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Technik

Meterputts lochen: Routine und Training für Schweizer Grüns

Laut Shot Scope locht Handicap 0 aus bis 1,8 Metern knapp 93 Prozent, Handicap 25 rund 82 Prozent. Die Differenz entsteht selten in der Technik, sondern unter Druck: Eine feste Routine, ein Zwischenziel vor dem Ball und Übungen, bei denen ein Fehler etwas kostet, machen den Meterputt auf dem 18. Grün so sicher wie auf dem ersten.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 10 min
Hand hebt einen Ball aus dem Loch, rote Fahnenstange steckt
Photo Mateusz Feliksik / Pexels

Kurz gefasst

  • Aus bis 1,8 Metern: Handicap 0 locht 92,8 Prozent, Handicap 20 84 Prozent (Shot Scope).
  • Fünf Handgriffe in fester Reihenfolge, bei jedem Putt unter drei Metern.
  • Zwischenziel 30 Zentimeter vor dem Ball, kurzer Rückschwung, längerer Durchschwung.
  • Üben mit Konsequenz: Tor aus zwei Tees, Serie von zehn, Kreis um das Loch.
  • General Play, Interclub und Coupe Helvétique: dort zählt jeder kurze Putt.

Ein Putt aus einem Meter verlangt weder Kraft noch Länge, und trotzdem zittern bei ihm mehr Hände als am ersten Abschlag. Der Grund ist einfach: Bei keinem anderen Schlag wissen Sie so genau, was ein Fehler kostet. Ein schlechter Drive lässt sich mit dem zweiten Schlag retten, ein verschobener Meterputt ist ein Schlag auf der Karte, und drei Mitspieler haben zugeschaut.

Die gute Nachricht: Gegen diesen Druck hilft weniger Talent als Ordnung. Wer kurze Putts zuverlässig locht, hat eine feste Abfolge von Handgriffen, übt unter Bedingungen, die etwas kosten, und kennt die Situationen im Schweizer Clubgolf, in denen der kurze Putt plötzlich zählt. Dieser Beitrag behandelt alle drei.

Was die Zahlen über den kurzen Putt sagen

Shot Scope wertet Runden aus, die Golferinnen und Golfer mit seinen Geräten auf dem Platz aufzeichnen. Für Putts aus null bis sechs Fuss, also bis rund 1,8 Meter, nennt das Unternehmen folgende Trefferquoten: Handicap 0 locht 92,8 Prozent, Handicap 10 89,3 Prozent, Handicap 20 84 Prozent und Handicap 25 82,5 Prozent. Auf der PGA Tour lag die Quote aus weniger als fünf Fuss laut derselben Quelle im Vorjahr bei 96,7 Prozent.

Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens verfehlt auch ein Scratch-Golfer aus dieser Distanz etwa jeden vierzehnten Putt; niemand locht alles. Zweitens trennt die Kategorien auf den kurzen Putts weniger, als viele glauben, nämlich rund zehn Prozentpunkte zwischen Handicap 0 und 25. Weil aber fast jedes Loch mit einem Putt aus dieser Zone endet, summieren sich diese Punkte über eine Runde. Shot Scope empfiehlt deshalb allen Handicap-Kategorien, genau diese Distanz zu üben.

Wo der kurze Putt im Schweizer Clubgolf zählt

Im Alltag wird der Meterputt oft gar nicht gespielt. Unter Freunden nimmt man den Ball auf, und im Stableford dürfen Sie aufnehmen, sobald Sie auf einem Loch keinen Punkt mehr holen können; Swiss Golf erklärt diese Regel 21.1c sogar in einem eigenen Regel-Cartoon. Das ist bequem und hält das Tempo hoch. Es hat aber eine Nebenwirkung: Sie spielen den Schlag, der am meisten Nerven kostet, am seltensten.

