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Technik

Spielverbotszone, Rhein, grüne Kappen: vier Wege aus der Penalty Area

Spielen, wie er liegt, Schlag und Distanz, auf der Linie zurück oder seitlich: Wer am Wasser nur den Drop am Ufer kennt, verschenkt Schläge. Welche Möglichkeit welchen Schlag übrig lässt, von welchem Punkt aus gemessen wird und was eine grüne Kappe auf dem Pfosten ändert.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 9 min
Teich im Vordergrund, rote Pfosten am Ufer, dahinter Bunker und Grün
Photo CK Seng / Pexels

Kurz gefasst

  • Ist der Ball nicht bekannt oder so gut wie sicher in der Penalty Area, gilt er als verloren: Schlag und Distanz.
  • Spielen, wie er liegt, kostet nichts: Schläger aufsetzen und lose hinderliche Naturstoffe entfernen ist erlaubt.
  • Auf der Linie zurück gibt es keine Distanzgrenze: Gehen Sie so weit zurück, bis Sie einen vollen Schlag haben.
  • Rote Pfosten mit grüner Kappe markieren Spielverbotszonen, etwa in Sedrun oder Bubikon: Betreten verboten, und liegt der Ball darin, ist Erleichterung mit Strafschlag Pflicht.

Am Weiher neben dem Fairway spielt sich an jedem Wochenende dieselbe Szene ab. Der Ball platscht ins Wasser, jemand geht ans Ufer, lässt zwei Schlägerlängen daneben einen Ball fallen und spielt einen halben Schlag, den er nicht spielen wollte. Niemand fragt, ob es eine bessere Wahl gegeben hätte. Meistens gab es eine.

Die Golfregeln bieten Ihnen bis zu vier Wege aus einer Penalty Area, und die meisten Golferinnen und Golfer kennen nur einen davon. Die anderen drei sind keine Schlupflöcher. Sie stehen in Regel 17, für Lagen, in denen der naheliegende Drop falsch ist. Wer sie kennt, spart Schläge ohne jede Schwungänderung.

Zuerst: Liegt Ihr Ball wirklich in der Penalty Area?

Alles beginnt mit zwei Tatsachen. Ein Ball liegt in einer Penalty Area, wenn irgendein Teil von ihm den Boden oder etwas anderes innerhalb der Grenze berührt oder sich über der Grenze befindet. Ein Ball, der auf der Linie liegt oder über sie hinausragt, ist also drin.

Die zweite Tatsache wiegt schwerer. Um ohne gefundenen Ball Erleichterung aus der Penalty Area zu nehmen, muss bekannt oder so gut wie sicher sein, dass der Ball in der Penalty Area liegt. Ein Spritzer im Wasser genügt, eine Vermutung nicht. Sonst ist der Ball verloren, und verloren heisst Schlag und Distanz. Könnte er im Wasser oder im Rough daneben liegen, ist ein provisorischer Ball erlaubt und oft klug.

Rot oder gelb? Rote Pfosten oder Linien geben Ihnen alle Möglichkeiten, gelbe alle ausser der seitlichen Erleichterung. Ist eine Penalty Area gar nicht gekennzeichnet, gilt sie nach den Regeln als rot. Und die Pfosten selbst sind bewegliche Hemmnisse: Steht einer im Weg, ziehen Sie ihn heraus und stecken ihn nach dem Schlag wieder hin.

Möglichkeit eins: spielen, wie er liegt, ohne Strafe

Wer Golf vor 2019 gelernt hat, vergisst diese Möglichkeit bis heute. Nach den geltenden Regeln wird ein Ball in der Penalty Area nach denselben Regeln gespielt wie ein Ball im Gelände. Sie dürfen den Schläger hinter dem Ball aufsetzen, Probeschwünge machen, die Gras oder Wasser streifen, und lose hinderliche Naturstoffe wie Blätter, Zweige und Tannzapfen entfernen. Nichts davon kostet noch einen Schlag.

Ein Ball auf trockenem Gras innerhalb der roten Pfosten, im Kiesbett eines ausgetrockneten Baches oder halb sichtbar im seichten Uferwasser lässt sich oft ohne Strafschlag zurück aufs Fairway spielen.

Die Prüfung dauert fünf Sekunden: Treffen Sie den Ball sauber, und führt ein freier Weg an eine bessere Stelle als ein Drop? Liegt der Ball unter Wasser, an einem Stein oder tief im Schilf, ist das kein Golfschlag, sondern eine Wette.

Möglichkeit zwei: Schlag und Distanz, die sich wie Aufgeben anfühlt

Mit einem Strafschlag dürfen Sie immer von dort weiterspielen, wo Sie den letzten Schlag gemacht haben. Viele halten das für die schlechteste Wahl. An manchen Löchern ist es die beste.

Das klassische Beispiel ist ein Par 3 über Wasser. Der Abschlag ist zu kurz und landet im Teich. Der Punkt, an dem er ins Wasser ging, liegt vor dem Abschlag. Die Erleichterung auf der Linie zurück schickt Sie also hinter den Abschlag oder an einen Hang, die seitliche Erleichterung ans Ufer, mit dem ganzen Carry noch vor sich. Zurück auf dem Abschlag haben Sie denselben Schlag wie eben, aus derselben Distanz, und die Regeln erlauben Ihnen, den Ball wieder aufzuteen. Der dritte Schlag vom Tee ist oft besser als der dritte vom schlammigen Ufer.

