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Technik

Kurze Putts: die Fünf-Schritt-Routine, die unter Druck hält

Der Putt aus anderthalb Metern entscheidet mehr Runden als jeder Drive, und wer über ASGI oder die Migros GolfCard spielt, hat dafür kein Übungsgrün vor der Haustür.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 10 min
Hand hebt einen Ball aus dem Loch, rote Fahnenstange steckt
Photo Mateusz Feliksik / Pexels

Kurz gefasst

  • Tourspieler lochen rund 77 Prozent aus anderthalb Metern. Niemand locht alles.
  • Innerhalb 1,8 Metern locht ein Scratch-Spieler 93 Prozent, Handicap 20 nur 70.
  • Zielen Sie auf eine Marke 30 Zentimeter vor dem Ball, nicht auf das Loch.
  • Der Aufpreis für das Übungsgrün beträgt CHF 0, der Preis sind zehn Minuten.

Der Putt aus anderthalb Metern ist der ehrlichste Schlag im Golf. Körperlich ist daran nichts schwer: keine Distanz zu überbrücken, kein Bunker zu überfliegen, keine Schlägerkopfgeschwindigkeit zu finden. Und doch entscheidet er darüber, ob eine gute Runde die zweiten neun Löcher übersteht, denn es ist der einzige Schlag, den Sie ausführen, während Sie genau wissen, was ein Fehler kostet.

Die meisten Clubgolfer behandeln ihn als Formsache und wundern sich anschliessend, wohin drei Schläge pro Runde verschwunden sind. Wer diese Putts locht, ist nicht mutiger. Er hat eine Routine, er benutzt auf dem ersten und auf dem achtzehnten Grün dieselbe, und er trifft keine Entscheidungen mehr, sobald sie läuft.

Die Distanz, auf der Scores wirklich verloren gehen

Beginnen wir mit den Zahlen, denn sie sind nicht das, was das Fernsehen suggeriert. Tourspieler lochen rund 77 Prozent der Putts aus anderthalb Metern. Die besten Putter der Welt verfehlen also etwa jeden vierten. Aus zweieinhalb Metern fällt ungefähr die Hälfte. Niemand, auf keinem Niveau, muss alles lochen.

Das Bild für Amateure liefert Shot Scope, das echte Runden aufzeichnet und keine Übungsstunden. Innerhalb von etwa 1,8 Metern locht ein Scratch-Spieler rund 93 Prozent, ein Spieler mit Handicap 10 etwa 85 Prozent und ein Spieler mit Handicap 20 rund 70 Prozent. Dieser Abstand von mehr als zwanzig Punkten, ausgerechnet auf den kürzesten Putts des Platzes, ist die Stelle, an der sich Spielstärken trennen. Es ist nicht die Länge vom Abschlag und es sind nicht die Eisen.

Warum der kurze Putt schwerer ist, als er aussieht

Der kurze Putt ist aus Gründen schwierig, die mit Technik nichts zu tun haben.

Er hat sichtbare Folgen. Ein verzogener Drive lässt sich retten. Ein verfehlter Putt aus anderthalb Metern ist sofort ein Schlag, vor drei Menschen, die zusehen, weil es gerade nichts anderes zu sehen gibt.

Und es ist der Schlag, den Sie auf dem Übungsgrün am wenigsten ernst nehmen und auf dem Platz am ernstesten. Genau darin liegt das Problem: Sie proben ihn entspannt und führen ihn angespannt aus, und ein Schlag, der nur entspannt funktioniert, gehört Ihnen nicht wirklich. Er kommt ausserdem meist am Ende eines Lochs, das bereits schiefgegangen ist. Der eigentliche Gegner heisst deshalb Ärger.

Eine Routine ist eine feste Zahl von Schritten in fester Reihenfolge

Eine Routine ist kein Aberglaube und keine Stimmung. Sie ist eine Checkliste, die Sie identisch abarbeiten, ob der Putt bedeutungslos ist oder die Runde rettet. Diese Identität ist der ganze Sinn: Sie gibt der angespannten Version von Ihnen dieselben Eingaben, die die entspannte Version hatte.

