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Technik

Ohne Golflektion vorwärtskommen: Swiss Golf App, Gratis-Übungsanlagen und Pitch & Putt

Wer diesen Winter keine Lektionen bucht, muss nicht stehen bleiben. Entscheidend ist, dass das Training dort ansetzt, wo die Schläge tatsächlich verloren gehen.

La rédaction Panxis Golf, Deutschschweiz-Desk (Reto Brunner) · · 9 min
Golferin übt allein auf einer Übungsfläche, einen Haufen Bälle neben sich, und bereitet einen Chip vor
Photo Kampus Production / Pexels

Kurz gefasst

  • Führen Sie während fünf Runden Buchhaltung: Abschlag im Spiel, Green in Regulation, Chips und Pitches unter rund 45 Metern, Putts und Strafschläge.
  • Laut Mark Broadie stammen zwischen einem Resultat von 90 und einem von 80 rund 40 Prozent der Differenz aus Annäherungen und 28 Prozent aus Abschlägen.
  • Mit General Play in der Swiss Golf App erfassen Sie kostenlos handicaprelevante Privatrunden mit Marker; Fairways und Putts notieren Sie weiterhin selbst.
  • In den Migros Golfparks Waldkirch und Oberkirch ist das Golfodrom frei zugänglich; Oberkirch hat zudem einen Pitch & Putt mit neun Löchern zwischen 31 und 67 Metern.

Im Clubrestaurant hört man den Satz jeden Herbst: «Diesen Winter nehme ich endlich Lektionen.» Manche tun es, viele nicht, und ein erstaunlicher Teil derer, die es nicht tun, spielt im nächsten Frühling trotzdem besser. Talent erklärt das selten, und die Zahl der geschlagenen Rangebälle auch nicht. Den Ausschlag geben drei Gewohnheiten: Sie wissen, wo ihre Schläge verloren gehen, sie holen sich eine ehrliche Rückmeldung, und sie bleiben bei einer Sache, bis diese sitzt. Dieser Beitrag trennt, was Ihr Resultat tatsächlich verbessert, von dem, was bloss einen Nachmittag füllt.

Gegen Lektionen spricht dabei nichts. Ein guter Pro erspart Ihnen Monate, und wie Sie aus einer Lektion das Maximum herausholen, lesen Sie in unserem Beitrag über Golfstunden, die etwas bringen. Doch Lektionen kosten Franken und Termine, und der grösste Teil des Fortschritts entsteht ohnehin in den Wochen dazwischen.

Drei Fragen, bevor Sie irgendetwas ändern

Wer ohne Lehrer trainiert, sollte sich zuerst fragen: Wie viele Bälle bleiben vom Tee im Spiel? Wie oft erreiche ich das Green? Und wie viele Schläge brauche ich, wenn ich es verfehle? Die Antworten kennen die wenigsten, weil das Gedächtnis den schönen Drive auf der 18 behält und die vier verschobenen Chips vergisst.

Führen Sie deshalb während fünf Runden eine kleine Buchhaltung. Pro Loch ein Kreuz, wenn der Abschlag im Spiel liegt, ein Kreuz für das Green in Regulation, die Zahl der Chips und Pitches aus weniger als rund 45 Metern und die Zahl der Putts. Jeder Strafschlag bekommt einen eigenen Strich. Das braucht keine Minute pro Loch. Wie man solche Notizen anlegt und auswertet, zeigt unser Beitrag zu den fünf Zahlen, die Sie notieren sollten.

Nach fünf Runden liegt die Antwort meist auf dem Tisch. Wer auf 36 Putts und drei Strafschläge pro Runde kommt, arbeitet an etwas anderem als jemand, der acht Fairways trifft und trotzdem nur zwei Greens erreicht.

Was Mark Broadie herausgefunden hat

Der Professor der Columbia Business School, auf dessen Arbeit die Strokes-Gained-Statistik der PGA Tour zurückgeht, verglich in seinem Buch Every Shot Counts (2014) Spieler mit einem Resultat von 90 und solche mit 80. Etwa 40 Prozent der Differenz stammten aus den Annäherungen, 28 Prozent aus den Abschlägen, 17 Prozent aus Schlägen innerhalb von 100 Yards, rund 90 Metern, und 15 Prozent aus dem Putten.

Das widerspricht der alten Clubhausweisheit, wonach allein das kurze Spiel zählt. Aber Broadies Werte sind Mittelwerte über viele Spieler. Bei Golferinnen und Golfern mit einem Handicap über 25 stecken die schnellsten Schläge oft weiterhin in Strafschlägen und Dreiputts. Ob das auf Sie zutrifft, verraten nur Ihre eigenen fünf Runden.

Das Handy als Trainer

Der eigentliche Wert einer Lektion ist nicht der Tipp, sondern der fremde Blick. Sie fühlen, was Sie zu tun glauben; der Pro sieht, was Sie tun. Einen Teil dieses Blicks können Sie selbst organisieren.

Ein Mini-Stativ genügt. Stellen Sie das Telefon auf Hüfthöhe, einmal gegenüber Ihrer Brust und einmal hinter Ihnen, auf der Linie von den Händen zum Ziel. Markieren Sie die Position, damit die Aufnahmen von Woche zu Woche vergleichbar bleiben, und nutzen Sie die Zeitlupe. Schauen Sie nur auf wenige Punkte: die Haltung beim Ansprechen und im Treffmoment, wohin der Schaft oben zeigt, ob Kopf und Becken seitlich wandern. Die erste Aufnahme entsteht, bevor Sie etwas verändern.