Möglichkeit drei: auf der Linie zurück, so weit Sie wollen

Die am meisten unterschätzte Möglichkeit. Suchen Sie den Punkt, an dem Ihr Ball zuletzt die Grenze der Penalty Area überquert hat. Ziehen Sie gedanklich eine gerade Linie vom Loch durch diesen Punkt nach hinten. Auf dieser Linie dürfen Sie droppen, ohne Begrenzung, wie weit zurück Sie gehen.

Seit 2023 ist das Verfahren einfach: Sie lassen den Ball direkt auf der Linie fallen. Wo er zuerst den Boden berührt, liegt der Mittelpunkt eines Erleichterungsbereichs von einer Schlägerlänge in alle Richtungen. Der Ball muss in diesem Bereich zur Ruhe kommen, und zwar nicht näher zum Loch als der Punkt, an dem der ursprüngliche Ball die Grenze überquert hat.

In den Worten «so weit Sie wollen» stecken die gesparten Schläge. Angenommen, Ihr Ball ist 40 Meter vor dem Grün in einen Bach geflogen. Ein Drop direkt am Ufer lässt Ihnen einen Pitch über 40 Meter übers Wasser, genau den Schlag, den die meisten Amateure fürchten. Gehen Sie auf der Linie weitere 45 Meter zurück, haben Sie ein volles Wedge über 85 Meter, mit normalem Schwung, und der Bach spielt keine Rolle mehr. Es kostet denselben Strafschlag wie der Drop am Ufer.

Möglichkeit vier: seitliche Erleichterung, vom richtigen Punkt gemessen

Nur bei roten Penalty Areas dürfen Sie innerhalb von zwei Schlägerlängen von dem Punkt droppen, an dem der Ball zuletzt die Grenze überquert hat, nicht näher zum Loch und ausserhalb dieser Penalty Area. Viele messen vom falschen Punkt aus.

Massgebend ist der Punkt, an dem der Ball die Grenze überquert hat, nicht der Ort, an dem er liegen blieb, und nicht der Ort, an dem Sie gerade stehen. Bei einem Ball, der rechts vom Fairway in einen See kurvt, kann dieser Punkt 30 bis 40 Meter hinter dem Spritzer liegen.

Oft arbeitet dieser Punkt sogar für Sie. Ihre Annäherung fliegt über einen Bach vor dem Grün, trifft das gegenüberliegende Ufer und rollt zurück ins Wasser. Zuletzt hat dieser Ball die Grenze auf der anderen Seite überquert, auf der Seite des Grüns. Von dort wird die seitliche Erleichterung gemessen: Sie droppen also auf der Grünseite, innerhalb von zwei Schlägerlängen von der Grenze, und chippen aufs Grün.

Erleichterung auf der gegenüberliegenden Seite, also ein Drop jenseits des Wassers in gleicher Entfernung zum Loch, gehört nicht zu den Standardmöglichkeiten. Sie gilt nur, wenn die Spielleitung eine entsprechende Platzregel erlassen hat (Muster-Platzregel B-2). Schauen Sie auf die Scorekarte, bevor Sie sich darauf verlassen.

Dropping Zones, Spielverbotszonen und eine seltene Zusatzoption

Eine Dropping Zone ist eine zusätzliche Möglichkeit, welche die Spielleitung anbietet, keine Pflicht, ausser die Platzregel bestimmt sie ausdrücklich als einzige Erleichterung. Gefällt sie Ihnen nicht, bleiben in der Regel die übrigen Möglichkeiten.

Manche Penalty Areas enthalten eine Spielverbotszone, oft ein geschütztes Feuchtgebiet, markiert mit grünen Köpfen auf den Pfosten. Dort müssen Sie Erleichterung nehmen, auch wenn der Ball spielbar aussieht.

Und spielen Sie aus einer Penalty Area und landet der Ball danach in derselben Penalty Area, im Aus oder ist er verloren, gibt Ihnen Regel 17.2 eine zusätzliche Möglichkeit: Mit einem weiteren Strafschlag gehen Sie dorthin zurück, wo Sie den letzten Schlag ausserhalb der Penalty Area gespielt haben. So wird aus einem ruinösen Loch ein teures.

Eines können Sie in einer Penalty Area nicht: den Ball für unspielbar erklären. Straflose Erleichterung von Boden in Ausbesserung, zeitweiligem Wasser oder einem eingebetteten Ball gibt es dort ebenfalls nicht. Die einzige Ausnahme sind gefährliche Tiere in der Nähe des Balls, etwa stechende Bienen (Regel 16.2): Dann dürfen Sie Erleichterung nehmen, straflos innerhalb der Penalty Area oder mit dem üblichen Strafschlag ausserhalb.

