Erster Abschlag: eine Routine, kein Schwunggedanke
Adrenalin verkürzt den Schwung und nimmt den Händen Feinmotorik. Die Lösung liegt deshalb in der Vorbereitung und nicht im Schwung.
Kurz gefasst
- Der Driver ist die schlechteste Wahl für den angespanntesten Schlag.
- Die Routine vollständig machen, gerade wenn eine Gruppe wartet.
- Zwanzig Minuten früher da sein, davon zehn auf dem Übungsgrün.
- Ein Ziel benennen statt der Gefahr, plus einen Zwischenpunkt.
- Nervosität nimmt ab, wenn man mehr Turniere spielt, nicht weniger.
Der erste Abschlag ist der einzige Schlag im Golf mit Publikum, und fast alle spielen ihn schlechter als jeden anderen. Das ist kein Charakterfehler, sondern eine vorhersehbare körperliche Reaktion.
Das Nützliche daran: Weil sie vorhersehbar ist, lässt sie sich einplanen. Niemand wird die Anspannung los, und niemand muss es. Was sich ändern lässt, sind die Entscheidungen davor, also der Schläger, die Vorbereitung und das Ziel, und diese drei bestimmen, ob der Schlag im Spiel bleibt.
Was tatsächlich passiert
Adrenalin verkürzt den Schwung, beschleunigt das Tempo und nimmt den Händen Feinmotorik. Deshalb fliegt der Ball zwanzig Meter weiter oder dreissig Meter zur Seite. Die Lösung liegt damit in der Routine und nicht im Schwung.
Der Effekt ist messbar und betrifft zwei Dinge besonders. Volle Schwünge überleben, weil sie eingeschliffen sind und das Ziel gross ist; Meterputts und Teilschläge nicht, weil sie feinmotorische Aufgaben sind. Und die Entscheidungsfindung leidet: Ein Spieler, der sonst in drei Sekunden wählt, steht plötzlich zwischen zwei Schlägern, und der halb überzeugte Schwung danach ist der Schlag, der kostet.
Nehmen Sie einen Schläger, den Sie treffen
Der Driver ist der unbarmherzigste Schläger im Bag und die schlechteste Wahl für den Schlag, bei dem Sie am angespanntesten sind. Spielen Sie eine Saison lang ein Hybrid vom ersten Abschlag und zählen Sie, wie oft Sie im Spiel bleiben.
Rechnen Sie es nach, statt es zu glauben. Ein Hybrid, das dreissig Meter kürzer liegt, aber auf dem Fairway, lässt eine Annäherung mit einem Eisen zu; ein Driver im Wald lässt einen seitwärts gespielten Wedge zu. Über eine Saison ist der Unterschied auf Bahn 1 mehrere Schläge, und er kostet nichts.
Verlangsamen Sie die Routine bewusst
Unter Druck beschleunigt alles, bauen Sie also etwas ein, das sich nicht hetzen lässt: ein bewusstes Ausatmen oder einen Probeschwung, den Sie mitzählen. Es geht nicht um Ruhe, sondern um Timing.
Machen Sie die Routine vollständig, auch wenn eine Gruppe wartet. Genau dort wird sie zuerst weggelassen, und genau dort wird sie am dringendsten gebraucht. Wenn Sie üblicherweise zwei Probeschwünge machen, machen Sie zwei, nicht keinen und nicht vier.
Der Grund, warum das wirkt, ist einfach: Eine Routine gibt dem Körper dieselbe Vorbereitung, unabhängig davon, was auf dem Spiel steht. Wer bei einem Turnier fünf Routinen eines Profis stoppt, findet eine Spanne von vielleicht zwei Sekunden, über alle Situationen hinweg, und das ist der ganze Zweck der Sache.
Kommen Sie früh genug, um etwas zu schlagen
Sechs Minuten vor der Startzeit anzukommen und kalt den Driver zu ziehen, ist die Entstehungsgeschichte der meisten schlechten ersten Schläge. Im April, wenn es morgens acht Grad hat, nehmen Sie zehn Minuten mehr und eine zusätzliche Schicht.
Zwanzig Minuten reichen vollständig: fünf Minuten Bewegung ohne Schläger, fünf Minuten halbe Wedges mit Füssen zusammen, zehn Minuten lange Putts auf dem Übungsgrün. Der Driver muss dabei gar nicht vorkommen; er kommt auf Bahn 1 ohnehin.
Wenn wirklich keine Zeit bleibt, machen Sie die drei Minuten Bewegung auf dem Parkplatz und spielen die ersten beiden Löcher bewusst konservativ. Das ist kein Aufwärmen, begrenzt aber den Schaden auf die zwei Löcher, um die es geht.
Der Blick von der Clubterrasse
Auf vielen Schweizer Anlagen liegt die Terrasse direkt am ersten Abschlag, und genau das macht diesen Schlag so unangenehm. Es hilft zu wissen, dass dort niemand zuschaut: Die Leute haben diesen Monat vierhundert erste Abschläge gesehen und reden über das Wetter.
Und falls doch jemand hinsieht: Ein schlechter erster Abschlag ist das Normalste auf einer Golfanlage. Wer ihn schlägt, wird nicht beurteilt, sondern erkannt, weil alle Anwesenden dieselbe Erfahrung mehrfach gemacht haben.
Haben Sie ein Ziel, keine Angst
Am ersten Abschlag denkt man an die Bäume rechts und an die Zuschauer. Beides ist Vermeidung, und der Körper folgt der Aufmerksamkeit. Wählen Sie ein konkretes Ziel und benennen Sie es.
