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Technik

Besser werden ohne Trainerstunde: Scoring Record auf golf.de, Privatrunden und Kurzplätze nutzen

Bis der Frost die Grüns sperrt, bleiben vielen Clubs noch einige gute Wochen. Wer sie allein nutzt, kommt weiter, wenn er übt, was ihn wirklich Schläge kostet, und nicht, was am meisten Spaß macht.

La rédaction Panxis Golf, Deutschland-Desk (Thomas Berger) · · 10 min
Golferin übt allein auf einer Übungsfläche, einen Haufen Bälle neben sich, und bereitet einen Chip vor
Photo Kampus Production / Pexels

Kurz gefasst

  • Notieren Sie fünf Runden lang pro Loch Abschlag im Spiel, Grün in Regulation, kurze Schläge unter etwa 45 Metern, Putts und Strafschläge, bevor Sie etwas ändern.
  • Nach Mark Broadie entfallen zwischen einem 90er- und einem 80er-Spieler 68 Prozent des Unterschieds auf Abschläge und Annäherungen, 32 Prozent auf das Spiel innerhalb von rund 90 Metern.
  • Auf golf.de finden Sie unter „Mein Bereich“ Scoring Record und Handicap History Sheet; Fairways, Grüns und Putts führen Sie weiter selbst.
  • Geratete Kurzplätze ab 688 Metern auf neun Löcher zählen laut DGV in Registrierten Privatrunden handicaprelevant und eignen sich für die Kontrollrunde nach sechs Wochen.

Ende September wird es auf deutschen Plätzen ruhiger. Die Turniersaison läuft aus, die Abende werden kürzer, und bis der erste Frost die Grüns sperrt, bleiben vielen Clubs noch sechs bis acht gute Wochen. Genau diese Zeit eignet sich, um allein an Ihrem Spiel zu arbeiten: ohne Terminkalender des Trainers, ohne Druck durch Wettspiele, dafür mit leeren Bahnen am späten Nachmittag. Ob daraus Fortschritt wird oder nur ein weiterer Herbst mit vollen Ballkörben, hängt an drei Dingen. Üben Sie das, was Sie tatsächlich Schläge kostet? Bekommen Sie eine ehrliche Rückmeldung? Und bleiben Sie lange genug bei einer Änderung?

Das ist kein Plädoyer gegen Trainerstunden. Ein guter Pro sieht in zehn Minuten, wofür Sie allein drei Wochen brauchen, und wie Sie aus einer Stunde möglichst viel mitnehmen, steht in unserem Beitrag über Golfstunden, die sich lohnen. Aber zwischen zwei Stunden liegen meist Wochen, und in diesen Wochen entscheidet sich, ob das Gelernte hängen bleibt.

Bevor Sie üben: Wo gehen die Schläge verloren?

Wer ohne Plan zur Range fährt, übt fast immer den Schlag, der am meisten Spaß macht. Das ist in der Regel der Driver. Ob er auch der Schlag ist, der Ihnen die meisten Punkte kostet, erfahren Sie nur mit Papier und Bleistift.

Notieren Sie fünf Runden lang auf der Rückseite der Scorekarte vier Angaben pro Loch: Blieb der Abschlag im Spiel? Lag der Ball in Regulation auf dem Grün? Wie viele Chips und Pitches haben Sie aus weniger als etwa 45 Metern gespielt? Und wie viele Putts waren es? Dazu ein Strich für jeden Strafschlag. Wie Sie solche Zahlen sauber führen und lesen, beschreibt unser Beitrag über fünf Zahlen auf der Scorekarte ausführlicher.

Nach fünf Runden erkennen Sie ein Muster. Eine Golferin, die 37 Putts und drei Strafschläge pro Runde notiert, hat eine ganz andere Baustelle als ein Golfer, der zwar selten ins Aus schlägt, aber nur zweimal pro Runde das Grün erreicht.

