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Technik

Hohes Handicap, normales Tempo: Netto-Doppelbogey, 26,5-Bremse und der passende Abschlag

Fünfundzwanzig Schläge mehr kosten nur wenige Minuten. Langsam machen die Dinge zwischen den Schlägen: die zweite Suche, der Weg zurück zum Abschlag, der Befreiungsschlag, der im Wald bleibt, die 11 am Par 5 ohne Stableford-Punkt. Das Handicap-System und die Golfregeln liefern die Werkzeuge dagegen, und das deutsche System nimmt Spielern zwischen 54 und 26,5 sogar die Angst vor der schlechten Runde.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 11 min
Golfer mit dem Bag auf der Schulter und Golferin mit ihrem Trolley, von hinten, mit Blick auf den Platz
Photo Kampus Production / Pexels

Kurz gefasst

  • Für das Handicap zählt an keinem Loch mehr als das Netto-Doppelbogey: Par plus zwei plus Ihre Vorgabenschläge. Ohne Handicap Index gilt Par plus fünf, im Stableford nehmen Sie auf, sobald kein Punkt mehr möglich ist.
  • Ein Ball ist nach drei Minuten Suche verloren. Spielen Sie bei jedem Zweifel einen provisorischen Ball und sagen Sie ihn laut an.
  • Zwischen Handicap Index 54 und 26,5 senken laut DGV nur Unterspielungen den aktuellen Index: Eine schwache Runde oder ein aufgenommener Ball kostet Sie dort nichts.
  • Die Abschlagsfarben laufen von vorn nach hinten grün, orange, rot, blau, gelb, weiß, schwarz. Handicap-relevant spielen Sie von jedem Abschlag mit Course Rating.

Fragen Sie in einem deutschen Clubsekretariat, wer an einem Sonntagmorgen den Platz aufhält, und Sie hören selten „der Spieler mit Handicap 40“. Sie hören: der Flight, der an jedem Loch zweimal sucht, der nach dem verzogenen Drive zurück zum Abschlag läuft und am Par 5 noch den neunten Schlag spielt, obwohl längst kein Stableford-Punkt mehr zu holen ist. Ein hohes Handicap beschreibt, wie gut Sie spielen. Wie schnell Sie spielen, hängt an Gewohnheiten, und die lassen sich bis zum nächsten Wochenende ändern, ohne dass Sie an Ihrem Schwung etwas umbauen.

Dieser Beitrag richtet sich an Golferinnen und Golfer mit einem Handicap Index zwischen etwa 25 und 54 und an alle, die gerade die DGV-Platzreife bestanden haben und damit mit Handicap Index 54 starten. Er behandelt den Teil des Spieltempos, der mit mehr Schlägen, mehr Ärger im Rough und mehr Entscheidungen pro Loch zu tun hat. Was für alle gilt, vom Ready Golf bis zum Trolley auf der richtigen Seite des Grüns, steht in unserem Beitrag Spieltempo: wo die Minuten verloren gehen.

Warum 25 Schläge mehr kaum zählen

Wer 105 spielt, braucht rund 25 Schläge mehr als jemand, der 80 spielt. Das klingt nach einer halben Stunde Unterschied. Es ist deutlich weniger. Die Golfregeln empfehlen in Regel 5.6b, dass ein Schlag nicht länger als 40 Sekunden dauern sollte, sobald Sie an der Reihe sind, und in der Regel kürzer. Fünfundzwanzig zusätzliche Schläge in normalem Tempo kosten zehn bis fünfzehn Minuten, verteilt auf eine Runde, in der die anderen drei ohnehin gehen, warten und putten.

Die eigentlichen Minuten gehen zwischen den Schlägen verloren: bei der zweiten Suche, beim Weg zurück zum Abschlag, beim Gespräch über den richtigen Schläger, beim Befreiungsschlag aus dem Wald, der im Wald bleibt. Um diese Minuten geht es hier. Ihre Schläge dürfen Sie behalten.

Netto-Doppelbogey: der Moment, in dem das Loch vorbei ist

Der größte einzelne Hebel liegt in einer Zahl, die Ihnen das World Handicap System schon ausrechnet. Für die Handicap-Berechnung zählt an keinem Loch mehr als das Netto-Doppelbogey: Par plus zwei plus die Vorgabenschläge, die Sie an diesem Loch erhalten. Wer noch keinen Handicap Index hat, rechnet mit Par plus fünf.

