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Jahreszeit

Kurzes Spiel bei Frost: Chip and Run, Wintergrüns und die DGV-Regeln von Oktober bis April

Der Chip, der im Juli nach dem zweiten Aufsprung liegen blieb, rollt im November über das ganze Grün. Unter 4 Grad wächst kein Rasen mehr, der Boden wird hart, und das Ziel ist oft ein Wintergrün mitten auf dem Fairway. Hier steht, in welcher Reihenfolge Sie rund ums Grün denken sollten, wie Wedge und Bunkerschlag sich ändern und was die DGV-Regeln für die Nebensaison an deutschen Plätzen bedeuten.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 9 min
Ein Bunker am Rand eines Grüns unter blassem Herbsthimmel, dahinter ein Waldrand
Photo cottonbro studio / Pexels

Kurz gefasst

  • Unter 4 Grad wächst laut DGV kein Rasen mehr: Der Boden wird fest, der Ball springt höher und rollt weiter, und ein angetauter Nachmittag verändert denselben Chip gegenüber dem Vormittag.
  • Rund ums Grün gilt im Winter eine feste Reihenfolge: zuerst der Putter, dann der flache Chip mit Eisen 9 oder 7, erst danach das Wedge mit dem meisten Bounce und einem flachen Schwung.
  • Wintergrüns erlauben kaum Spin: Landen Sie den Ball davor und lassen Sie ihn hineinrollen. Bei Reif und Bodenfrost bleiben die Sommergrüns tabu, auch beim Lesen der Linie.
  • Von Oktober bis April entscheidet der Club selbst über Besserlegen nach Musterplatzregel E-3 und die Spielleitung über die Handicap-Relevanz; ein eingebetteter Ball im Gelände bekommt nach Regel 16.3 straflose Erleichterung.

Der Chip, der im Juli nach dem zweiten Aufsprung liegen blieb, rollt im November über das ganze Grün und noch ein Stück weiter. Ihr Schwung hat sich in diesen Monaten nicht verändert, der Boden schon: Er ist kalt, manchmal hart gefroren, das Gras wächst kaum noch, und das Grün ist an vielen Tagen gar nicht das echte Grün, sondern eine kurz gemähte Fläche mitten auf dem Fairway. Wer rund ums Grün weiterhin den hohen, weichen Ball spielt, verliert im Winter die meisten Schläge genau dort. Dieser Beitrag ordnet das kurze Spiel für die kalte Jahreszeit neu, vom Putter am Vorgrün bis zum Bunker, und erklärt, was Wintergrüns, Frostregeln und die DGV-Bestimmungen für die Nebensaison an deutschen Plätzen daran ändern.

Warum der Ball im Winter anders springt

Drei Dinge verschieben sich gleichzeitig, sobald die Temperaturen fallen. Der Boden wird fester, und mit Reif oder Bodenfrost wird die oberste Schicht fast so hart wie ein Feldweg. Ein Ball, der darauf landet, springt höher ab und läuft deutlich weiter als auf weichem Sommerrasen. Dazu kommt, dass derselbe Boden am Vormittag gefroren und am frühen Nachmittag angetaut sein kann. Der gleiche Chip verhält sich dann um zehn Uhr völlig anders als um vierzehn Uhr.

Zweitens das Gras. Der Deutsche Golf Verband (DGV) weist in seinem Merkblatt zum Winterspielbetrieb darauf hin, dass unter 4 Grad Celsius kein Rasenwachstum mehr stattfindet. Für Ihr kurzes Spiel heißt das: Die Halme werden dünner, der Ball sitzt tiefer, das Polster unter ihm fehlt. Ein Wedge, das ein paar Millimeter zu früh den Boden berührt, prallt ab, statt durchzugleiten.

Drittens Sie selbst und Ihr Ball. Ein kalter Ball fühlt sich härter an, und in mehreren Schichten Kleidung dreht man sich steifer. Spin wird damit zur unzuverlässigsten Größe des Winters, und der ganze Plan für das kurze Spiel baut darauf auf, ihn möglichst wenig zu brauchen.

