Golferellenbogen: Warnzeichen, Übungen und der Weg zu Physiotherapie mit Rezept
Wenn die Innenseite des Ellenbogens nach jedem Range-Besuch zieht, steckt meist eine überlastete Sehne dahinter. Die meisten Fälle heilen ohne Operation, vorausgesetzt, Sie hören auf, das Problem zu füttern, bauen die Sehne geduldig wieder auf und kennen die Zeichen, bei denen keine Spange, sondern eine Ärztin gefragt ist.
Kurz gefasst
- Beim Golferellenbogen, der Golfepicondylitis, ist die Sehne der Handgelenkbeuger am inneren Knochenvorsprung des Ellenbogens gereizt.
- Kribbeln in Ring- und Kleinfinger, ein Schnappen mit Schwellung, ein blockierender Ellenbogen oder Nachtschmerz gehören in die Praxis, bevor Sie selbst üben.
- Kern der Behandlung ist schrittweise Belastung, von Halteübungen bis zu langsamen Handgelenkbeugen; Kortison lindert, die Wirkung lässt aber oft nach.
- Die Kasse zahlt Physiotherapie nur mit ärztlicher Heilmittelverordnung, Erwachsene leisten 10 Prozent plus 10 € je Verordnung zu; die Blankoverordnung gilt nur für die Schulter.
Bei vielen fängt es im März an. Die ersten warmen Tage, die Range ist wieder offen, und nach drei Körben Bälle meldet sich auf der Innenseite des Ellenbogens ein ziehender Schmerz. Man schüttelt den Arm aus und denkt nicht weiter daran. Zwei Wochen später tut schon das Anheben der Kaffeetasse weh, das Aufschließen der Autotür, der Handschlag mit dem Flightpartner am ersten Abschlag. Der Golferellenbogen, in der Fachsprache Epicondylitis humeri ulnaris oder kurz Golfepicondylitis, ist eine typische Überlastung, die sich gut behandeln lässt, wenn man sie früh ernst nimmt. Wer sie ignoriert, schleppt sie dagegen oft eine ganze Saison mit. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie die Beschwerden erkennen, welche Signale in eine Arztpraxis gehören, was in der Behandlung tatsächlich hilft und wie Sie weiterspielen, ohne die Sehne erneut zu reizen.
Ein Hinweis vorweg: Dieser Text ersetzt keine Untersuchung. Schmerzen am Ellenbogen können mehrere Ursachen haben, und einige davon brauchen rasch ärztliche Hilfe. Deshalb stehen die Warnzeichen weit oben.
Was am Ellenbogen eigentlich gereizt ist
Tasten Sie mit dem Daumen die Innenseite Ihres Ellenbogens ab, also die Seite, auf der der kleine Finger liegt, wenn die Handfläche nach vorn zeigt. Dort spüren Sie einen kleinen Knochenvorsprung, den inneren Oberarmknorren. An ihm setzen über eine gemeinsame Sehne die Muskeln an, die das Handgelenk beugen und den Unterarm einwärts drehen. Jeder feste Griff, jedes Abknicken der Hand und jeder harte Stoß über den Schaft zieht an genau dieser Stelle.
Das „itis“ im Namen deutet auf eine Entzündung hin, trifft es aber nur halb. Bei Beschwerden, die schon Monate bestehen, zeigt das Gewebe eher Zeichen von Verschleiß und unvollständiger Heilung. Viele Fachleute sprechen deshalb lieber von einer Tendinopathie. Für Sie als Spieler ist der Unterschied praktisch: Eine Sehne, die ihre Belastbarkeit verloren hat, wird durch dosierte Belastung wieder stabil, nicht durch monatelanges Schonen.
Übrigens haben gar nicht so wenige Golfer den Schmerz außen am Ellenbogen. Das ist dann der Tennisarm. Das Prinzip ist dasselbe, nur eine andere Muskelgruppe ist betroffen, und vieles in diesem Beitrag gilt für beide Formen.
So erkennen Sie den Golferellenbogen
Das Bild ist meist recht eindeutig:
- Druckschmerz direkt auf dem inneren Knochenvorsprung oder knapp darunter, manchmal ein Ziehen einige Zentimeter in den Unterarm hinein.
