Kurzes Spiel bei Bodenfrost: flach chippen unter dem Nebel, auf Wintergrüns und im Tessin
Unter dem Hochnebel knirscht das Vorgrün, und der Chip aus dem Juli rollt vier Meter am Loch vorbei. Auf hartem, kaltem Boden wird der hohe Pitch zum schwierigen Schlag und der flache Chip zum verlässlichen. Was sich rund ums Grün ändert, welche Platzregeln Ihnen im Winter helfen, und wie Bodenfrost, Wintergrüns und die Plätze im Tessin das kurze Spiel bestimmen.
Kurz gefasst
- Gefrorener, harter Boden lässt den Ball höher abspringen und weiter rollen; unter dem Hochnebel bleibt er oft den ganzen Tag hart, an sonnigen Hängen taut er mittags auf.
- Die Reihenfolge im Winter: zuerst der Putter ausserhalb des Grüns, dann Chip-and-Run mit Eisen 9 oder 7, ein hoher Pitch nur, wenn etwas überflogen werden muss.
- Muss der Ball fliegen, nehmen Sie das Wedge mit dem meisten Bounce, schwingen flach und landen kürzer als im Sommer; aus nassem, festem Sand kürzer und bestimmter schwingen.
- Vor der Runde ans Anschlagbrett: Besserlegen nach Musterplatzregel E-3, Erleichterung für den eingebetteten Ball nach Regel 16.3, gesperrte Bunker und die aktive Saison von Swiss Golf.
Am Samstagmorgen hängt der Hochnebel über dem Mittelland, das Vorgrün knirscht unter den Schuhen, und der Chip, der im Juli nach dem zweiten Aufsprung stehen blieb, rollt jetzt vier Meter am Loch vorbei. Der Sand im Bunker am dritten Grün fühlt sich an wie ein Kiesweg. Mit Ihrem Schwung hat das wenig zu tun. Der Boden ist ein anderer geworden: hart, kalt, das Gras wächst kaum noch, und die Schläge, die auf weichem Sommerrasen funktionieren, sind auf diesem Untergrund oft die falschen. Dieser Text sortiert das kurze Spiel für die kalten Monate neu, vom Putter ausserhalb des Grüns bis zum Wedge mit viel Bounce, erklärt, welche Platzregeln Ihnen im Winter helfen, und zeigt, was Bodenfrost, Nebel und Wintergrüns auf Schweizer Plätzen ändern.
Zwei Dinge, die sich gleichzeitig ändern
Zuerst der Boden. Kalte Erde ist fester, gefrorene Erde ist praktisch hart, und der Reif am Morgen legt eine Kruste darüber. Ein Ball, der auf solchem Untergrund landet, springt höher ab und rollt weiter. Die Faustregel aus dem Sommer, wie weit ein Pitch nach der Landung noch läuft, gilt nicht mehr: Der Ball kann leicht doppelt so weit rollen wie gewohnt. Dazu kommt, dass derselbe Platz am selben Tag zwei verschiedene Böden hat. Um neun Uhr ist die Oberfläche gefroren, um zwei Uhr hat die Sonne die obersten Zentimeter aufgetaut, und darunter ist es immer noch hart. Liegt der Nebel den ganzen Tag, taut manches gar nicht auf.
Dann das Gras. Wenn der Boden kalt ist, wächst es kaum noch. Die Lagen werden dünn, der Ball sitzt auf dem Fairway und am Vorgrün auf dem Boden statt auf einem Polster, und der Spielraum für einen Schläger, der einen Hauch zu früh aufsetzt, schrumpft auf fast nichts.
Bevor Sie spielen: das Anschlagbrett beim ersten Abschlag
Im Winter lohnt sich der Blick auf das Brett beim Sekretariat oder auf die Rückseite der Scorekarte mehr als im Sommer. Zwei Regeln betreffen das kurze Spiel direkt, und manche Clubs sperren im Winter zusätzlich ihre Bunker.
Besserlegen. Die Musterplatzregel E-3 der offiziellen Golfregeln erlaubt es der Spielleitung, bei verbreitet schlechten Bodenverhältnissen das Besserlegen einzuführen. Der Ball darf dann aufgenommen, gereinigt und innerhalb eines festgelegten Bereichs hingelegt werden, nicht näher zum Loch. Wie gross dieser Bereich ist, steht in der Platzregel selbst; häufig ist es eine Schlägerlänge oder eine Scorekartenlänge. Meist gilt sie nur für einen Ball auf dem Fairway, und sie soll aufgehoben werden, sobald sich die Verhältnisse bessern. Ist sie in Kraft, nutzen Sie sie: Aus einer schlammigen, dünnen Lage am Rand des Grüns wird so eine saubere.
Eingebetteter Ball. Nach Regel 16.3 haben Sie Erleichterung ohne Strafe, wenn Ihr Ball im Gelände in seinem eigenen Einschlagloch steckt und ein Teil davon unter dem Bodenniveau liegt. Auf aufgeweichtem Boden nach Regen oder Tauwetter passiert das deutlich häufiger als im Sommer, vor allem bei Annäherungen, die vorne am Grünkomplex landen. Ball markieren, aufnehmen, reinigen und innerhalb einer Schlägerlänge hinter der Stelle fallen lassen, nicht näher zum Loch.