Die Reihenfolge, die im Winter gilt

Bevor Sie einen Schläger ziehen, stellen Sie sich eine einfache Frage in drei Stufen. Kann ich putten? Wenn nein: Kann ich den Ball flach mit einem Eisen auf den Boden bringen und rollen lassen? Erst wenn auch das nicht geht, weil ein Bunker, eine Kante oder hohes Gras dazwischen liegt, kommt das Wedge mit Flugphase ins Spiel. Je weniger der Schläger unter den Ball muss, desto weniger kann eine dünne Lage schiefgehen.

Der Putter als erste Wahl, auch drei Meter vor dem Grün

Im Sommer ist der Putt vom Vorgrün eine Option, im Winter oft die beste. Vorgrün und Anspielzone sind kurz, fest und wachsen kaum nach, der Ball rollt deshalb erstaunlich gleichmäßig hindurch. Ein Putt, der um eine Handbreite von der Linie abweicht, liegt am Ende trotzdem näher als ein Chip, den Sie einen Hauch zu fett treffen.

Zwei Ausnahmen sollten Sie kennen. Liegt auf der Linie eine Reifplatte oder eine nasse Senke, bremst sie den Ball abrupt ab. Und ist das Vorgrün länger stehen geblieben oder ungleichmäßig, lenkt es den Ball zur Seite. Gehen Sie die Strecke zwischen Ball und Grün kurz ab, bevor Sie sich entscheiden, ohne dabei gefrorene Flächen zu betreten, und geben Sie dem Putt eher mehr Tempo: Kaltes, langsames Gras hält mehr zurück, als man erwartet.

Chip and Run: das Eisen, das rollt

Wenn der Putter nicht passt, ist der flache Chip mit einem mittleren oder kurzen Eisen der Winterschlag schlechthin. Er verlangt keine perfekte Lage und keine weiche Landung, nur sauberen Kontakt. Viele Trainer denken dabei in Anteilen von Flug und Rollen: Mit dem Pitching Wedge fliegt der Ball etwa ein Drittel der Strecke, mit dem Eisen 9 rund ein Viertel, mit Eisen 8 oder 7 noch weniger. Auf hartem Winterboden rollt jede dieser Varianten weiter als die Faustregel verspricht. Wählen Sie deshalb den Schläger, mit dem der Ball knapp auf dem Grün landet, bei glatter, fester Anspielzone sogar kurz davor.

  • Stand: schmal, das Gewicht etwas mehr auf dem vorderen Fuß.
  • Ball: leicht hinter der Mitte, die Hände vor dem Ball, und sie bleiben auch im Treffmoment vorn.
  • Bewegung: aus den Schultern wie ein langer Putt, kaum Handgelenk.
  • Blick: auf den Landepunkt, nicht auf die Fahne. Der Landepunkt ist Ihr eigentliches Ziel.

Wenn der Ball fliegen muss: Bounce statt Loft

Manchmal führt kein Weg am Fliegen vorbei, weil ein Bunker vor der Fahne liegt oder das Grün auf einer Kuppe sitzt. Dann gelten zwei Wahrheiten: Der Ball rollt nach der Landung weiter als im Sommer, und der Treffpunkt entscheidet mehr als sonst.

Greifen Sie zum Wedge mit dem meisten Bounce, in den meisten Taschen das Sandwedge, und lassen Sie das Lobwedge mit flacher Sohle stecken. Der Bounce ist der Winkel an der Sohle, der verhindert, dass sich die Vorderkante in den Boden gräbt. Auf hartem Untergrund kann aber auch er vom Boden zurückfedern und die Schlagfläche in die Ballmitte treiben. Halten Sie den Schaft deshalb beim Ansprechen etwas senkrechter als bei einem Sommerpitch und schwingen Sie flacher, sodass die Sohle den Boden streift, statt in ihn hineinzuschlagen. Den Landepunkt legen Sie deutlich kürzer als im Juli.