- Schmerzen beim kräftigen Zugreifen, beim Tragen einer Einkaufstasche mit der Handfläche nach oben oder beim Auswringen eines Tuchs.
- Steifigkeit am Morgen, die nach dem Einlaufen des Arms nachlässt und nach Belastung zurückkommt.
- Auf dem Platz ein stechender Moment im Treffmoment, vor allem bei fetten Schlägen, auf hartem Boden und auf Abschlagmatten.
Ein einfacher Selbsttest: Legen Sie den Unterarm mit der Handfläche nach oben auf den Tisch und beugen Sie das Handgelenk gegen den leichten Druck der anderen Hand. Wird dabei der bekannte Schmerz innen am Ellenbogen ausgelöst, sind wahrscheinlich die Beugesehnen die Quelle.
Diese Warnzeichen gehören in die Praxis
Behandeln Sie sich nicht selbst, sondern lassen Sie sich zeitnah untersuchen, wenn eines der folgenden Zeichen zutrifft:
- Kribbeln oder Taubheit in Ring- und Kleinfinger oder eine kraftlose Hand. Direkt hinter der Innenseite des Ellenbogens verläuft der Ellennerv, der dort gereizt oder eingeengt sein kann. Das ist dann kein reines Sehnenproblem mehr.
- Ein hörbares oder spürbares Schnappen bei einem einzelnen Schlag oder Sturz, danach Schwellung oder ein Bluterguss.
- Ein Ellenbogen, der blockiert, sich nicht mehr ganz strecken oder beugen lässt oder beim Bewegen hängen bleibt.
- Schmerzen in der Nacht oder in Ruhe, die sich durch Bewegung nicht verändern, dazu Fieber oder ein heißes, gerötetes Gelenk.
- Kein Fortschritt nach sechs bis acht Wochen vernünftiger Selbstbehandlung.
Meist reicht der Ärztin oder dem Arzt eine körperliche Untersuchung. Ultraschall oder MRT kommen erst dann ins Spiel, wenn das Bild nicht zusammenpasst.
Warum gerade Golfer betroffen sind
Die Sehne interessiert sich nicht für Ihr Handicap, sondern für die Menge an Belastung und dafür, wie schnell diese Menge steigt. Sehnen passen sich deutlich langsamer an als Muskeln.
Der Sprung im Frühjahr. Monatelang kaum Golf, dann das erste lange Wochenende mit zwei Runden am Tag oder der Vorsatz, jeden Abend auf die Range zu gehen. Dieser plötzliche Anstieg ist der häufigste Auslöser.
Matten und gefrorener Boden. Wer im Winter auf Abschlagmatten oder auf hart gefrorenen Wintergrüns spielt, spürt jeden zu steilen Schlag bis in den Unterarm. Eine Matte gibt nicht nach wie Rasen, und ein Schlag in den Boden landet als Stoß in der Sehne.
Zu fester Griff. Wer den Schläger würgt, besonders mit der hinteren Hand, lässt die Beugemuskeln während des ganzen Schwungs auf Hochtouren arbeiten. Ein frühes Abklappen der Handgelenke oder ein Schlagen mit der rechten Hand bei Rechtshändern verstärkt den Zug innen am hinteren Ellenbogen.
Der Rest des Tages. Maus und Tastatur, Gartenarbeit, ein neues Krafttraining mit vielen Klimmzügen und Bizepscurls. Die Sehne rechnet alles zusammen, nicht nur die Runden.
Was in der Behandlung wirklich hilft
Die gute Nachricht: Die meisten Fälle heilen ohne Operation. Die weniger gute: Es dauert. Bei leichten Beschwerden einige Wochen, bei verschleppten oft mehrere Monate. Die Methoden mit der besten Grundlage folgen alle demselben Gedanken: erst beruhigen, dann die Sehne wieder belastbar machen.
Relative Ruhe statt Gips. Reduzieren Sie, was weh tut, notfalls auch das Golf, aber halten Sie den Arm im Alltag in Bewegung. Eine brauchbare Faustregel: Eine Tätigkeit ist in Ordnung, wenn der Schmerz dabei gering bleibt und am nächsten Morgen nicht stärker ist als vorher.
