Drei-Putts vermeiden: lange Putts auf Schweizer Grüns
Lange Putts müssen nicht fallen, sie müssen kurz vor oder knapp hinter dem Loch liegen bleiben. Spielen Sie auf eine Zone von einem Meter, eichen Sie die Länge auf das Grün des Tages, und behandeln Sie den zweiten Putt als eigenen Schlag.
Kurz gefasst
- Die Platzreife-Prüfung von Swiss Golf erlaubt 21 Schläge auf neun Löchern aus 3, 6 und 9 Metern.
- Aus der Distanz entscheidet die Länge, nicht die Linie: auf eine Meter-Zone spielen.
- Schweizer Grüns sind im April und bei Morgentau langsamer als im Hochsommer.
- Auf Stableford kostet jeder Drei-Putt einen Punkt.
- In den Migros Golfparks ist das Übungsgrün kostenlos.
Wer in der Schweiz die Platzreife ablegt, puttet auf dem Übungsgrün einen Parcours aus neun Löchern: je drei aus 3, 6 und 9 Metern. Erlaubt sind nach dem Reglement von Swiss Golf höchstens 21 Schläge. Das ist die ganze Messlatte für Einsteiger, und sie ist lehrreicher, als sie aussieht: Wer aus neun Metern zweimal puttet und aus drei Metern ab und zu einmal, kommt durch. Wer aus neun Metern dreimal braucht, nicht.
Genau darum geht es bei langen Putts. Niemand verlangt, dass sie fallen. Verlangt wird, dass der zweite Putt kurz ist. Und das ist fast immer eine Frage der Länge, kaum eine der Linie.
Was ein Drei-Putt auf der Stableford-Karte kostet
In der Schweiz werden handicapwirksame Runden in vier Formaten gespielt: Stableford, Stroke Play, Par/Bogey und Maximum Score. Viele Clubturniere und General-Play-Runden laufen über Stableford, und dort ist die Rechnung brutal einfach. Ein Grün in Regulation mit zwei Putts ist ein Par; mit drei Putts ist es ein Bogey und ein Punkt weniger. Drei solcher Grüns pro Runde sind drei Punkte, und drei Punkte sind bei den meisten Handicaps der Unterschied zwischen einer Runde, die den Handicap-Index senkt, und einer, die im Mittelfeld verschwindet.
Das World Handicap System, das Swiss Golf seit 2021 anwendet, rechnet mit den besten 8 der letzten 20 Ergebnisse. Ein Drei-Putt zerstört selten eine Runde, aber er verhindert zuverlässig, dass eine gute Runde zu einer der acht besten wird.
Das Loch ist grösser, als Sie denken
Ein Ball, der aus zwölf Metern dreissig Zentimeter neben der Linie läuft, hinterlässt einen Putt, den man einem Flightpartner schenken würde. Ein Ball, der auf der perfekten Linie zwei Meter zu kurz oder zu lang bleibt, hinterlässt einen Putt, der unter Druck in jedem zweiten Fall vorbeigeht.
Aus der Distanz ist das Ziel deshalb nicht das Loch, sondern eine Zone darum herum. Stellen Sie sich einen Kreis mit einem Meter Radius vor, oder, als Übung, legen Sie einen Schläger quer einen Meter hinter das Loch. Alles zwischen Loch und Schläger ist ein Erfolg. Das hat zwei Vorteile: Sie sammeln auf dem Übungsgrün Treffer statt Fehlschläge, und Sie gewöhnen sich ab, lange Putts vor dem Loch sterben zu lassen. Ein Ball, der das Loch nicht erreicht, hat keine Chance gehabt, und er hat auch nichts über die Linie verraten.
Beim Lesen gilt dieselbe Gewichtung. Fünf Sekunden für die Linie genügen. Die übrige Zeit gehört der Frage: bergauf oder bergab, wie schnell ist das Grün heute, und wie weit ist es wirklich bis zum Loch? Schreiten Sie die Distanz ab, während Ihre Mitspieler putten. Das kostet den Flight keine Sekunde.
