Mit Index 54.0 zügig spielen: Stableford-Strich, General Play und Distanz-Tees in der Schweiz
Die zusätzlichen Schläge sind selten das Problem. Zeit kosten die Suche, die sich hinzieht, der Weg zurück an den Abschlag, der Befreiungsschlag in dieselben Tannen und das Loch, das weitergespielt wird, obwohl kein Punkt mehr drinliegt. Regeln, Handicap-System und die Schweizer Angebote für handicapwirksames Spiel helfen dagegen, ohne dass Sie hetzen müssen.
Kurz gefasst
- Im Stableford nehmen Sie auf, sobald kein Punkt mehr möglich ist: Mit drei Schlägen Vorgabe an einem Par 3 ist nach dem siebten Schlag Schluss, gewertet wird das Netto-Doppelbogey von 8.
- Seit dem 1. Februar 2024 steht auf der Swiss Golf Card statt «PR» der Index 54.0, das Netto-Doppelbogey gilt also von der ersten Runde an.
- General Play in der Swiss Golf App ist kostenlos und beliebig oft möglich: vor Spielbeginn starten, mit Marker, neun Löcher ganz oder mindestens zehn von achtzehn.
- Faustregel von Migros Golf für die Distanz-Tees: Eisen-7-Distanz mal 42 ergibt die passende Platzlänge, bei 100 Metern also Tee 42. Wer während der Runde den Tee wechselt, spielt nicht mehr handicapwirksam.
Samstagnachmittag, Abschlag 7, und drei Flights stehen herum. Vorne sucht jemand zum zweiten Mal an diesem Loch im Rough, und niemand weiss, ob er gleich zum Tee zurückkommt. Der Verdacht fällt schnell auf die Person mit dem höchsten Handicap in der Gruppe. Meist zu Unrecht: Wer 105 spielt, ist nicht automatisch langsam. Langsam machen einige wenige Gewohnheiten, und die lassen sich ablegen, ohne dass Sie am Schwung etwas ändern.
Dieser Text ist für Golferinnen und Golfer mit Index 54.0 auf der Swiss Golf Card, mit einem Handicap in den Dreissigern oder Zwanzigern und für alle, die eben erst die Platzreife bestanden haben. Er behandelt, was bei vielen Schlägen pro Loch zusätzlich Zeit kostet. Die Grundregeln, die für jede Spielstärke gelten, finden Sie in unserem Beitrag Spieltempo in der Schweiz: Richtzeiten, Reglemente und vier Stunden ohne Hetze.
Zuerst die gute Nachricht: Ihre Schläge sind nicht das Problem
Zwischen einer 80 und einer 105 liegen etwa 25 Schläge. Regel 5.6b empfiehlt, dass ein Schlag in der Regel nicht mehr als 40 Sekunden dauert, sobald man an der Reihe ist. Selbst wenn Sie diese Zeit jedes Mal ausschöpfen würden, machen 25 zusätzliche Schläge keine halbe Stunde aus, sondern in normalem Rhythmus eher zehn bis fünfzehn Minuten. Und diese Minuten fallen an, während die anderen ohnehin gehen, sich vorbereiten oder putten.
Teuer wird es anderswo: beim Retourweg an den Abschlag, bei der Suche, die sich hinzieht, beim Befreiungsschlag, der den Ball zwei Meter weiter in dieselben Tannen befördert, und bei einem Loch, das mit dem zehnten Schlag endet, obwohl es seit dem siebten nichts mehr zu gewinnen gab. Dort setzt dieser Beitrag an.
Stableford: Wenn kein Punkt mehr drinliegt, ist das Loch fertig
Viele Clubturniere in der Schweiz werden nach Stableford gespielt, und diese Spielform hat eine eingebaute Tempobremse, die viele nicht nutzen. Sie zählt Punkte, nicht Schläge. Sobald Sie an einem Loch keinen Punkt mehr holen können, nehmen Sie den Ball auf, streichen das Loch und gehen weiter.