Bauen Sie sie aus fünf Schritten und ändern Sie die Reihenfolge nie.

Erstens: Lesen Sie von hinter dem Ball, in der Hocke, mit Blick auf die tiefe Seite des Lochs. Acht Sekunden, nicht dreissig. Ein Putt aus anderthalb Metern hat einen Break oder keinen, und längeres Starren erzeugt Zweifel statt Information.

Zweitens: Benennen Sie Ihr Ziel. Linke Kante, rechte Kante, Mitte. Sagen Sie es sich innerlich. Ein Putt ohne ausgesprochenes Ziel ist ein Putt auf Hoffnung.

Drittens: Ein Probeschwung neben dem Ball, mit Blick zum Loch. Einer, nicht drei. Sie erfühlen die Länge des Schwungs, Sie proben keine Technik.

Viertens: Zuerst die Schlagfläche, dann die Füsse. Fast jeder Clubgolfer macht es umgekehrt, baut einen Stand auf und richtet die Schlagfläche darin aus. Genau so wird ein Putt gedrückt, bevor er losgeht.

Fünftens: Ein Blick zum Loch, die Augen zurück zum Ball, und los. Kein zweiter Blick. Beim zweiten Blick stirbt der Schlag.

Das Ganze dauert etwa fünfzehn Sekunden. Messen Sie es einmal zu Hause und denken Sie danach nie wieder an die Uhr.

Wählen Sie ein Ziel, das kleiner ist als das Loch

Das Loch misst 108 Millimeter im Durchmesser. Aus anderthalb Metern ist das grosszügig, und grosszügig genug, um ein vages Ziel zu sein. Vage Ziele erzeugen vage Schläge.

Zielen Sie stattdessen auf etwas Konkretes: einen einzelnen Grashalm auf Ihrer Linie, eine hellere Stelle, eine verheilte Pitchmarke. Wählen Sie sie rund 30 Zentimeter vor dem Ball, nicht am Loch. Den Ball über eine Marke in dieser Entfernung zu rollen, ist eine Aufgabe, die Ihre Augen überprüfen können, und sie ist viel einfacher, als auf ein Loch zu zielen, das Sie beim Putten gar nicht ansehen. Für die meisten Golfer ist das die eine Änderung, die kurze Putts umdreht, und sie verlangt keinerlei Übung.

Kurz zurück, beschleunigt durch

Der mechanische Fehler ist fast immer derselbe. Der Rückschwung wird zu lang, der Spieler spürt das, und die Hände bremsen zum Ausgleich ab. Eine abbremsende Schlagfläche verdreht sich, und eine verdrehte Schlagfläche verfehlt aus anderthalb Metern.

Machen Sie den Rückschwung bewusst kürzer, als es ausreichend erscheint, und lassen Sie den Durchschwung länger werden als den Rückschwung. Ein mit beschleunigender Schlagfläche getroffener Putt hält seine Linie durch den letzten halben Meter, und genau dort wird ein langsamer werdender Ball von jeder Unebenheit des Grüns am stärksten beeinflusst.

Festigkeit bringt einen zweiten Vorteil. Ein zügig rollender Ball nimmt weniger Break und lässt sich von Schuhabdrücken, alten Marken und dem Nachmittagswuchs weniger stören. Auf einem Grün, über das seit dem Morgen fünfzig Paar Schuhe gegangen sind, überlebt der feste Putt die letzten dreissig Zentimeter.

Unter 1,2 Metern nehmen Sie den Break heraus

Aus gut einem Meter auf einem normalen Grün ist der Break eine Entscheidung, die Sie sich meist sparen können. Spielen Sie fest genug, um ihn weitgehend auszuschalten, und zielen Sie innerhalb der Kante statt ausserhalb.

