Zum Inhalt springen
Einsteigen

Golf mit der Familie: Vierer, Scramble, Maximum Score und wo Eltern-Kind-Turniere gespielt werden

Wenn Großmutter, Vater und Enkelin jeden Schlag einzeln zählen, kippt die Stimmung schon an der dritten Bahn. Mit der passenden Spielform wird aus derselben Runde ein Nachmittag, an dem alle mitspielen und wiederkommen wollen.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 9 min
Zwei Erwachsene und zwei Kinder von hinten auf einem Golfplatz, Schläger in der Hand, die beiden Mädchen halten sich an der Hand
Photo Mikhail Nilov / Pexels

Kurz gefasst

  • Im klassischen Vierer nach Regel 22 teilen sich zwei Spieler einen Ball und schlagen abwechselnd ab, ideal für ein Eltern-Kind-Team.
  • Beim Texas-Scramble sorgen Pflichtdrives dafür, dass der Abschlag jedes Familienmitglieds mehrmals gewählt wird.
  • Der Maximum Score nach Regel 21.2 deckelt das Ergebnis pro Loch, etwa beim doppelten Par, und ist laut DGV eine handicaprelevante Spielform; Vierer und Scramble sind es nicht.
  • Der Golf Club Schweinfurt spielte seinen Generation-Cup 2026 im klassischen Vierer, Golf & More in Duisburg sein Eltern-Kind-Turnier im Texas-Scramble über neun Löcher.

Sonntagnachmittag, erster Abschlag. Die Großmutter spielt seit dreißig Jahren und trifft jedes Fairway, der Vater hat im Frühjahr die Platzreife gemacht, die elfjährige Tochter schlägt den Ball mit Glück 70 Meter weit. Wenn jetzt jeder seinen eigenen Ball spielt und jeden Schlag zählt, ist die Stimmung spätestens an der dritten Bahn dahin. Das liegt nicht an den Menschen, sondern an der Spielform. Wer die Spielform wechselt, kann mit denselben Leuten auf demselben Platz einen ganz anderen Nachmittag erleben. Dieser Beitrag stellt drei Formate vor, die große Leistungsunterschiede aushalten, erklärt, was davon für das Handicap zählt, und zeigt, wo in Deutschland Familien bereits gemeinsam im Turnier antreten.

Erst die Frage klären: Was soll der Tag leisten?

Bevor Sie über Regeln sprechen, lohnt ein kurzer Satz im Auto oder am Frühstückstisch: Wollen wir heute zusammen etwas schaffen, wollen wir gegeneinander spielen, oder soll das Kind seine eigene Zahl auf die Karte schreiben? Aus der Antwort ergibt sich fast von selbst, welches Format passt. Gemeinsam etwas schaffen heißt Scramble. Zu zweit Verantwortung teilen heißt Vierer. Eine eigene, ehrliche Zahl mit Obergrenze heißt Maximum Score.

Alle drei Formate brauchen nichts außer einer Zählkarte, einem Bleistift und einer Absprache vor dem ersten Schlag. Keines verlangt, dass sich die Besseren zurückhalten. Der Trick besteht darin, dass gute Schläge der Schwächeren etwas wert sind und schlechte Schläge die Gruppe nicht aufhalten.

Der Vierer: zwei Generationen, ein Ball

Beginnen wir mit dem Format, das in Deutschland bei Familienturnieren erstaunlich oft gespielt wird. Im klassischen Vierer nach Regel 22 der Golfregeln teilen sich zwei Spieler einen Ball. Der eine schlägt an den ungeraden Löchern ab, der andere an den geraden, danach wird abwechselnd weitergespielt, bis der Ball im Loch liegt. Wer den Ryder Cup verfolgt, kennt das als Foursome.

Für ein Großvater-Enkel-Team oder Mutter und Sohn ist der Vierer ideal, weil niemand Zuschauer ist. Jeder Schlag zählt, und jeder muss von dort weiterspielen, wo der Partner den Ball hinterlassen hat. Der Erwachsene lernt schnell, den Ball so abzulegen, dass das Kind einen bequemen nächsten Schlag hat, statt auf maximale Länge zu gehen. Das Kind merkt, dass ein kurzer, gerader Schlag auf dem Fairway dem Team mehr hilft als ein langer in den Wald. Nach zwei, drei Bahnen reden beide über Taktik, und genau das macht den Reiz aus.