Nehmen wir eine Spielerin mit Index 54.0, die an einem Par 3 drei Schläge Vorgabe erhält. Mit sechs Schlägen macht sie ihr Netto-Par und zwei Punkte, mit sieben noch einen, mit acht keinen mehr. Liegt der Ball nach dem siebten Schlag nicht im Loch, ist alles entschieden. Jeder weitere Putt kostet nur noch Zeit, die der Flight dahinter in der Warteschlange am Tee verbringt.
Das Aufnehmen ist kein Aufgeben. In der Handicap-Berechnung wird ein gestrichenes Loch mit dem Netto-Doppelbogey gewertet, also genau so, als hätten Sie es mit dem höchsten zählbaren Resultat beendet. Welche weiteren Spielformen Clubs ausschreiben, erklärt unser Überblick zu den Spielformen.
Das Netto-Doppelbogey als Deckel für jedes Loch
Auch ausserhalb des Stableford gibt es eine Obergrenze. Das World Handicap System rechnet an keinem Loch mit mehr als dem Netto-Doppelbogey: Par plus zwei plus die Vorgabenschläge an diesem Loch. Unsere Spielerin am Par 3 kommt also auf 3 + 2 + 3 = 8. Wer noch gar keinen Handicap Index hat, rechnet mit Par plus fünf.
Im Zählspiel mit voller Schlagzahl müssen Sie trotzdem jedes Loch beenden, weil dort die Turnierwertung jeden Schlag zählt. Viele Ausschreibungen setzen deshalb auf das Zählspiel mit Höchstresultat nach Regel 21.2. Die Spielleitung bestimmt die Grenze, etwa doppeltes Par oder Netto-Doppelbogey, und wer sie erreicht, hört auf. In einer freien Runde wiederum hindert Sie nichts daran, beim Deckel aufzunehmen. Ein kurzer Blick in die Ausschreibung vor dem Start erspart Diskussionen auf dem Grün. Wer sein erstes Turnier plant, findet die Abläufe im Beitrag zum ersten Clubturnier.
Die Suche: provisorisch spielen, bevor Sie losgehen
Seit der Regelreform von 2019 bleiben Ihnen drei Minuten, um einen Ball zu finden, nicht mehr fünf. Die Uhr läuft, sobald Sie oder jemand aus dem Flight zu suchen beginnt. Der Zeitverlust entsteht aber meist nicht bei der Suche selbst, sondern danach, wenn jemand erfolglos zurück an den Abschlag muss.
Dagegen hilft der provisorische Ball. Könnte Ihr Ball ausserhalb einer Penalty Area verloren sein oder im Aus liegen, spielen Sie sofort einen zweiten, bevor Sie nach vorne gehen, und kündigen ihn ausdrücklich als provisorisch an. Taucht der erste im Spiel auf, stecken Sie den zweiten ein. Taucht er nicht auf, sind Sie schon unterwegs.
Und sollte Ihnen der verlorene Ball leidtun: Golfimport bot den Titleist Pro V1 im September 2026 für CHF 65.– pro Dutzend an, gut CHF 5.40 pro Ball. Das ist weniger, als drei Minuten Stillstand für acht Personen wert sind. Wer an einem schlechten Tag viele Bälle im Wald lässt, greift besser zu günstigeren, etwa gebrauchten Teichbällen.
Auf manchen Plätzen gilt zudem die Muster-Platzregel E-5. Sie ersetzt bei verlorenem Ball oder Ball im Aus den Weg zurück durch einen Drop in einem Bereich neben der Stelle, an der der Ball verschwunden ist, bis an den Rand des nächsten Fairways, mit zwei Strafschlägen. Gedacht ist sie für das allgemeine Spiel, nicht für Meisterschaften, und sie gilt nur, wenn die Spielleitung sie eingeführt hat. Steht sie nicht auf der Scorekarte oder am Anschlagbrett, fragen Sie vorgängig im Sekretariat.