Das Argument geht über Einfachheit hinaus. Ein auf die Kante gezielter und etwas zu fest gespielter Putt verfehlt. Ein auf die Mitte gezielter und etwas zu fest gespielter Putt erwischt das Loch meistens trotzdem. Sie kaufen sich damit eine Reserve für genau den Fehler, den Sie am ehesten machen.

Die Ausnahme ist der schnelle Putt bergab, und in der Schweiz ist er häufiger als anderswo. Auf einem Bergplatz liegen kaum zwei Grüns wirklich eben, und der Hang, den Sie sehen, ist selten der einzige. Diesen Putt können Sie nicht erzwingen: Er nimmt den Break und will das Tempo eines Putts, der dreissig Zentimeter hinter dem Loch liegen bliebe.

Üben, das absichtlich Druck erzeugt

Zehn Minuten planloses Kurzputten bringen nichts, das Sie später brauchen können, denn Sie trainieren nicht den Schlag. Sie trainieren den Schlag unter Konsequenz.

Das Tor. Zwei Tees, etwas breiter als der Ball, dreissig Zentimeter davor auf Ihrer Startlinie. Putten Sie aus 1,2 Metern hindurch. Wer ein Tee trifft, hatte eine offene oder geschlossene Schlagfläche im Treffmoment, was für Sie unsichtbar und über anderthalb Meter riesig ist. Diese Übung diagnostiziert eher, als dass sie trainiert, und sie ist zwei Minuten zu Beginn jeder Einheit wert.

Zehn in Folge. Anderthalb Meter, dasselbe Loch, bei einem Fehler beginnt die Zählung wieder bei null. Der zehnte Putt einer laufenden Serie fühlt sich an wie ein Putt auf dem achtzehnten Grün, und genau deshalb funktioniert die Übung. Gehen Sie nicht, bevor die Serie steht, und beobachten Sie, was Ihre Hände beim siebten tun.

Der Kreis. Sechs Bälle im Ring um ein Loch, erst auf einem Meter, dann auf anderthalb. Alle sechs lochen, bevor Sie weiter nach aussen gehen. Der Kreis zwingt Sie zu einer neuen Leseleistung bei jedem Ball, statt einen einzigen Schlag einzuschleifen, und genau das passiert auch auf dem Platz.

Zwölf Minuten davon, zweimal pro Woche, verändern eine Scorekarte schneller als eine Stunde auf der Driving Range aus 140 Metern.

Der geschenkte Putt kostet Sie etwas

Im freundschaftlichen Flight nimmt man Bälle innerhalb eines Meters meist auf. Das hält die Runde in Bewegung und gehört zum Samstagmorgen dazu. Es bedeutet aber auch, dass Sie in Ihrem ersten Clubturnier einen echten Meterputt vor sich haben, den Sie seit Monaten nicht mehr gelocht haben. Wer im ersten Zählspiel auseinanderfällt, ist selten wegen des Schwungs nervös. Er ist wegen der Halbmeterputts nervös, die ihn seit dem Frühjahr niemand mehr hat spielen lassen.

Das Gegenmittel ist kostenlos. Lochen Sie einmal im Monat eine ganze Runde alles aus und reichen Sie sie als vorgabenwirksame Privatrunde ein. Zu wissen, dass es ein anderes Spiel ist, bevor es zählt, ist mehrere Schläge wert.

Zwei Regeln, die hier zählen

Sie dürfen Schäden auf Ihrer Linie ausbessern, auch Spikemarken und Schuhabdrücke, was seit 2019 erlaubt ist. Aerifizierungslöcher und natürliche Abnutzung dürfen Sie nicht ausbessern, und diese Unterscheidung ist jeden Herbst wichtig, wenn die Clubs ihre Grüns aerifizieren und Sie auf einer anderen Oberfläche putten als im Juli.

