Spielformen im Schweizer Golf: was zählt fürs Handicap und was macht mehr Spass
Die Spielform ist die einfachste Stellschraube im Golf. Sie entscheidet über Dauer, Stimmung und Taktik einer Runde, und nur vier Einzelformen zählen bei Swiss Golf für das Handicap.
Kurz gefasst
- Handicapwirksam sind in der Schweiz Stableford, Zählspiel, Par/Bogey und Maximum Score, Vierball unter Bedingungen.
- Stableford hält eine schlechte Runde am Leben und macht sie schneller, wenn man aufnimmt.
- Lochspiel verzeiht Katastrophen und belohnt Mut, zählt aber nicht für das Handicap.
- Im Scramble eine Mindestzahl gewählter Abschläge pro Person festlegen.
- Neun Löcher Stableford zählen seit 2024 über das Expected Score voll für das Handicap.
Am 18. September und am 9. Oktober 2026 spielt der Golf Club Lipperswil ein neues Turnier, die «Afternoon 9 Hole Challenge»: neun Löcher Stableford am Nachmittag, handicapwirksam, offen für alle ab 16 Jahren mit Handicap bis 54. Das ist mehr als eine Terminnotiz. Es zeigt, wie viel sich an einer Golfrunde ändert, wenn man nur die Spielform ändert: Dauer, Stimmung, Entscheidungen, und wer überhaupt mitspielen kann.
Die Spielform ist die einfachste Stellschraube im Golf und die am seltensten gedrehte. Dieser Beitrag geht die wichtigsten Formen durch, zeigt, wo sie in der Schweiz gespielt werden, und was sie für Ihr Handicap bedeuten.
Welche Formen für das Handicap zählen
Zuerst die Frage, die fast alle zuerst stellen. Swiss Golf lässt für die Handicapberechnung Einzelrunden in vier Formaten zu: Stableford, Zählspiel, Par/Bogey und Maximum Score. Vierball-Resultate können unter bestimmten Bedingungen anerkannt werden. Lochspiel und andere Teamformen, etwa Scramble oder Vierer, zählen nicht. Gespielt werden müssen mindestens neun Löcher, auf einem Platz mit gültigem Course und Slope Rating, in Begleitung mindestens einer weiteren Person.
Das heisst nicht, dass die nicht gewerteten Formen weniger wert sind. Sie erfüllen andere Zwecke, und manche lehren mehr über Platzmanagement als jede Zählspielrunde.
Stableford: die Form, die Runden rettet
Punkte statt Schläge, mit Vorgabe: zwei für ein Netto-Par, drei für ein Netto-Birdie, einer für ein Netto-Bogey, null für alles darüber. Ein Katastrophenloch kostet zwei Punkte statt sechs Schläge. Aus einer frustrierenden 96 wird eine Karte mit rund dreissig Punkten, die man zu Ende spielt.
Der zweite Vorteil ist das Tempo. Der Golfclub Appenzell schreibt in seinem Reglement zum Spieltempo ausdrücklich vor, den Ball aufzunehmen, wenn in der Spielform keine Punkte mehr möglich sind und eine Lücke nach vorne besteht. Genau das macht Stableford schneller: Die dritte Suche im Wald und der vierte Versuch aus dem Bunker entfallen. Mehr zum Tempo im Beitrag zum Spieltempo.
Stableford verändert auch die Taktik. Weil ein Doppelbogey nicht mehr kostet als ein Loch mit zehn Schlägen, lohnt sich der Angriff dort, wo ein Netto-Birdie realistisch ist. Die Migros Golf Tour wertet ihre Jahresrangliste über die drei besten Netto-Resultate in Stableford-Punkten, das Beispiel auf ihrer Website lautet 37, 38 und 40 Punkte, zusammen 115.
Zählspiel: jede Zahl zählt
Im Zählspiel wird jeder Schlag gezählt und jeder Putt eingelocht. Das ist die härteste Form und die, in der die meisten Meisterschaften gespielt werden, von der Clubmeisterschaft bis zu den Regional Championships von Swiss Golf über 54 Löcher. Für die Handicapberechnung wird ein Katastrophenloch auf ein Netto-Doppelbogey gekappt, für die Rangliste nicht.
Für Freizeitspieler ist Zählspiel vor allem als Prüfung sinnvoll: einmal im Monat, um zu sehen, was unter voller Zählung übrig bleibt.
Lochspiel: Mann gegen Mann, Frau gegen Frau
Jedes Loch wird gewonnen, verloren oder geteilt, und die Zählung beginnt am nächsten Abschlag neu. Eine Neun am vierten Loch kostet ein Loch, nicht mehr. Die Taktik ist eine andere: Spielen Sie den Gegner, nicht die Karte. Liegt er schlecht, genügen Fairway- und Grünmitte. Liegen Sie drei Löcher vor Schluss hinten, gehen Sie ein Risiko ein, weil ein geteiltes Loch nichts mehr bringt.
Lochspiel ist in der Schweiz auch Mannschaftssache. In der Coupe Helvétique von Swiss Golf treten Clubteams von sechs Spielerinnen und Spielern mit Handicap-Index zwischen 10.0 und 18.0 an, gespielt werden drei Foursomes und sechs Einzel im Lochspiel. Mehr über Teamwettbewerbe steht im Beitrag über Mannschaftsgolf. Prüfen Sie vor einem Match immer, an welchen Löchern Ihnen Vorgabenschläge zustehen.