Schrittweise Belastung. Das ist das Herzstück. Am Anfang stehen oft isometrische Übungen: Sie halten das Handgelenk gegen Widerstand still, etwa eine halbe Minute lang, mehrmals hintereinander. Viele empfinden das als schmerzlindernd. Danach folgen langsame Handgelenkbeugungen mit einer leichten Kurzhantel, Handfläche nach oben, wobei vor allem das Absenken über drei bis vier Sekunden zählt. Das ist die exzentrische Phase, die die Sehne besonders fordert. Ein elastischer Gummistab zum Verdrehen, Griffkraftübungen und Unterarmdrehungen mit einem leichten Hammer ergänzen das Programm. Gesteigert wird erst, wenn die aktuelle Stufe gut geht.
Kühlen und Schmerzmittel mit Augenmaß. Eis nach der Belastung und frei verkäufliche entzündungshemmende Schmerzmittel können für ein paar Tage Linderung bringen. Die Sehne reparieren sie nicht. Wer Magen-, Nieren- oder Herzprobleme hat oder andere Medikamente nimmt, fragt vorher in der Apotheke oder Praxis nach.
Die Epicondylitisspange. Ein Band, das wenige Zentimeter unterhalb des Ellenbogens getragen wird, soll den Zug an der Sehne verteilen. Manche Spieler kommen damit besser über die Runde, die Studienlage ist allerdings bescheiden. Sie ist eine Krücke, keine Therapie.
Spritzen und Operation. Eine Kortisonspritze lindert oft schnell, doch die Wirkung lässt nach, und Rückfälle in den folgenden Monaten sind häufig. Das unabhängige Gesundheitsportal des IQWiG weist zudem darauf hin, dass Kortison den Heilungsprozess stören kann. Für weitere Spritzen, etwa mit Eigenblut, sind die Ergebnisse uneinheitlich. Eine Operation bleibt die Ausnahme für die wenigen, bei denen viele Monate gut geführter Therapie nichts gebracht haben.
Weiterspielen, ohne es schlimmer zu machen
Ganz aufhören müssen Sie nicht zwingend. Viele halten ein reduziertes Spiel aufrecht, solange der Schmerz mild bleibt und der nächste Morgen keine Verschlechterung bringt.
- Schonen Sie die Lage. Spielen Sie, wo erlaubt, mit Besserlegen, und hacken Sie den Ball nicht mit Gewalt aus dem tiefen Rough. Ein Schlag zurück aufs Fairway kostet weniger als sechs Wochen Pause.
- Meiden Sie die Matte. Wenn Sie üben, dann auf Rasen und mit mehr Chips und Putts als vollen Schwüngen.
- Lockern Sie den Griff. Auf einer Skala von eins bis zehn genügt eine Vier. Prüfen Sie, ob die hintere Hand allein die Arbeit macht.
- Wärmen Sie die Unterarme auf. Handgelenkkreise, sanftes Dehnen und einige halbe Schwünge vor dem ersten vollen. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Aufwärmen vor der Runde.
- Lassen Sie das Bag rollen. Trolley statt Tragen entlastet den Arm über 18 Löcher.
Auch das Material spielt eine kleine Rolle. Abgenutzte, glatte Griffe verleiten zum Zudrücken, ein frischer, etwas dickerer oder weicherer Griff kann den Druck senken. Graphitschäfte in den Eisen übertragen weniger Vibration als Stahl. Beides ersetzt keine Therapie, und über die Griffstärke entscheidet besser ein Fitting als ein Bauchgefühl.
Vorbeugen: der Sehne einen Schritt voraus bleiben
- Umfang langsam steigern. Nach der Winterpause die Zahl der Range-Einheiten und Runden über mehrere Wochen erhöhen, nicht in einem Wochenende.
- Das Unterarmprogramm beibehalten. Zwei kurze Einheiten pro Woche mit Handgelenkbeugen, Griffkraft und Drehungen sind eine günstige Versicherung.
- Die ganze Kette trainieren. Ein Schwung, der aus Hüfte und oberem Rücken kommt, belastet die Arme weniger.
- Am Treffmoment arbeiten. Ein flacherer Eintreffwinkel und der Kontakt erst mit dem Ball, dann mit dem Boden schonen den Ellenbogen ebenso wie die Scorekarte.