Konkret heisst: nicht das Fairway, sondern ein Baum am Horizont, ein Bunkerrand, ein Punkt in der Ferne. Und benennen Sie zusätzlich einen Zwischenpunkt einen Meter vor dem Ball auf der Ziellinie, über den Sie den Ball starten wollen. Auf einen Punkt in einem Meter auszurichten ist ungleich präziser als auf ein Ziel in zweihundert.
Wenn es Ihr Golf wirklich verdirbt
Anhaltende Nervosität nimmt ab, wenn man mehr Turniere spielt, nicht weniger. Beginnen Sie mit einem Neun-Loch-Turnier. Ein Swiss-PGA-Professional kann ausserdem an Routine und Vorbereitungsprozess arbeiten, ein legitimes Stundenthema, nach dem fast niemand fragt.
Ein zweiter Weg ist Gewöhnung durch Wiederholung: Üben Sie Meterputts mit einer Konsequenz, also zehn in Folge vor dem Nachhausegehen und bei jedem Fehlschlag von vorn. Dieses leichte Unbehagen ist genau das, was das Training auf den Platz überträgt, und es ist die einzige Form von Drucktraining, die auf einer Übungsanlage möglich ist.
Was auf Bahn 1 sonst noch hilft
Behandeln Sie das erste Loch als Fortsetzung des Aufwärmens. Selbst nach zwanzig guten Minuten ist der erste Abschlag der Schlag, den Sie am schlechtesten schlagen werden, weil es der einzige Schwung des Tages ohne einen Vergleichswert davor ist.
Spielen Sie deshalb die Grünmitte statt der Fahne, akzeptieren Sie ein Bogey ohne Widerspruch und rechnen Sie damit, dass die Karte gefühlt erst auf Bahn 4 anfängt. Wer das vorher beschliesst, verliert auf den ersten drei Löchern nicht die Runde.
Und nutzen Sie die ersten beiden Grüns als Messgeräte. Der erste lange Putt des Tages sagt mehr über die Geschwindigkeit als zehn Minuten Übungsgrün, weil das Übungsgrün selten exakt wie die Spielgrüns gepflegt wird.
Der zweite Fall: der Abschlag mit Wasser
Nicht nur Bahn 1 erzeugt diese Reaktion. Dasselbe passiert an jedem Loch, an dem etwas zu vermeiden ist, und die Lösung ist dieselbe: einen Schläger wählen, der auch bei einem mittelmässigen Treffer im Spiel bleibt, ein Ziel benennen statt der Gefahr, und die Routine vollständig machen.
Jeder Spieler hat zwei solche Löcher auf seinem Heimatplatz. Schreiben Sie den Plan samt Schläger einmal auf und kommen Sie am Abschlag nicht darauf zurück. Der Wert liegt nicht in der Information, sondern darin, dass die Entscheidung im Ruhezustand getroffen wurde.
Wo Sie das in der Schweiz üben können
Das Übungsgrün und der Kurzspielbereich Ihrer Anlage sind der Ort für das Drucktraining, und beide sind im Beitrag oder im Greenfee enthalten. Zehn Minuten früher zu kommen ist der gesamte Aufwand.
Für die Gewöhnung an das Spielen unter Beobachtung sind vorgabewirksame Neun-Loch-Turniere das richtige Format: Sie dauern zwei Stunden, kosten wenige CHF Nenngeld, und die meisten Schweizer Clubs tragen sie unter der Woche aus. Fragen Sie im Sekretariat nach dem Turnierkalender.
Und wenn Routine und Vorbereitung wirklich das Thema sind, ist eine Winterstunde bei einem Swiss-PGA-Professional die richtige Investition; viele Schweizer Anlagen bieten von November bis März Indoor-Blöcke zu niedrigeren Tarifen an, und in einer Simulatorbox lässt sich eine Routine ungestört einschleifen.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Anlagen oder Lehrpersonen.
Der Vorbehalt
Was hier steht, sind praktische Hinweise für gesunde Erwachsene im Freizeitgolf. Wer unter einer Angst leidet, die über die normale Anspannung hinausgeht und andere Lebensbereiche betrifft, ist bei einer Fachperson besser aufgehoben als bei einem Golfratgeber.
Für den nächsten ersten Abschlag
- Zwanzig Minuten früher da sein und ein Dutzend Wedges schlagen.
- Zehn Minuten lange Putts, damit die Grüngeschwindigkeit bekannt ist.
- Einen Schläger nehmen, dem Sie vertrauen, nicht den längsten.
- Ein bewusstes Ausatmen, dann dieselbe Routine wie immer, vollständig.
- Ein Ziel benennen statt der Gefahr, und einen Zwischenpunkt davor.
Der erste Abschlag kann aufhören, Sie einen Schlag zu kosten, bevor die Runde begonnen hat.
Wo sich das auf dem Platz zeigt
Drei der längsten Plätze unseres Verzeichnisses, auf denen der Abschlag die Runde entscheidet.
- Golf Limpachtal: Par 74 über 6,2 Kilometer im Bucheggberg, mit Loch 11: ein Par 6 über 666 Meter, das längste Loch Europas und das einzige Par 6 der Schweiz.
- Golfclub Gams-Werdenberg: Seit 2006 in der St. Galler Rheintalebene: ein flaches Par 72 über 6046 Meter mit grosszügigen Grüns, das leichter aussieht, als es ist.
- Golf Kyburg: Ein Platz von Kurt Rossknecht auf dem Rossberg bei Kemptthal: Par 71 über 6015 Meter, zwanzig Minuten von Zürich, mit Bahnen, die wenig verzeihen.
Wir haben diese Plätze nicht gespielt; jede Seite sagt, worauf sie sich stützt.