Erste Wahl: der Putter ausserhalb des Grüns
Im Sommer ist der Putt aus drei Metern vor dem Grün eine vernünftige Prozentwahl. Im Winter ist er oft schlicht die beste. Vorgrün und Annäherungszone sind fester, das Gras ist kurz und wächst nicht, der Ball rollt berechenbarer durch als im Juli. Ein Putt, der dreissig Zentimeter neben der Linie läuft, endet meist trotzdem näher als ein Chip, den Sie einen halben Zentimeter zu fett treffen.
Zwei Situationen sprechen dagegen. Liegt in der Linie eine bereifte oder nasse Stelle, bremst sie den Ball abrupt. Und ein Vorgrün, das vor dem Winter lang geblieben ist, kann einen Putt seitlich wegdrücken. Schauen Sie sich den Boden zwischen Ball und Grün an, bevor Sie entscheiden, und geben Sie dem Putt mehr Tempo als gefühlt nötig: Kaltes, langsames Gras bremst stärker als Sommerrasen.
Der flache Chip: früh auf den Boden
Geht es nicht mit dem Putter, ist das Chip-and-Run der Winterschlag schlechthin. Er sieht weniger spektakulär aus als ein Lob, verzeiht aber auf hartem Boden viel mehr: Ein Wedge mit viel Loft muss mit der Vorderkante unter den Ball gleiten, und auf einer dünnen, gefrorenen Lage bleibt dafür kaum Platz. Ein Eisen mit weniger Loft, gespielt wie ein langer Putt, muss den Ball nur treffen.
Welches Eisen, hängt davon ab, wie viel Rollweg Sie brauchen. Viele Pros denken dabei in Anteilen von Flug und Rollen: Mit dem Pitching Wedge fliegt der Ball etwa ein Drittel der Strecke, mit dem Eisen 9 etwa ein Viertel, mit Eisen 8 oder 7 noch weniger. Auf hartem Winterboden rollt jeder dieser Schläge weiter, als die Anteile versprechen. Wählen Sie also den Schläger, der den Ball knapp aufs Grün bringt, oder sogar knapp davor, wenn die Annäherung fest und eben ist.
- Schmaler Stand, Gewicht auf dem vorderen Fuss, Ball leicht hinter der Mitte.
- Hände vor dem Ball, und sie bleiben auch im Treffmoment davor.
- Eine Bewegung aus den Schultern wie beim Putten, die Handgelenke bleiben fast ruhig.
- Sie zielen auf einen Landepunkt, nicht aufs Loch. Der letzte Blick vor dem Schlag gilt diesem Punkt.
Wenn der Ball fliegen muss: das Wedge mit dem meisten Bounce
Manchmal liegt ein Bunker zwischen Ihnen und der Fahne, oder das Grün thront auf einer Kuppe, und rollen geht nicht. Dann gelten zwei Wahrheiten: Der Ball rollt nach der Landung weiter als im Sommer, und der Treffpunkt entscheidet mehr denn je.
Nehmen Sie das Wedge mit dem grössten Bounce in Ihrem Bag, meist das Sandwedge, nicht das Lobwedge mit flacher Sohle. Auf hartem Boden kann die stark gewinkelte Sohle allerdings vom Untergrund abprallen. Deshalb: Halten Sie den Schaft beim Ansprechen eher senkrecht, statt ihn stark nach vorne zu neigen, und schwingen Sie flacher, sodass die Sohle den Boden streift, statt steil hineinzuschlagen. Den Landepunkt wählen Sie deutlich kürzer als im Juli, und Sie rechnen damit, dass der Ball läuft.
Ist der Boden wirklich gefroren, seien Sie ehrlich mit sich. Ein voller Lob von gefrorenem Rasen ist schon für Profis ein Wagnis und für alle anderen eine Lotterie. Grünmitte und zwei Putts sind im Winter ein gutes Ergebnis.
Bunker zwischen Matsch und Kruste
Kein Teil des Platzes verändert sich im Winter so stark wie die Bunker. Nach Regen sind sie nass und verdichtet, fast begehbar ohne Fussabdruck. Nach einer trockenen Kälteperiode sind sie oben fest und darunter locker. Nach einer Frostnacht tragen sie eine Kruste.
Nasser, verdichteter Sand verhält sich eher wie eine harte Lage als wie ein Bunker. Der breite Explosionsschlag, der viel Sand mitnimmt, funktioniert schlecht, weil die Sohle von der Oberfläche abprallt. Öffnen Sie das Schlägerblatt weniger, treffen Sie den Sand näher hinter dem Ball und schwingen Sie kürzer und bestimmter. Der Ball kommt flacher heraus und rollt weiter. Ist die Bunkerkante niedrig und der Sand fest, kann ein Putt oder ein kurzer Chip mit dem Eisen 9 die sicherere Wahl sein. Nur den Sand vor dem Schlag nicht mit dem Schläger berühren: Das verbieten die Regeln auch im Winter.
