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Turniere

Zählspiel nach Stableford: 36 Punkte, Vorgabeschläge und die DGV-Regel zur Hauptsaison

Neun Schläge auf Bahn 8 beenden im Zählspiel die Runde und kosten im Stableford zwei Punkte. Regel 21.1 erklärt, warum, und der Teil, den fast alle überspringen, entscheidet über jeden einzelnen Punkt.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 7 min
Eine Hand setzt einen Golfball auf ein Tee im kurz geschnittenen Gras eines Abschlags
Photo Jopwell / Pexels

Kurz gefasst

  • Die Skala reicht von 0 Punkten bei zwei oder mehr Schlägen über dem Zielergebnis bis zu 5 Punkten bei drei Schlägen darunter. Die meisten Punkte gewinnen.
  • Das Zielergebnis ist das Par plus Ihre Vorgabeschläge auf dieser Bahn, verteilt nach der Vorgabenverteilung der Scorekarte.
  • Die Rules of Handicapping empfehlen 95 Prozent des Course Handicap für ein Einzel-Stableford in Feldern von 30 bis 100 Teilnehmenden.
  • Der DGV schreibt vor, dass jedes Stableford-Turnier in der Hauptsaison von Mai bis September handicap-relevant gespielt werden muss; von Oktober bis April entscheidet die Turnierleitung.

Bahn 8, Par 4, Wasser rechts vor dem Grün. Der Abschlag landet darin, der Drop liegt schlecht, der nächste Schlag steckt im Bunker, und als der Ball endlich fällt, stehen neun Schläge auf der Karte. Im Zählspiel ist die Runde damit erledigt, zehn Bahnen vor dem Ende. Im Zählspiel nach Stableford ist dieselbe Bahn null Punkte wert, der Ball wandert in die Tasche, und die restlichen zehn Löcher liegen unverändert vor Ihnen.

Das ist keine Kulanz, sondern Regel 21.1 der Golfregeln. Die Spielform gehört in Deutschland zu den am häufigsten gespielten überhaupt, und der DGV empfiehlt sie ausdrücklich für Spielerinnen und Spieler mit höherem Handicap-Index. Trotzdem kennen viele Clubmitglieder nur die Faustregel mit den 36 Punkten und nicht die Rechnung dahinter. Genau dort entscheidet sich aber, ob eine Bahn einen Punkt bringt oder keinen.

Die Punktetabelle

Gezählt werden nicht Schläge, sondern Punkte gegen ein Zielergebnis, das der Spielleiter festlegt und das im Normalfall das Par der Bahn ist:

  • zwei oder mehr Schläge über dem Zielergebnis, oder kein Ergebnis eingetragen: 0 Punkte
  • ein Schlag darüber: 1 Punkt
  • das Zielergebnis: 2 Punkte
  • ein Schlag darunter: 3 Punkte
  • zwei Schläge darunter: 4 Punkte
  • drei Schläge darunter: 5 Punkte

Gewonnen hat, wer am Ende die meiste Punktzahl hat. Die Null ist dabei wichtiger als alles andere: Sie ist der Boden. Eine katastrophale Bahn kostet höchstens die zwei Punkte, die Sie sonst bekommen hätten, und keinen Schlag mehr. Eine 11 auf der Scorekarte gibt es im Stableford nicht.

Das Zielergebnis ist nicht das Par

Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen. In einem vorgabenwirksamen Turnier ist Ihr Zielergebnis auf einer Bahn nicht das gedruckte Par, sondern das Par plus die Vorgabeschläge, die Sie dort erhalten.

Der Weg dorthin führt über drei Zahlen. Der Handicap-Index ist platzunabhängig und beschreibt Ihre Spielstärke. Das Course Handicap rechnet ihn auf einen bestimmten Platz und einen bestimmten Abschlag um, über Course Rating und Slope. Die Spielvorgabe entsteht daraus, indem die für die Spielform vorgesehene Vorgabe angewandt wird. Diese Spielvorgabe verteilt sich dann nach der Vorgabenverteilung auf der Scorekarte, also nach der Schwierigkeit der Löcher.