Dreissig Sekunden Entscheidung am Wasser

  • Fakten klären. Sicher in der Penalty Area? Rot oder gelb? Wo hat der Ball die Grenze zuletzt überquert?
  • Ball anschauen. Sauber spielbar mit freiem Weg hinaus: Spielen, wie er liegt, kostet nichts.
  • Jeden Drop bewerten. Welcher Schlag bleibt, aus welcher Distanz und Lage?
  • Distanz wählen, nicht Stelle. Auf der Linie zurück suchen Sie sich eine volle Schwungdistanz aus.

Wo Sie in der Deutschschweiz auf Biotope, den Rhein und grüne Kappen treffen

Auf Schweizer Plätzen ist eine Penalty Area selten nur ein Weiher. Manche Anlagen liegen an Flüssen, Riedflächen oder Naturschutzgebieten. Geschützt werden sie über die Platzregeln, und das sehen Sie an den Pfosten: rot mit grüner Kappe. Die Farbe unten sagt Ihnen, dass es sich um eine rote Penalty Area handelt, die grüne Kappe, dass darin eine Spielverbotszone liegt. Hier fällt die kostenlose Möglichkeit eins weg.

Ein Beispiel ist Swiss Golf Bubikon im Zürcher Oberland. Die Platzregeln bezeichnen an den Löchern 3, 4, 5 und 8 Spielverbotszonen, die rot/grün markiert sind, und halten fest: Das Betreten ist strengstens verboten. Liegt ein Ball in einer solchen Zone, muss nach Regel 17.1 verfahren werden, also mit Strafschlag über Schlag und Distanz, die Linie zurück oder seitlich. Liegt der Ball ausserhalb, behindert die Zone aber Stand oder Schwung, muss der Spieler den Ball straflos innerhalb einer Schlägerlänge vom nächstgelegenen Punkt der vollständigen Erleichterung droppen. Wer gegen diese Platzregel verstösst, erhält die Grundstrafe: zwei Schläge im Zählspiel, Lochverlust im Lochspiel.

Dieselben Platzregeln zeigen, wie eine Dropping Zone als Zusatz funktioniert. Liegt ein Ball an Loch 3 oder 5 in der roten Penalty Area oder ist er darin verloren, und hat er die Grenze zuletzt nach dem orangen Markierungspfosten überquert, darf der Spieler zusätzlich zu Regel 17.1 in der Dropping Zone droppen. Zusätzlich heisst: Die Linie zurück bleibt erlaubt.

In den Bergen kommt fliessendes Wasser dazu. Beim Golfclub Sedrun in der Surselva spielt der junge Rhein mit: Laut Platzregeln liegen an Loch 9/18 beidseits des Fairways am rechten Rheinufer Spielverbotszonen, bezeichnet durch rote Pfosten mit grüner Kappe, und das Betreten ist strikte verboten. Dropping Zones gibt es in Sedrun an den Löchern 1/10, 5/14, 7/16 und 9/18.

Im Werdenberg geht Golf Gams-Werdenberg noch weiter: Nach seinen Platzregeln sind die Penalty Areas entlang zahlreicher Löcher Spielverbotszonen, Biotope, ebenfalls mit roten Pfosten und grünen Kappen markiert. Auf solchen Plätzen gilt eine einfache Faustregel: Sehen Sie Grün auf dem Pfosten, gehen Sie nicht hinein, auch nicht, um den Ball zu holen. Ein Ball kostet ein paar Franken, ein Biotop wächst nicht so schnell nach.

Was das für Ihre Taktik bedeutet: Auf Plätzen mit vielen Spielverbotszonen entscheiden Sie zwischen den Drops, nie über einen Schlag aus der Zone. Umso wichtiger sind der Grenzpunkt und die Linie zurück. Sie ist oft der beste Weg zu einer vollen Distanz statt eines halben Schlags übers Ried.

Die Begriffe auf den Aushängen entsprechen den Regeln: Penalty Area statt des früheren Wasserhindernisses, Spielverbotszone, Dropping Zone, Erleichterung auf der Linie zurück. Die Platzregeln hängen am ersten Abschlag, stehen auf der Scorekarte oder auf der Website des Clubs, und sie sagen Ihnen auch, ob Erleichterung auf der gegenüberliegenden Seite gilt.

Für Ihre nächste Runde

Schauen Sie vor dem ersten Abschlag auf die Platzregeln: Penalty Areas, Dropping Zones, grüne Kappen. Landet ein Ball im Wasser oder im Ried, halten Sie inne, suchen den Punkt, an dem er die Grenze überquert hat, und fragen, was Ihnen jede der vier Möglichkeiten lässt. Meistens bleibt es beim gewöhnlichen Drop. An den wenigen Löchern, an denen nicht, gehen Sie 45 Meter zurück und spielen ein volles Wedge, während die anderen im Schlamm stochern.

Weitere Regeln, die auf Schweizer Runden oft danebengehen, finden Sie in Acht Golfregeln, die auf Schweizer Runden falsch angewendet werden. Damit der Ball gar nicht erst im Wasser landet, lesen Sie Platzmanagement in der Schweiz: fünf Schläge ohne Schwungumbau und wie Sie die Platzkarte richtig lesen.

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