Familiengolf in der Schweiz: Vierer, Scramble oder Obergrenze und was davon fürs Handicap zählt
Im Zählspiel mit vier Bällen verliert die Familie mit grossen Niveauunterschieden schon nach drei Löchern die Freude. Mit der richtigen Spielform wird derselbe Nachmittag zum gemeinsamen Erlebnis.
Kurz gefasst
- Im Vierer (Regel 22) teilen sich zwei Personen einen Ball und schlagen abwechselnd, ideal für Grosseltern und Enkel.
- Beim Texas Scramble sorgt die Hausregel, dass jeder Abschlag mehrmals verwendet wird, dafür, dass auch das jüngste Kind zählt.
- Maximum Score nach Regel 21.2, etwa das doppelte Par, beendet die zweistelligen Löcher; nach den Swiss-Golf-Regeln sind nur Einzelformen handicapwirksam, Scramble und Vierer nicht.
- Die Pitch-&-Putt-Anlage im Golfpark Oberkirch hat neun Par-3-Löcher von 31 bis 67 Metern und ein Familienpaket für zwei Erwachsene und drei Kinder zu CHF 50 pro Runde.
Ein Sonntag Anfang Oktober, neun Löcher, vier Generationen am ersten Abschlag: die Grossmutter mit Handicap 18 und vierzig Jahren Clubmitgliedschaft, der Vater, der seit zwei Sommern spielt, die vierzehnjährige Tochter, die im Juniorentraining gerade richtig Fortschritte macht, und der neunjährige Sohn, der den Ball meistens trifft und manchmal sogar in die gewünschte Richtung. Wenn diese Familie im Zählspiel losgeht, jeder mit seinem Ball und jedem Schlag auf der Karte, steht nach dem dritten Loch fest, wer den Nachmittag geniesst und wer nicht. Das liegt nicht an den Menschen, sondern an der Spielform. Wählen Sie eine andere, und dieselbe Familie erlebt auf demselben Platz einen ganz anderen Tag.
Zuerst die Frage: Wer spielt heute mit wem?
Bevor Sie über Regeln reden, lohnt sich ein Blick auf die Gruppe. Drei Fragen genügen: Wie gross ist der Unterschied zwischen dem stärksten und dem schwächsten Spieler? Will jemand ein eigenes Resultat sehen? Und wie viel Geduld hat das jüngste Familienmitglied heute? Aus den Antworten ergibt sich die Spielform fast von selbst.
- Das jüngste Kind ist unter zehn oder zum ersten Mal auf einem richtigen Platz: Texas Scramble mit Hausregeln, höchstens neun Löcher.
- Zwei Personen mit grossem Niveauunterschied, etwa Grossvater und Enkelin: klassischer Vierer, ein Ball für beide.
- Vier Personen, die sich messen wollen: zwei Vierer-Teams gegeneinander, zum Beispiel Mutter und Sohn gegen Vater und Tochter.
- Ein Teenager, der seine Fortschritte sehen möchte: eigener Ball mit Obergrenze pro Loch, auf Wunsch mit Stableford-Punkten.
- Unklare Stimmung: die ersten vier Löcher Scramble, danach jeder mit seinem Ball und der Obergrenze.
Wer die gängigen Spielformen noch einmal im Überblick sehen möchte, findet sie in unserem Artikel über Spielformen im Schweizer Golf.
Der klassische Vierer: zwei Spieler, ein Ball
Im Vierer, den die Golfregeln in Regel 22 beschreiben und der im Englischen Foursome heisst, teilen sich zwei Personen einen Ball. Eine Person schlägt an den ungeraden Löchern ab, die andere an den geraden. Danach wird abwechselnd geschlagen, bis der Ball im Loch ist. Das klingt streng, ist aber für ein Grosseltern-Enkel-Paar oder für Mutter und Tochter oft die schönste Form, gemeinsam zu spielen.