Ein Beispiel. Eine Spielerin mit einer Spielvorgabe von 24 erhält auf allen 18 Bahnen einen Schlag und auf den sechs schwersten, Vorgabenverteilung 1 bis 6, einen zweiten. Auf der Bahn mit Vorgabenverteilung 3, einem Par 4, lautet ihr Zielergebnis also 4 plus 2, gleich 6. Eine 6 bringt zwei Punkte, eine 7 einen, eine 8 keinen. Derselbe Score von 6 bringt einem Spieler mit Spielvorgabe 8 auf dieser Bahn nur einen Punkt, weil er dort nur einen Vorgabeschlag hat.

Wer sich die Schläge vor dem ersten Abschlag auf der Karte anstreicht, spart sich diese Rechnerei auf dem Grün und spielt vor allem klüger: Sie wissen dann schon am Abschlag, ob die Bahn eine Zwei-Punkte-Bahn für Sie ist.

36 Punkte, und was 95 Prozent daraus machen

Zwei Punkte pro Bahn, achtzehn Bahnen: 36. Diese Zahl bedeutet, dass Sie exakt Ihrer Vorgabe entsprechend gespielt haben. Alles darüber ist eine gute Runde, alles darunter nicht.

Ganz so einfach ist es in der Praxis nicht mehr, weil die Vorgabe für die Spielform berücksichtigt wird. Die Rules of Handicapping empfehlen für ein Einzel-Stableford in einem Feld von 30 bis 100 Teilnehmenden 95 Prozent des Course Handicap, und 100 Prozent nur dann, wenn das Feld kleiner als 30 ist. Aus einem Course Handicap von 24 wird damit eine Spielvorgabe von 23, ein Vorgabeschlag auf einer Bahn fällt weg, und in einer knappen Wertung fällt mit ihm ein Punkt. Wenn sich eine Runde wie 36 anfühlt und mit 35 in der Ergebnisliste steht, liegt es meist genau daran.

Den Ball aufnehmen ist ausdrücklich erwünscht

Regel 21.1 fordert Sie auf, eine Bahn abzubrechen, sobald Ihr Ergebnis keinen Punkt mehr bringen kann. Der DGV formuliert es in seinem Serviceportal so, dass Spielerinnen und Spieler den Ball aufnehmen dürfen, sobald sie die maximale Schlagzahl erreicht haben, mit der sie noch einen Stableford-Punkt bekommen würden, dazu aber nicht verpflichtet sind.

Im normalen Zählspiel wäre dasselbe Verhalten eine Disqualifikation, weil dort jede Bahn ausgespielt werden muss. Genau daraus entsteht der praktische Vorteil der Spielform: Ein Stableford-Feld ist schneller vom Platz als dasselbe Feld im Zählspiel, ohne dass jemand einen Schlag hetzen müsste.

Für die Vorgabe geht dabei nichts verloren. Stableford ist eine vorgabenwirksame Spielform, und aus den Bahnergebnissen wird für die Berechnung wieder ein Score gebildet, bei abgebrochenen Bahnen mit dem Netto-Doppelbogey als Höchstwert. Die leere Bahn in der Punktespalte ist in der Handicap-Rechnung also keine Lücke.

Mai bis September: wann ein Stableford-Turnier zählen muss

In Deutschland gibt es dazu eine Vorschrift, die viele Turnierteilnehmende überrascht. Der DGV schreibt, dass jedes Turnier der Spielform Zählspiel nach Stableford in der Hauptsaison, also von Mai bis September, handicap-relevant gespielt werden muss. Von Oktober bis April entscheidet die Turnierleitung, ob ein Stableford-Turnier vorgabenwirksam ausgeschrieben wird.

Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Wer im Sommer bei einem Clubturnier nach Stableford antritt, kann sich nicht darauf verlassen, dass eine schwache Runde folgenlos bleibt, denn sie zählt. Zweitens: Im Winterhalbjahr lohnt der Blick in die Ausschreibung, bevor man einschätzt, was 38 Punkte bei der Wintertrophy wert waren.

