Biotop, Wassergraben, grüne Pfostenköpfe: die Möglichkeiten in der Penalty Area, die kaum jemand nutzt
Ein Ball platscht in den Graben, und fast jeder droppt zwei Schlägerlängen neben dem Ufer. Die Golfregeln bieten bis zu vier Wege heraus, und auf deutschen Plätzen mit Wassergräben und Biotopen ist der naheliegende Drop oft nicht der beste.
Kurz gefasst
- Ein Ball in der Penalty Area darf straflos gespielt werden, wie er liegt: Schläger aufsetzen, Probeschwünge und lose hinderliche Naturstoffe entfernen sind seit 2019 erlaubt.
- Zurück auf der Linie gibt es keine Begrenzung nach hinten. Seit 2023 wird auf der Linie selbst gedroppt, mit einem Erleichterungsbereich von einer Schlägerlänge.
- Die seitliche Erleichterung gibt es nur bei roten Penalty Areas, gemessen vom Punkt, an dem der Ball zuletzt die Grenze überquert hat, nicht vom Ruhepunkt.
- Grüne Köpfe auf roten Pfosten markieren eine Spielverbotszone, oft ein Biotop. Wer sie im Wettspiel betritt, riskiert bei Clubs wie dem Frankfurter Golf Club die Disqualifikation.
Stellen Sie sich an einem Samstag neben einen Teich auf einem deutschen Clubplatz, und Sie sehen immer dieselbe Szene. Ein Ball platscht ins Wasser, jemand geht zum Ufer, ungefähr dorthin, wo der Ball verschwunden ist, droppt zwei Schlägerlängen neben dem Rand und spielt einen halben Schlag, den er eigentlich nicht spielen wollte. Niemand fragt, ob es eine bessere Wahl gegeben hätte. Meistens gab es eine.
Die Golfregeln bieten Ihnen bis zu vier Wege aus einer Penalty Area, und die meisten Golfer nutzen davon genau einen. Die anderen drei sind keine Schlupflöcher. Sie stehen in Regel 17, für genau die Fälle, in denen der naheliegende Drop der falsche ist.
Zuerst: Liegt Ihr Ball wirklich in der Penalty Area?
Alles beginnt mit zwei Tatsachen. Ein Ball ist in einer Penalty Area, wenn irgendein Teil von ihm den Boden oder etwas anderes innerhalb der Grenze berührt oder über der Grenze liegt. Wird die Grenze nur durch Pfosten bestimmt, verläuft sie zwischen den äußeren Punkten der Pfosten auf Bodenhöhe. Ist eine Linie gezogen, gehört die Linie selbst zur Penalty Area.
Die zweite Tatsache ist wichtiger. Um Erleichterung aus der Penalty Area zu nehmen, ohne den Ball gefunden zu haben, muss bekannt oder so gut wie sicher sein, dass er dort liegt. Ein gesehener Platscher zählt, eine Vermutung nicht. Können Sie das nicht mit fast völliger Sicherheit sagen, ist der Ball verloren, und verloren heißt Schlag und Distanz. Deshalb ist ein provisorischer Ball erlaubt und oft klug, wenn Ihr Ball im Wasser oder genauso gut im Rough daneben liegen könnte.
Rot oder gelb? Rote Pfosten oder Linien geben Ihnen alle Möglichkeiten, gelbe alle außer der seitlichen Erleichterung. Ist eine Penalty Area gar nicht gekennzeichnet, gilt sie nach den Regeln als rot.
Möglichkeit eins: den Ball spielen, wie er liegt, straflos
Das ist die Möglichkeit, die Golfer vergessen, die das Spiel vor 2019 gelernt haben, als die Regeln noch vom Wasserhindernis sprachen. Nach den heutigen Regeln wird ein Ball in einer Penalty Area nach denselben Regeln gespielt wie ein Ball im Gelände. Sie dürfen den Schläger hinter dem Ball aufsetzen, Probeschwünge machen, die das Gras oder das Wasser streifen, und lose hinderliche Naturstoffe wie Blätter, Zweige und Kiefernzapfen entfernen. Nichts davon kostet heute noch einen Schlag.