Wo Sie sich in Deutschland helfen lassen
Hausarzt oder Orthopäde. Für gesetzlich Versicherte ist die Hausarztpraxis eine gute erste Adresse, vor allem bei Warnzeichen. Eine Orthopädin oder einen Orthopäden können Sie in der Regel auch direkt aufsuchen. Anders ist es, wenn Sie bei Ihrer Kasse in die hausarztzentrierte Versorgung eingeschrieben sind: Dann gehen Sie zuerst zur Hausärztin und brauchen für die Facharztpraxis eine Überweisung. Im Zweifel gibt Ihre Krankenkasse Auskunft.
Physiotherapie mit Rezept. Damit die gesetzliche Kasse die Physiotherapie zahlt, brauchen Sie eine ärztliche Heilmittelverordnung, umgangssprachlich das Rezept. Erwachsene leisten dann eine Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten plus 10 € je Verordnung. Die Blankoverordnung, bei der die Physiotherapeutin selbst über Art und Umfang der Behandlung entscheidet, gilt seit November 2024 nur für Erkrankungen rund um die Schulter, nicht für den Ellenbogen. Bitten Sie in der Praxis um eine Verordnung, die aktive Übungstherapie ermöglicht, denn genau die steht im Zentrum der Behandlung.
Kassenleistung oder privat. Physiotherapeuten mit sektoraler Heilpraktikererlaubnis dürfen Sie auch ohne ärztliche Verordnung behandeln, dann allerdings auf eigene Rechnung. Privat Versicherte klären die Erstattung mit ihrem Tarif. Vorsicht bei Zusatzangeboten: Laut dem Portal gesundheitsinformation.de des IQWiG fehlt für viele Verfahren wie Stoßwellen, Laser, Elektrotherapie oder Eigenblutspritzen ein Nutzennachweis, und die gesetzlichen Kassen zahlen sie meist nicht. Dort finden Sie auch eine verständliche Patienteninformation zum Golferarm, die sich vor dem Termin zu lesen lohnt.
Der Golflehrer im Club. Die PGA of Germany bildet Golflehrerinnen und Golflehrer aus, und in vielen Clubs des Deutschen Golf Verbands (DGV) unterrichtet ein PGA-Pro. Eine Sehne behandelt er nicht, aber er sieht den steilen Eintreffwinkel, den zu festen Griff oder das Abklappen der Handgelenke, die den Ellenbogen immer wieder reizen. Sagen Sie ihm vor der Stunde, dass der Arm Probleme macht.
Die Wintersaison nutzen. Wenn die Clubs auf Wintergrüns umstellen und viele nur noch von Matten üben, ist das die schlechteste Zeit für einen gereizten Ellenbogen und zugleich die beste für die Reha. Nutzen Sie die Monate bis zum Frühjahr, um die Sehne vollständig aufzubauen, statt halb geheilt in die neue Saison zu starten und im April wieder am Anfang zu stehen.
Ihr Plan für die nächsten sechs Wochen
- Heute: Selbsttest machen, den Knochenvorsprung abtasten, die Warnzeichen durchgehen. Trifft eines zu, zuerst einen Termin vereinbaren.
- Woche 1: volle Schwünge und Matten streichen, Chippen und Putten erlaubt, täglich isometrische Halteübungen.
- Wochen 2 bis 4: jeden zweiten Tag langsame Handgelenkbeugen und den Gummistab dazunehmen, Gewicht nur steigern, wenn es gut geht.
- Wochen 4 bis 6: volle Schwünge vom Rasen wieder einbauen, wenige auf einmal, mit lockerem Griff. Jede Einheit am Gefühl des nächsten Morgens messen.
- Danach: zwei Unterarmeinheiten pro Woche beibehalten und den Treffmoment vom Pro prüfen lassen.
Der Golferellenbogen belohnt Geduld über ein paar Wochen und bestraft Sturheit über ein paar Monate. Hören Sie auf den Test am nächsten Morgen, belasten Sie die Sehne Schritt für Schritt, und die Innenseite Ihres Ellenbogens wird wieder zu einer Stelle, an die Sie beim Golf nie denken.






