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Nervös am ersten Abschlag: Schläger, Routine und kurze Wettspiele

Anspannung am ersten Abschlag ist normal und planbar. Wer von der passenden Teebox mit einem verlässlichen Schläger abschlägt, die Routine nicht kürzt und ein konkretes Ziel benennt, verliert auf Bahn 1 keinen Schlag mehr an die Nerven.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 7 min
Golfer und Trolleys auf welligem Fairway
Photo Martin Magnemyr / Pexels

Kurz gefasst

  • Unter Druck wird der Schwung kürzer und schneller: Die Routine muss das auffangen.
  • Am ersten Abschlag den verlässlichsten Schläger nehmen, nicht automatisch den Driver.
  • Ein konkretes Ziel und ein Zwischenpunkt einen Meter vor dem Ball.
  • Auf Bergplätzen wie Samedan lenkt die Aussicht ab, und der Ball fliegt weiter.
  • Seit 2024 zählen 9-Loch-Ergebnisse laut Swiss Golf direkt fürs Handicap: ideal für erste Wettspiele.

Die erste Begegnung mit dem ersten Abschlag unter Beobachtung hat in der Schweiz fast jede Golferin und jeder Golfer schon hinter sich: die Platzreife-Prüfung auf dem Platz. Swiss Golf beschreibt, dass sie in der Regel ein Swiss-PGA-Pro abnimmt, der Etikette, Sicherheit, Spieltempo und jeden Schlag beurteilt. Wer diesen Moment kennt, kennt auch das Gefühl, das Jahre später am Samstagmorgen auf Bahn 1 zurückkommt, wenn der nächste Flight hinter dem Abschlag wartet und die Terrasse des Clubhauses ein paar Meter entfernt ist.

Diese Anspannung ist keine Schwäche und nichts, das man «wegmachen» müsste. Sie ist eine vorhersehbare Reaktion des Körpers. Und weil sie vorhersehbar ist, kann man sie einplanen: mit der Schlägerwahl, der Vorbereitung und einer Routine, die unter Druck gleich bleibt.

Was der Körper am ersten Abschlag tut

Unter Anspannung wird der Schwung kürzer und schneller, die Hände verlieren Feingefühl, und Entscheidungen, die sonst drei Sekunden dauern, werden zum Hin und Her zwischen zwei Schlägern. Das erklärt die typischen Folgen: der Ball, der zwanzig Meter zu weit oder dreissig Meter zur Seite fliegt, und der halbherzige Schwung nach einer Entscheidung, von der man nicht überzeugt war.

Volle Schwünge halten dem Druck besser stand als feine Aufgaben, weil sie tausendfach wiederholt und das Ziel gross ist. Kurze Putts und halbe Wedges leiden stärker. Für Bahn 1 heisst das: Der Abschlag ist selten das eigentliche Problem, sondern das, was man daraus macht.

Die Schlägerwahl ist die halbe Miete

Der Driver verzeiht am wenigsten und ist gleichzeitig der Schläger, den die meisten am ersten Abschlag ziehen, weil das Loch danach aussieht. Nehmen Sie stattdessen den Schläger, mit dem Sie auch bei einem mittelmässigen Treffer im Spiel bleiben: ein Hybrid, ein Holz, notfalls ein Eisen.

Die Rechnung ist schnell gemacht. Ein Hybrid, das dreissig Meter kürzer, aber im Fairway liegt, lässt eine normale Annäherung zu. Ein Driver im Wald lässt einen seitlichen Befreiungsschlag mit dem Wedge und häufig einen verlorenen Ball zu. Probieren Sie es eine Saison lang und zählen Sie, wie oft Sie auf Bahn 1 im Spiel bleiben.

Hilfreich ist auch die richtige Teebox. Die Migros Golfparks haben die farbigen Abschlagsmarkierungen durch Distanz-Tees mit Zahlen ersetzt und geben an den ersten Abschlägen Empfehlungen, welche Box zu welcher Schlagweite passt. Wer vom passenden Abschlag spielt, muss auf Bahn 1 nicht alles aus dem Driver holen. Mehr dazu im Artikel über die Wahl der Abschläge.