Das verändert die Rechnung bei vielen Lagen. Ein Ball, der innerhalb der roten Pfosten gut im trockenen Gras liegt, auf dem Kiesbett eines Grabens, der seit dem Frühjahr kein Wasser mehr führt, oder im flachen Randwasser mit der oberen Hälfte über der Oberfläche, lässt sich oft ohne Strafschlag zurück aufs Fairway spielen.
Der ehrliche Test dauert fünf Sekunden. Können Sie den Ball sauber treffen, und gibt es einen freien Weg heraus, der Sie besser hinlegt als ein Drop? Wenn beide Antworten Ja lauten, spielen Sie ihn. Liegt der Ball unter Wasser, an einem Stein oder tief im Schilf, ist das kein Schlag, sondern ein Glücksspiel mit schmerzendem Handgelenk als Beigabe.
Möglichkeit zwei: Schlag und Distanz, die sich wie Aufgeben anfühlt
Mit einem Strafschlag dürfen Sie immer von dort erneut spielen, wo Sie den letzten Schlag gemacht haben. Viele halten das für die schlechteste Wahl, doch auf manchen Löchern ist es die beste.
Das klassische Beispiel ist ein Par 3 über Wasser. Ihr Abschlag ist zu kurz und landet im Teich. Ein Drop zurück auf der Linie bringt Sie also hinter den Abschlag oder an einen schiefen Hang, und die seitliche Erleichterung stellt Sie ans Ufer, von wo Sie trotzdem die ganze Wasserstrecke überfliegen müssen. Zurück auf dem Abschlag haben Sie denselben Schlag wie eben, aus derselben Entfernung, und die Regeln erlauben Ihnen, den Ball wieder aufzuteen.
Möglichkeit drei: zurück auf der Linie, so weit Sie wollen
Das ist die am wenigsten genutzte Möglichkeit auf dem Platz, und die mit dem meisten Spielraum. Suchen Sie den Punkt, an dem Ihr Ball zuletzt die Grenze der Penalty Area überquert hat. Ziehen Sie gedanklich eine gerade Linie vom Loch durch diesen Punkt nach hinten. Auf dieser Linie dürfen Sie droppen, und zwar ohne Begrenzung, wie weit Sie zurückgehen.
Seit 2023 ist das Verfahren einfach: Sie droppen den Ball auf der Linie selbst. Die Stelle, an der er zuerst den Boden berührt, wird zur Mitte eines Erleichterungsbereichs von einer Schlägerlänge in alle Richtungen. Der Ball muss darin zur Ruhe kommen und darf nicht näher am Loch liegen als der Punkt, an dem der ursprüngliche Ball die Grenze überquert hat.
In den Worten „so weit Sie wollen“ stecken die gesparten Schläge. Angenommen, Ihr Ball ist 40 Meter vor dem Grün in einen Graben geflogen. Ein Drop direkt am Ufer lässt einen Pitch über 40 Meter übers Wasser, genau der Schlag, den die meisten Amateure hassen. Gehen Sie auf der Linie weitere 45 Meter zurück, haben Sie einen vollen Wedge über 85 Meter, mit normalem Schwung und ohne dass der Graben noch eine Rolle spielt. Es kostet denselben einen Strafschlag wie der Drop am Ufer.
Möglichkeit vier: seitliche Erleichterung, vom richtigen Punkt gemessen
Nur bei roten Penalty Areas dürfen Sie innerhalb von zwei Schlägerlängen vom Punkt droppen, an dem der Ball zuletzt die Grenze überquert hat, nicht näher am Loch und außerhalb dieser Penalty Area. Die meisten Golfer nutzen diese Möglichkeit. Viele nutzen sie von der falschen Stelle aus.
