Zum Inhalt springen
Technik

Golferellbogen: Warnzeichen, Sehnentraining und Physiotherapie auf Verordnung in der Schweiz

Ein Ziehen innen am Ellbogen, das nach jeder Range-Einheit zurückkehrt, ist selten Pech und meist eine Sehne, die mehr Last bekommt, als sie verträgt. Mit Geduld, dosiertem Training und einem wachen Blick auf die Warnzeichen heilt der Golferellbogen fast immer ohne Operation.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 10 min
Eine Frau hält sich den Unterarm knapp unterhalb des Ellbogens
Photo Kevin Malik / Pexels

Kurz gefasst

  • Beim Golferellbogen ist der Ansatz der Handgelenksbeuger am Knochenvorsprung innen am Ellbogen gereizt; ein Selbsttest mit gebeugtem Handgelenk gegen Widerstand gibt einen ersten Hinweis.
  • Kribbeln in Ring- und kleinem Finger, ein Knall mit Schwellung, ein blockierter Ellbogen, Nachtschmerz oder kein Fortschritt nach sechs bis acht Wochen gehören zuerst in die Arztpraxis.
  • Die Behandlung setzt auf schrittweise Belastung, von isometrischen Halteübungen bis zu langsamen exzentrischen Handgelenksbeugen; Kortison lindert rasch, die Wirkung lässt aber oft nach.
  • Die Grundversicherung zahlt Physiotherapie nur mit ärztlicher Verordnung, höchstens neun Sitzungen pro Verordnung, abzüglich Franchise und Selbstbehalt; physioswiss bietet eine Praxissuche nach Kanton.

Es fängt harmlos an. Nach dem dritten Korb Bälle an einem windstillen Abend zieht es innen am rechten Ellbogen, und auf der Heimfahrt denken Sie nicht mehr daran. Zwei Wochen später meldet sich die Stelle beim Öffnen einer Flasche, beim Tragen der Einkaufstasche und beim Händedruck an der Generalversammlung des Clubs. Was viele Golferinnen und Golfer dann haben, trägt den Namen ihres Sports: den Golferellbogen. Er ist lästig und braucht Geduld, heilt aber meist ohne Operation, wenn Sie die Sehne nicht weiter reizen und Schritt für Schritt wieder belastbar machen. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie den Golferellbogen erkennen, bei welchen Zeichen Sie zuerst in die Arztpraxis gehören, was in der Behandlung tatsächlich hilft, wie Sie weiterspielen können und wo Sie sich in der Schweiz abklären lassen.

Ein Hinweis vorweg: Was folgt, ist allgemeine Information für erwachsene Golferinnen und Golfer, keine Diagnose. Hinter Schmerzen am Ellbogen können verschiedene Ursachen stecken, und einige davon gehören rasch in ärztliche Hände.

Was am Ellbogen eigentlich gereizt ist

In der Fachsprache heisst das Leiden Epicondylitis medialis. Der mediale Epicondylus ist der kleine Knochenvorsprung an der Innenseite des Ellbogens, auf der Seite des kleinen Fingers. Dort setzen die Muskeln an, die das Handgelenk beugen und den Unterarm nach innen drehen. Sie teilen sich eine gemeinsame Sehne. Jedes kräftige Zupacken, jedes Abknicken des Handgelenks und jeder harte Schlag in den Boden zieht an genau diesem Ansatz.

Die Endung «itis» führt etwas in die Irre. Bei Beschwerden, die schon länger dauern, finden sich in der Sehne meist eher Zeichen von Abnutzung und missglückter Reparatur als eine klassische Entzündung. Fachleute sprechen deshalb häufig von einer Tendinopathie. Für Sie ist das mehr als ein Wortspiel: Eine Sehne, die ihre Belastbarkeit verloren hat, erholt sich, wenn sie dosiert wieder belastet wird. Schonen allein reicht selten.

Sitzt der Schmerz dagegen aussen, meist am Führungsarm, ist es der Tennisellbogen. Die Logik ist dieselbe, vieles hier gilt für beide.

So erkennen Sie den Golferellbogen

Das typische Bild ist ziemlich eindeutig:

  • Der Knochenvorsprung innen am Ellbogen ist druckempfindlich, der Schmerz kann einige Zentimeter in den Unterarm ziehen.
  • Festes Greifen, Händeschütteln, Tragen mit der Handfläche nach oben oder das Beugen des Handgelenks gegen Widerstand tun weh.
  • Morgens oder nach einer Pause ist der Arm steif, nach dem Einlaufen wird es besser, nach der Belastung wieder schlechter.
  • Auf dem Platz sticht es im Treffmoment, vor allem bei fetten Schlägen, auf hartem Boden und auf Abschlagmatten.