Dass der Blick auf die Zahlen nötig ist, zeigt eine bekannte Untersuchung. Mark Broadie, Professor an der Columbia Business School und Urheber der Strokes-Gained-Statistik der PGA Tour, hat in seinem Buch Every Shot Counts von 2014 Spieler verglichen, die 90 spielen, mit solchen, die 80 spielen. Rund 40 Prozent des Unterschieds entfielen auf Annäherungsschläge, 28 Prozent auf die Schläge vom Abschlag, 17 Prozent auf Schläge innerhalb von 100 Yards, also etwa 90 Metern, und 15 Prozent auf das Putten. Das lange Spiel wiegt also schwerer, als der alte Spruch vom Drive für die Show vermuten lässt. Doch das sind Durchschnittswerte. Bei vielen Spielern mit höherem Handicap liegen die schnellsten Schläge trotzdem bei den Strafschlägen und den Dreiputts, und nur Ihre eigene Statistik sagt Ihnen, ob das auch für Sie gilt.

Eine Rückmeldung, der Sie trauen können

Was ein Trainer Ihnen vor allem gibt, ist der Blick von außen. Sie spüren eine Bewegung, er sieht, was tatsächlich passiert. Einen guten Teil davon können Sie sich selbst verschaffen.

Das Smartphone als zweites Auge. Ein kleines Stativ auf Hüfthöhe genügt. Filmen Sie einmal frontal, also im rechten Winkel zur Brust, und einmal von hinten entlang der Ziellinie, die Kamera auf Höhe der Hände. Stellen Sie das Stativ jedes Mal an dieselbe Stelle, sonst lassen sich die Aufnahmen nicht vergleichen. Achten Sie nur auf wenige, große Punkte: Haltung bei der Ansprache und im Treffmoment, Richtung des Schlägers im Umkehrpunkt, seitliches Ausweichen von Kopf und Hüfte. Die erste Aufnahme machen Sie, bevor Sie irgendetwas ändern.

Den Ballflug lesen. Die Startrichtung folgt überwiegend der Stellung der Schlagfläche im Treffmoment. Die Kurve entsteht vor allem aus dem Unterschied zwischen Schlagfläche und Schwungbahn. Startet ein Ball rechts und dreht weiter nach rechts, ist die Fläche offen zur Bahn. Startet er links und zieht weiter nach links, ist sie geschlossen zu einer Bahn, die bereits nach links zeigt. Mit dieser einen Regel lassen sich viele widersprüchliche Ratschläge zu Slice und Hook einordnen.

Den Treffpunkt sichtbar machen. Aufkleber für die Schlagfläche oder ein Hauch Fußspray zeigen genau, wo der Ball getroffen wurde. Treffer an Ferse oder Spitze kosten mehr Länge als die meisten Schwungfehler. Auf Rasen verrät das Divot viel: Es sollte kurz nach der Ballposition beginnen und ungefähr zum Ziel zeigen.

Wer Zugang zu einem Launch-Monitor hat, bekommt zusätzlich Zahlen. Nötig ist das nicht.

Eine Baustelle, drei Wochen Geduld

An diesem Punkt scheitern die meisten, die sich selbst trainieren. Am Montag ein Video, am Dienstag auf die Range, drei schlechte Bälle, am Donnerstag der nächste Tipp. Nach einer Saison haben sie zwanzig Korrekturen ausprobiert und keine behalten.

Suchen Sie sich eine einzige Änderung, die zu dem Problem aus Ihrer Statistik passt, und schreiben Sie sie in einem Satz auf: etwa „Griff mit der linken Hand etwas stärker“ oder „Gewicht im Finish auf dem vorderen Fuß“. Geben Sie ihr mindestens drei Wochen. Rechnen Sie damit, dass Ihre Treffer zunächst schlechter werden. Eine neue Bewegung fühlt sich fremd an und erzeugt seltsame Schläge, bevor sie bessere erzeugt. Beurteilen Sie die Änderung zuerst am Video und am Treffbild, erst ganz zuletzt am Score.

Dasselbe gilt für Ihre Quellen. Ein Lehrer, dessen Erklärungen Sie verstehen, bringt mehr als fünfzig Kanäle, die sich gegenseitig widersprechen. Wenn zwei Ratschläge nicht zusammenpassen, entscheiden Ihr Video und Ihr Ballflug, welcher zu Ihrem Schwung gehört.

