Zum Inhalt springen
Turniere

Das erste Clubturnier: Ablauf statt Nervosität

Was Neulinge im ersten Turnier stolpern lässt, hat mit der Qualität der Schläge nichts zu tun. Fast alles ist Ablauf, und der ist in zehn Minuten gelernt.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 6 min
Einzelner Golfer am Abschlag, Cart dahinter
Photo Mikhail Nilov / Pexels

Kurz gefasst

  • Brutto ist ohne Vorgabe, netto mit: für ein erstes Turnier zählt netto.
  • Ausschreibung lesen: Spielform, Abschläge, Platzregeln, Meldeschluss, Kanonenstart.
  • Sie haften für die Lochergebnisse auf der Karte, nicht für die Addition.
  • Bei Regelzweifel zwei Bälle spielen und vorher ansagen, welcher zählen soll.
  • Fast alle spielen im ersten Turnier drei oder vier Schläge über ihrem Schnitt.

Das erste Clubturnier zu spielen ist weniger einschüchternd, als es aussieht, und was Neulinge stolpern lässt, hat mit der Qualität der Schläge nichts zu tun. Fast alles ist Ablauf, und der Ablauf lässt sich in zehn Minuten lernen.

Die Hemmschwelle ist trotzdem real, und sie hat einen Namen: die Vorstellung, ein Turnier sei etwas für gute Spieler. Auf einer deutschen Anlage ist das wöchentliche Stableford genau das Gegenteil, nämlich eine Runde mit Anmeldung, festen Startzeiten und einer Liste am Ende, auf der auch Handicap 36 steht.

Was Sie vor der Anmeldung brauchen

Die DGV-Platzreife und ein geführtes Handicap, über den Club oder über die Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV. Die Anmeldung läuft über das Sekretariat oder das Onlineportal. Prüfen Sie, ob brutto, netto oder beides gewertet wird und ob das Turnier vorgabewirksam ist.

Brutto heißt ohne Vorgabe, netto mit. Für ein erstes Turnier zählt ausschließlich die Nettowertung, und die Bruttoliste ist die, auf der die einstelligen Handicaps unter sich sind. Wer das nicht weiß, liest am Ende die falsche Tabelle und geht enttäuscht nach Hause.

Das Nenngeld liegt auf den meisten Anlagen bei wenigen €, für Gäste kommt das Greenfee dazu. Fragen Sie beim Anmelden, ob eine Preisverleihung stattfindet und wann, weil die meisten Clubs erwarten, dass man dabeibleibt.

Lesen Sie die Ausschreibung, und dann noch einmal

Sie nennt Spielform, Abschläge, Platzregeln und Meldeschluss. Die meisten ersten Male scheitern an einem dieser Punkte: von den falschen Abschlägen gespielt, den Meldeschluss verpasst oder den Kanonenstart nicht bemerkt.

Der Kanonenstart verdient eine eigene Erwähnung, weil er anders funktioniert, als man erwartet: Alle Gruppen starten gleichzeitig an verschiedenen Löchern, Ihre Bahn steht auf der Startliste, und wer sie nicht liest, steht am ersten Abschlag, während sein Flight an Bahn 14 wartet.

Sie führen eine Karte, aber nicht Ihre eigene

Im Zählspiel schreiben Sie die Karte einer Mitspielerin oder eines Mitspielers und umgekehrt. Bruttoergebnis jedes Lochs eintragen, am Ende abgleichen, beide unterschreiben. Sie haften für die Richtigkeit der Lochergebnisse auf Ihrer Karte, nicht für die Addition. Ein falsch unterschriebenes Lochergebnis ist der eine Verwaltungsfehler, der wirklich teuer ist.

Gleichen Sie deshalb am nächsten Abschlag ab und nicht erst am achtzehnten Grün. Zwei Sätze pro Loch genügen, und sie verhindern die Situation, in der am Ende niemand mehr weiß, ob es auf Bahn 7 eine Sechs oder eine Sieben war.

Und geben Sie die Karte an der Stelle ab, die die Ausschreibung nennt. Auf vielen Anlagen steht dafür eine Box neben dem Sekretariat, und eine nicht abgegebene Karte zählt nicht, auch wenn sie unterschrieben in der Tasche liegt.

Tempo und Etikette

Fünf Minuten vor der Startzeit am Abschlag sein, Ready Golf spielen, wo die Spielform es erlaubt, und bei möglicherweise verlorenem Ball einen provisorischen Ball ankündigen, bevor Sie den Abschlag verlassen. Liegt Ihre Gruppe ein Loch zurück, durchspielen lassen oder bewusst Tempo machen.

Fünf Minuten sind das Minimum; besser sind dreißig, davon zehn auf dem Übungsgrün. Die Grüngeschwindigkeit ist an einem Turniertag oft höher als sonst, weil vorher gemäht und gewalzt wurde, und wer das erst auf Bahn 3 merkt, hat drei Schläge verloren.

Die Regeln, die Sie tatsächlich brauchen

Vier Situationen decken fast jedes erste Turnier ab: Ball aus oder verloren, also Schlag und Distanz; Strafgebiet mit Erleichterung gegen einen Strafschlag; unspielbarer Ball mit drei Möglichkeiten gegen einen Strafschlag; und straflose Erleichterung von Wegen, Sprinklern und zeitweiligem Wasser. Bei Unsicherheit im Zählspiel zwei Bälle spielen und die Spielleitung danach fragen.

Prüfen Sie außerdem, ob die Platzregel für verlorene Bälle gilt, die gegen zwei Strafschläge das Weiterspielen vom Bahnrand erlaubt. Sie steht auf der Scorekarte und wird in vielen Clubwettspielen ausdrücklich ausgeschlossen, obwohl sie im Alltag gilt.