Drei Anpassungen erleichtern den Vierer, wenn die Unterschiede groß sind:

  • Getrennte Abschläge. In einem Clubturnier spielt eine Partei normalerweise von einem Abschlag. In einer privaten Familienrunde dürfen Sie vereinbaren, dass jeder von dem Abschlag schlägt, der zu seiner Länge passt. Unser Überblick zu der Wahl des richtigen Abschlags hilft bei der Einschätzung.
  • Die Reihenfolge bewusst wählen. Wer nervöser ist, schlägt an Loch 1 ab. Der erste Schwung ist leichter, wenn man nicht lange darauf warten muss.
  • Keine Kritik am Partner. Legen Sie vorher fest, dass der Ball kommentarlos weitergespielt wird. Ein Seufzer des Vaters nach einem Topper wiegt für eine Zwölfjährige schwerer als jeder verlorene Schlag.

Zu viert spielen Sie zwei Vierer gegeneinander, etwa Mutter und Tochter gegen Vater und Sohn im Lochspiel. Es sind nur zwei Bälle im Spiel, entsprechend zügig geht die Runde voran.

Der Scramble mit Hausregeln: für die allerersten Runden

Beim Scramble, in Deutschland meist als Texas-Scramble ausgeschrieben, schlagen alle ab. Das Team wählt den besten Ball, alle spielen von dieser Stelle den nächsten Schlag, und so weiter bis zum Einlochen. Pro Loch gibt es ein Teamergebnis.

Für Kinder unter etwa zehn Jahren und für Familienmitglieder, die gerade erst mit dem Golf angefangen haben, ist das die entspannteste Form. Niemand hackt fünfmal im Bunker, denn das Team zieht einfach zum besten Ball weiter. Das Tempo regelt sich von selbst.

Die Schwäche des Scramble kennt jeder, der ihn schon gespielt hat: Am Ende wird fast immer der Drive des Stärksten genommen, und die anderen heben ihre Bälle nur noch auf. Mit zwei Hausregeln drehen Sie das um:

  • Pflichtdrives. Jeder Abschlag jedes Spielers muss auf neun Löchern mindestens dreimal gewählt werden. Plötzlich jubelt die ganze Familie, wenn der Neunjährige seinen Ball 50 Meter geradeaus in die Fairwaymitte schiebt, denn genau diesen Drive braucht das Team noch.
  • Der Jüngste puttet zuerst. Auf jedem Grün hat der unerfahrenste Spieler den ersten Putt. Fällt er, ist das Loch vorbei. An einen gelochten Putt erinnern sich Kinder wochenlang, an einen guten Drive der Eltern nie.

Eine dritte Variante für Gruppen mit Jugendlichen: Der Spieler, dessen Ball gewählt wurde, setzt den nächsten Schlag aus. So kommt jeder regelmäßig zum Zug.

Eigener Ball mit Obergrenze: der Maximum Score

Irgendwann wollen Kinder und Jugendliche ihre eigene Zahl sehen. Damit das mit sehr unterschiedlichen Spielstärken funktioniert, gibt es in den Golfregeln eine offizielle Zählspielform mit Deckel: den Maximum Score nach Regel 21.2. Die Spielleitung legt ein Höchstergebnis pro Loch fest. Wer es erreicht, hebt den Ball auf und notiert die Höchstzahl. Bei einer Familienrunde sind Sie selbst die Spielleitung.

Bewährt hat sich das doppelte Par: sechs auf einem Par 3, acht auf einem Par 4, zehn auf einem Par 5. Für einen Jugendlichen mit etwas Erfahrung reicht Par plus drei. Der Deckel wirkt dreifach. Keine Bahn endet mit einer 13 auf der Karte. Niemand spielt länger als eine feste Zahl von Schlägen, was die Gruppe hinter Ihnen freut. Und die Zahlen bleiben vergleichbar, sodass ein Kind von Runde zu Runde sieht, wie es besser wird.

Zusätzlich können Anfänger an langen Bahnen von einem vereinbarten Punkt näher am Grün starten, zum Beispiel an der 100-Meter-Markierung. Wer lieber Punkte statt Schläge zählt, wechselt zu Stableford: Nach dem Aufheben gibt es null Punkte, und die Rechnung bleibt einfach. Unser Beitrag zu den Spielformen im Golf erklärt die Unterschiede ausführlicher.