Abwechslung schlägt den vollen Ballkorb

Fünfzig Bälle mit demselben Eisen auf dieselbe Fahne fühlen sich gut an und bringen erstaunlich wenig. Dieses geblockte Üben hat seinen Platz, solange Sie eine neue Bewegung erst einschleifen. Auf dem Platz bekommen Sie aber nie zweimal denselben Schlag. Die Forschung zum motorischen Lernen zeigt seit den 1970er-Jahren, dass gemischtes, wechselndes Üben sich im Moment schwerer anfühlt und dafür länger hält.

Sobald sich eine Änderung normal anfühlt, wechseln Sie mit jedem Ball Schläger und Ziel. Gehen Sie vor jedem Schlag Ihre komplette Routine durch. Spielen Sie gedanklich ein Loch: Driver, dann das Eisen, das dieser Drive übrig lassen würde, dann ein Wedge. Einen vollständigen Ablauf für eine Stunde auf der Anlage finden Sie in unserem Beitrag zum Range-Training mit Plan.

Geben Sie sich dabei eine Punktzahl. Zehn Bälle, ein Punkt für jeden, der in einem festgelegten Zielbereich landet. Nächste Woche versuchen Sie, diese Zahl zu übertreffen. So wird aus Üben ein kleiner Test, und Sie sehen schwarz auf weiß, ob die Änderung greift.

Rund ums Grün: vier Übungen mit Ergebnis

Chips, Pitches und Putts lassen sich allein am leichtesten verbessern. Sie verlangen keine Kraft, auf den Übungsgrüns vieler Anlagen kosten sie keine Rangebälle, und Putten geht auch auf dem Teppich im Flur.

  • Der Kreis. Sechs Bälle im Kreis um das Loch, jeweils einen Meter entfernt. Erst wenn alle sechs nacheinander fallen, geht es auf 1,20 Meter. Kurze Putts entscheiden mehr Ergebnisse als alles andere auf dem Grün.
  • Die Leiter. Aus 9, 12 und 15 Metern putten Sie so, dass der Ball höchstens eine Schlägerlänge hinter dem Loch liegen bleibt. Das ist das schnellste Mittel gegen Dreiputts, mehr dazu in unserem Beitrag über lange Putts.
  • Zwei Schläge. Legen Sie den Ball jedes Mal an eine andere Stelle neben dem Grün, chippen Sie und lochen Sie aus. Zählen Sie, wie oft Ihnen das bei zehn Versuchen gelingt, und notieren Sie die Zahl.
  • Drei Ausholbewegungen. Lernen Sie, wie weit jedes Wedge mit kurzem, mittlerem und vollem Rückschwung fliegt. So kommen Sie auf neun bis zwölf verlässliche Entfernungen. Wie Sie diese ermitteln, zeigt unser Beitrag zu den Wedge-Längen.

Auf dem Platz üben, nicht nur spielen

Auf der Range lernen Sie Schwünge, auf dem Platz lernen Sie Golf. Eine späte Neun-Loch-Runde, allein oder zu zweit, gehört zum Wertvollsten, was Sie für Ihr Spiel tun können.

Probieren Sie Formate aus. Spielen Sie zwei Bälle und nehmen Sie immer den schlechteren, dann lernen Sie Ihren gewöhnlichen Schlag kennen statt Ihres besten. Spielen Sie neun Löcher mit nur vier Schlägern und entdecken Sie, was mit einem Eisen 7 alles möglich ist. Oder setzen Sie sich eine Regel wie „kein Strafschlag heute“ und wählen Sie jeden Abschlag danach aus. Viele Schläge gehen durch falsche Entscheidungen verloren, nicht durch schlechte Schwünge, und gutes Platzmanagement ist die einzige Fähigkeit, die Sie verbessern können, ohne den Schwung anzufassen.

Was nur Zeit kostet

  • Der Driver-Marathon. Vierzig Drives hintereinander sind die am wenigsten nützliche Stunde auf der Range. Zehn Bälle reichen, jeder auf ein gedachtes Fairway.
  • Jede Woche ein neuer Tipp. Wer ständig wechselt, erfährt nie, ob der letzte Ratschlag funktioniert hätte.
  • Die Lösung kaufen. Ein neuer Schläger behebt selten einen Schwungfehler. Material ist der letzte Schritt, nicht der erste.
  • Bälle ohne Ziel. Jeder Ball braucht ein Ziel, auch im Garten.
  • Eine Runde als Urteil. Ergebnisse schwanken. Fünf Runden Statistik sagen mehr als Ihr bester oder schlechtester Tag.