Der Bezugspunkt ist der Punkt, an dem der Ball die Grenze überquert hat, nicht der, an dem er liegt, und nicht der, an dem Sie gerade stehen. Bei einem Ball, der rechts entlang des Fairways in einen See kurvt, kann dieser Punkt 30 bis 40 Meter hinter der Stelle liegen, an der er ins Wasser fällt.
Der Bezugspunkt arbeitet auch öfter für Sie, als viele denken. Ihre Annäherung fliegt über einen Graben vor dem Grün, trifft das gegenüberliegende Ufer und rollt zurück ins Wasser. Zuletzt hat dieser Ball die Grenze auf der anderen Seite überquert, auf der Seite des Grüns. Von dort wird die seitliche Erleichterung gemessen. Sie droppen also auf der Grünseite des Grabens, zwei Schlägerlängen von der Grenze, und chippen aufs Grün.
Erleichterung auf der gegenüberliegenden Seite, also ein Drop jenseits des Wassers in gleicher Entfernung zum Loch, gehört nicht zu den normalen Möglichkeiten. Es gibt sie nur, wenn die Spielleitung eine entsprechende Platzregel erlässt.
Dropping-Zonen, Spielverbotszonen und eine seltene Zusatzmöglichkeit
Eine Dropping-Zone ist eine zusätzliche Wahl, die Ihnen die Spielleitung anbietet, keine Pflicht, es sei denn, die Platzregel erklärt sie zur einzigen Erleichterung. Lässt Ihnen die Dropping-Zone einen schlechteren Schlag als Schlag und Distanz, dürfen Sie in der Regel stattdessen Schlag und Distanz wählen.
Manche Penalty Areas enthalten eine Spielverbotszone. Dort müssen Sie Erleichterung nehmen, auch wenn Ihr Ball spielbar aussieht.
Und wenn Sie aus einer Penalty Area spielen und Ihr Ball in derselben Penalty Area, im Aus oder verloren endet, gibt Ihnen Regel 17.2 eine zusätzliche Möglichkeit: Mit einem weiteren Strafschlag gehen Sie dorthin zurück, wo Sie Ihren letzten Schlag von außerhalb der Penalty Area gemacht haben.
Eines können Sie in einer Penalty Area nicht: Ihren Ball für unspielbar erklären. Straflose Erleichterung von Boden in Ausbesserung, zeitweiligem Wasser oder einem eingebetteten Ball gibt es dort ebenfalls nicht. Die einzige Ausnahme ist eine Gefahr durch Tiere, etwa Giftschlangen oder stechende Bienen: Dann gibt es straflose Erleichterung innerhalb der Penalty Area oder Erleichterung mit dem üblichen Strafschlag außerhalb.
Dreißig Sekunden Entscheidung am Wasser
- Klären Sie die Fakten. Ist bekannt oder so gut wie sicher, dass der Ball in der Penalty Area liegt? Rot oder gelb? Wo genau hat er zuletzt die Grenze überquert?
- Schauen Sie sich den Ball an. Finden Sie ihn und können Sie ihn sauber treffen, mit freiem Weg heraus, kostet Sie das Spielen, wie er liegt, nichts.
- Rechnen Sie jeden Drop durch. Stellen Sie für jede Möglichkeit eine Frage: Welcher Schlag bleibt, aus welcher Entfernung und aus welcher Lage?
- Wählen Sie Ihre Entfernung, nicht Ihre Stelle. Zurück auf der Linie lässt Sie eine volle Schwunglänge wählen. Die seitliche Erleichterung nicht. Schlag und Distanz wiederholt einen Schlag, den Sie kennen.
