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Turniere

Vom Omega European Masters lernen: worauf Sie beim Golfschauen achten

Die Übertragung aus Crans-Montana zeigt den Ball, lehrreich ist aber die Entscheidung davor. Wer mit vier festen Aufgaben schaut, nimmt aus einem Turniersonntag mehr mit als aus einer Trainingsstunde.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 6 min
Golfer im Schwung, vom Fairway gesehen
Photo Sebastian Luna / Pexels

Kurz gefasst

  • Das Omega European Masters läuft auf SRF zwei und in der Sport App, die 80. Ausgabe folgt vom 2. bis 5. September 2027.
  • Zählen Sie bei schwierigen Fahnen, wer die Grünmitte anspielt, und stoppen Sie fünf Routinen eines Spielers.
  • Achten Sie darauf, auf welcher Seite die missratenen Schläge landen: Der Fehler ist vorher gewählt.
  • Unter 100 Metern sehen Sie feste Rückschwunglängen und flache Bälle, fast nie einen vollen Schwung.
  • Kopieren Sie Entscheidungen und Routinen, keinen Schwung aus der Zeitlupe und kein Material aus dem Siegerbag.

Am 6. September 2026 hat Thriston Lawrence das Omega European Masters in Crans-Montana zum dritten Mal gewonnen: mit einer bogeyfreien 62 am Schlusstag, sechs Schläge hinter dem Leader gestartet, und erst am vierten Extraloch gegen Paul Casey. Wer das am Sonntagnachmittag auf SRF zwei verfolgt hat, hat grosses Golf gesehen. Für das eigene Spiel mitgenommen haben die meisten Zuschauer trotzdem wenig.

Das liegt nicht am Turnier, sondern an der Art zu schauen. Die Kamera zeigt den Ball, der Amateur könnte aber vor allem die Entscheidung davor übernehmen. Mit ein paar festen Beobachtungsaufgaben wird eine Übertragung oder ein Tag an der Absperrung zur günstigsten Trainingsstunde der Saison.

Wo Sie in der Schweiz Profigolf sehen

Das Omega European Masters ist das Schweizer Turnier der DP World Tour und wird seit 1939 in Crans-Montana ausgetragen, auf dem Severiano-Ballesteros-Platz des Golf Club Crans-sur-Sierre auf rund 1’500 Metern. 2026 ging es um 3,75 Millionen Dollar Preisgeld. SRF hatte alle vier Turniertage live auf SRF zwei und in der Sport App angekündigt, am Donnerstag und Freitag ab 13.30 Uhr, am Samstag ab 12.30 Uhr und am Sonntag ab 12.00 Uhr. Die Turnier-App liefert zusätzlich das Leaderboard Loch für Loch und jeden Abend einen Video-Rückblick.

Die 80. Ausgabe folgt vom 2. bis 5. September 2027. Wer hingeht, fährt am besten mit dem Zug nach Sierre/Siders und von dort mit der Standseilbahn oder dem Bus nach Crans-Montana. Während der Turniertage verkehren in der Station von Donnerstag bis Sonntag kostenlose Shuttles zwischen 7 und 20 Uhr, auch vom Gratisparkplatz Briesses zum Golf-Club. Die Organisatoren empfehlen Autofahrern den P+R Sierre. Velos, E-Bikes und Trottinette sind auf dem Gelände nicht erlaubt.

Vor Ort sehen Sie, was keine Regie zeigt: wie ein Spieler abschreitet, mit dem Caddie spricht, einen Schläger zurücksteckt und einen anderen zieht. Folgen Sie einer Gruppe über drei oder vier Löcher, statt am Grün der 18 auf die Siegerputts zu warten.

Schweizer im Feld, als Massstab

2026 standen acht Schweizer im Feld. Joel Girrbach, Thurgauer und seit 2024 Mitglied der DP World Tour, spielte das Turnier zum zehnten Mal und beendete es mit einer 65 auf dem geteilten neunten Rang. Ronan Kleu und Nicola Gerhardsen aus Zürich, Benjamin Rusch aus dem Thurgau, Robert Foley, Maximilien Sturdza sowie die beiden College-Spieler Mischa Candinas und Ben Steinmann, Letzterer Mitglied des Golf & Country Club Zürich, vervollständigten das Aufgebot.

Für das Lernen sind gerade die Spieler interessant, die nicht um den Sieg spielen. Wer auf der HotelPlanner Tour, der Pro Golf Tour oder der Alps Tour unterwegs ist, trifft nicht jede Fahne. Man sieht an ihnen besser als an Lawrence, wie ein guter Spieler mit einem verfehlten Grün umgeht und wie er einen Schlag zurückholt, statt zwei zu verlieren.

Die erste Aufgabe: das Ziel, nicht die Fahne

Nehmen Sie sich bei der nächsten Übertragung eine schwierige Fahnenposition vor, etwa hinten links knapp hinter einem Bunker. Zählen Sie, wie viele Spieler direkt auf die Fahne spielen und wie viele die Grünmitte wählen und zwei Putts in Kauf nehmen. Der Kommentar nennt das vorsichtig. Ihre eigene Statistik würde es vernünftig nennen.

Der Grund ist die Streuung. Ein Profi trifft aus 150 Metern ein Ziel von wenigen Metern und greift trotzdem längst nicht jede Fahne an. Ein Clubspieler mit dreimal so grosser Streuung, der jede Fahne anspielt, trifft weniger Grüns und steht nach dem Fehler vor dem schwierigeren Rettungsschlag.

