FunGolf, Simulator, Urban Golf: führt Freizeitgolf auf den Platz?
Freizeitgolf senkt die Hürde, ersetzt aber die Runde auf Gras nicht. FunGolf, Simulatoren und Schnupperkurse bringen Neugierige an den Schläger; ob sie Golferinnen und Golfer werden, entscheidet sich bei den ersten neun Löchern und bei einer Person, mit der sie wieder spielen.
Kurz gefasst
- Bei FunGolf in den Migros Golfparks braucht es weder Platzerlaubnis noch Platzreife.
- Die FunGolf Trophy ist ein kostenloses Turnier für Nichtgolfer, pro Gruppe höchstens eine Person mit Platzreife.
- Swiss Golf zählte 2025 139 kostenlose Schnupperkurse mit 2'545 Teilnehmenden.
- Box und Matte lehren kein kurzes Spiel und keine Hanglage.
- Der Weg: Kurzplatz, Platzreifekurs, Spielpartner, Material erst danach.
In den Migros Golfparks gibt es jedes Jahr ein Turnier, bei dem Golferinnen und Golfer eher stören. An der FunGolf Trophy spielen Gruppen von sechs Personen ab 16 Jahren, und pro Gruppe darf höchstens eine Person mit Platzreife dabei sein. Wer ein Handicap hat, muss mit vertauschten Händen spielen. Die Teilnahme ist kostenlos, gespielt wird mit richtigen Schlägern auf dem Grün, und den drei besten Teams winken pro Golfpark Gutscheine im Gesamtwert von CHF 3’600.
Dieses Format fasst eine Entwicklung zusammen, die das Schweizer Golf seit einigen Jahren beschäftigt: Golf als Freizeitangebot ohne Voraussetzung. Simulatoren in Städten, FunGolf auf echten Anlagen, Urban Golf auf Stadtflächen. Die Frage, die sich Clubs und Neugierige gleichermassen stellen, lautet: Macht das Golfer, oder bleibt es beim Ausflug?
Drei Formen von Freizeitgolf in der Schweiz
Auf der Anlage, ohne Platzreife: FunGolf
Die Migros Golfparks bieten unter dem Namen FunGolf mehrere Formate an, bei denen weder Platzerlaubnis noch Platzreife nötig sind. «FunGolf Friends» richtet sich an Familien und kleine Gruppen ab fünf Jahren: kurze Einführung, dann direkt auf die Anlage, nach eigenem Vergleich «so unkompliziert wie ein Ausflug auf die Minigolf-Anlage». «FunGolf Events» sind für Gruppen ab acht Personen gedacht, etwa Firmen- oder Vereinsanlässe, angeleitet von einem Golflehrer und laut Anbieter bei jedem Wetter durchführbar.
Wie niedrig die Schwelle ist, zeigt die Tarifliste des Golfparks Waldkirch: FunGolf und FootGolf kosten dort CHF 20 für Erwachsene und CHF 10 für Jugendliche unter 21, mit festen Zeitfenstern am Montag ganztags, am Mittwoch ab 12 Uhr und am Wochenende ab 16 Uhr.
In der Stadt: Urban Golf
Swiss Golf führt Urban Golf als eigene Form des Breitensports. Gespielt wird mit einem weicheren Ball, vorzugsweise mit alten Schlägern, und statt auf Löcher zielt man auf markierte Elemente wie Eimer oder Bäume, auf einem Acker, in einem Park oder in einer Kiesgrube. Laut Verband eröffnete die Stadt Winterthur im April 2018 den ersten fix installierten Urban-Golf-Kurs der Schweiz; in Freiburg existiert schon länger ein kürzerer Stadt-Parcours.