Ein Beispiel. Sie spielen ein Par 5 und bekommen dort zwei Vorgabenschläge. Das Netto-Doppelbogey liegt bei 5 + 2 + 2 = 9. Alles, was nach dem neunten Schlag passiert, taucht in Ihrem Handicap nie auf. Gerechnet wird ohnehin mit der 9, ob Sie eine 11 einlochen oder den Ball nach dem neunten Schlag aufnehmen. Die 11 kostet Ihren Flight drei Minuten und bringt Ihnen nichts.

Im Stableford, einer in deutschen Clubturnieren verbreiteten Spielform, kommt das Ende sogar früher. Mit denselben zwei Vorgabenschlägen gibt die 8 noch einen Punkt, die 9 keinen mehr. Liegt der Ball nach dem achten Schlag nicht im Loch, ist kein Punkt mehr möglich: Aufnehmen, einen Strich auf die Karte, weiter zum nächsten Abschlag. Für das Handicap wird dieses Loch mit dem Netto-Doppelbogey gewertet, Sie verlieren also nichts.

Anders ist es im klassischen Zählspiel. Dort müssen Sie jedes Loch zu Ende spielen, und die Turnierwertung zählt jeden Schlag. Manche Ausschreibungen nutzen deshalb das Zählspiel mit Höchstergebnis nach Regel 21.2: Die Spielleitung legt eine Obergrenze pro Loch fest, zum Beispiel das doppelte Par oder das Netto-Doppelbogey, und wer sie erreicht, nimmt auf. Lesen Sie die Ausschreibung vor dem Start. Oft steht dort, dass Aufnehmen ausdrücklich erwünscht ist. Welche Formate es gibt, erklärt unser Beitrag zu den Spielformen im Golf.

Drei Minuten Suche und ein provisorischer Ball

Seit 2019 haben Sie drei Minuten, um einen Ball zu finden, gerechnet ab dem Moment, in dem Sie oder Ihr Caddie zu suchen beginnen. Danach ist er verloren. Früher waren es fünf Minuten, und die Verkürzung hat einen Grund: Nirgendwo sonst stirbt eine Runde so zuverlässig wie bei der Suche.

Die Konsequenz für Spieler mit hohem Handicap ist einfach. Sobald Ihr Ball außerhalb einer Penalty Area verloren oder im Aus sein könnte, spielen Sie vom selben Ort einen provisorischen Ball, bevor Sie nach vorne gehen, und sagen Sie das Wort „provisorisch“ laut. Finden Sie den ersten Ball im Spiel, heben Sie den zweiten auf und haben nichts verloren. Finden Sie ihn nicht, sind Sie schon wieder im Spiel, und niemand muss zusehen, wie Sie 200 Meter zurück zum Abschlag gehen.

Rechnen Sie dabei nicht mit dem Ball, sondern mit der Uhr. Ein Titleist Pro V1 kostete bei All4Golf im September 2026 im Zwölferpack 59,99 €, also rund 5 € pro Stück. Drei Minuten eines ganzen Flights und der Gruppe dahinter sind mehr wert als dieser Ball. Wer viele Bälle verliert, spielt ohnehin besser mit einem günstigeren, etwa mit gebrauchten Teichbällen.

Einige Clubs haben außerdem die Muster-Platzregel E-5 eingeführt. Sie erlaubt bei einem verlorenen Ball oder einem Ball im Aus statt Schlag und Distanz einen Drop in einem festgelegten Bereich auf Höhe der Stelle, an der der Ball verloren ging oder ins Aus flog, bis an den Rand des nächstgelegenen Fairways, mit zwei Strafschlägen. Sie ist für das allgemeine Spiel gedacht, nicht für Turniere guter Spieler, und sie gilt nur dort, wo die Spielleitung sie in Kraft gesetzt hat. Ein Blick auf die Scorekarte oder den Aushang am ersten Abschlag klärt das.

Mit einem Schlag aus dem Wald, nicht mit dreien

Kein Schlag ruiniert Score und Tempo gleichzeitig so gründlich wie der heldenhafte Befreiungsschlag: das Eisen 5 durch die Lücke zwischen zwei Buchen, der lange Carry über den Graben aus einer schlechten Lage. Geht er schief, stecken Sie immer noch fest, einen Schlag später, und drei Mitspieler warten auf dem Fairway.

Nehmen Sie den kürzesten Weg zurück aufs kurze Gras, auch wenn er seitwärts oder leicht zurück führt. Herausspielen und danach ein voller Schlag sind zwei Schläge. Die Lücke, die einmal von fünf Versuchen klappt, kostet im Schnitt drei oder vier und dauert länger. Mehr dazu, wie Sie solche Schläge vermeiden, lesen Sie in Platzmanagement: fünf Schläge sparen, ohne den Schwung zu ändern.