Der Reiz liegt darin, dass jeder Schlag zählt. Die erfahrene Spielerin lernt, den Ball dorthin zu legen, wo ihr Partner gut weiterspielen kann, statt stur auf die Fahne zu zielen. Das Kind merkt schnell, dass ein kurzer, gerader Schlag aufs Fairway mehr hilft als ein langer in den Wald. Nach zwei, drei Löchern sprechen die beiden über Taktik, und genau darum geht es.
Drei Anpassungen machen den Vierer familientauglich:
- Getrennte Abschläge. Im Clubturnier spielt eine Partei normalerweise von einem Abschlag. Unter sich dürfen Sie das anders vereinbaren: Das Kind schlägt von den vorderen Markierungen ab, die Grossmutter von ihren gewohnten. Welche Markierung zu wem passt, erklärt unser Beitrag Welche Abschläge passen zu mir?
- Die nervösere Person beginnt. Wer vor dem ersten Schlag zittert, soll ihn gleich hinter sich bringen. Warten macht es nur schlimmer.
- Kein Kommentar zum Fehlschlag. Der Partner spielt einfach weiter, wo der Ball liegt. Ein Vierer lebt davon, dass niemand sich rechtfertigen muss.
Ein praktischer Nebeneffekt: Bei vier Personen sind nur zwei Bälle im Spiel. Die Gruppe kommt zügig voran, und die Flights dahinter bleiben entspannt.
Texas Scramble, aber mit Hausregeln
Im Scramble schlagen alle ab, die Gruppe wählt den besten Ball, und alle spielen den nächsten Schlag von dieser Stelle. Das wiederholt sich bis zum Einlochen, und pro Loch gibt es ein einziges Teamresultat. Für den ersten Familientag ist das kaum zu schlagen: Niemand steckt fünf Schläge lang im Bunker fest, und das Tempo stimmt fast automatisch.
Die Schwäche des Scrambles kennt jeder, der es einmal gespielt hat. Der beste Spieler macht die Arbeit, die anderen sehen zu, wie ihre Bälle aufgehoben werden. Für eine Familie ist das Gift. Zwei Hausregeln helfen:
- Jeder Abschlag kommt zum Zug. Legen Sie fest, dass auf neun Löchern von jeder Person mindestens zwei oder drei Abschläge verwendet werden müssen. Plötzlich wird der 60-Meter-Drive des Neunjährigen mitten aufs Fairway zum wertvollsten Schlag des Lochs.
- Das Kind putted zuerst. Auf dem Green hat das jüngste Familienmitglied den ersten Versuch. Fällt der Ball, ist das Loch fertig, und dieser Putt bleibt länger in Erinnerung als jeder Drive.
Wer eine dritte Regel mag: Jede Person darf einmal pro Runde einen Schlag «schenken», also einen Fehlschlag wiederholen. Das nimmt Druck, gerade bei Kindern, die beim ersten Fehler die Lust verlieren.
Jeder mit eigenem Ball, aber mit Obergrenze
Irgendwann möchte die Tochter nicht mehr im Team versteckt sein, sondern ihr eigenes Resultat sehen. Dafür gibt es eine offizielle Lösung: das Maximum Score, in Regel 21.2 als Form des Zählspiels geregelt. Die Spielleitung legt eine Höchstzahl pro Loch fest. Wer sie erreicht, hebt den Ball auf und notiert die Höchstzahl. An einem Familiennachmittag ist die Familie die Spielleitung. Bewährt hat sich das doppelte Par: 6 auf einem Par 3, 8 auf einem Par 4, 10 auf einem Par 5.
Die Obergrenze erledigt drei Dinge auf einmal. Sie verhindert die Zweistelligen auf der Karte, die einem Kind den Tag verderben. Sie schützt das Tempo, weil niemand mehr als eine feste Anzahl Schläge spielt. Und sie macht Fortschritt sichtbar: Wer im Juli noch an fünf Löchern aufheben musste, im Oktober aber nur noch an zweien, sieht schwarz auf weiss, dass sich das Training lohnt.