Drinnen: Simulator und Indoor-Anlage
Simulatoren sind die sichtbarste Form. Sie stehen in Städten, in Golfcentern und auch auf Golfanlagen. Im Engadin etwa gibt es seit Januar 2025 einen öffentlichen Indoor-Simulator in Zuoz zum selbständigen Üben. Dass Indoor auch sportlich ernst genommen wird, zeigt das Reglementsverzeichnis von Swiss Golf: Es enthält Reglemente für eine Swiss Golf Indoor Championship und eine Swiss Golf 2 Scramble Indoor Championship.
Was für diese Angebote spricht
Die Hürde ist tief. Wer nie einen Schläger gehalten hat, steht in einer Box mit Freunden oder bei FunGolf mit der Familie nicht unter fremden Blicken am ersten Abschlag. Das ist für viele der eigentliche Grund, warum sie Golf nie ausprobiert haben. Wie sehr diese Anspannung auch später noch mitspielt, beschreibt der Artikel über die Nerven am ersten Abschlag.
Der Einstieg braucht keinen Club. Klassisch führte der Weg über ein Clubsekretariat, einen Kurs und eine Aufnahme. FunGolf, Simulatoren und die kostenlosen Schnupperkurse des Open-Doors-Programms von Swiss Golf entkoppeln den ersten Kontakt davon. 2025 zählte Swiss Golf 139 solche Schnupperkurse mit 2’545 Personen, die zum ersten Mal einen Schläger in der Hand hielten.
Es gibt sofort Rückmeldung. Ein Simulator gibt jedem Schlag eine Zahl, FunGolf ein Ergebnis auf der Karte. Für den Lernprozess ist das nützlich, weil es aus Ausprobieren ein Spiel macht.
Es ist inklusiv. Swiss Golf beschreibt Golf als Sport, den Jung und Alt, Anfänger und Erfahrene gemeinsam spielen können, und hat mit PluSport und Special Olympics Switzerland ein Konzept «Golf für alle» erarbeitet, das den Zugang für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung vereinfachen soll.
Was dagegen spricht
Eine Matte ist kein Platz. Wer nur in der Box spielt, lernt, einen Ball von einer ebenen Unterlage auf ein Ziel zu schlagen. Er lernt nichts über Hanglagen, eine Vierstundenrunde, Etikette oder Spieltempo. Und die Matte verzeiht den fetten Treffer, der auf Gras zwanzig Meter kostet.
Das kurze Spiel fehlt. Chips, Pitches und Putts machen auf dem Platz einen grossen Teil der Schläge aus, und genau diese lassen sich in den meisten Boxen kaum üben. Wer vom Simulator kommt, erlebt auf den ersten Grüns die grösste Überraschung. Die drei Grundschläge rund ums Grün erklärt der Artikel Chippen.
Der Übergang geschieht nicht von selbst. Viele, die Golf in einer Box oder bei einem Firmenanlass ausprobieren, spielen danach nie eine Runde. Nicht, weil es ihnen nicht gefallen hätte, sondern weil niemand den nächsten Schritt konkret gemacht hat.
Der Weg vom Freizeitgolf auf den Platz
Migros Golf beschreibt den Weg in drei Stufen, und er gilt sinngemäss für die ganze Schweiz:
- Platzerlaubnis: Damit darf man selbständig auf den Übungsplätzen der Migros Golfparks spielen.
- Platzreife: Mit diesem Zertifikat spielt man auf Plätzen, die kein Mindesthandicap verlangen.
- Swiss Golf Lizenz: Sie ist nötig, um auf Golfplätzen weltweit zu spielen.
Für die homologierten Plätze der Schweiz braucht es laut Swiss Golf zusätzlich die Mitgliedschaft in einem der 98 Clubs von Swiss Golf oder in einer der beiden Public Golf Organisationen, ASGI oder Migros GolfCard, und damit die Swiss Golf Card. Was günstiger ist, rechnet der Artikel Mitgliedschaft oder Greenfee vor.