Drei Situationen machen ihn dann plötzlich wichtig:

  • Die handicapwirksame Runde. Eine General-Play-Runde muss vorher im Sekretariat oder in der Swiss Golf App angemeldet werden, mit einem Marker, der Ihre Karte unterschreibt. Wer geschenkte Putts gewohnt ist, steht dort vor lauter Meterputts, die er seit Wochen nicht gespielt hat.
  • Das Zählspiel im Team. Im Interclub Championship von Swiss Golf spielen die Teams zwei Tage Zählspiel, und für das Teamresultat zählen die zwei besten Foursomes und die fünf besten Einzel. Jeder Putt wird zu Ende gespielt.
  • Das Lochspiel. In der Coupe Helvétique für Handicaps zwischen 10.0 und 18.0 entscheidet jedes Loch, und Schenken ist dort eine taktische Entscheidung des Gegners, keine Höflichkeit. Wer weiss, dass ihm kurze Putts liegen, lässt sich nichts schenken, und wer den Gegner zittern sieht, schenkt nicht.

Mehr zu diesen Formaten finden Sie im Beitrag über Mannschaftsgolf in der Schweiz. Für Einsteiger kommt der erste Ernstfall meist im ersten Clubturnier.

Warum Druck gerade diesen Schlag trifft

Beim kurzen Putt fehlt jede Ablenkung. Sie müssen keine Distanz schätzen und keinen Bunker überspielen, also bleibt der Kopf frei für Gedanken an die Folgen. Dazu kommt der Zeitpunkt: Viele Meterputts entstehen nach einem verpatzten Loch, etwa nach einem Chip, der zu weit gerollt ist. Sie stehen also mit Ärger am Ball.

Und schliesslich trainieren die meisten diesen Putt falsch. Auf dem Übungsgrün werden fünf Bälle nacheinander aus derselben Position gespielt, locker und ohne Folgen. Auf dem Platz gibt es einen Ball, eine Linie und eine Konsequenz. Die Bewegung ist dieselbe, die Situation eine völlig andere.

Eine Routine mit fünf Handgriffen

Eine Routine nimmt dem Kopf Entscheidungen ab. Sie tun vor jedem kurzen Putt dasselbe in derselben Reihenfolge, gleichgültig, ob der Putt um nichts geht oder um den Sieg im Monatsbecher. So bekommt der nervöse Spieler genau die Abläufe, die der entspannte eingeübt hat. Eine brauchbare Abfolge:

  • Linie lesen, kurz. Hocken Sie sich hinter den Ball und schauen Sie Richtung Loch, wo der tiefste Punkt liegt. Auf einem Meter reichen wenige Sekunden. Wer lange liest, sammelt Zweifel, nicht Informationen.
  • Ziel festlegen. Entscheiden Sie sich für einen Punkt: linke Lochkante, Mitte oder rechte Kante. Sagen Sie ihn sich still vor.
  • Ein Probeschwung. Neben dem Ball, Blick zum Loch, um die Länge des Schwungs zu fühlen. Einer genügt.
  • Schlagfläche vor Stand. Setzen Sie zuerst den Putter rechtwinklig zur Ziellinie hinter den Ball und stellen Sie dann die Füsse dazu. Umgekehrt richten Sie die Fläche nach einem Stand aus, der vielleicht schon schief ist.
  • Ein Blick, dann schlagen. Einmal zum Ziel, zurück zum Ball, und ohne weiteres Zögern starten. Jeder zusätzliche Blick lädt den nächsten Zweifel ein.

Halten Sie die Routine kurz. An Meisterschaften im Swiss-Golf-Kalender gilt laut Hard Card für jede Gruppe eine Richtzeit, und wer ausser Position gerät, riskiert nach einer Verwarnung Strafschläge. Eine knappe, immer gleiche Routine hilft Ihrer Gruppe, im Takt zu bleiben.

Und nach einem Fehlputt? Ändern Sie nichts an der Routine, schon gar nicht auf dem nächsten Grün. Wer nach einem verschobenen Meterputt beim folgenden Putt länger liest, zweimal zum Loch schaut oder den Griff umstellt, macht aus einem Fehler eine Serie. Notieren Sie den Fehlputt auf der Karte, gehen Sie zum nächsten Abschlag und spielen Sie den nächsten kurzen Putt exakt gleich. Die Auswertung gehört auf das Übungsgrün nach der Runde, nicht auf den Platz.