Ist der Boden tatsächlich gefroren, seien Sie ehrlich zu sich. Ein hoher Lobschlag von gefrorenem Rasen ist selbst für Profis riskant. Die Mitte des Grüns und zwei Putts sind im Winter ein gutes Ergebnis.

Bunker zwischen Nässe und Kruste

Kein Bereich des Platzes schwankt im Winter so stark wie die Bunker. Nach Regen ist der Sand nass und verdichtet, nach einer trockenen Kälteperiode oben fest und darunter locker, nach einer Frostnacht mit einer Kruste überzogen.

Nasser, verdichteter Sand verhält sich eher wie eine feste Lage als wie ein Bunker. Der breite Explosionsschlag, der viel Sand bewegt, funktioniert schlecht, weil der Schläger von der Oberfläche abprallt. Öffnen Sie die Schlagfläche weniger, treffen Sie den Sand näher am Ball und schwingen Sie kürzer und entschlossener. Der Ball kommt flacher heraus und rollt weiter. Bei niedriger Kante und festem Sand kann sogar ein Putt die sicherere Wahl sein. Denken Sie dabei an Regel 12.2b: Den Sand unmittelbar vor oder hinter dem Ball dürfen Sie mit dem Schläger weder beim Ansprechen noch im Probe- oder Rückschwung berühren.

Manche Clubs sperren Bunker im Winter oder erklären sie zu Boden in Ausbesserung. Lesen Sie die Aushänge am ersten Abschlag, bevor Sie losgehen: Dort steht, ob Sie Erleichterung bekommen, wo Sie sonst hätten schlagen müssen.

Wo Frost, Wintergrüns und die DGV-Regeln Ihr kurzes Spiel in Deutschland verändern

Wintergrüns als Ziel. Sobald es friert, wandern an den meisten deutschen Anlagen die Fahnen von den Sommergrüns auf Wintergrüns. Der Golf Club St. Leon-Rot beschreibt sie in seinem Winter-Einmaleins als zeitweilige Grüns, die gegen Saisonende auf den Fairways und vor den eigentlichen Grüns angelegt werden; das Gras ist dort kürzer als auf dem Fairway, an ein echtes Grün kommt die Fläche aber nicht heran. Der Club rät ausdrücklich, Putts auf Wintergrüns großzügig zu schenken, und hält fest, dass diese Flächen kaum Spin erlauben. Für Ihre Annäherung folgt daraus: Ein Ball, der auf einem Wintergrün landet, bleibt nicht stehen. Landen Sie ihn davor und lassen Sie ihn hineinrollen.

Frost ist eine harte Grenze. Nach dem DGV-Merkblatt zerstören Fußtritte und Fahrspuren bei Frost das Pflanzengewebe der Gräser, und die Erholung kann im Winter mehrere Wochen dauern. Darum sperren Clubs bei Reif die Sommergrüns oder verschieben den Start, und darum gehen Sie beim Lesen einer Puttlinie nicht über gefrorene Flächen. Ein anderer deutscher Club schreibt in seinen Winterregeln, dass bei Reif oder Bodenfrost die Wintergrüns zu spielen sind, bis die Sommergrüns vollständig aufgetaut sind. Prüfen Sie deshalb vor jeder Runde den Platzstatus auf der Website Ihres Clubs, ob er nun als Ampel oder als Textmeldung erscheint, und rechnen Sie damit, dass sich am selben Tag sowohl das Ziel als auch die Härte des Bodens ändern.

Trolleys, Carts und Matten. Der DGV rechnet vor, dass ein Golfer mit Trolley etwa die zehnfache Fläche belastet wie einer, der trägt, ein Cart etwa die fünfzigfache. Viele Anlagen verhängen deshalb im Winter Fahrverbote, und wo der Club Abschlag- oder Fairwaymatten vorschreibt, gehört eine kleine Matte ins Bag.