Die Grenze darf pro Person verschieden sein. Der Neunjährige hebt beim doppelten Par auf, die Tochter schon bei Par plus drei. Sehr junge Spieler dürfen jedes Loch zudem von einer Stelle näher am Green beginnen, etwa vom Rand des Fairways oder von der 100-Meter-Markierung. Soll es am Ende einen Sieger geben, zählen Sie Stableford-Punkte statt Schläge: Wer aufhebt, bekommt null Punkte, und die Rechnung bleibt einfach.
Was davon zählt in der Schweiz fürs Handicap?
Diese Frage stellt spätestens der Teenager, der gerade sein Handicap verbessern will. Die Antwort steht in den Handicap-Regeln, die Swiss Golf seit Januar 2024 anwendet. Handicapwirksam sind dort nur Einzelformen: Zählspiel, Stableford, Par/Bogey und Maximum Score, jeweils über 9 oder 18 Löcher, im Turnier oder als General Play. Scramble und Vierer stehen nicht auf dieser Liste. Ein Familien-Scramble ist also ein Spiel für die Freude, nicht für die Statistik.
Auch eine Einzelrunde zählt nicht automatisch. Laut Swiss Golf sind private Runden in der Schweiz nur handicapwirksam, wenn sie vorher angemeldet wurden, und Junioren unter 18 mit Handicap 12 oder besser dürfen gar keine solchen Privatrunden spielen. Eine selbst erfundene Hausregel wie «das Kind startet bei der 100-Meter-Markierung» macht die Runde ohnehin untauglich für das Handicap. Klären Sie deshalb vor dem Start, ob der Tag zählen soll oder nicht, und richten Sie die Regeln danach.
Wer innerhalb der Familie mit Handicap-Vorgaben spielen will, findet in den Swiss-Golf-Regeln Empfehlungen: Beim Vierer erhält das Team die Hälfte der addierten Spielvorgaben, beim Zweier-Scramble 35 Prozent der tieferen und 15 Prozent der höheren Vorgabe.
Wo Familien in der Schweiz gemeinsam spielen können
Der beste Ort für den ersten Familientag ist selten der Meisterschaftsplatz. Kurze Anlagen verzeihen mehr, sind schneller gespielt und kosten weniger Nerven. Einen Überblick über solche Plätze gibt unser Artikel über Neun-Loch- und Kurzplätze in der Schweiz.
Ein konkretes Beispiel ist die 9-Loch-Pitch-&-Putt-Anlage im Golfpark Oberkirch im Kanton Luzern, die zu Migros Golf gehört. Alle neun Löcher sind Par 3 und zwischen 31 und 67 Meter lang. Laut Migros Golf ist die Anlage für alle Golfspielerinnen und Golfspieler sowie interessierte Besucher offen; für FunGolf ist eine Buchung sogar ohne Platzerlaubnis möglich. Die Tarifseite des Golfparks führt ein Familienpaket für höchstens fünf Personen, zwei Erwachsene und drei Kinder, zu CHF 50 pro Runde. Reservieren lässt sich bis sieben Tage im Voraus. Im Golfpark Holzhäusern am Zugersee gibt es neben dem 18-Loch-Platz einen 9-Loch-Par-3-Platz, den Pilatus, der sich ebenfalls für eine Familienrunde eignet.
Auf Verbandsebene ist die Jugend gut aufgestellt. Swiss Golf gibt an, dass mehr als 6000 Junioren von nationalen Events, Turnieren und Förderprogrammen profitieren, von Kidsgolf über die Kategorien U12 und U14 bis U18. Für Eltern besonders nützlich sind die Juniorentests Bronze, Silber und Gold: Sie prüfen Regeln und Etikette, kurzes und langes Spiel, das Spiel auf dem Platz und die Fitness. Wer den Gold-Test besteht, erhält laut Migros Golf eine Bestätigung, die teilweise als Platzreife anerkannt wird. Migros Golf selbst bietet Kinder- und Jugendkurse ab vier Jahren an, dazu Schnupperkurse «Let’s Play Golf» für Acht- bis Vierzehnjährige in allen Golfparks und Intensivkurse in den Schulferien.
