Clubmeisterschaft: warum die Nettowertung auch für Handicap 25 gemacht ist
Golf Sempach und Golf Kyburg führen ihre Clubmeister in vier Spalten, brutto und netto, Damen und Herren. Die Nettowertung ist für mittlere Handicaps gemacht, und keine andere Runde des Jahres zeigt so klar, was unter Druck hält.
Kurz gefasst
- Die Nettowertung verrechnet das Handicap: Die Meisterschaft ist nicht nur für Einstellige.
- Zwei Übungsrunden von den Meisterschaftsabschlägen, eine zu Ihrer Startzeit.
- Unter Druck halten volle Schwünge, Meterputts nicht: zwei Wochen lang mit Konsequenz üben.
- Lochspielresultate sind in der Schweiz nicht handicapwirksam, Zählspiel und Stableford schon.
- Danach: Interclub, Coupe Helvétique für Handicap 10 bis 18 und die Regional Championships von Swiss Golf.
Auf der Website von Golf Sempach steht die Liste der Clubmeister seit Jahren in vier Spalten: Herren brutto, Herren netto, Damen brutto, Damen netto. Golf Kyburg führt die seine genauso. Diese vier Spalten sind die beste Antwort auf den Satz, mit dem sich die meisten Mitglieder nie anmelden: «Die Clubmeisterschaft ist nichts für mein Handicap.» Die Nettowertung ist genau für Ihr Handicap gemacht.
Und es gibt einen zweiten Grund, sich anzumelden. Kein Übungstag zeigt so deutlich, welche Teile Ihres Spiels halten, wenn jeder Schlag auf der Karte steht und die Rangliste am Abend im Clubhaus hängt.
Wie Schweizer Clubs ihre Meisterschaft aufbauen
Das Grundmuster ist fast überall gleich: Eine Bruttowertung ermittelt die besten Spielerin und den besten Spieler des Clubs, eine Nettowertung verrechnet das Handicap. Manche Clubs unterteilen zusätzlich in Klassen nach Handicap-Index oder spielen die Nettowertung in Kategorien. Wie das konkret aussieht, steht in der Ausschreibung Ihres Clubs, und sie ist die erste Lektüre vor der Anmeldung.
Achten Sie beim Lesen auf vier Dinge. Wie viele Runden gespielt werden und ob ein Cut folgt. Von welchen Abschlägen jede Kategorie spielt. Ob die Nettowertung im Zählspiel oder im Stableford ausgetragen wird. Und wann Meldeschluss ist. Jeder dieser Punkte verändert die Vorbereitung.
Dass eine Einteilung nach Handicap in der Schweiz üblich ist, zeigen auch die grossen Turnierserien. Die Migros Golf Tour, nach eigenen Angaben mit über 4’000 Teilnehmenden die grösste Golftour des Landes, wertet ihre Order of Merit in vier gemischten Kategorien: Handicap-Index +8.0 bis 15.0, 15.1 bis 26.0, 26.1 bis 36.0 und 36.1 bis 54.0. Wer 22 spielt, misst sich dort mit anderen Spielern um die 22.
Was Zählspiel mit Ihnen macht
Die meisten Clubmeisterschaften werden im Zählspiel gespielt. Das ist härter als das wöchentliche Stableford, weil jeder Schlag zählt und kein Loch einfach abgehakt wird. Die Handicapberechnung kappt ein Katastrophenloch zwar auf ein Netto-Doppelbogey, die Meisterschaftskarte tut das nicht.
Fast alle Teilnehmenden machen dabei dieselben zwei Erfahrungen. Die vollen Schwünge halten, weil sie eingeschliffen sind und das Ziel gross ist. Die Meterputts halten nicht: Unter Druck wird die Bewegung kürzer, die Hände übernehmen, und der Ball verfehlt auf der tiefen Seite.
Die zweite Erfahrung ist die Unentschlossenheit. Aus 140 Metern steht plötzlich jemand zwischen zwei Schlägern, der sonst in drei Sekunden wählt, und der halb überzeugte Schwung danach kostet den Schlag. Die Lösung ist schlicht: den längeren Schläger nehmen, ruhig schwingen, die Grünrückseite akzeptieren. Wer das vorher weiss, hat den grössten Teil des Problems gelöst.
Zwei Wochen Vorbereitung
Spielen Sie den Platz zweimal von den Meisterschaftsabschlägen und notieren Sie für jedes Loch den Schläger vom Abschlag. Auf Papier, in der Reihenfolge der Löcher, und nehmen Sie den Zettel mit. Sein Wert liegt nicht in der Information, sondern darin, dass die Entscheidung in Ruhe gefallen ist.
Legen Sie für Ihre zwei Problemlöcher einen festen Plan fest. Fast jeder hat zwei solche Löcher, oft ein langes Par 4 und eines mit Wasser. Schreiben Sie den Plan samt Schläger auf und diskutieren Sie am Abschlag nicht mehr mit sich selbst. Wo Ihre Schläge sonst verloren gehen, zeigen fünf Spalten auf der Scorekarte aus den Runden davor.
Üben Sie Meterputts mehr als alles andere, und zwar mit Konsequenz: zehn in Folge vor dem Heimgehen, bei jedem Fehler von vorn. Dieses leichte Unbehagen ist es, was sich auf den Wettkampf überträgt. Und spielen Sie mindestens eine Übungsrunde zu der Tageszeit, zu der Sie starten. Grüns um acht Uhr und um vierzehn Uhr sind nicht dieselbe Oberfläche.