Ein kleines Zwischenziel statt des Lochs

Das Loch ist aus einem Meter gross, und genau deshalb verführt es zu einem ungenauen Ziel. Suchen Sie sich einen Punkt auf der Linie, rund 30 Zentimeter vor dem Ball: eine verfärbte Stelle, einen Grashalm, eine ausgebesserte Pitchmarke. Rollen Sie den Ball über diesen Punkt. Diese Aufgabe können Ihre Augen kontrollieren, während Sie beim Putten ohnehin nicht zum Loch schauen. Für viele Clubspieler ist das die schnellste Verbesserung, weil sie keine Technikänderung verlangt.

Kurzer Rückschwung, längerer Durchschwung

Der typische technische Fehler unter Druck: Der Rückschwung gerät zu lang, der Körper merkt es und bremst im Treffmoment. Eine bremsende Schlagfläche dreht sich leicht, und aus einem Meter reicht das für einen Fehlputt.

Machen Sie deshalb den Rückschwung eher zu kurz und lassen Sie den Putter nach dem Treffen weiterlaufen, sodass der Durchschwung länger wird als der Rückschwung. Der Ball rollt dann mit etwas mehr Tempo ins Loch. Das hilft doppelt, denn auf einem Grün, über das seit dem Morgen viele Flights gelaufen sind, wird ein langsamer Ball auf den letzten Zentimetern von Unebenheiten abgelenkt.

Break auf kurze Distanz: Tempo statt Kante

Auf gut einem Meter lässt sich der Break auf einem normalen Grün meist mit etwas mehr Tempo neutralisieren. Zielen Sie innerhalb der Lochkante statt ausserhalb. Ist der Putt dann eine Spur zu fest, trifft er das Loch trotzdem; ein auf die Kante gezielter, zu fester Putt läuft vorbei.

Anders ist es bergab auf schnellen Grüns. Dort können Sie den Ball nicht ins Loch drücken, ohne einen langen Rückputt zu riskieren. Spielen Sie diesen Putt mit dem Break und so sanft, dass er knapp hinter dem Loch liegen bliebe. Wer das lange Gegenstück üben will, findet Übungen gegen Dreiputts im Beitrag über lange Putts.

Üben mit Konsequenz

Planloses Putten auf dem Übungsgrün beruhigt, verbessert aber wenig. Wirksam sind Übungen, bei denen ein Fehler etwas kostet.

Das Tor aus zwei Tees. Stecken Sie zwei Tees knapp mehr als eine Ballbreite auseinander, rund 30 Zentimeter vor dem Ball auf der Startlinie, und putten Sie aus gut einem Meter hindurch. Berührt der Ball ein Tee, war die Schlagfläche im Treffmoment offen oder geschlossen. Zwei Minuten zu Beginn jeder Einheit zeigen Ihnen, ob es an der Richtung oder am Tempo liegt.

Die Serie. Legen Sie ein Ziel fest, zum Beispiel zehn Putts aus einem Meter in Folge. Jeder Fehler setzt die Zählung auf null. Ab dem siebten oder achten Putt spüren Sie denselben Druck wie auf dem Platz, und genau den wollen Sie trainieren.

Die Uhr. Legen Sie sechs Bälle im Kreis um ein Loch, zuerst auf einem Meter, dann auf anderthalb. Erst wenn alle sechs gefallen sind, geht es eine Stufe weiter hinaus. Jeder Ball hat einen anderen Break, wie auf dem Platz.

Ein guter Massstab für das eigene Niveau ist übrigens die Platzreife von Swiss Golf. Beim Putten spielen Sie dort einen Parcours mit neun Löchern, je drei aus 3, 6 und 9 Metern, und dürfen höchstens 21 Schläge brauchen. Spielen Sie diesen Parcours ab und zu nach und zählen Sie dabei getrennt, wie viele Ihrer zweiten Putts aus kurzer Distanz nicht gefallen sind. Diese Zahl sagt mehr als das Gesamtresultat.