Schweizer Grüns ändern ihr Tempo mit dem Kalender
Eine Puttbewegung, die im Juli stimmt, lässt im April fast jeden Ball kurz. Das liegt nicht an Ihnen, sondern am Rasen.
- Frühling: Nach dem Winter wachsen die Grüns zuerst langsam wieder dicht. Im Mittelland rollen sie im April oft deutlich langsamer als im Hochsommer, in höheren Lagen öffnet die Saison ohnehin später: Auf der Golfanlage Samedan im Engadin dauert sie von Mai bis Oktober.
- Morgens: Unter Hochnebel oder nach einer klaren, kalten Nacht liegt Tau auf dem Grün. Ein betautes Grün um acht Uhr ist spürbar langsamer als dasselbe Grün am Nachmittag. Wer früh startet, eicht die Länge auf dem Übungsgrün neu, bevor er auf Bahn 1 geht.
- Hochsommer: Trockene, kurz geschnittene Grüns laufen am schnellsten. Bergab-Putts brauchen dann eine Bewegung, die sich lächerlich klein anfühlt.
- Nach dem Aerifizieren: Für einige Wochen springen die Bälle über Löcher und Sand, laufen langsamer und nehmen weniger Break an. Fester putten und akzeptieren, dass ein Teil der Putts ohne Ihr Zutun vom Weg abkommt.
- Winter: Wo auf Wintergrüns gespielt wird, ist die Geschwindigkeit eine völlig andere und muss jedes Mal neu gefunden werden.
Warum auch das Grün selbst unruhiger werden kann
Die Grüns machen nach Angaben von Swiss Golf nur rund 2 Prozent der Fläche eines Golfplatzes aus, und auf diese 2 Prozent konzentriert sich die intensivste Pflege: Dort wird in Trockenperioden noch bewässert, wenn der Rest des Platzes gelb werden darf, und dort wurden Pflanzenschutzmittel bisher im Wesentlichen eingesetzt. Swiss Golf hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Schweizer Plätze bis 2030 ohne synthetische Pflanzenschutzmittel gepflegt werden können.
Der Verband hat dazu 2023 zusammen mit dem belgischen Verband biologische Behandlungen gegen «Dollar Spot» getestet, eine Pilzkrankheit, die Grüns befällt, auf acht Schweizer Plätzen, darunter Wylihof, Limpachtal und Moossee. Sieben von siebzehn geprüften Substanzen konnten die Ausbreitung wirksam reduzieren.
Für den Putter heisst das nicht, dass Schweizer Grüns schlecht sind. Es heisst, dass ein Grün mit ein paar Flecken oder nach einer feuchten Woche nicht auf jedem Meter gleich rollt. Auf solchen Oberflächen ist die Länge noch wichtiger als sonst, weil die Linie auf den letzten Metern ohnehin zufällig abweichen kann. Ein Ball mit etwas Tempo, der das Loch um dreissig Zentimeter passiert, wird von kleinen Unebenheiten weniger abgelenkt als einer, der vor dem Loch ausrollt.
Drei Übungen für das Übungsgrün
Die Leiter
Drei Bälle aus 6, 9 und 12 Metern zum selben Loch, dann in umgekehrter Reihenfolge. Ziel ist nicht das Lochen, sondern dass jeder Ball in der Zone von einem Meter liegen bleibt. Halten Sie den Rhythmus gleich und ändern Sie nur die Länge des Rückschwungs, wie bei einem Pendel. Wer die Länge über die Handgeschwindigkeit steuert, verliert sie unter Druck als Erstes.
Der Blick zum Loch
Fünf Putts aus zwölf Metern, bei denen Sie während der Bewegung auf das Loch schauen statt auf den Ball. Die meisten Spielerinnen und Spieler liegen damit näher, weil eine Distanz besser geschätzt wird, wenn das Ziel sichtbar ist. Auf dem Platz müssen Sie nicht so putten. Die Übung zeigt Ihnen aber, wie viel Steuerung Ihre Hände normalerweise ungefragt hinzufügen.