Die zweite Aufgabe: auf der Stoppuhr

Wählen Sie einen einzigen Spieler und messen Sie mit dem Telefon fünf Mal die Zeit vom Hinstellen bis zum Rückschwung. Die Werte liegen erstaunlich nah beieinander, über verschiedene Schläger und Lagen hinweg, und sie werden auch dann nicht länger, wenn es um den Titel geht. Genau dafür ist eine Routine da.

Übernehmen Sie davon nicht die Sekunden, sondern den Aufbau: wie viele Probeschwünge, wie viele Blicke zum Ziel, und der Moment, ab dem die Entscheidung nicht mehr geändert wird. Wer diesen Ablauf im Winter festlegt, hat ihn im nächsten Clubturnier am letzten Abschlag zur Verfügung.

Die dritte Aufgabe: wohin die Fehler gehen

Die Regie zeigt die Bälle, die nah an der Fahne liegen bleiben. Achten Sie auf die anderen. Liegt ein Bunker kurz vor der Fahne, landen die missratenen Annäherungen meist lang hinter dem Grün, nicht im Sand. Liegt Wasser rechts, enden sie links im Rough. Das ist kein Zufall, sondern ein vorher gewählter Fehler.

Diese Gewohnheit kann jede Spielstärke sofort übernehmen: vor jedem Schlag ins Grün die Frage, wo der Ball liegen soll, wenn er nicht gelingt, und das Ziel so verschieben, dass diese Antwort möglich wird.

Die vierte Aufgabe: unter hundert Metern

Driverlängen sind Unterhaltung. Lehrreich ist das Wedgespiel: Zählen Sie, wie selten ein Profi unter 100 Metern voll durchschwingt. Sie sehen einige wenige feste Rückschwunglängen, gleiches Tempo, und einen eher flachen Ball mit viel Spin statt des hohen Lobs, den viele Amateure für die Norm halten. Der flache Ball ist im Wind berechenbar und landet auf festen Sommergrüns kontrollierter.

Am Grünrand lohnt sich eine Strichliste: Wie oft nimmt ein Spieler vom Vorgrün den Putter oder einen flachen Chip, wie oft das offene Wedge? Das offene Wedge kommt fast nur, wenn wirklich etwas überflogen werden muss. Ein Putter vom Vorgrün hat kein Katastrophenergebnis, ein Lob aus enger Lage hat zwei.

Amateure beobachten, die näher an Ihrem Spiel sind

Beim Omega European Masters trafen auch 2026 am Loch 8 im Format «Beat the Pros» Junioren auf Profis. Ben Steinmann, 2026 zum ersten Mal im Hauptfeld, hat dort mit 15 Jahren selbst mitgemacht. Solche Momente zeigen, wie ein guter Amateur mit einer Situation umgeht, die Sie selbst kennen.

Noch näher liegt das eigene Umfeld. Fragen Sie im Sekretariat Ihres Clubs oder eines Golfparks in der Nähe, ob Sie bei einem Wettspiel oder bei der Clubmeisterschaft eine halbe Stunde an einem Par 4 zuschauen dürfen. Zwanzig Flights am selben Abschlag zeigen in kurzer Zeit, welche Schlägerwahl funktioniert und welche nicht.

Der Winterplan mit Notizblock

Zwischen November und März ist auf den Plätzen im Mittelland wenig los und im Fernsehen viel. Nutzen Sie einen Sonntagnachmittag mit drei Spalten auf einem Blatt: Sekunden der Routine, Zielwahl bei den zwei schwierigsten Fahnen, beobachtete Wedgelängen. In der Woche danach folgt eine Stunde im Simulator, in der Sie nichts anderes tun, als Ihre eigenen drei Wedgelängen zu messen und aufzuschreiben.

Im April haben Sie dann eine Distanztabelle unter 100 Metern, die auf Zahlen beruht, und eine Routine, die schon steht, bevor die Saison beginnt.

Was Sie nicht kopieren sollten

Keinen Schwung aus der Zeitlupe. Eine Zeitlupe zeigt eine Position, aber nicht die Beweglichkeit, die Kraft und die Wiederholungen dahinter. Wer eine Position nachstellt, landet meist in einer Bewegung, die weder die alte noch die neue ist. Kopieren Sie Entscheidungen, Routinen und Platzmanagement.

Auch das Material im Bag des Siegers sagt nichts über Ihr eigenes Spiel. Ein Tourspieler spielt wenig fehlerverzeihende Eisen, weil er die Mitte trifft und die Flugkurve formen will. Für ein zweistelliges Handicap ist dasselbe Eisen einfach schwerer.

Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zum Turnier, zu SRF oder zu den genannten Spielern.

Für die nächste Übertragung

  • Einen Spieler wählen und fünf Routinen stoppen.
  • Bei der schwierigsten Fahne zählen, wer die Grünmitte anspielt.
  • Notieren, auf welcher Seite die missratenen Schläge landen.
  • Die vollen Wedgeschwünge unter 100 Metern zählen.
  • Nur eine dieser Beobachtungen in die nächste Runde mitnehmen.

Zuschauen verbessert Ihren Schwung nicht. Richtig zuschauen verbessert Ihre Entscheidungen, und die kosten die meisten Clubspieler mehr Schläge als der Schwung.

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