Früh genug da sein, um etwas zu schlagen

Die meisten schlechten ersten Abschläge beginnen auf dem Parkplatz, sechs Minuten vor der Startzeit. Zwanzig Minuten Vorbereitung reichen: fünf Minuten Bewegung, zehn halbe Schwünge mit dem Wedge, dann auf das Übungsgrün. Den Driver braucht es dabei nicht. Der Plan im Detail steht im Artikel zum Aufwärmen, und warum die langen Putts vor dem Start wichtiger sind als die Drives, dort.

Wenn keine Zeit bleibt: drei Minuten Bewegung neben dem Auto, und die ersten beiden Löcher bewusst konservativ. Das ist kein Aufwärmen, aber es begrenzt den Schaden auf zwei Löcher.

Eine Routine, die sich nicht hetzen lässt

Unter Druck wird alles schneller. Deshalb braucht die Routine ein Element, das man nicht beschleunigen kann: ein bewusstes, langes Ausatmen hinter dem Ball, oder ein Probeschwung, bei dem Sie leise bis drei zählen. Es geht dabei nicht um Entspannung, sondern um gleiches Timing.

Und die Routine wird vollständig gemacht, auch wenn der nächste Flight wartet. Genau am ersten Abschlag wird sie zuerst gekürzt, und genau dort wird sie am meisten gebraucht. Wer sonst zwei Probeschwünge macht, macht zwei, nicht keinen und nicht fünf. Das kostet zehn Sekunden, die niemand bemerkt.

Ein Ziel statt einer Gefahr

Am ersten Abschlag denken viele an den Wald rechts, das Aus links und die Leute auf der Terrasse. Der Körper folgt der Aufmerksamkeit, und wer an den Wald denkt, schlägt öfter in den Wald. Benennen Sie deshalb ein konkretes Ziel: nicht «das Fairway», sondern eine Baumspitze am Horizont, einen Bunkerrand, einen Mast.

Dann wählen Sie einen Zwischenpunkt, ein Grasbüschel oder eine Verfärbung einen Meter vor dem Ball auf der Linie zum Ziel. Auf einen Punkt in einem Meter auszurichten ist viel präziser als auf ein Ziel in 200 Metern, und es gibt dem Kopf eine Aufgabe, die mit der Terrasse nichts zu tun hat.

Zur Terrasse selbst: Die Leute dort haben in dieser Saison Hunderte erste Abschläge gesehen und reden über das Mittagessen. Und wer doch hinschaut, erkennt in einem missratenen Drive vor allem sich selbst.

Bergplätze: Bahn 1 mit Aussicht

Eine Schweizer Eigenheit: Auf Bergplätzen liegt der erste Abschlag oft an einer der schönsten Stellen der Anlage, mit Blick über das halbe Tal. Die Aussicht ist Ablenkung, und dazu kommt, dass der Ball in der Höhe weiter fliegt, als man es vom Unterland gewohnt ist. In Samedan, dem ältesten Golfclub der Schweiz, liegt die Anlage auf rund 1’720 Metern.

Planen Sie eine Runde in Crans, Sedrun, auf der Riederalp oder im Engadin deshalb nicht als erste Runde des Jahres. Wärmen Sie sich dort besonders sorgfältig auf, prüfen Sie auf der Range, wie viel weiter die Eisen tragen, und geniessen Sie die Aussicht bewusst, bevor Sie den Ball aufteen, nicht während der Routine.

Wettkampferfahrung sammeln, Schritt für Schritt

Anhaltende Nervosität nimmt ab, wenn man mehr Wettspiele spielt, nicht weniger. Der Einstieg muss nicht die Clubmeisterschaft sein.