Besserlegen nach Musterplatzregel E-3. Laut dem WHS-Update des DGV für die Spielsaison 2026 darf der Club zwischen Oktober und April selbst entscheiden, ob er Besserlegen in Kraft setzt; in der Hauptsaison von Mai bis September braucht er dafür bei Handicap-relevanten Turnieren die Genehmigung des zuständigen Landesgolfverbands. Der Ball darf dann innerhalb einer festgelegten Länge, etwa einer Scorekarten- oder Schlägerlänge, nicht näher zur Fahne hingelegt werden. Der DGV empfiehlt, E-3 nur für Flächen auf Fairwayhöhe oder kürzer anzuwenden. Gilt die Regel, nutzen Sie sie für jede schlammige Lage vor dem Grün.

Eingebetteter Ball, Regel 16.3. Auf weichem Winterboden steckt der Ball nach einer Annäherung oft in seinem eigenen Einschlagloch. Im Gelände, also nicht im Sand, bekommen Sie straflose Erleichterung: markieren, aufnehmen, reinigen und im Erleichterungsbereich direkt hinter der Stelle fallen lassen, innerhalb einer Schlägerlänge und nicht näher zum Loch.

Zählt die Runde? Die Nebensaison umfasst nach dem DGV-Glossar die Monate Oktober bis April. In dieser Zeit entscheidet die Spielleitung, ob ein Turnier Handicap-relevant gespielt wird; der Platz muss entsprechend eingerichtet sein, und die Teilnehmer werden vor dem ersten Start informiert. Für Turniere wie für registrierte Privatrunden gilt zudem, dass Handicap-Relevanz nur auf einem Platz mit gültigem Course Rating besteht. Eine Runde auf Wintergrüns ist darum nicht automatisch eine Handicap-Runde. Fragen Sie im Sekretariat nach, bevor Sie eine Privatrunde registrieren.

Ihre Checkliste für die nächste Winterrunde

  • Platzstatus prüfen: Sommer- oder Wintergrüns, Fahrverbot, Matten, gesperrte Bunker.
  • Aushang am ersten Abschlag lesen: Gilt Besserlegen nach E-3, und ist die Runde Handicap-relevant?
  • Rund ums Grün in dieser Reihenfolge denken: Putter, dann Chip and Run mit Eisen 9 oder 7, erst danach das Wedge.
  • Muss der Ball fliegen, das Wedge mit dem meisten Bounce nehmen, flach schwingen, auf die Grünmitte spielen.
  • Auf Wintergrüns vor der Fläche landen und hineinrollen lassen, keinen Spin erwarten.
  • Gefrorene Flächen meiden, auch beim Lesen der Linie.

Schöner wird Ihr kurzes Spiel im Winter nicht. Aber es belohnt den, der den einfachsten Schlag wählt, der auf dem Boden vor ihm funktioniert. Diese Gewohnheit nehmen Sie im April auf die frisch freigegebenen Sommergrüns mit, und dort ist sie genauso viel wert.

Wie diese Seite entstanden ist: Die Angaben zu Rasenwachstum unter 4 Grad, Frostschäden und der Flächenbelastung durch Trolleys und Carts stammen aus dem Merkblatt „Winterspielbetrieb auf Golfanlagen“ des Deutschen Golf Verbands; die Beschreibung der Wintergrüns und die Spielhinweise aus dem „Winter Einmaleins“ des Golf Club St. Leon-Rot; die Frostregel für Wintergrüns aus den Winterregeln 2024/25 eines weiteren deutschen Clubs; Nebensaison, Handicap-Relevanz und Besserlegen aus dem DGV-Handbuch „WHS-Update für die Spielsaison 2026“ (Stand März 2026); die Regeln 12.2b und 16.3 sowie die Musterplatzregel E-3 aus den Golfregeln von R&A und USGA. Alles gelesen im Oktober 2026. Die Schlagtechniken sind gängige Trainerpraxis und werden als solche dargestellt; niemand bei Panxis Golf hat sie gemessen. Panxis Golf steht in keiner kommerziellen Beziehung zu einer hier genannten Anlage, und kein Händler wird genannt.

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