Wo der Winter in der Schweiz das kurze Spiel bestimmt
Einen einheitlichen Schweizer Golfwinter gibt es nicht. Was Sie im Dezember rund ums Grün brauchen, hängt davon ab, ob Sie unter dem Nebel, darüber oder südlich der Alpen spielen.
Mittelland unter dem Hochnebel. Liegt die Nebeldecke tagelang über dem Mittelland, kommt kaum Sonne auf den Boden. Der Reif bleibt länger liegen, die Oberfläche taut spät oder gar nicht, und der Unterschied zwischen Morgen und Nachmittag ist kleiner als an einem klaren Tag. Rechnen Sie dann den ganzen Tag mit hartem, schnellem Untergrund und spielen Sie flach. Auf Plätzen, die über die Nebelgrenze reichen, sieht es an sonnigen Hängen wieder anders aus: Dort taut es mittags auf, und die Bälle stecken plötzlich im weichen Boden fest. Genau dann hilft Regel 16.3.
Bodenfrost und Frostsperre. Viele Clubs sperren den Platz oder die Grüns, solange Reif liegt, weil Schritte auf gefrorenen Grashalmen diese brechen und Spuren hinterlassen, die wochenlang sichtbar bleiben. Der erste Abschlag verschiebt sich dann in den späten Vormittag.
Wintergrüns. Bei hartem Frost spielen viele Plätze auf provisorische Grüns, oft gemähte Flächen auf dem Fairway vor dem eigentlichen Grün. Sie sind langsamer und unebener, und das Loch sitzt manchmal in einer Fläche, die kaum vom Vorgrün zu unterscheiden ist: noch ein Grund für den Putter.
Das Tessin. Südlich der Alpen sieht der Winter anders aus. Ticino Turismo schreibt, dass sich dank des sonnigen und milden Klimas das ganze Jahr über Golf spielen lässt, und nennt die 18-Loch-Plätze Golf Gerre in Losone, den Golf Club Patriziale in Ascona und den Golf Club Lugano in Magliaso. Der Platz in Ascona ist laut Ticino Turismo auch im Winter geöffnet, bei Frost können sich die Öffnungszeiten verschieben, und vom 25. Januar bis zum 15. Februar ist er geschlossen.
Der Score im Winter. Swiss Golf hält auf seiner Seite zu handicapwirksamen Ergebnissen fest, dass eine Runde während der aktiven Saison gespielt werden muss, um zu zählen. Wann diese bei Ihrem Club endet, sagt Ihnen das Sekretariat. Fragen Sie dort, bevor Sie eine Dezemberrunde mit Besserlegen und Wintergrüns anmelden.
Drei Übungen für die kalten Monate
Das Übungsgrün ist im Winter oft gesperrt, abgedeckt oder provisorisch. Ein Stück fester Rasen am Rand der Übungsanlage reicht aber für viel Arbeit, und keine dieser Übungen kostet einen Franken.
- Die Schlägerleiter. Vom selben Punkt neben dem Grün spielen Sie denselben Chip mit Pitching Wedge, Eisen 9 und Eisen 7 zum selben Loch. Merken Sie sich, wo jeder Ball landen musste. Der Abstand zwischen diesen Landepunkten ist Ihre Distanztabelle für den Winter.
- Das Landetuch. Legen Sie ein kleines Handtuch ein paar Schritte aufs Grün und versuchen Sie, jeden Chip darauf zu landen. Im Winter liegt das Tuch näher bei Ihnen als im Sommer.
Das Wichtigste für die nächste Winterrunde
- Vor dem Abschlag ans Anschlagbrett: Besserlegen nach Platzregel E-3, gesperrte Bunker und Wintergrüns verändern Ihre Optionen.
- Reihenfolge der Schläge: zuerst Putter, dann Chip-and-Run mit Eisen 9 oder 7, erst danach ein hoher Pitch.
- Muss der Ball fliegen: Wedge mit dem meisten Bounce, flacher Schwung, Landepunkt kürzer als im Sommer, Ziel Grünmitte.
- Vor einer Winterrunde im Sekretariat fragen, ob die aktive Saison noch läuft, und im Tessin vorher anrufen, wenn Frost gemeldet ist.
Schöner wird Ihr kurzes Spiel im Winter nicht. Aber der Winter belohnt alle, die den einfachsten Schlag wählen, der auf dem Boden vor ihnen funktioniert, und diese Gewohnheit nehmen Sie in den Frühling mit.
Wie diese Seite entstanden ist: Musterplatzregel E-3 und Regel 16.3 stammen aus den Golfregeln von R&A und USGA und den Winterregel-Fragen der R&A; die Bedingung der aktiven Saison von der Swiss-Golf-Seite zu handicapwirksamen Ergebnissen; die Angaben zum Tessin und zu Ascona von Ticino Turismo, alle gelesen im Oktober 2026. Die Schlagtechniken und Übungen sind gängige Trainerpraxis und werden als solche vorgestellt; niemand bei Panxis Golf hat sie vermessen. Panxis Golf hat keine kommerzielle Beziehung zu einer hier erwähnten Anlage.