Ein Arzt, ein Links-Platz und viel Wind

Die Spielform hat einen Urheber und ein Datum, was im Golf selten ist. Dr. Frank Stableford war Militärarzt und ein starker Spieler, 1907 mit Handicap plus 1 Sieger der Clubmeisterschaft von Royal Porthcawl, und trat 1914 dem Wallasey Golf Club an der englischen Nordwestküste bei. Wallasey liegt offen an der Irischen See. Das dort übliche Bogey-Wettspiel, bei dem jede Bahn voll zählte, machte bei kräftigem Wind wenig Sinn, weil die Mitglieder die langen Par 4 schlicht nicht erreichten und nach wenigen Bahnen aufgaben.

Einen ersten Versuch mit Punkten hatte er bereits 1898 als kurzzeitiges Mitglied im walisischen Glamorganshire unternommen, indem er die Ergebnisse eines gewöhnlichen Bogey-Wettspiels nachträglich in Punkte umrechnete. Das überzeugte ihn nicht und blieb ein Einzelfall. Die brauchbare Fassung entstand Ende 1931 auf der zweiten Spielbahn in Wallasey, und am 16. Mai 1932 wurde dort das erste Turnier nach den neuen Regeln gespielt. Seit 1969 trägt der Club eine offene Amateurtrophäe in seinem Namen aus, selbstverständlich im Stableford.

Wo Stableford im deutschen Turnierkalender steht

Der Weg zum Turniergolf führt in Deutschland zunächst über die Platzreife, die in den Clubs und in den DGV-Mitgliedsanlagen unterschiedlich ausgestaltet ist, und danach über den Handicap-Index. Wer von 54 herunterspielen will, findet in Stableford-Turnieren die natürliche Umgebung dafür, weil eine einzelne verunglückte Bahn die Runde nicht kippt.

Im Clubkalender steht die Spielform vor allem bei den Sponsorenturnieren, den offenen Turnieren der Woche, den Seniorinnen- und Senioren-Turnieren und bei den Mannschaftsvorbereitungen der Clubs. Die Deutsche Golf Liga dagegen wird im Loch- und Zählspiel entschieden, und auch die Clubmeisterschaft ist in nahezu jedem deutschen Club ein Zählspiel ohne Vorgabe. Das ist kein Zufall: Stableford misst, ob Sie Ihre Vorgabe erfüllen, Zählspiel misst, wie viele Schläge Sie wirklich brauchen. Für eine Meisterschaft ist die zweite Frage die richtige.

Wer beides ausprobieren möchte, findet daneben die ältere Verwandtschaft im Regelwerk: das Lochspiel gegen den Platz nach Regel 21.3, im Deutschen als Par- oder Bogey-Wettspiel geführt, und das Wettspiel mit Höchstergebnis nach Regel 21.2, bei dem die Spielleitung eine Obergrenze pro Bahn festlegt. Beide kosten den Club nur eine Zeile in der Ausschreibung und stehen in den meisten Kalendern trotzdem nie.

Für die nächste Runde

Streichen Sie die Vorgabeschläge vor dem ersten Abschlag auf der Karte an. Nehmen Sie den Ball auf, sobald der Punkt weg ist, ohne Entschuldigung, denn die Regel bittet genau darum. Und nutzen Sie die Asymmetrie, die gute Stableford-Spieler kennen: Auf einer Bahn, auf der ein Vorgabeschlag Sie absichert, ist der sichere Weg zu zwei Punkten den Verzicht wert, und auf einer Bahn, auf der der Punkt ohnehin verloren ist, gibt es nichts mehr zu verlieren.

Zum Weiterlesen: unsere Übersicht über die Spielformen im deutschen Clubgolf, der Leitfaden für das erste Clubturnier und die Zusammenstellung der Golfregeln, die am häufigsten falsch angewendet werden.

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