Wann die Stunde beim Pro Geld wert ist

Allein kommen Sie weit, aber nicht überallhin. Buchen Sie einen Trainer, wenn derselbe Fehler nach einem Monat ehrlicher Arbeit wiederkommt, wenn etwas schmerzt, wenn Sie auf Ihren Videos nicht erkennen, was falsch läuft, oder wenn Sie ganz am Anfang stehen, denn saubere Grundlagen ersparen Jahre der Korrektur. Eine einzelne Stunde zu genau dem Problem, das Ihre Statistik gezeigt hat, mit einer klaren Übung für zu Hause, passt perfekt in dieses System.

Wo Sie in Deutschland ohne Trainer Rückmeldung bekommen

Ein Teil Ihrer Statistik liegt bereits beim Deutschen Golf Verband. Wer ein Konto auf golf.de anlegt, findet unter „Mein Bereich“ den Scoring Record und das Handicap History Sheet, also die gewerteten Runden mit ihren Ergebnissen. Der digitale DGV-Ausweis zeigt den Handicap-Index tagesaktuell auf dem Smartphone. Da der Index aus den besten acht der letzten 20 handicaprelevanten Runden berechnet wird, lohnt sich ein Blick darauf, welche Runden gerade zählen und welche demnächst herausfallen. Fairways, Grüns und Putts führen Sie weiterhin selbst, auf der Scorekarte oder in einer App Ihrer Wahl.

Für die Kontrolle nach sechs Wochen bietet sich die Registrierte Privatrunde an. Seit Einführung des World Handicap Systems 2021 können Sie auch außerhalb von Turnieren eine Runde handicaprelevant spielen, mit einem Zähler an Ihrer Seite. Die Runde muss vorher angemeldet werden, und wie das geht, per Sekretariat oder per App, legt jeder Club selbst fest. Fragen Sie im Sekretariat nach, bevor Sie losgehen.

Für Übungsrunden mit den Formaten von oben eignen sich Kurzplätze. Nach der Platzbewertung des DGV kann ein Platz bereits ab 1.375 Metern auf 18 Löcher oder 688 Metern auf neun Löcher geratet werden, und jeder geratete Platz lässt sich in Turnieren und Registrierten Privatrunden handicaprelevant spielen. Viele Anlagen haben zudem einen kleinen Kurzplatz neben dem großen Platz. Worauf Sie dabei achten sollten, erklärt unser Beitrag über Neun-Loch- und Kurzplätze. Und wählen Sie Abschläge, die zu Ihrer Länge passen, damit Sie die Annäherungen spielen, auf die es laut Broadie ankommt. Eine Orientierung bietet der Beitrag Welche Abschläge passen zu Ihnen.

Und dann das Wetter. Im Oktober trocknen die Grüns morgens langsamer, Bälle rollen auf feuchten Fairways kürzer, und im Herbst werden auf vielen Anlagen die Grüns aerifiziert. Für Ihre Statistik ist das kein Problem, solange Sie wissen, woher eine Zahl kommt: Putts auf frisch gelochten Grüns gehören nicht in denselben Vergleich wie Putts im Juli.

Ihr Plan bis zur Winterpause

  • Woche 1 und 2: fünf Runden mit den vier Angaben pro Loch, dazu je ein Video frontal und von hinten.
  • Woche 3: den Bereich bestimmen, der am meisten kostet, und eine einzige Änderung aufschreiben.
  • Woche 3 bis 6: zwei kurze Einheiten pro Woche, halb für die Änderung, halb für das kurze Spiel, jede mit einer Übung, die eine Punktzahl liefert.
  • Jede Woche: eine ruhige Neun-Loch-Runde mit einer festen Aufgabe.
  • Ende Woche 6: neu filmen, vergleichen, Statistik prüfen. Die Änderung behalten, anpassen oder eine Stunde buchen.

Sechs Wochen mit einem Ziel, einer ehrlichen Rückmeldung und einer Zahl, die Sie schlagen wollen, bringen mehr als eine ganze Saison voller guter Vorsätze. Und wenn die Grüns im Winter gesperrt sind, haben Sie Ihre Videos, Ihre Zahlen und einen klaren Plan für das Frühjahr.

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