Zwei Regeln rund um den kurzen Putt

Auf dem Grün dürfen Sie Schäden ausbessern, auch Spike- und Schuhabdrücke. Nicht ausbessern dürfen Sie natürliche Unebenheiten, Abnutzung und Aerifizierungslöcher. Beim Schlag darf zudem niemand, auch nicht Ihr Caddie, hinter Ihnen auf der Linie stehen, um Sie auszurichten, sobald Sie Ihren Stand einnehmen.

Für Zweifelsfälle, etwa wann ein Ball als eingelocht gilt, wenn er am Flaggenstock lehnt, hat Swiss Golf ebenfalls einen Regel-Cartoon veröffentlicht (Regel 13.2c). Weitere Missverständnisse aus dem Cluballtag stehen im Beitrag über Golfregeln, die oft falsch angewendet werden.

Wo Sie in der Schweiz kurze Putts üben

Das beste Übungsgrün ist jenes der Anlage, auf der Sie gleich spielen, weil es die Geschwindigkeit des Tages hat. Kommen Sie zehn Minuten früher und putten Sie vor der Runde fünf Minuten Meterputts, erst dann längere. Gerade wer über die ASGI oder die Migros GolfCard spielt und keinen eigenen Club mit Übungsgrün vor der Haustür hat, muss diese Minuten bewusst einplanen.

In den Migros Golfparks ist die Nutzung der Übungsanlagen einschliesslich Putting laut Migros Golf kostenlos; Rangebälle kosten extra. Golf Sempach hat neben der Driving Range drei Putting- und zwei Pitching-Greens. Fragen Sie auf anderen Anlagen im Sekretariat, ob Sie das Übungsgrün ohne Startzeit nutzen dürfen.

Wer Anleitung möchte, kann in der Migros Golf Academy die Masterclass Tour Putting buchen: 50 Minuten, ab drei Personen, CHF 55 inklusive Rangebällen, mit Technik, Längenkontrolle, Grünlesen und Richtungskontrolle; verlangt wird mindestens die Platzerlaubnis. Einzelunterricht ist teurer, beim Links Leuk etwa CHF 60 für 25 Minuten. Ein Pro erkennt eine schiefe Schlagfläche schnell, und wenn Ihr Tor aus zwei Tees immer wieder fällt, lohnt sich eine Golfstunde mehr als jede weitere Übungsstunde allein.

Im Winter bleibt die Puttingmatte zu Hause. Für Distanzen bis gut einen Meter trainiert sie Startlinie und Schlaglänge brauchbar, auch wenn sie immer gleich schnell ist. Ergänzen Sie sie mit Chips auf ein Handtuch, damit das kurze Spiel nicht einrostet, und planen Sie im Frühling eine Übungsstunde, in der das Putten mindestens ein Drittel der Zeit bekommt.

Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Anlagen, Academies oder Organisationen.

Ihr Plan für die nächsten vier Runden

  • Notieren Sie auf der Karte jeden verfehlten Putt unter 1,8 Metern. Diese Zahl zeigt Ihr eigentliches Potenzial.
  • Wenden Sie die fünf Handgriffe bei jedem Putt unter drei Metern an, auch bei unwichtigen.
  • Rollen Sie den Ball über ein Zwischenziel 30 Zentimeter vor dem Ball.
  • Spielen Sie einmal im Monat eine angemeldete General-Play-Runde und lochen Sie jeden Putt.
  • Beginnen Sie jede Übungseinheit mit dem Tor und beenden Sie sie erst, wenn die Serie steht.

Kurze Putts werden nicht durch Mut besser, sondern durch Wiederholung unter Bedingungen, die etwas kosten. Zehn Minuten vor jeder Runde und zwei kurze Einheiten pro Woche reichen, damit der Meterputt am 18. Grün so aussieht wie jener am ersten.

Quellen der Zahlen: Shot Scope, Trefferquoten nach Handicap aus aufgezeichneten Runden. Regeln, Formate und Platzreife nach den Angaben von Swiss Golf, Stand 2026.

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