Was davon zählt für das Handicap?

Sobald ein Jugendlicher einen Handicap Index hat, kommt diese Frage garantiert. Die Antwort nach den in Deutschland geltenden Handicap-Regeln des World Handicap System ist eindeutig. Handicaprelevant sind nur Ergebnisse, bei denen jeder allein spielt, auf 9 oder 18 Löchern und mit einem Zähler. Als Spielformen nennt der DGV Zählspiel, Stableford, Maximum Score und Spiele gegen Par oder Bogey.

Vierer und Scramble gehören ausdrücklich nicht dazu. Der DGV führt sie als Beispiele für Formate, bei denen die Spielleistung nicht allein erbracht wird. In Turnieren arbeitet man dort mit einem anteiligen Handicap, also einem Prozentsatz des Course Handicaps, damit die Chancen fair verteilt sind. Für Ihre Familienrunde heißt das: Der Scramble ist reiner Spaß, der Maximum Score im eigenen Ball kann dagegen unter den üblichen Bedingungen eine gewertete Runde sein. Ob und wie Sie eine private Runde bei Ihrem Club einreichen, erfragen Sie am besten im Sekretariat, denn die Abläufe unterscheiden sich von Anlage zu Anlage.

Wo Familien in Deutschland gemeinsam antreten

Familienturniere sind in deutschen Clubs längst kein Randthema mehr, und die Ausschreibungen zeigen, welche Formate sich bewährt haben. Drei Beispiele aus dieser Saison:

  • Golf Club Schweinfurt: Beim 2. Generation-Cup am 5. September 2026 spielten Kinder gemeinsam mit einem Elternteil im klassischen Vierer. Ein Teil der Startgelder ging an ein Schweinfurter Kinderkrankenhaus.
  • Golfclub Siegerland: Der erste Generationen Cup am 5. Juli 2026 war ein Zweierteam-Turnier für zwei Generationen einer Familie, gespielt als Vierball-Bestball, bei dem jeder seinen eigenen Ball spielt und der bessere zählt. Das Startgeld lag bei 100 € pro Team.
  • Golf & More in Duisburg-Huckingen: Am 27. September 2026 steht dort ein Eltern-Kind-Turnier über neun Löcher im Texas-Scramble auf dem Programm. Ein Team besteht aus einem Elternteil oder Großelternteil und einem Kind bis 16 Jahre. Die Kinder brauchen die Platzreife oder das Kindergolfabzeichen, das Startgeld beträgt laut Ausschreibung 30 € pro Team, wenn beide Mitglied sind.

Fragen Sie in Ihrem Heimatclub, ob es ein ähnliches Turnier gibt. Oft heißt es Eltern-Kind-Turnier, Generationen-Cup oder Jugend-Eltern-Turnier und wird vom Jugendwart organisiert.

Der Weg zur ersten Turnierteilnahme führt für Kinder meist über das DGV-Kindergolfabzeichen. Es richtet sich laut DGV an Kinder von etwa 8 bis 14 Jahren und führt über Tests in mehreren Kategorien mit den Stufen Bronze, Silber und Gold. Nach erfolgreichem Durchlaufen der Tests soll das Kind einen Handicap Index von 54 bestätigt bekommen. Damit ist es auf dem Platz angekommen, und die Familienrunde kann im eigenen Ball stattfinden.

Manche Kinder lernen Golf auch zuerst in der Schule kennen. Das DGV-Projekt Abschlag Schule, gefördert von der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG), hat nach Angaben des Verbands in über 20 Jahren mehr als 200 000 Kinder an den Sport herangeführt. Zum Jahreswechsel 2025/2026 wurde es überarbeitet und spricht jetzt auch die Klassenstufen 1 und 2 an. Wenn Ihr Kind dort Feuer gefangen hat, ist eine Familienrunde der ideale nächste Schritt.

Platz, Uhrzeit und Länge: der Rahmen

Neun Löcher reichen, vor allem mit Kindern unter zwölf. Ein Kurzplatz oder eine öffentliche Neun-Loch-Anlage gibt jedem mehr Chancen, das Grün zu erreichen, und die Hemmschwelle ist niedriger als auf dem Meisterschaftsplatz. Worauf Sie bei der Auswahl achten, steht in unserem Beitrag über Neun-Loch-Anlagen und Kurzplätze.

