Bis zum Grünanfang: Entfernungspunkte, Birdiebook und Scorekarte richtig lesen
Ein Platzplan verbessert keinen Schwung, aber er zeigt, wo ein guter Schwung einen Schlag kostet. Auf deutschen Plätzen beginnt das Lesen mit einer Frage, die viele überspringen: Gilt die Zahl bis zum Anfang des Grüns oder bis zur Mitte?
Kurz gefasst
- Der DGV empfiehlt für Par 4 und Par 5: 100 Meter weiß mit einem Ring, 150 Meter rot mit zwei Ringen, 200 Meter gelb mit drei Ringen, gemessen bis zum Grünanfang. Viele Clubs weichen ab, die Platzregeln sagen es.
- Auf Par-3-Löchern kann der Messpunkt am Abschlag zur Grünmitte zählen, wie beim Golfclub am Obinger See. Auf demselben Platz gelten dann zwei Bezugspunkte.
- Das Birdiebook liegt oft im Sekretariat: beim Golf Club Spessart und beim Golfclub Hamburg-Holm für 5 €. Abbildungen von Grüns sind seit 2019 auf den Maßstab 1:480 begrenzt.
- Planen Sie jedes Loch rückwärts von Ihrer Lieblingsentfernung für die Annäherung, und auf blinden Doglegs im Wald nach der Entfernung zur Ecke, nicht nach der Länge des Lochs.
Die meisten Golfer schauen auf einen Platzplan wie auf den U-Bahn-Plan einer fremden Stadt: lange genug, um die nächste Station zu finden, nie lange genug, um das Netz zu verstehen. Scorekarte, Lochschild, Birdiebook und App zeigen aber mehr als ein Bild der Bahn. Richtig gelesen sagen sie Ihnen, wohin das Loch Ihren Fehlschlag haben möchte und wohin nicht.
Ein Plan verbessert Ihren Schwung nicht. Er verhindert, dass Sie einen guten Schwung genau auf die eine Stelle der Bahn richten, an der er einen Schlag kostet. Bei Handicap 20 ist das mehr wert als jede Änderung auf der Range.
Was ein Platzplan wirklich erzählt
Auf einem deutschen Platz begegnen Ihnen vier Arten von Plan, und sie sagen nicht dasselbe. Die Skizze auf der Scorekarte ist eine Zeichnung: Sie zeigt die Form des Lochs, die wichtigsten Hindernisse und ein paar Zahlen, und sie ist selten maßstabsgetreu. Das Lochschild am Abschlag ist oft dieselbe Skizze in groß. Ein Birdiebook ist etwas anderes: vermessen, im Maßstab, mit Entfernungen zu Bunkerkanten und Wasser direkt auf der Seite. Eine App misst auf Satellitenbildern von dort, wo Sie stehen.
Bevor Sie einer Zahl trauen, beantworten Sie zwei Fragen. Erstens: gemessen von wo? Die Längen auf der Scorekarte zählen von einem festen Messpunkt am Abschlag, und die Abschlagsmarkierungen können an diesem Morgen zehn Meter weiter vorne oder hinten stehen. Zweitens: gemessen bis wohin? Hier unterscheiden sich deutsche Plätze von vielen im Ausland, denn die Entfernungsmarkierungen im Fairway messen hierzulande nach der Empfehlung des Golfverbands meist bis zum Grünanfang und nicht bis zur Grünmitte. Das steht in den Platzregeln, und es ist die teuerste Zeile, die man überlesen kann.
Dann suchen Sie den Maßstab. Messen Sie im Birdiebook eine bekannte Entfernung mit dem Daumen ab, und Sie haben ein Lineal für die ganze Bahn.
Fünf Dinge, die Sie vor jedem Abschlag suchen
Suchen Sie jedes Mal dieselben fünf Dinge, in derselben Reihenfolge.