Ein realistischer Ablauf für jemanden, der vom Simulator oder von FunGolf kommt:
- Zuerst ein Kurzplatz. Neun Löcher oder ein Par-3-Platz zu einer ruhigen Zeit, mit jemandem, der schon spielt. Fragen Sie vorher, welche Berechtigung verlangt wird: In den Migros Golfparks braucht es für die Übungsplätze die Platzerlaubnis. Sechs Bälle reichen, auf jedem Loch höchstens einmal nachlegen. Adressen stehen im Artikel über Neun-Loch- und Kurzplätze.
- Dann ein Platzreifekurs. In den Migros Golfparks kostet er CHF 1’380 für 30 Lektionen, inklusive Bag mit fünf Schlägern und GolfCard im ersten Jahr.
- Material erst später. Leihschläger gibt es fast überall. Wer ein eigenes Set will, findet bei einem Golfhändler im Eintauschprogramm ein Einsteigerset für CHF 599 mit Eintauschprämie von CHF 450 beim Wechsel auf ein neues Set innert 24 Monaten.
- Und vor allem: eine Spielpartnerin oder ein Spielpartner. Wer sich regelmässig verabredet, bleibt dabei. Fragen Sie im Kurs nach Kontakten.
Wenn Sie schon spielen: die Box als Wintertraining
Für Golferinnen und Golfer mit Handicap ist der Simulator von November bis März ein nützliches Trainingsgerät, allerdings nur mit Plan. Eine sinnvolle Stunde: zehn Minuten Wedges mit halben Schwüngen, zwanzig Minuten an einem einzigen technischen Punkt, zwanzig Minuten wechselnde Schläge und Ziele, zum Schluss einige Löcher eines virtuellen Platzes mit voller Routine. Die Carry-Distanzen der Wedges lassen sich drinnen besonders gut erfassen. Was die Zahlen auf dem Bildschirm bedeuten, erklärt der Artikel über Launchmonitore.
Wenn Sie im Club sind
Das Publikum aus Boxen und FunGolf-Anlässen ist der grösste Pool möglicher neuer Spielerinnen und Spieler, zu dem ein Club Zugang hat. Erreicht wird es nicht mit einem Jahresbeitrag, sondern mit einem Angebot, das ein Datum, eine Uhrzeit und einen Preis hat. Die kostenlosen Schnupperkurse von Swiss Golf zeigen, wie das aussehen kann: Clubs organisieren sie, der Verband unterstützt sie finanziell, und die Anmeldung erfolgt direkt beim Club.
Wo Sie Freizeitgolf in der Schweiz ausprobieren
- FunGolf Friends und Events in den Migros Golfparks, Buchung direkt beim gewünschten Golfpark per Telefon oder E-Mail.
- FunGolf Trophy einmal pro Jahr von Frühling bis Herbst in Holzhäusern, Moossee, Oberkirch, Otelfingen und Waldkirch, kostenlos, Anmeldung über das Formular der Migros Golfparks.
- Open-Doors-Schnupperkurse von Swiss Golf in Clubs der ganzen Schweiz, kostenlos, im Kalender auf der Website des Verbands.
- Urban Golf: Informationen auf der Breitensport-Seite von Swiss Golf; der erste fix installierte Kurs der Schweiz wurde 2018 in Winterthur eröffnet. Fragen Sie bei der Stadt nach dem aktuellen Stand, bevor Sie hinfahren.
- Indoor in Simulatoren in den Städten und auf Anlagen, im Engadin etwa in Zuoz.
Panxis Golf hat keine geschäftliche Beziehung zu den genannten Anbietern.
Freizeitgolf ist weder eine Bedrohung für den Club noch ein automatischer Zubringer. Es ist eine offene Tür. Ob jemand hindurchgeht, entscheidet sich bei den ersten neun Löchern auf Gras, nicht beim ersten Ballkorb.
Wie diese Seite entstanden ist
Der Preis für das Einsteigerset und die Eintauschprämie stammen von Golfers Paradise. Panxis Golf hat keine geschäftliche Beziehung zu diesem Händler.