Befreien statt zaubern
Der Ball liegt zwischen Wurzeln, vor Ihnen eine Lücke von einem Meter Breite zwischen zwei Stämmen, dahinter das Grün. Genau hier entscheidet sich, ob das Loch eine 7 oder eine 10 wird. Der Schlag durch die Lücke gelingt vielleicht einmal von fünf Versuchen. Der kurze Schlag seitwärts aufs Fairway gelingt fast immer, und danach haben Sie einen normalen Schlag. Zwei sichere Schläge schlagen einen riskanten, der zwei weitere nach sich zieht.
Denken Sie auch an den unspielbaren Ball. Ausserhalb einer Penalty Area dürfen Sie ihn überall für unspielbar erklären und mit einem Strafschlag zurück an die Stelle des letzten Schlags, auf der Linie zurück oder innerhalb von zwei Schlägerlängen droppen. Im Bunker bleiben die beiden letzten Möglichkeiten im Sand. Hinzu kommt dort eine vierte: Für insgesamt zwei Strafschläge droppen Sie auf der Linie zurück ausserhalb des Bunkers. Wer zweimal im gleichen Sand stecken geblieben ist, weiss, dass das günstig sein kann. Die Technik für den normalen Fall zeigt unser Beitrag zum Bunkerschlag. Weitere Ideen, wie Sie solche Lagen gar nicht erst erreichen, stehen in Platzmanagement in der Schweiz: fünf Schläge ohne Schwungumbau.
Vorbereitet am Ball: Schläger, Trolley, Routine
Viele kurze Schläge heissen viele Gänge zum Trolley. Parkieren Sie ihn deshalb auf Höhe des nächsten Schlags, nicht hinter dem Ball, und nehmen Sie beim Gang ins Rough gleich drei Schläger mit: den geplanten, einen längeren und ein Wedge. Kurz vor dem Grün tragen Sie Wedge und Putter zusammen. Wer im Cart unterwegs ist, lässt die Mitspielerin mit ihren Schlägern bei ihrem Ball aussteigen und fährt selbst weiter.
Dann die Routine. Anfängerinnen und Anfänger glauben oft, mehr Vorbereitung bringe bessere Schläge: mehrere Probeschwünge, langes Zielen, eine ganze Liste an Gedanken. Der Treffmoment wird dadurch nicht besser, die Wartezeit für alle anderen aber länger. Wählen Sie den Schläger unterwegs zum Ball. Dort schauen Sie einmal von hinten aufs Ziel, machen einen einzigen Probeschwung, stellen sich hin und schlagen. Ein Gedanke genügt, zum Beispiel «ruhig bis zum Schluss durchdrehen». So bleibt weniger Zeit, um sich zu verkrampfen.
Am Grün keine Zeit liegen lassen
Wer mehr chippt und öfter putten muss, verbringt naturgemäss mehr Zeit am Grün. Lesen Sie die eigene Linie, während die anderen spielen, und stellen Sie sich dabei nicht in fremde Puttlinien. Die Fahne darf seit 2019 beim Putten im Loch bleiben: Chippen Sie vom Vorgrün, muss niemand sie herausnehmen oder bedienen. Einen kurzen Rest-Putt spielen Sie gleich zu Ende, ausser Sie stünden dabei auf der Linie eines Mitspielers.
Ist der letzte Ball im Loch, gehen alle zum nächsten Abschlag. Die Resultate werden dort eingetragen, während jemand anderes abschlägt, und nicht auf dem Grün, das die nächste Gruppe schon anspielen möchte.
Wo Sie in der Schweiz mit hohem Handicap zügig spielen und trotzdem zählen
Seit dem 1. Februar 2024 steht auf der Swiss Golf Card bei neuen Spielerinnen und Spielern nicht mehr «PR», sondern der Index 54.0. Swiss Golf begründet das damit, dass so sichtbar ist, mit welchem Index handicapwirksame Runden gewertet werden. Für Sie heisst das: Sie haben von Anfang an einen Handicap Index, also gilt für Sie das Netto-Doppelbogey, nicht Par plus fünf.