- Ihre Landezone. Nehmen Sie Ihre echte Carry-Länge mit dem geplanten Schläger, nicht Ihren besten Drive des Jahres, und suchen Sie diese Entfernung auf dem Plan. Was liegt dort: Fairway, ein Bunker, der Rand einer Penalty Area, ein Dogleg, durch das Sie hindurchschlagen?
- Die Breite an dieser Stelle. Bahnen werden enger und weiter. Das Fairway kann bei 180 Metern 40 Meter breit sein und bei 230 Metern nur noch 23. Das ist oft das beste Argument für einen kürzeren Schläger vom Tee.
- Die Linien, die Schläge kosten. Weiße Pfosten oder Linien markieren Aus, und das bedeutet Schlag und Distanz. Rote und gelbe Markierungen begrenzen Penalty Areas, aus denen Sie mit einem Strafschlag droppen.
- Tiefe und Form des Grüns. Ein Grün von 30 Metern Tiefe ist je nach Fahne ein Grün für zwei oder drei verschiedene Schläger.
- Die kurze Seite. Schauen Sie, wo rund um das Grün die Schwierigkeiten liegen. Wer auf der Seite ohne Bunker und mit viel Grün vor sich verfehlt, spielt schlimmstenfalls ein Bogey. Wer auf der anderen Seite verfehlt, schreibt das Doppelbogey auf.
Die Zahlen lesen: erreichen, überfliegen, vorne, hinten
Ein gutes Birdiebook nennt zu Hindernissen zwei Arten von Zahl, und wer sie verwechselt, landet genau in dem Bunker, den er überfliegen wollte. Die Zahl zum Erreichen eines Bunkers ist die Entfernung bis zu seiner vorderen Kante. Die Zahl zum Überfliegen ist die Entfernung bis zur hinteren Kante. Bei einem Fairwaybunker liegen zwischen beiden leicht 20 Meter. Fliegt Ihr Drive 200 Meter und der Bunker liegt bei 185 zum Erreichen und 210 zum Überfliegen, dann schlagen Sie direkt hinein.
Beim Grün ist es genauso. Ein Loch, das zur Mitte 140 Meter misst, kann 127 bis zum Anfang und 153 bis zum Ende haben. Bei einer Fahne vorne ist die Zahl zur Mitte einen Schläger zu lang, bei einer Fahne hinten einen Schläger zu kurz.
Das Loch vom Grün aus rückwärts planen
Die Gewohnheit, die aus einem Plan gesparte Schläge macht, ist einfach: Entscheiden Sie, von wo Sie Ihren Annäherungsschlag spielen wollen, und arbeiten Sie sich dann zum Abschlag zurück.
Nehmen Sie ein Par 4 von 355 Metern. Der Plan zeigt links einen Fairwaybunker, 210 Meter zum Erreichen und 235 zum Überfliegen, und rechts eine Penalty Area von 215 bis 255 Metern. Das Grün ist 28 Meter tief, mit einem Bunker vorne links. Der Driver wirkt wie der natürliche Schläger. Er ist auch der Schläger, der beide Hindernisse ins Spiel bringt.
Jetzt rückwärts. Ihr zuverlässigster voller Annäherungsschlag ist ein Eisen 9 über etwa 125 Meter. Damit 125 Meter übrig bleiben, muss der Abschlag 230 Meter weit gehen, und genau dort wird die Bahn von beiden Seiten eng. Ein Hybrid über 185 Meter lässt 170 übrig, eine lange Annäherung, aber aus dem breitesten Teil des Fairways. Ein Holz 3 über 205 Meter lässt 150 übrig, ein Eisen 6, von einer Stelle vor Bunker und Penalty Area. Aus dem hoffnungsvollen Driver ist die Wahl zwischen zwei vernünftigen Schlägern geworden, und die Annäherung gehört auf die rechte Hälfte des Grüns, weg vom Bunker vorne links.