Kennen Sie außerdem die Möglichkeiten beim unspielbaren Ball. Außerhalb einer Penalty Area dürfen Sie Ihren Ball jederzeit für unspielbar erklären und mit einem Strafschlag zwischen Schlag und Distanz, dem Drop zurück auf der Linie und dem Drop innerhalb von zwei Schlägerlängen wählen. Im Bunker müssen die beiden letzten Drops im Sand bleiben. Es gibt dort aber eine vierte Möglichkeit: Mit insgesamt zwei Strafschlägen droppen Sie auf der Linie zurück außerhalb des Bunkers. Das klingt teuer, bis Sie es mit dem dritten und vierten Versuch aus demselben Sand vergleichen. Wer den Bunkerschlag an sich verbessern will, findet die Technik in unserem Beitrag zum Bunkerschlag.

Drei Schläger vom Trolley mitnehmen

Wer zu Fuß mit Trolley oder Elektrotrolley spielt und viele kurze Schläge hat, also Pitches, Chips, Befreiungsschläge, geht entsprechend oft zum Trolley zurück, um einen anderen Schläger zu holen. Stellen Sie den Trolley deshalb nicht am Ball ab, sondern ein Stück weiter in Spielrichtung, und nehmen Sie drei Schläger mit, sobald der Ball neben dem Fairway liegt: den, den Sie für richtig halten, einen längeren und ein Wedge.

Rund ums Grün gehören Wedge und Putter zusammen in die Hand. Ein Chip, der auf dem Vorgrün liegen bleibt, schickt Sie dann nicht quer über die Bahn zurück. Und wer ein Cart teilt, setzt den Mitspieler mit seinen Schlägern an dessen Ball ab und fährt zum eigenen weiter, statt an einem Ball zu warten und danach zum anderen zu fahren.

Eine Routine, die in 40 Sekunden passt

Wer neu im Spiel ist oder gerade eine schwierige Phase hat, versucht das Problem oft mit mehr Nachdenken zu lösen: drei Probeschwünge, ein langer Blick zur Fahne, eine Liste mit Schwunggedanken. Auf Ihrem Niveau verbessert nichts davon den Treffmoment, und alles davon kostet Zeit.

Versuchen Sie es andersherum. Entscheiden Sie Schläger und Ziel auf dem Weg zum Ball oder während ein anderer spielt. Am Ball: ein Blick von hinten, ein Probeschwung neben dem Ball, hinstellen, schlagen. Nehmen Sie einen einzigen Gedanken mit, etwa „zum Ziel hin aufdrehen“, und lassen Sie den Rest auf der Driving Range. Schlechter werden Sie davon nicht, und an vielen Tagen besser, weil Sie sich weniger Zeit geben, sich zu verkrampfen.

Auf und um das Grün

Mehr Chips und mehr Putts bedeuten mehr Zeit rund ums Grün, und dort summieren sich die kleinen Gewohnheiten. Lesen Sie Ihren Putt, während andere putten, von der Seite und ohne auf fremden Linien zu stehen. Seit 2019 darf die Fahne beim Putten im Loch bleiben, also muss niemand sie bedienen oder herausziehen, wenn Sie vom Vorgrün chippen. Kurze Putts spielen Sie zu Ende, statt sie zu markieren, außer Sie müssten dafür auf der Linie eines anderen stehen.

Ist das Loch fertig, verlassen Sie das Grün in Richtung des nächsten Abschlags und schreiben die Scores dort, während jemand anderes abschlägt. Wer auf dem Grün laut Schläge nachzählt, tut es am schlechtesten aller Orte.

Den Flight einweihen und durchspielen lassen

Ein Satz am ersten Abschlag nimmt allen den Druck: „Ich arbeite an meinem Spiel. Wenn ich keinen Punkt mehr holen kann, nehme ich auf.“ Mitspieler entspannen sich, wenn sie wissen, dass Sie einen Plan haben, und Sie selbst auch. Bitten Sie die anderen, Ihrem Ball bis zum Ende nachzuschauen. Vier Augenpaare finden deutlich mehr Bälle als eines.

Spielen Sie zu zweit und wartet hinter Ihnen ein schnellerer Flight, lassen Sie ihn an einem Par 3 durchspielen. Das kostet Sie zwei, drei Minuten und nimmt Ihnen das Gefühl, gejagt zu werden, das Spieler mit hohem Handicap hetzen und dann schlechter spielen lässt. Wer zum ersten Mal ein Turnier spielt, findet die Abläufe in unserem Beitrag zum ersten Clubturnier.