Mit Gästen, die kein Clubmitglied sind, gelten auf vielen Plätzen besondere Bedingungen. Was Sie dazu wissen müssen, steht in unserem Beitrag Als Gast Golf spielen.
Herbst: kürzere Tage, weiche Fairways, freie Startzeiten
Ende September und im Oktober sind die Voraussetzungen für eine Familienrunde oft besser als im Hochsommer. In vielen Kantonen fallen die Herbstferien in diese Wochen, die Startlisten sind unter der Woche dünner, und die Temperaturen sind angenehm für Kinder, die in der Julihitze nach vier Löchern schlappmachen. Dafür ist das Licht knapper: Planen Sie die Startzeit so, dass Sie mit Reserve vor der Dämmerung fertig sind, und rechnen Sie bei Nebellagen im Mittelland am Morgen mit Verspätung.
Die Fairways sind nach Regen weicher, der Ball rollt weniger aus. Für Kinder heisst das: Die Löcher werden gefühlt länger. Ein Grund mehr, ihnen vordere Abschläge oder einen Startpunkt näher am Green zu geben. Und ein Grund, eine zusätzliche Schicht, eine Mütze und ein trockenes Paar Handschuhe einzupacken.
Zum Tempo: Spielen Sie «ready golf», lassen Sie schnellere Flights von sich aus durch und halten Sie das Bag des jüngsten Kindes leicht, fünf oder sechs Schläger genügen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über Spieltempo auf dem Golfplatz.
Damit alle wiederkommen wollen
- Eine Aufgabe für jeden. Die Tochter führt die Karte, der Sohn betreut die Fahne, der Vater recht die Bunker. Kinder mögen Rollen, die nichts mit Treffen zu tun haben.
- Kleine Wettbewerbe nebenbei. Längster eingelochter Putt, nächster Ball zur Fahne auf dem Par 3, am wenigsten verlorene Bälle. So gewinnt auch die schwächste Person etwas.
- Ein Tipp pro Runde, nicht mehr. Eine Familienrunde ist keine Golfstunde. Für die Technik gibt es den Pro; wie man aus Lektionen am meisten herausholt, zeigt unser Artikel Golfstunden richtig nutzen.
- Zvieri einplanen. Ein Apfel und etwas zu trinken nach dem fünften Loch verhindern mehr abgebrochene Runden als jede Regel.
- Aufhören, solange es schön ist. Ist der Jüngste nach sechs Löchern müde, gehen Sie ins Clubhaus. Wichtiger als die fertige Karte ist, dass er nächste Woche wieder mitwill.
Ihr Familiennachmittag in sieben Schritten
- Wählen Sie eine kurze Anlage oder neun Löcher und eine ruhige Startzeit, im Herbst am besten am frühen Nachmittag.
- Klären Sie beim Buchen, ob alle Beteiligten ohne Platzreife spielen dürfen oder ob es eine FunGolf-Variante gibt.
- Entscheiden Sie am ersten Abschlag über die Spielform: Scramble beim ersten Mal, Vierer für Paare, eigener Ball mit Obergrenze für Ehrgeizige.
- Legen Sie für jede Person den passenden Abschlag fest.
- Sagen Sie vorher, ob die Runde fürs Handicap zählen soll; wenn ja, nur Einzelform, angemeldet und ohne Hausregeln.
- Führen Sie eine gemeinsame Karte und einen kleinen Nebenwettbewerb auf den Par 3.
- Besprechen Sie beim Zvieri, welche Form Sie beim nächsten Mal probieren.
Die richtige Spielform ist die, nach der alle vom letzten Green gehen und fragen, wann es wieder losgeht. Probieren Sie eine der drei an einem der nächsten Herbstwochenenden aus, und passen Sie die Regeln an Ihre Familie an.