Das kostet dreißig Sekunden pro Loch. Meist ist die Antwort offensichtlich, und auf den drei oder vier anderen Löchern zahlt sich der Plan aus.
Machen Sie den Plan zu Ihrem eigenen
Gedruckte Pläne sind für alle geschrieben. Spielen Sie oft auf demselben Platz, bearbeiten Sie ein zweites Birdiebook zu Hause.
- Schreiben Sie auf jeden Abschlag Ihre Carry-Länge mit Driver, Holz 3 und Hybrid, damit Sie sehen, wo jeder Schläger landet.
- Kreisen Sie die Stellen ein, an denen ein Fehlschlag einen Schlag kostet, und zeichnen Sie einen kleinen Pfeil zur sicheren Seite.
- Markieren Sie auf jedem Par 4 und Par 5 Ihre Wunschentfernung für die Annäherung.
- Setzen Sie nach jeder Runde einen Punkt dorthin, wo Ihre Abschläge wirklich liegen geblieben sind. Nach drei Runden sehen Sie, wohin Sie wirklich verfehlen.
Die Golfregeln erlauben das alles. Handschriftliche Notizen sind in Ordnung, solange Sie keine detaillierte Kopie der Grünkonturen anfertigen. Seit dem 1. Januar 2019 begrenzen USGA und R&A Abbildungen von Grüns, die während der Runde benutzt werden, auf einen Maßstab von 1:480 oder kleiner, also etwa 1 cm für 4,8 m. Herkömmliche Platzführer, die den Umriss eines Grüns und seine groben Neigungen zeigen, bleiben erlaubt. Auch Laser und GPS sind zulässig, sofern die Spielleitung sie nicht per Platzregel verboten hat, aber die Funktion zur Messung von Höhenunterschieden muss ausgeschaltet sein. Der erste Verstoß kostet die Grundstrafe, ein zweiter in derselben Runde bedeutet Disqualifikation.
Fehler, die Golfer mit dem Platzplan machen
- Die Zahl zum Grünanfang für die Zahl zur Fahne halten. Auf deutschen Plätzen ist das der häufigste Lesefehler, und bei jeder Fahne in der Mitte oder hinten kostet er einen Schläger.
- Den falschen Abschlag lesen. Lochskizzen zeigen oft die Länge von den hintersten Abschlägen. Spielen Sie weiter vorne, ziehen Sie ab, bevor Sie planen.
- Einem alten Plan vertrauen. Bunker werden zugeschüttet, Bäume fallen, Abschläge wandern. Ein altes Birdiebook irrt genau dort, wo es zählt.
- Für den besten Schlag planen. Nehmen Sie die Carry-Länge, die Sie sieben von zehn Mal schaffen.
Wo Sie auf deutschen Plätzen verlässliche Zahlen finden
Beginnen Sie mit den Markierungen im Fairway. Der Deutsche Golf Verband empfiehlt seinen Clubs für Par-4- und Par-5-Löcher ein einfaches System: 100 Meter als weißer Punkt oder Pfosten mit einem Ring, 150 Meter als roter Punkt oder Pfosten mit zwei Ringen, 200 Meter nur auf Par-5-Löchern als gelber Punkt oder Pfosten mit drei Ringen. Gemessen wird jeweils bis zum Grünanfang. Für die Pfosten selbst rät der DGV zu Grün, Schwarz oder Braun, damit niemand sie mit den weißen, roten oder gelben Pfählen verwechselt, die Aus und Penalty Areas markieren. Der Golfclub Duvenhof in Willich etwa arbeitet mit genau diesen Farben, der Golfclub Leverkusen mit grünen Pfosten, deren Ringe 100 und 150 Meter bis zum Anfang des Grüns anzeigen. Einheitlich ist das nicht: Manche Anlagen nutzen andere Farben, einige schreiben Entfernungen auf die Sprinklerdeckel. Lesen Sie vor dem ersten Abschlag die Platzregeln.