Wo Golfer in Deutschland mit hohem Handicap Zeit und Nerven sparen

Das deutsche Handicap-System nimmt Spielern mit hohem Index einen Teil der Angst, die zum Einlochen jeder 10 verleitet. Im WHS-Update des Deutschen Golf Verbands für die Saison 2026 steht die sogenannte 26,5-Bremse: Zwischen den Handicap Indizes 54 und 26,5 werden nur Unterspielungen zur Neuberechnung des Handicaps genutzt. Eine schwache Runde schlägt sich nur im „kalkulierten“ Handicap Index nieder, nicht im „aktuellen“, mit dem Sie im Turnier antreten. Wer will, kann die Bremse über eine kurze Nachricht an den DGV aufheben lassen, allerdings nur dauerhaft.

Für Ihr Tempo heißt das: In diesem Bereich kostet Sie ein aufgenommener Ball in einer Handicap-relevanten Runde nichts, und eine schlechte Runde ebenso wenig. Es gibt keinen Grund, eine 11 zu Ende zu spielen, um „ehrlich“ zu bleiben. Ehrlich ist das Netto-Doppelbogey.

Handicap-relevant spielen Sie in Deutschland nicht nur im Turnier, sondern auch in der registrierten Privatrunde. Der DGV beschreibt sie als vorab angemeldete Runde, die vor Beginn im Heimatclub oder auf der gastgebenden Anlage angemeldet wird, mit einem Zähler, über neun oder 18 Löcher, ohne Beschränkung der Häufigkeit und unabhängig vom Handicap Index. Wie die Anmeldung konkret läuft, ob im Sekretariat oder elektronisch, regelt Ihr Club. Mit der bestandenen DGV-Platzreife erhalten Sie laut DGV bereits den Handicap Index 54. Senken können Sie ihn in jeder registrierten Privatrunde, auch über neun Löcher, und neun Löcher am frühen Abend sind dafür ideal: weniger Schläge, weniger Druck, weniger Gruppen hinter Ihnen. Anlagen mit kurzen Runden stellt unser Beitrag zu Neun-Loch- und Kurzplätzen vor.

Eine Warnung aus demselben DGV-Dokument betrifft Turniere. Wer eine Runde ohne anerkannten Grund abbricht, bekommt für die nicht gespielten Löcher automatisch Netto-Doppelbogeys eingetragen, und die lange Spieldauer gilt ausdrücklich nicht als anerkannter Grund. Wer frustriert nach zwölf Löchern geht, spart also weder Schläge noch Nerven. Wer an den schlechten Löchern rechtzeitig aufnimmt, bleibt im Rhythmus des Flights und spielt die Runde zu Ende.

Der zweite Hebel steht auf dem Abschlag. Die Reihenfolge der Abschlagsfarben ist im deutschen System festgelegt, von vorn nach hinten: grün, orange, rot, blau, gelb, weiß, schwarz. Jeder Platz muss rote und gelbe Abschläge haben. Laut DGV sollte die Wahl der Abschläge nach Spielstärke erfolgen, und Handicap-relevant spielen können Sie von jedem Abschlag, für den ein Course Rating vorliegt. Im Turnier legt die Spielleitung fest, wer wo abschlägt. In der Privatrunde entscheiden Sie selbst. Wer von Gelb regelmäßig mit dem dritten Schlag noch kein Grün erreicht, spielt von Rot oder Blau schneller und meist auch besser. Wie Sie die passende Länge finden, erklärt unser Beitrag Von welchen Abschlägen sollten Sie spielen?

Ihre Karte für die nächste Runde

  • Obergrenze kennen. Netto-Doppelbogey, ohne Handicap Index Par plus fünf. Im Stableford aufnehmen, sobald kein Punkt mehr möglich ist.
  • Provisorisch bei jedem Zweifel, laut angesagt. Drei Minuten suchen, nicht fünf.
  • Mit einem Schlag raus. Kürzester Weg aufs Fairway, und die Optionen beim unspielbaren Ball im Kopf.
  • Drei Schläger vom Trolley, am Grün Wedge und Putter zusammen.
  • Ein Blick, ein Probeschwung, schlagen. Den Schläger auf dem Weg zum Ball wählen.
  • Richtiger Abschlag. Farbe nach Schlagweite, nicht nach Gewohnheit.

Nichts davon verändert Ihren Schwung, und nichts davon verlangt, dass Sie hetzen. Es sorgt nur dafür, dass aus zusätzlichen Schlägen keine zusätzlichen Minuten werden. Wenn Sie danach auch die Zahl auf der Karte senken wollen, lesen Sie unsere Übersicht der Regeln, die Clubgolfer falsch anwenden und, falls Sie gerade erst angefangen haben, die DGV-Platzreife erklärt.

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