  • Neun-Loch-Wettspiele: Seit 2024 rechnet das World Handicap System laut Swiss Golf 9-Loch-Ergebnisse automatisch in ein 18-Loch-Score-Differential um, mit einem erwarteten Score für die fehlenden Löcher. Eine gute Neun-Loch-Runde zählt damit direkt für das Handicap. Das macht kurze Wettspiele zum idealen Übungsfeld: zwei Stunden statt vier, und trotzdem mit Folgen auf der Karte.
  • Ohne Club: Auch wer keinem Club angehört, kommt zu Wettspielen. Die beiden Public Golf Organisationen, ASGI und Migros GolfCard, stellen die Swiss Golf Card aus und verwalten ein anerkanntes Handicap. Die Migros GolfCard nennt eine eigene Migros Golf Tour mit über 240 Turnieren und Jahreswertung, dazu GolfPark-Turniere in den Migros Golfparks. Die ASGI organisiert ebenfalls Turniere für ihre Mitglieder.
  • General Play: Eine handicapwirksame Privatrunde, die vor dem Start im Sekretariat oder in der Swiss Golf App angemeldet wird, mit Marker. Das ist Druck in kleiner Dosis: Die Karte zählt, aber niemand schaut zu.

Ein zweiter Weg ist Drucktraining auf dem Übungsgrün: zehn Meterputts in Folge vor dem Heimgehen, und bei jedem Fehlschlag beginnt die Zählung von vorn. Das leichte Unbehagen dabei ist genau das, was sich auf den Platz überträgt.

Was auf Bahn 1 bis 3 sonst noch hilft

Behandeln Sie die ersten Löcher als Fortsetzung des Aufwärmens. Spielen Sie die Grünmitte statt der Fahne, akzeptieren Sie ein Bogey ohne inneren Protest, und nutzen Sie die ersten Grüns, um die Geschwindigkeit zu lernen. Wer vorher beschliesst, dass die Karte gefühlt erst auf Bahn 4 beginnt, verliert auf den ersten drei Löchern nicht die Runde.

Dasselbe gilt für jedes andere Loch, an dem etwas zu vermeiden ist, etwa ein Abschlag über Wasser. Jeder Heimplatz hat zwei solche Löcher. Schreiben Sie den Plan samt Schläger einmal in Ruhe auf, und kommen Sie am Abschlag nicht mehr darauf zurück.

Wo Sie das in der Schweiz üben

Auf dem Übungsgrün und der Range Ihrer Anlage. Zwanzig Minuten vor jeder Runde sind die wirksamste Vorbereitung. In den Migros Golfparks sind Range und Übungsanlagen laut Tarifseiten kostenlos, bezahlt werden nur die Bälle.

An kurzen Wettspielen. Fragen Sie im Sekretariat nach dem Turnierkalender und suchen Sie gezielt Neun-Loch-Formate. Wer bei einer Public Golf Organisation ist, findet die Turniere auf deren Websites.

Bei einem Pro. Routine und Vorbereitung sind ein legitimes Thema für eine Lektion, nach dem kaum jemand fragt. Ein Swiss-PGA-Pro kann mit Ihnen eine Routine aufbauen und sie unter leichtem Druck testen. Wie man eine Lektion sinnvoll nutzt, steht im Artikel Golfstunden nutzen.

Panxis Golf hat keine geschäftliche Beziehung zu den genannten Organisationen und Anlagen.

Der nötige Vorbehalt

Das hier sind praktische Hinweise für gesunde Erwachsene im Freizeitgolf. Wer unter einer Angst leidet, die über normale Anspannung hinausgeht und auch andere Lebensbereiche betrifft, ist bei einer Fachperson besser aufgehoben als bei einem Golfartikel.

Für den nächsten ersten Abschlag

  • Zwanzig Minuten früher da sein: Bewegung, Wedges, lange Putts.
  • Einen Schläger nehmen, dem Sie vertrauen, von der passenden Teebox.
  • Ausatmen, dann die gewohnte Routine, vollständig.
  • Ein konkretes Ziel benennen und einen Zwischenpunkt einen Meter vor dem Ball.
  • Bahn 1 bis 3 konservativ, die Karte beginnt auf Bahn 4.

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