Achten Sie dabei besonders auf die Par-3-Löcher. Beim Golfclub am Obinger See in Oberbayern zum Beispiel zeigt der Messpunkt auf dem Abschlag eines Par 3 die Entfernung zur Grünmitte, während die Platten im Fairway bis zum Grünanfang zählen. Auf demselben Platz gelten also zwei Bezugspunkte. Auf den langen Löchern rechnen Sie für eine Fahne in der Mitte die halbe Grüntiefe dazu.
Das Birdiebook ist in Deutschland der übliche Name für das vermessene Platzheft, und viele Clubs geben es im Sekretariat oder Clubbüro ab. Beim Golf Club Spessart kostet die gedruckte Pro-Version 5 €, laut Club regelkonform, mit Entfernungen, Höhenangaben und Gefällerichtungen rund um die Grüns, und eine abgespeckte Light-Version steht dort kostenlos als PDF auf der Website. Beim Golfclub Hamburg-Holm liegt die Druckversion ebenfalls für 5 € im Clubbüro. Als Gast fragen Sie beim Bezahlen des Greenfees einfach danach.
Die Scorekarte ist ebenfalls ein Plan, und sie trägt die Zahlen Ihres Handicaps. Seit dem World Handicap System hat jede Abschlagsfarbe ihr eigenes Course Rating und ihren eigenen Slope-Wert, und daraus ergibt sich Ihr Course Handicap, also die Zahl der Schläge, die Sie von genau diesem Abschlag bekommen. Die Rückseite oder ein Beiblatt enthält auf vielen Plätzen die Platzregeln: Ausgrenzen, Biotope und Spielverbotszonen, Drop-Zonen und Wege.
Der Platztyp entscheidet, wie viel Ihnen der Plan bringt. Auf einem Waldplatz oder in den Hügeln des Mittelgebirges sehen Sie vom Abschlag eines Doglegs oft weder die Landezone noch das Grün. Dann ist die Skizze die einzige Information darüber, wie weit Sie schlagen dürfen, bevor die Bahn abknickt und der Ball in den Bäumen verschwindet. Schlagen Sie auf blinden Doglegs bis zum Knick, nicht darüber hinaus, und wählen Sie den Schläger nach der Entfernung zur Ecke, nicht nach der Gesamtlänge des Lochs. Carts mit GPS-Bildschirm sollten Sie auf einem deutschen Clubplatz nicht voraussetzen. Wer Messwerte will, nutzt Laser, Uhr oder App. Und wenn Sie gar nichts dabeihaben, funktioniert die Gewohnheit trotzdem: Schritte vom nächsten Pfosten abzählen, die Form des Grüns anschauen und die kurze Seite finden.
Eine Routine von dreißig Sekunden für jeden Abschlag
- Prüfen Sie, von welchem Abschlag Sie spielen und ob die Zahlen bis zum Grünanfang oder zur Mitte gelten.
- Suchen Sie Ihre echte Carry-Länge auf dem Plan, schauen Sie, was dort liegt und wie breit die Bahn ist.
- Finden Sie Aus und Penalty Areas und entscheiden Sie, welche Seite Sie bevorzugen.
- Wählen Sie Ihre Wunschentfernung für die Annäherung und den Abschlagschläger, der sie übrig lässt.
- Merken Sie sich die kurze Seite des Grüns, bevor Sie dort ankommen.
Fünf Fragen, dreißig Sekunden, achtzehn Löcher. Wie Sie weiter vorgehen, lesen Sie in Platzmanagement: fünf Schläge sparen, ohne den Schwung zu ändern, und wenn Sie ein Gerät für die Zahlen suchen, in Laser oder GPS: was auf deutschen Plätzen zählt. Von welchem Abschlag Sie überhaupt planen sollten, erklärt der Beitrag welche Abschläge wirklich zu Ihnen passen. Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Clubs.