Wenn Sie einen zweiten Ball spielen, sagen Sie vorher an, welcher zählen soll, und melden Sie den Fall vor der Kartenabgabe. Das ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern das vorgesehene Verfahren, und die Spielleitung erwartet es.

Rechnen Sie mit einer schlechteren Runde

Fast alle spielen im ersten Turnier drei oder vier Schläge über ihrem Schnitt. Die Vorgabe geht ohnehin davon aus, dass Sie ein Mensch sind. Karte unterschreiben und merken, dass sich das zweite Turnier völlig anders anfühlt.

Was unter Druck zuerst verschwindet, ist bei fast allen dasselbe: der Meterputt und die Entschlossenheit bei der Schlägerwahl. Beides lässt sich vorbereiten, indem man vor dem Start zehn Meterputts in Folge locht und indem man am Ball den längeren Schläger nimmt und weich schwingt, statt zwischen zwei zu zögern.

Was es Ihrem Golf bringt

Im Turnier zeigt sich, welche Teile Ihres Spiels unter Druck halten, was die Range nie verrät. Es ist außerdem der schnellste Weg in einen Club hinein.

Der zweite Punkt wird unterschätzt. Wer als neues Mitglied drei Turniere spielt, kennt danach mehr Leute als nach einem Jahr Privatrunden, weil man in jedem Flight mit zwei oder drei Fremden zusammengelost wird. Für viele ist genau das der eigentliche Ertrag.

Wie Sie sich in der Woche davor vorbereiten

Nichts Aufwendiges, und drei Dinge lohnen sich trotzdem.

Spielen Sie den Platz einmal von den Abschlägen, die in der Ausschreibung stehen, und notieren Sie an jedem Abschlag den Schläger, den Sie nehmen würden. Auf Papier, in der Reihenfolge der Löcher, und tragen Sie den Zettel am Turniertag bei sich. Der Wert liegt nicht in der Information, sondern darin, dass die Entscheidung im Ruhezustand gefallen ist.

Üben Sie Meterputts mit einer Konsequenz: zehn in Folge vor dem Nachhausegehen, bei jedem Fehlschlag von vorn. Das leichte Unbehagen dabei ist genau das, was das Training auf den Turniertag überträgt.

Und legen Sie die Strategie für die zwei Löcher fest, die Sie regelmäßig Schläge kosten. Jeder hat zwei, meist ein langes Par 4 gegen den Wind und ein Loch mit Wasser am Abschlag. Schreiben Sie den Plan samt Schläger auf und kommen Sie am Abschlag nicht darauf zurück.

Wo Sie Ihr erstes Turnier finden

Der Turnierkalender Ihres Clubs hängt im Clubhaus aus und steht auf der Website; das wöchentliche Stableford ist praktisch überall der richtige Einstieg, weil es die Form ist, die ein Katastrophenloch verzeiht.

Wer keinem Club angehört, spielt offene Turniere fremder Anlagen: Sie stehen allen Spielern mit DGV-Ausweis innerhalb der ausgeschriebenen Handicapgrenzen offen, und die Anlagensuche von Golf in Deutschland führt zu den Kontakten. Die VcG im DGV liefert dafür das geführte Handicap ohne Heimatclub.

Auf Landesebene schreiben die Landesgolfverbände zusätzlich offene Ranglistenturniere und Wettbewerbe nach Altersklassen aus. Die Felder in den Senioren- und Mid-Amateur-Klassen sind regelmäßig kleiner, als sie sein sollten, und die Startgelder moderat.

Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Clubs oder Verbänden.

Nach der Runde

Bleiben Sie zur Auswertung da, auch wenn das Ergebnis nicht stimmt. Auf den meisten deutschen Anlagen gehört das dazu, es dauert nicht lang, und es ist der Teil, an dem man die Leute kennenlernt, wegen derer man wiederkommt.

Und schauen Sie sich an, wie sich Ihr Handicap verändert hat. Das World Handicap System rechnet mit den acht besten aus zwanzig Runden, eine einzelne schwache Karte bewegt also wenig, und genau das nimmt dem ersten Turnier den letzten Rest seiner Bedeutung.

Ihre Liste für das erste Mal

  • Platzreife und geführtes Handicap, Anmeldung vor Meldeschluss.
  • Spielform, Wertung, Abschläge und Platzregeln gelesen, Startliste geprüft.
  • Vier Regelsituationen verstanden, zwei Bälle bei Zweifel.
  • Dreißig Minuten früher da, davon zehn auf dem Übungsgrün.
  • Karte Loch für Loch geprüft, von beiden unterschrieben und abgegeben.

Das Golf erledigt sich von selbst. Der Rest ist Verwaltung, und die kennen Sie jetzt.

Ein Artikel pro Tag reicht Ihnen nicht?

Der monatliche Newsletter bündelt, was zu lesen war – ohne Lärm.

Ebenfalls lesenswert

Parcours de notre annuaire

Golfclub Leitershofen

1981 gegründet, einst „Bavarian Hills“ der US-Armee: neun Löcher, Par 36, an einem Südhang am Westrand von Augsburg, mit Grüns, die Thomas Himmel 2019…

Golf am Katzberg

Seit 1997 in Langenfeld zwischen Düsseldorf und Köln: neun Löcher, Par 33, nur 2.075 Meter von Gelb, aber viel Wasser, enge Bahnen und ein…

Golf-Club Bad Pyrmont

Seit 1961 Golf auf dem Hamberg über Bad Pyrmont und Lügde: ein hügeliges Par 72 mit weitem Blick ins Weserbergland, kurzen Bahnen, viel Hang…