Ende September hat die Saison noch einige gute Wochen, aber die Tage werden spürbar kürzer, und spätestens nach der Zeitumstellung Ende Oktober ist am Nachmittag früh Schluss. Planen Sie die Startzeit so, dass Sie nicht im Dämmerlicht nach dem Ball suchen. Ruhige Zeiten sind der späte Vormittag an einem Werktag in den Herbstferien Ihres Bundeslandes oder der frühe Nachmittag am Wochenende, wenn die Turniere vorbei sind. Sagen Sie bei der Buchung, dass Sie als Familie mit Kind spielen. Viele Sekretariate legen Sie dann so, dass niemand direkt hinter Ihnen startet.

Tempo bleibt trotzdem ein Thema. Spielen Sie Ready Golf, packen Sie das Kinderbag leicht, und lassen Sie schnellere Flights durch, bevor diese fragen müssen. Die Hinweise aus unserem Beitrag zum Spieltempo auf dem Platz gelten für eine Familie genauso wie für einen Clubflight.

Damit alle wiederkommen wollen

  • Aufgaben verteilen. Einer schreibt die Karte, einer harkt die Bunker, einer bedient den Flaggenstock. Gerade Jüngere mögen Aufgaben, bei denen es nicht ums Schlagen geht.
  • Kleine Nebenwertungen. Längster gelochter Putt, nächster an der Fahne auf dem Par 3, wenigste verlorene Bälle. So gewinnt auch der Schwächste etwas.
  • Höchstens ein Tipp pro neun Löcher. Eine Familienrunde ist keine Trainerstunde. Für das Technische gibt es den Pro, mehr dazu in unserem Beitrag über Golfstunden.
  • Proviant einpacken. Ein hungriges Kind an Loch 7 beendet eine Runde zuverlässiger als jeder Fehlschlag.
  • Aufhören, solange es schön ist. Wenn die Kleinste nach sechs Löchern müde ist, gehen Sie rein. Die Lust auf die nächste Runde ist wichtiger als die vollständige Karte.

Ihre Checkliste für die erste Familienrunde

  • Neun Löcher zu einer ruhigen Zeit buchen, am besten auf einem Kurzplatz, und bei der Buchung die Familie mit Kind erwähnen.
  • Am Tisch vorab klären, was der Tag leisten soll: gemeinsam, zu zweit oder jeder für sich.
  • Beim ersten Mal Texas-Scramble mit Pflichtdrives, beim nächsten Mal Vierer in Zweierteams, später eigener Ball mit doppeltem Par als Obergrenze.
  • Jeder schlägt vom Abschlag, der zu seiner Länge passt.
  • Der Jüngste puttet zuerst, und für das Par 3 gibt es eine Nebenwertung.
  • Wer ein Handicap führt, weiß vorher: Scramble und Vierer zählen nicht, der eigene Ball mit Maximum Score kann zählen.
  • Im Heimatclub nach dem nächsten Eltern-Kind-Turnier oder Generationen-Cup fragen.

Das richtige Format ist das, nach dem am neunten Grün alle sagen, dass sie wiederkommen wollen. Probieren Sie an einem der nächsten Herbstwochenenden eines der drei aus, und passen Sie die Regeln unterwegs an Ihre Familie an.

Ein Artikel pro Tag reicht Ihnen nicht?

Der monatliche Newsletter bündelt, was zu lesen war – ohne Lärm.

Ebenfalls lesenswert

Parcours de notre annuaire

Golf & Country Club Elfrather Mühle

1992 in Krefeld-Traar angelegt, von Ron Kirby entworfen: ein Par 72 über 6.292 Meter mit hügeligen vorderen und wasserreichen hinteren Neun, das Clubhaus in…

Golfclub Pfaffing Wasserburger Land

1988 gegründet, zwischen Grafing und Wasserburg am Inn: ein hügeliges Par 73 im Voralpenland, mit Wasser an der 1, 2 und 18, einer Waldschneise…

Golf Club Marienfeld

Par 71 in der westfälischen Parklandschaft zwischen Harsewinkel und Gütersloh: ein kurzer, flacher Platz, auf dem Gräben, Teiche und Ausgrenzen die Schlaglängen diktieren, ganzjährig…