Scramble: alle spielen den besten Ball
Alle schlagen ab, das Team wählt den besten Ball, alle spielen von dort weiter, bis zum Einlochen. Niemand sucht lange, Einsteiger tragen Putts bei, Stärkere liefern die Abschläge. Die Migros Golfparks bieten ihre Turniere ausdrücklich als Scramble oder Zählspiel an, und für Firmenanlässe haben sie mit FunGolf ein eigenes Angebot.
Scramble funktioniert sogar im Winter. Swiss Golf hat mit Trackman Switzerland die «Swiss Golf Indoor 2-Scramble Championship» ausgeschrieben: zwischen dem 10. Dezember 2025 und dem 31. März 2026 auf einem beliebigen Trackman-Simulator in der Schweiz, netto im Zählspiel, über neun Löcher auf der vorderen Neun von Wylihof oder über achtzehn Löcher auf Gerre Losone. Auf dem Grün wurde automatisch gezählt: ein Putt innerhalb von drei Metern, zwei bis zwanzig Meter, drei darüber. Die Teilnahme war für alle Inhaberinnen und Inhaber einer Swiss Golf Card kostenlos.
Ein Tipp für den Scramble unter Freunden: Legen Sie vorher fest, dass von jeder Person mindestens drei oder vier Abschläge gewählt werden müssen. Sonst spielt das Team achtzehn Löcher mit dem Drive derselben Person.
Vierer und Greensome: ein Ball für zwei
Im klassischen Vierer, auch Foursome, teilen sich zwei Partner einen Ball und schlagen abwechselnd. Die Runde dauert deutlich kürzer, und sie lehrt Rücksicht auf den nächsten Schlag, weil ihn der Partner spielen muss. Wer regelmässig Vierer spielt, wird auch allein ein besserer Stratege. Klären Sie vor dem ersten Abschlag, wer an den geraden und wer an den ungeraden Löchern abschlägt.
Im Greensome schlagen beide ab, das Team wählt einen Drive und spielt dann abwechselnd weiter. Swiss Golf nutzt diese Form für die «Generation Championship», an der nur Spielerinnen und Spieler aus derselben Familie, aber aus verschiedenen Generationen teilnehmen: 18 Löcher Greensome Stroke Play Par+5, mit einem Handicap-Index von höchstens 75 pro Team und je einer Trophäe für Brutto und Netto.
Im Vierball spielt jeder seinen eigenen Ball, und das bessere Ergebnis des Teams zählt. Er ist die geselligste Form für vier Personen und, anders als der Vierer, unter Bedingungen sogar handicapwirksam.
Neun Löcher nach Feierabend
Die Lipperswiler Nachmittagschallenge hat Rückhalt im Regelwerk. Seit 2024 rechnet das World Handicap System 9-Loch-Resultate automatisch in ein 18-Loch-Differential um. Neun Löcher Stableford sind damit so vollwertig für das Handicap wie eine ganze Runde, kosten in den Migros Golfparks unter der Woche CHF 55 statt CHF 100 für achtzehn Löcher und passen zwischen Arbeit und Abendessen. Wo Sie solche Runden spielen, steht im Beitrag über Neun Löcher und Kurzplätze.
Welche Form für welchen Tag
- Handicap verbessern, wenig Zeit: 9 Löcher Stableford als General Play oder im Turnier.
- Mit Einsteigerinnen und Einsteigern: Scramble mit Mindestzahl gewählter Abschläge.
- Zu zweit, mit wenig Zeit und Lust auf Strategie: Vierer.
- Zu viert unter Freunden: Vierball mit Nettowertung.
- Gegen eine bestimmte Person: Lochspiel mit Vorgabe.
- Die ehrliche Standortbestimmung: einmal im Monat Zählspiel.
Wo Sie diese Formen in der Schweiz spielen
Der Turnierkalender Ihres Clubs ist die erste Adresse. Die Migros Golf Tour umfasst nach eigenen Angaben über 200 Turniere über 9 und 18 Löcher in den Migros Golfparks und auf 20 weiteren Plätzen, dazu kommt die Migros Golf Challenge, bei der über 1’200 Spielerinnen und Spieler auf zehn Plätzen in allen Sprachregionen gleichzeitig antreten. Für Mannschaftsformen sind die Interclub-Wettbewerbe und die Coupe Helvétique von Swiss Golf die nächste Stufe, für Familien die Generation Championship. Wer keinen Club hat, findet die Plätze und ihre Kontakte über Swiss Golf und die Frage nach Mitgliedschaft oder Greenfee im eigenen Beitrag.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu Swiss Golf, Migros Golf, Trackman oder den genannten Clubs.
Wählen Sie die Form bewusst
Beim nächsten Mal, wenn Sie mit Freunden abmachen, fragen Sie nicht nur nach der Startzeit, sondern auch nach der Spielform. Die richtige Form verkürzt die Runde, hält alle bis zum letzten Loch im Spiel und verändert, wie Sie über jeden Schlag nachdenken. Sie kostet nichts, und die Platzmanagement-Lektion gibt es gratis dazu. Und wenn Sie an einem Turnier teilnehmen, schauen Sie vorher, von welchen Abschlägen gespielt wird.