Sie dürfen während des Schlages nicht auf der Verlängerung Ihrer Linie hinter dem Ball stehen, und niemand darf hinter Ihnen stehen, um Sie auszurichten, sobald Sie Ihren Stand einnehmen. Der Rest der Regeln, die Clubgolfer falsch anwenden, zählt weniger als diese beiden.

Wo Sie das in der Schweiz üben

Das Putting-Grün der Anlage, auf der Sie gleich spielen, ist die ganze Antwort, und es ist praktisch überall im Greenfee enthalten. Der Aufpreis dafür beträgt CHF 0. Zehn Minuten früher da zu sein, ist der komplette Preis, und Sie bekommen dafür die heutige Grüngeschwindigkeit, die einzige, die Ihre Hände kennen müssen.

Für Schweizer Golfer ist dieser Punkt wichtiger als anderswo, weil ein grosser Teil von ihnen keinen Heimatclub hat. Wer über ASGI oder die Migros GolfCard spielt, hat kein Übungsgrün vor der Haustür, auf dem er dienstagabends zwölf Minuten putten kann. Für ihn passiert das kurze Spiel nur dann, wenn er die Startzeit bewusst zehn Minuten früher ansetzt. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Vorsatz und einer Gewohnheit.

Die Anlagen der GolfParks und die öffentlichen Plätze im Mittelland erlauben die Nutzung des Übungsgrüns in aller Regel für jeden mit einer Startzeit, in ruhigen Stunden oft auch ohne. Fragen Sie im Sekretariat, statt zu raten.

Zu Hause ist eine Puttingmatte auf genau dieser Distanz wirklich nützlich, anders als bei langen Putts, wo eine Matte eine einzige Geschwindigkeit hat und ein Golfplatz nicht. Anderthalb Meter auf der Matte trainieren Startlinie und Schlaglänge, und beides überträgt sich. Für die Wintermonate, in denen die Plätze im Flachland geschlossen sind und in den Bergen ohnehin Schnee liegt, ist das die einzige Übung, die ohne Simulator weiterläuft.

Sagt die Torübung, dass die Schlagfläche nicht gerade steht, ist das ein Winkelproblem und kein Nervenproblem, und es ist der eine Fehler beim kurzen Putt, für den sich eine Stunde beim Pro lohnt. Ein Swiss-PGA-Professional in Ihrem Club erkennt ihn in zwanzig Minuten. Panxis Golf unterhält keine geschäftliche Beziehung zu einem hier genannten Händler, Trainer oder Betrieb.

Fünf Dinge für Ihre nächste Runde

  • Zählen Sie die Putts, die Sie innerhalb von 1,8 Metern verfehlt haben. Diese Zahl, nicht die Gesamtzahl der Putts, sagt Ihnen, wohin die Schläge gegangen sind.
  • Benutzen Sie dieselbe Fünf-Schritt-Routine bei jedem Putt innerhalb von drei Metern, auch bei den bedeutungslosen.
  • Wählen Sie eine Marke dreissig Zentimeter vor dem Ball und rollen Sie darüber, statt auf das Loch zu zielen.
  • Machen Sie den Rückschwung kürzer, als es sich richtig anfühlt, und beschleunigen Sie durch.
  • Lochen Sie in diesem Monat eine Runde lang alles aus und sehen Sie, wie die Zahl wirklich lautet.

Nichts davon verlangt Talent, Ausrüstung oder einen Trainer. Es verlangt, zehn Minuten früher auf der Anlage zu sein und jedes Mal dieselben fünf Dinge zu tun. Das ist die unglamouröseste Verbesserung, die es im Golf gibt, und mit Abstand die günstigste.

Die Zahlen stammen aus ShotLink-Daten der Tour, wie sie in der Golfpresse veröffentlicht werden, und von Shot Scope, das Amateurrunden aufzeichnet und keine Übungseinheiten. Die Regelverweise beziehen sich auf die Golfregeln im Stand von 2026.

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