Ein einfacher Selbsttest: Legen Sie den Unterarm mit der Handfläche nach oben auf den Tisch und beugen Sie das Handgelenk gegen den leichten Druck der anderen Hand. Spüren Sie dabei den bekannten Schmerz innen am Ellbogen, sind die Beugesehnen die wahrscheinliche Quelle. Tasten Sie danach den Knochenvorsprung ab: Die empfindlichste Stelle liegt meist direkt darauf oder knapp darunter.

Diese Warnzeichen gehören zuerst in die Arztpraxis

Behandeln Sie nicht auf eigene Faust, sondern lassen Sie sich bald untersuchen, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Kribbeln oder Taubheit in Ring- und kleinem Finger oder eine schwächere Hand. Direkt hinter der Innenseite des Ellbogens verläuft der Ellennerv, der dort gereizt oder eingeengt werden kann.
  • Ein Knall oder ein plötzlicher Schmerz bei einem einzelnen Schlag oder einem Sturz, gefolgt von einer Schwellung oder einem Bluterguss.
  • Ein blockierter Ellbogen, der sich nicht mehr ganz strecken oder beugen lässt oder der hängen bleibt.
  • Schmerzen in der Nacht oder in Ruhe, die sich mit Bewegung nicht verändern, ausserdem Fieber oder ein heisses, gerötetes, geschwollenes Gelenk.
  • Kein Fortschritt nach sechs bis acht Wochen vernünftiger Selbstbehandlung.

Meist genügt der Ärztin oder dem Arzt die klinische Untersuchung. Bildgebung braucht es nur, wenn etwas nicht zusammenpasst.

Wie Golf die Sehne überlastet

Ihr Handicap interessiert die Sehne nicht. Sie reagiert auf die Menge der Belastung und darauf, wie schnell diese zunimmt. Sehnen passen sich viel langsamer an als Muskeln.

Plötzlich viel mehr Bälle. Das erste milde Wochenende im März, eine Golfwoche im Süden mit zwei Runden pro Tag, der Vorsatz, nach der Arbeit jeden Abend an die Driving Range zu gehen: Ein sprunghafter Anstieg ist der häufigste Auslöser.

Harte Treffer. Ein steiler Schlag, der in gefrorenen Boden oder in eine dünne Matte fährt, schickt einen Stoss über den Schaft in den Unterarm. Matten geben nicht nach wie Rasen. Wer im Winter wochenlang in einer Halle von Matten schlägt, sammelt genau diese Stösse.

Ein zu fester Griff. Wer den Schläger würgt, vor allem mit der hinteren Hand, hält die Beugemuskeln während des ganzen Schwungs unter Spannung. Schaufeln mit den Handgelenken im Treffmoment verstärkt den Zug zusätzlich.

Der Alltag. Stunden mit der Maus, Gartenarbeit im Herbst, Kinder auf dem Arm, ein neues Krafttraining mit vielen Klimmzügen: Die Sehne zählt alles zusammen, nicht nur die Golfschläge.

Was in der Behandlung wirklich hilft

Die meisten Fälle bessern sich ohne Eingriff. Leichte Beschwerden brauchen einige Wochen, eingefahrene oft mehrere Monate. Die Massnahmen mit der besten Grundlage folgen alle demselben Gedanken: zuerst die Sehne beruhigen, dann ihre Belastbarkeit wieder aufbauen.

Dosiert schonen statt ganz ruhigstellen. Reduzieren oder pausieren Sie, was den Schmerz auslöst, notfalls auch das Golfspiel. Im Alltag bleibt der Arm aber in Bewegung. Viele Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten mit einer einfachen Faustregel: Eine Tätigkeit ist in Ordnung, wenn der Schmerz dabei gering bleibt und am nächsten Morgen nicht stärker ist.