Der Platzreife-Parcours
Stecken Sie den Parcours der Schweizer Platzreife selbst: drei Löcher aus 3 Metern, drei aus 6, drei aus 9. Zählen Sie jeden Schlag bis zum Einlochen. 21 ist die Limite der Prüfung. Wer regelmässig spielt, sollte mit der Zeit bei 18 bis 19 landen, und jeder Schlag darüber ist ein Drei-Putt, den Sie auf dem Platz ebenfalls machen würden.
Der zweite Putt verdient eine eigene Routine
Ein Drei-Putt besteht fast immer aus zwei Fehlern: einem langen Putt, der einen Meter zu weit endet, und einem Meterputt, der aus Ärger ohne Routine geschlagen wird. Den zweiten Fehler kann man sofort abstellen. Ball markieren, von hinten lesen, dieselben zwei Probeschwünge wie immer. Die zehn Sekunden holen Sie auf dem Weg zum nächsten Abschlag wieder auf.
Üben lässt sich das mit einer Konsequenz: zehn Meterputts in Folge vor dem Heimgehen, bei jedem Fehlschlag beginnt die Zählung von vorn. Das leichte Unbehagen dabei ist genau der Druck, den Sie auf Bahn 18 wiederfinden.
Wo Sie in der Schweiz lange Putts trainieren
Das beste Übungsgrün ist das der Anlage, auf der Sie gleich spielen, weil nur dort die Geschwindigkeit des Tages stimmt. Kommen Sie zehn Minuten früher, das ist der ganze Aufwand. Wer als Gast unterwegs ist, fragt beim Einchecken, ob das Übungsgrün im Greenfee inbegriffen ist; auf den meisten Anlagen ist es das.
In den Migros Golfparks Holzhäusern, Moossee, Oberkirch, Otelfingen und Waldkirch ist die Benutzung der Übungsanlagen für Pitching, Chipping und Putting laut den Tarifseiten kostenlos; bezahlt werden nur die Rangebälle, 20 Stück für CHF 3.50 für Gäste. Die Academy der Migros Golfparks führt ausserdem ein Modul «Tour Putting» in ihrem Kursangebot, und die Platzreifekurse enthalten das Putten als festen Teil.
Ob es an der Länge oder an der Startlinie liegt, sagt Ihnen ein Swiss-PGA-Pro in einer kurzen Lektion schneller, als Sie es selbst herausfinden. Eine Puttingmatte zu Hause hilft für Startlinie und Meterputts, für die Länge nützt sie nichts, weil sie nur eine einzige Geschwindigkeit kennt.
Panxis Golf hat keine geschäftliche Beziehung zu den genannten Anlagen.
Und der Putter?
Ein passender Putter bringt den Ball auf die gewählte Linie, und das zählt vor allem innerhalb von drei Metern. Über die Länge entscheidet nichts am Schläger. Wer wegen Drei-Putts einen neuen Putter kaufen will, sollte zuerst eine Saison lang die Leiter üben. Wenn danach noch Zweifel bleiben, erklärt der Artikel zur Putterwahl, worauf es bei Länge, Lie und Balance ankommt; wie ein Fitting grundsätzlich abläuft, zeigt das Beispiel Eisen-Fitting. Und wer merkt, dass die Schlagfläche schon beim Ansprechen schief steht, beginnt bei Griff und Stand.
Für die nächsten fünf Runden
- Vor jeder Runde zehn Minuten Leiter auf dem Übungsgrün, bei Tau oder im Frühling unbedingt.
- Lange Putts auf eine Meter-Zone spielen, nicht auf das Loch.
- Den zweiten Putt immer markieren und mit Routine spielen.
- Auf der Scorekarte die Putts pro Loch notieren und die Drei-Putts zählen.
- Einmal im Monat den Platzreife-Parcours spielen und das Resultat notieren.
Nach fünf Runden wissen Sie, ob Ihre Drei-Putts von weit weg kommen oder vom Meterputt danach. Beides lässt sich üben, aber nur das eine davon auf dem Übungsgrün vor dem Start.