Spätsommergrüns
Findet Ihre Meisterschaft im Sommer oder Spätsommer statt, sind die Grüns meist fester und schneller als im Frühling. Annäherungen, die im April hielten, laufen dann weiter. Landen Sie den Ball kürzer als die Fahne und rechnen Sie den Rollweg ein. Rund ums Grün ist der flache Roller jetzt oft sicherer als der hohe Ball. Und auf dem Grün rollt dieselbe Bewegung weiter als im Mai. Zehn Minuten auf dem Übungsgrün vor jeder Runde gehören in dieser Woche zum Programm.
Regeln, Karte, Tempo
Lesen Sie vor dem Start die Platzregeln am Anschlagbrett, auch wenn Sie glauben, sie seien dieselben wie letztes Jahr. Aus-Grenzen, der Status eines Grabens oder die Regelung für Carts können sich ändern.
Bei der Karte gilt: Ihr Zähler schreibt Ihre Scores, Sie prüfen sie Loch für Loch, beide unterschreiben. Im Zählspiel wird jeder Putt eingelocht, auch der kürzeste. Bei einem Regelzweifel spielen Sie einen zweiten Ball, sagen vorher an, welcher zählen soll, und lassen die Spielleitung entscheiden.
Auch das Tempo wird ernster genommen. Swiss Golf gibt bei seinen eigenen Meisterschaften jeder Gruppe eine Richtzeit vor, und wer mehrere Kontrollpunkte verpasst, riskiert Strafschläge bis zur Disqualifikation. Clubs wie der Golfclub Appenzell berufen sich in ihren eigenen Tempo-Reglementen ausdrücklich auf Swiss Golf. Wie man ohne Hetze im Zeitplan bleibt, steht im Beitrag zum Spieltempo.
Wenn Ihr Club zusätzlich Lochspiel austrägt
Manche Clubs spielen neben der Meisterschaft einen Lochspielcup. Hier kostet eine Neun am vierten Loch ein Loch, nicht mehr, und aggressives Spiel ist oft richtig, wo es im Zählspiel unklug wäre. Spielen Sie den Gegner, nicht die Karte: Liegt er schlecht, spielen Sie die Fairway- und Grünmitte. Sind Sie drei Löcher vor Schluss ein Loch hinten, riskieren Sie etwas, weil ein geteiltes Loch Ihnen nicht mehr hilft.
Prüfen Sie vor dem Start, an welchen Löchern Vorgabenschläge verteilt werden. Und wissen Sie: Lochspielresultate sind in der Schweiz nicht handicapwirksam, gewertet werden nur Einzelrunden im Stableford, Zählspiel, Par/Bogey und Maximum Score.
Wo es in der Schweiz danach weitergeht
Wer Freude am Wettkampf gefunden hat, hat mehrere Stufen vor sich, und nicht alle verlangen ein einstelliges Handicap.
Die Swiss Golf Interclub Championship ist die Schweizermeisterschaft der Clubs. Die Damen spielen in den Serien A1 bis A2 und B1 bis B4, die Herren in A1 bis A4 und B1 bis B5, die ersten drei Teams jeder Serie steigen grundsätzlich auf, die letzten drei ab. 2025 wurden Lausanne bei den Damen und Bossey bei den Herren Schweizer Meister. Für Spielerinnen und Spieler mit einem Handicap-Index zwischen 10.0 und 18.0 gibt es die Coupe Helvétique: ein Team von sechs Personen pro Club, drei Foursomes und sechs Einzel im Lochspiel. Ab 50 gibt es eigene Interclub-Serien, 2026 fünf bei den Damen und sechs bei den Herren.
Eine Stufe höher liegen die Swiss Golf Regional Championships West, Central und East: 54 Löcher Zählspiel, Cut nach 36 Löchern, höchstens 120 Teilnehmende, offen für Amateure mit Handicap 6.5 oder besser und Amateurinnen mit 10.0 oder besser, Anmeldegebühr CHF 140, für U18 CHF 80. Dazu kommen kantonale Titel wie die Thurgauer Golf-Meisterschaft, 2026 am 12. und 13. September in Lipperswil und Erlen ausgetragen.
Und für alle, die lieber im eigenen Tempo Turniere sammeln: Die Migros Golf Tour umfasst nach eigenen Angaben mehr als 200 Turniere über 9 und 18 Löcher in den Migros Golfparks und auf 20 weiteren Plätzen. Für ihre Jahreswertung zählen die drei besten Nettoresultate.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Clubs, Swiss Golf oder Migros Golf.
Anmelden, bevor der Meldeschluss vorbei ist
- Die Ausschreibung lesen: Runden, Cut, Kategorien, Abschläge, Meldeschluss.
- Zwei Übungsrunden von den Meisterschaftsabschlägen, eine davon zu Ihrer Startzeit.
- Für jedes Loch den Abschlagschläger notieren und zwei Problemlöcher planen.
- Zwei Wochen lang Meterputts mit Konsequenz üben.
- Platzregeln am Brett lesen und im Zweifel einen zweiten Ball spielen.
Die meisten, die sich zum ersten Mal anmelden, sagen danach dasselbe: Sie haben etwas schlechter gespielt als sonst und mehr Freude gehabt als an jedem anderen Tag der Saison.