Schrittweise Belastung. Das ist das Herzstück. Oft beginnt das Programm mit isometrischen Übungen: Sie halten das Handgelenk gegen einen Widerstand still, 30 bis 45 Sekunden lang, was bei vielen den Schmerz dämpft. Danach folgen langsame Handgelenksbeugen mit einer leichten Hantel, Handfläche nach oben, wobei Sie das Gewicht drei bis vier Sekunden lang absenken. Diese exzentrische Phase ist der wichtige Teil. Ein biegsamer Gummistab, den Sie mit beiden Händen verdrehen, ist ein günstiges Hilfsmittel, und es gibt eine Variante speziell für die Innenseite. Griffkraft und das Drehen des Unterarms mit einem leichten Hammer runden das Programm ab. Mehr Gewicht gibt es erst, wenn die aktuelle Stufe gut geht.

Eis und Schmerzmittel mit Zurückhaltung. Kälte nach der Belastung und rezeptfreie Entzündungshemmer können die Beschwerden einige Tage lindern. Die Sehne reparieren sie nicht. Wer Magen-, Nieren- oder Herzprobleme hat, fragt vorher in der Apotheke oder in der Arztpraxis nach.

Die Epicondylitis-Spange. Ein Band einige Zentimeter unterhalb des Ellbogens soll den Zug auf den Sehnenansatz verteilen. Manche spielen damit angenehmer, die Studienlage ist aber bescheiden. Die Spange ist eine Krücke, keine Therapie.

Spritzen und Operation. Eine Kortisonspritze bringt rasch Linderung. Untersuchungen zu Sehnenbeschwerden am Ellbogen, grösstenteils zum Tennisellbogen, zeigen jedoch, dass die Wirkung nachlässt und Rückfälle in den folgenden Monaten häufig sind. Eigenblut und andere Injektionen haben eine gemischte Datenlage. Operiert wird nur bei der kleinen Minderheit, bei der viele Monate guter Rehabilitation nichts gebracht haben.

Weiterspielen, ohne es schlimmer zu machen

Ein kompletter Golfverzicht ist nicht immer nötig. Viele spielen während der Rehabilitation in reduzierter Form weiter, solange der Schmerz mild bleibt und der nächste Morgen nicht schlechter ist.

  • Spielen Sie vom Fairway aus: In privaten Runden den Ball besser legen, wo das erlaubt ist, und das tiefe Rough lieber mit einem Strafschlag verlassen, als sich herauszuhacken.
  • Meiden Sie Matten. Wenn Sie üben, dann auf Rasen, und mehr Chips und Putts als volle Schwünge.
  • Lockern Sie den Griff. Auf einer Skala von eins bis zehn genügt eine Vier, und die hintere Hand soll nicht die ganze Arbeit machen.
  • Wärmen Sie die Unterarme auf: Handgelenkskreise, sanftes Dehnen, ein paar halbe Schwünge vor dem ersten vollen. Ideen dazu finden Sie im Beitrag zum Aufwärmen vor der Runde.
  • Ziehen Sie das Bag auf einem Trolley, statt es zu tragen.

Beim Material hilft vor allem ein frischer Griff: Abgegriffene, glatte Griffe verleiten zum Zudrücken. Graphitschäfte übertragen weniger Vibration als Stahl. Über die Griffstärke entscheidet besser ein Fitter als ein Internetforum.

Vorbeugen: Die Sehne der Belastung voraus halten

Ist der Ellbogen wieder ruhig, sollten Sie nicht einfach dort weitermachen, wo das Problem begonnen hat.

  • Umfang langsam steigern. Nach einer Pause kommen Range-Einheiten und Runden über mehrere Wochen dazu, nicht alle auf einmal.
  • Das Unterarmprogramm behalten. Zwei kurze Einheiten pro Woche mit Handgelenksbeugen, Griffkraft und Drehungen sind eine günstige Versicherung.
  • Den ganzen Körper trainieren. Ein Schwung, der aus Hüfte und oberem Rücken kommt, entlastet die Arme. Fünf passende Übungen für zu Hause zeigt unser Beitrag mit den Heimübungen für den Golfschwung.
  • Den Treffmoment verbessern. Eine Lektion zu einem flacheren Eintreffwinkel, Ball vor Boden, schützt den Ellbogen ebenso wie die Scorekarte.

Wo Sie in der Schweiz Hilfe finden

Zuerst die Hausarztpraxis. Für die meisten Golferinnen und Golfer ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle, ganz sicher dann, wenn eines der Warnzeichen zutrifft. Wer bei der Krankenkasse ein Hausarztmodell gewählt hat, beginnt ohnehin dort; die genauen Regeln für eine Überweisung in die Sportmedizin oder Orthopädie stehen im Reglement Ihrer Kasse.