Wo Golfer in Deutschland auf Penalty Areas treffen
Auf deutschen Plätzen ist die Penalty Area selten nur ein Teich. Viele Anlagen liegen in Landschaften mit Wassergräben, Bächen, Feuchtwiesen und Hecken, und seit 2019 darf die Spielleitung nicht nur Wasser, sondern auch andere Flächen rot oder gelb als Penalty Area kennzeichnen. Die Farbe folgt dabei einer Logik, die der Deutsche Golf Verband in seinen Hinweisen zur Platzkennzeichnung beschreibt: Gelbe Pfähle sind nur für Penalty Areas sinnvoll, die quer auf der Spielbahn liegen, eine Penalty Area seitlich der Spielbahn wird rot gekennzeichnet. Ein Wassergraben quer vor dem Grün ist also typischerweise gelb, und dann fehlt Ihnen die seitliche Erleichterung. Die Möglichkeit zurück auf der Linie wird dort umso wertvoller.
Das eigentliche deutsche Thema aber heißt Biotop. Viele Clubs haben geschützte Flächen auf dem Platz, und die Spielleitung darf eine Penalty Area ganz oder teilweise als Spielverbotszone festlegen. Erkennbar ist das an Pfosten mit grünen Köpfen. Die Farbe darunter zeigt, welche Erleichterung gilt: rot oder gelb bei einer Penalty Area, blau bei Boden in Ausbesserung. Komplett grüne Pfosten sind nach den DGV-Hinweisen nicht zulässig, weil die Golfregeln für eine solche Farbe kein Erleichterungsverfahren kennen.
Zwei Beispiele zeigen, wie ernst Clubs das nehmen. Der Golf Club Kassel-Wilhelmshöhe führt auf seiner Website Biotope an mehreren Bahnen auf, darunter an Bahn 18, durch die die Drusel fließt, gekennzeichnet mit roten Pfosten und grünen Kappen. Der Frankfurter Golf Club hat Spielverbotszonen zwischen den Bahnen 12 und 17 sowie an Bahn 13 eingerichtet, rote Pfosten mit grüner Kappe, zum Schutz junger Bäume. Beide Clubs schreiben dasselbe: Wer eine solche Zone im Wettspiel betritt, begeht ein schwerwiegendes Fehlverhalten nach Regel 1.2 und kann disqualifiziert werden.
Für Ihre Entscheidung am Rand heißt das: Bei grünem Kopf auf rotem Pfosten fällt Möglichkeit eins weg, alle drei Drops mit einem Strafschlag bleiben. Gehen Sie nicht hinein, auch nicht, um den Ball zu suchen oder aufzuheben.
Wo genau die Zonen liegen und ob es Dropping-Zonen oder eine Erleichterung auf der gegenüberliegenden Seite gibt, steht in den Platzregeln, meist auf der Rückseite der Scorekarte, als Aushang am ersten Abschlag oder auf der Website des Clubs. Wer die Regeln im Wortlaut nachlesen will, findet sie in den Offiziellen Golfregeln, der vom DGV anerkannten deutschen Übersetzung, die beim Köllen Verlag 280 Seiten hat und dort 15,95 € kostet.
Nehmen Sie das mit auf Ihre nächste Runde
Schauen Sie vor dem Abschlag auf die Scorekarte: Penalty Areas, Dropping-Zonen, grüne Pfostenköpfe. Wenn ein Ball nass wird, halten Sie an, suchen Sie den Punkt, an dem er die Grenze überquert hat, und fragen Sie, was jede der vier Möglichkeiten übrig lässt. Auf den zwei oder drei Löchern im Monat, wo nicht, sind Sie derjenige, der 45 Meter zurückgeht und einen vollen Wedge spielt, während die Flightpartner sich aus dem Schlamm kämpfen.
Welche anderen Regeln Clubgolfer regelmäßig falsch anwenden, lesen Sie in Regeln, die Clubgolfer falsch anwenden. Damit der Ball gar nicht erst im Wasser landet, helfen Platzmanagement: fünf Schläge sparen, ohne den Schwung zu ändern und der Beitrag Platzplan, Birdiebook und Scorekarte richtig lesen. Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Clubs und Verlagen.