Um den Index zu senken, brauchen Sie kein Turnier. Die Swiss Golf App bietet mit General Play die Möglichkeit, kostenlos und so oft Sie wollen handicapwirksame Resultate zu spielen. Swiss Golf nennt die Bedingungen: Die Runde wird vor Spielbeginn in der App gestartet, eine zweite Person begleitet Sie als Marker, an jedem Loch wird ein Score eingetragen, eine Runde über neun Löcher muss zu Ende gespielt werden, bei achtzehn Löchern braucht es mindestens zehn. Am Schluss bestätigen Marker und Spieler das Resultat. Die ASGI, eine der beiden Public-Golf-Organisationen neben der Migros GolfCard, verlangt dasselbe Prinzip: General Play vor der Runde ankündigen, den Marker nennen, die Karte unterschrieben einreichen. Für das erste Handicap nennt die ASGI 18 Stableford-Punkte über neun Löcher oder 36 über achtzehn. Eine Neun-Loch-Runde am frühen Abend genügt also, und dort warten weniger Flights hinter Ihnen. Anlagen dafür stellt unser Beitrag zu Neun-Loch- und Kurzplätzen vor.
Der grösste Tempogewinn liegt aber auf dem Abschlag. Migros Golf hat für die Saison 2026 angekündigt, in seinen Golfparks die Farbmarkierungen durch Distanz-Tees zu ersetzen, nach dem Prinzip «Tee It Forward» von USGA und PGA of America. Die Zahl auf dem Marker ist die gerundete Platzlänge geteilt durch hundert, 52 steht also für rund 5’200 Meter. Migros Golf empfiehlt eine Faustregel: Distanz mit dem Eisen 7 mal 42 ergibt die passende Platzlänge. Wer mit dem Eisen 7 rund 100 Meter weit schlägt, ist bei 4’200 Metern richtig, also bei Tee 42, wer 140 Meter schafft, bei Tee 59. Als Kontrolle nennt Migros Golf: Liegen Sie an einem Par 4 nach zwei Schlägen in der Nähe des Grüns, stimmt die Distanz. Laut Migros Golf spielten 56 Prozent der Golferinnen und Golfer mit dem Distanz-Tee-Konzept nachweislich schneller.
Zwei Einschränkungen nennt Migros Golf ebenfalls. Wechseln Sie während der Runde den Abschlag, ist sie nicht mehr handicapwirksam, auch nicht als General Play. Und im Turnier legt weiterhin die Spielleitung fest, wer von wo spielt. In einer freien Runde aber sind die Plätze der Golfparks von allen Tees geratet, und Sie können von jedem ein General Play registrieren. Auf Clubplätzen mit Farbmarkierungen gilt dieselbe Logik. Wie Sie dort die richtige Farbe finden, erklärt unser Beitrag Distanz-Tees und Farben: welche Platzlänge zu Ihrem Spiel passt.
Vor dem ersten Abschlag: fünf Dinge, die Sie sich vornehmen
- Die Grenze ansagen. Sagen Sie dem Flight: «Wenn kein Punkt mehr drinliegt, nehme ich auf.» Alle spielen danach entspannter, Sie eingeschlossen.
- Jeden Zweifel provisorisch lösen. Laut ankündigen, dann höchstens drei Minuten suchen, mit vier Augenpaaren statt einem.
- Aufs kurze Gras zurück. Seitwärts ist erlaubt, der unspielbare Ball auch.
- Einmal schauen, einmal proben, schlagen. Den Schläger wählen, solange Sie noch gehen.
- Den Tee nach dem Eisen 7 wählen, nicht nach Gewohnheit, und während der Runde nicht wechseln.
Spielen Sie zu zweit und drängt ein schnellerer Flight nach, winken Sie ihn an einem Par 3 durch. Das kostet zwei Minuten und nimmt Ihnen das Gefühl, gejagt zu werden. Keiner dieser Schritte verlangt Hetze und keiner einen neuen Schwung. Sie sorgen nur dafür, dass Ihre zusätzlichen Schläge keine zusätzlichen Wartezeiten erzeugen. Wie Sie überhaupt zu Platzreife und Swiss Golf Card kommen, lesen Sie in Golf in der Schweiz starten, und den Vergleich zwischen Club, ASGI und Migros GolfCard in unserem Mitgliedschaftsvergleich.