Physiotherapie auf Verordnung. Die obligatorische Grundversicherung nach KVG übernimmt Physiotherapie nur mit ärztlicher Verordnung. Eine Verordnung gilt für höchstens neun Sitzungen, und die erste Sitzung muss innert fünf Wochen stattfinden; für weitere Serien braucht es eine neue Verordnung. Franchise und Selbstbehalt bezahlen Sie wie bei jeder anderen Leistung selbst: Für Erwachsene liegt die Franchise je nach gewählter Stufe zwischen CHF 300 und CHF 2’500 im Jahr, danach tragen Sie 10 Prozent der Kosten, höchstens CHF 700 pro Jahr. Ohne Verordnung können Sie eine Praxis direkt aufsuchen, tragen die Kosten dann aber privat, sofern Ihre Zusatzversicherung nichts beisteuert. Der Berufsverband physioswiss bietet auf seiner Website eine Praxissuche an, die sich nach Kanton und Fachbereich filtern lässt. Für den Golferellbogen lohnt sich eine Praxis mit Erfahrung in Sportphysiotherapie, die prüft, ob der Schmerz von der Sehne, vom Nerv oder von der Halswirbelsäule kommt.

Der Golflehrer im Club. Swiss Golf ist der Dachverband der Schweizer Golfclubs, und die Golfprofessionals im Land sind in der Swiss PGA organisiert. Ein Pro behandelt keine Sehne, erkennt aber den steilen Treffmoment, den Würgegriff oder das Schaufeln der hinteren Hand, das sie immer wieder reizt. Sagen Sie zu Beginn der Lektion, dass der Ellbogen schmerzt, dann passt der Pro die Anzahl voller Schwünge an.

Die Wintersaison nutzen. Ab November schliessen die Bergplätze, und im Mittelland wird gespielt, wenn der Boden es zulässt, oft auf Wintergrüns und hart gefrorenen Fairways. Für eine gereizte Sehne ist das die ungünstigste Unterlage. Die stille Zeit eignet sich dafür umso besser zur vollständigen Rehabilitation, statt halb ausgeheilt im April wieder einzusteigen. Wer den Winter in einer Indoor-Anlage am Simulator verbringt, schlägt von Matten: Halten Sie dort die Ballzahl tief, legen Sie Pausen ein und üben Sie lieber Putten und kurze Schläge.

Ihr Plan für die nächsten sechs Wochen

  1. Heute: Selbsttest mit gebeugtem Handgelenk machen und den Knochenvorsprung abtasten. Trifft ein Warnzeichen zu, zuerst einen Termin in der Hausarztpraxis vereinbaren.
  2. Woche eins: volle Schwünge und Matten streichen, Chippen und Putten beibehalten, täglich isometrische Halteübungen.
  3. Wochen zwei bis vier: jeden zweiten Tag langsame Handgelenksbeugen und die Übung mit dem Gummistab, Gewicht nur steigern, wenn es gut geht.
  4. Wochen vier bis sechs: volle Schwünge auf Rasen zurückholen, wenige aufs Mal, mit lockerem Griff, und jede Einheit am Befinden des nächsten Morgens messen.
  5. Danach: zwei Unterarmeinheiten pro Woche beibehalten und den Treffmoment vom Golflehrer anschauen lassen.

Der Golferellbogen belohnt, wer einige Wochen Geduld aufbringt, und bestraft, wer monatelang durch den Schmerz hindurch weiterschlägt. Halten Sie sich an den Test am nächsten Morgen, bauen Sie die Belastung in kleinen Schritten auf, und die Innenseite Ihres Ellbogens wird wieder zu etwas, an das Sie auf der Runde keinen Gedanken mehr verschwenden.

Ein Artikel pro Tag reicht Ihnen nicht?

Der monatliche Newsletter bündelt, was zu lesen war – ohne Lärm.

Ebenfalls lesenswert

Parcours de notre annuaire

Golf Club Ybrig

Achtzehn Löcher mit fünf Seen im Hoch-Ybrig: eine flache erste und eine hügelige zweite Neun, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, und im Hochsommer die kühlere Alternative.

Golf & Country Club Hittnau

Ein Platz, dem eine Güterzusammenlegung vorausging: achtzehn Waldbahnen über dem Zürcher Oberland, in Spitzenform, mit schwachen Übungsanlagen.

Golf & Country Club Schönenberg

Harradine auf dem Zimmerberg, entlang der Krebs: hervorragende Grüns, ein selten voller Platz, und eine Höhenlage, die ihn oft feucht hält.