer versucht, gegen den Wind anzudrehen, erzeugt zusätzlichen Spin und vergrössert die Streuung. Bei Gegenwind schräg von vorne gilt beides zugleich: mehr Schläger und mehr Vorhaltemass.
Rund ums Grün und auf dem Grün
Auch das kurze Spiel verändert sich. Gegen den Wind landet ein hoher Pitch steiler und bleibt früher liegen, mit dem Wind rollt derselbe Schlag weiter. Die zuverlässigere Lösung gegen den Wind ist meist der flache, laufende Chip mit einem Eisen, weil er kaum Zeit in der Luft verbringt.
Auf dem Grün kann starker Wind einen langsam rollenden Ball ablenken und sogar einen ruhenden Ball bewegen. Hier lohnt ein Blick in die Regeln. Bewegen natürliche Kräfte wie Wind Ihren ruhenden Ball, ist das nach Regel 9.3 straflos, und Sie spielen den Ball von der neuen Stelle. Die Ausnahme: Liegt der Ball auf dem Grün und hatten Sie ihn bereits markiert, aufgenommen und zurückgelegt, kommt er an die ursprüngliche Stelle zurück. Auf einem windigen Grün stehen Sie beim Putten ausserdem etwas breiter, um ruhig zu bleiben.
In der Höhe wirkt der Wind anders
Auf Bergplätzen ist die Luft dünner. Der Ball fliegt dort weiter, weil ihn weniger Luftwiderstand bremst, und aus demselben Grund übt auch bewegte Luft weniger Kraft auf ihn aus. Das Engadin mit Samedan auf 1721 m ü. M. oder Arosa, laut Club einer der höchstgelegenen 18-Loch-Plätze Europas, sind typische Beispiele.
Für die Schlägerwahl heisst das: Rechnen Sie die beiden Einflüsse getrennt. Zuerst die Höhe, die Ihre Distanzen verlängert, dann den Wind. Wer die Windkorrektur aus dem Mittelland unverändert auf einen Bergplatz überträgt und die Höhe dazu vergisst, nimmt gegen den Wind leicht zu viel Schläger und landet hinter dem Grün.
Wo Sie in der Schweiz mit Wind rechnen müssen
Bise im Mittelland. Laut MeteoSchweiz entsteht die Bise, wenn ein Hoch über dem nördlichen Mittel- oder Nordeuropa und ein Tief über dem Mittelmeer liegen. Die Luft wird zwischen Jura und Alpen kanalisiert und gewinnt Richtung Westen an Geschwindigkeit, am stärksten spürbar in der Genferseeregion. Wie gross der Unterschied sein kann, zeigt die stürmische Bisenlage vom 12. November 2004: In der Genferseeregion wurden um 90 km/h gemessen, in Changin sogar 100,8 km/h, in der Deutschschweiz dagegen kaum Spitzen über 50 km/h. Im Sommer bringt die Bise trockene Luft, im Winter kalte, feuchte Luft und oft Hochnebel. Für Golf heisst das: An einem Bisentag weht der Wind auf der ganzen Runde aus ähnlicher Richtung, und die Löcher Richtung Nordosten spielen deutlich länger.
Föhn in den Alpentälern. Der Föhn ist ein warmer, trockener Fallwind. MeteoSchweiz nennt als typische Südföhntäler unter anderem das Rheintal, das Reusstal, das Haslital, das Glarnerland, das Unterwallis und das Oberwallis bei Visp. Süd- und Nordföhn treten am häufigsten im Frühling auf, und in seltenen Fällen weht der Föhn vier bis fünf Tage ohne Unterbruch. Auf Plätzen in diesen Tälern kann ein Frühlingstag mit Föhn deshalb stürmisch sein, auch bei blauem Himmel.
Prüfen Sie vor der Runde die Windprognose von MeteoSchweiz für Ihre Region, und schauen Sie auf die Webcam des Clubs, wenn es eine gibt. Arosa und das Engadin verlinken ihre Webcams direkt auf der Website.
Wo Sie Windschläge üben
- Trackman Range an einem windigen Tag: In den Migros Golfparks ist die Trackman Range gratis nutzbar, die App zeigt unter anderem Ballgeschwindigkeit, Flughöhe, Abflugrichtung und Abflugwinkel. Gehen Sie bewusst an einem windigen Tag hin und schlagen Sie dieselben Schläger voll und auf drei Viertel. So sehen Sie, wie viel Höhe und Länge Sie verlieren und wie viel flacher der kontrollierte Schwung bleibt.
- Auf der Driving Range mit Gegenwind: Zeigt Ihre Range nur in eine Richtung, wählen Sie den Tag, an dem der Wind dagegensteht.
- Mit einem Pro: Eine Privatlektion bei der Migros Golf Academy kostet CHF 120 für 50 Minuten. Ein halber Korb flache Schläge mit Rückmeldung zu Ballposition und Finish bringt mehr als ein Monat Probieren.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Anlagen.
Fünf Punkte für die nächste Runde
- Gegen den Wind grosszügig mehr Schläger nehmen, mit dem Wind vorsichtig weniger.
- Den längeren Schläger auf drei Viertel schwingen, kurzes Finish, Ball etwas zurück.
- Wind in den Baumkronen und an der höchsten Fahne lesen, nicht am Boden.
- In der Höhe zuerst die Höhe einrechnen, dann den Wind.
- An Bise- und Föhntagen mit einer Richtung für die ganze Runde rechnen und rund ums Grün flach spielen.
Wind verlangt keinen neuen Schwung, sondern andere Entscheidungen. Wer bei Bise mehr Schläger nimmt und ruhiger schwingt, spielt vom Grün aus. Wer denselben Schläger härter schlägt, sucht seinen Ball im Bunker vor dem Grün.
Die Wetterangaben stammen von MeteoSchweiz, die Regelhinweise von den Golfregeln von R&A und USGA (Regel 9.3).