Auch der Ball erzählt viel. Seine Startrichtung hängt vor allem davon ab, wohin die Schlagfläche im Treffmoment zeigt; seine Kurve vom Winkel zwischen Fläche und Schwungbahn. Fliegt er rechts los und biegt noch weiter ab, ist die Fläche zur Bahn geöffnet. Fliegt er links los und zieht weiter nach links, steht sie geschlossen zu einer Bahn, die ohnehin nach links läuft. Wer diese Regel kennt, kann viele Slice-Rezepte gelassen beiseitelegen.

Bleibt der Treffpunkt. Etwas Fussspray oder ein Impact-Kleber auf der Schlagfläche zeigt, ob Sie in der Mitte, an der Spitze oder an der Ferse treffen, und ein Treffer neben der Mitte kostet meist mehr Distanz als ein Schwungfehler. Auf Gras lohnt der Blick aufs Divot: Es beginnt idealerweise knapp nach der Ballposition und zeigt Richtung Ziel. Wer einen Launch-Monitor zur Verfügung hat, erhält noch Zahlen dazu, als Ergänzung und nicht als Voraussetzung.

Wie lange eine Änderung braucht

Das häufigste Muster bei Selbstlernenden: Am Montag ein Video, am Dienstag die Umsetzung, drei verunglückte Bälle, am Donnerstag das nächste Video. Am Saisonende stehen zwanzig ausprobierte Korrekturen und keine einzige, die geblieben ist.

Leiten Sie eine einzige Änderung aus Ihren Notizen ab und formulieren Sie sie in einem Satz, zum Beispiel «rechte Hand am Griff etwas weiter unten» oder «nach dem Schlag auf dem linken Fuss stehen». Dann gilt eine Frist von mindestens drei Wochen. Zuerst wird es schlechter, das ist normal: Eine ungewohnte Bewegung produziert eigenartige Schläge, bevor sie bessere liefert. Messen Sie den Fortschritt an Video und Treffbild, das Resultat auf der Scorekarte kommt ganz am Schluss.

Halten Sie auch die Zahl Ihrer Ratgeber klein. Eine Stimme, deren Sprache Sie verstehen, ist mehr wert als ein Dutzend Kanäle. Widersprechen sich zwei Ratschläge, fragen Sie Ihr Video und Ihren Ballflug.

Auf der Range: jeder Ball ein anderer Schlag

Ein Korb mit dem Eisen 7 auf dieselbe Fahne gibt ein gutes Gefühl und lehrt wenig. Dieses Blocktraining hat seine Berechtigung, solange eine Bewegung neu ist. Auf dem Platz wiederholt sich aber kein Schlag, und Studien zum motorischen Lernen belegen seit den 1970er-Jahren, dass abwechslungsreiches Üben im Moment mühsamer wirkt und später besser hält.

Sobald die Änderung vertraut ist, wechseln Sie nach jedem Ball Schläger und Ziel und spielen vor jedem Schlag Ihre ganze Routine. Oder spielen Sie ein Loch im Kopf: Driver, danach das Eisen, das dieser Abschlag übrig liesse, zum Schluss ein Wedge. Einen kompletten Ablauf dafür finden Sie in unserer Übungsstunde auf der Driving Range.

Und zählen Sie. Zehn Bälle, ein Punkt pro Ball im Zielbereich, die Zahl in die Notizen. In der Woche darauf gilt es, sie zu übertreffen.

Rund ums Green: Spiele mit Resultat

Kein Bereich lässt sich allein so gut verbessern wie das kurze Spiel. Es braucht keine Kraft, kaum Rangebälle, und Putten geht notfalls auf dem Teppich in der Stube.

  • Sechs um das Loch. Sechs Bälle auf einem Meter Abstand rundherum. Erst wenn alle sechs in Serie fallen, geht es auf 1,20 Meter.
  • Distanzleiter. Aus 9, 12 und 15 Metern soll der Ball höchstens eine Schlägerlänge hinter dem Loch liegen bleiben. Das ist das wirksamste Mittel gegen Dreiputts auf langen Distanzen.
  • Zehnmal retten. Den Ball an zehn verschiedenen Stellen neben das Green legen, chippen, fertig putten. Notieren Sie, wie oft es mit zwei Schlägen klappt.
  • Das Wedge-Raster. Kurzer, halber und voller Rückschwung mit jedem Wedge ergeben neun bis zwölf feste Distanzen. Wie Sie diese bestimmen, erklärt unser Beitrag zu den Wedge-Distanzen.

Auf dem Platz mit Absicht spielen

Die Range lehrt Schwünge, der Platz lehrt Golf. Neun Löcher am frühen Abend, allein oder zu zweit, sind eine der besten Übungseinheiten überhaupt. Spielen Sie zwei Bälle und zählen Sie jeweils den schlechteren, dann sehen Sie Ihren gewöhnlichen Schlag. Nehmen Sie nur vier Schläger mit. Oder geben Sie sich eine Regel für die Runde, etwa «kein Strafschlag», und wählen Sie jeden Abschlag danach. Viele Schläge verlieren Sie durch Entscheidungen, nicht durch Schwünge, und kluges Platzmanagement verbessern Sie, ohne den Schwung anzufassen.

Was nichts bringt

  • Vierzig Drives am Stück. Zehn genügen, jeder auf ein vorgestelltes Fairway.
  • Der Tipp der Woche. Wer ständig wechselt, erfährt nie, ob der vorherige gewirkt hätte.
  • Neues Material als Heilmittel. Ein neuer Schläger behebt kaum je einen Schwungfehler. Material kommt am Schluss.
  • Schläge ohne Ziel. Jeder Ball braucht eines, auch im Garten.
  • Das Urteil nach einer Runde. Resultate schwanken. Fünf Runden Notizen sagen mehr als der beste oder schlechteste Tag.

Wo Sie in der Deutschschweiz ohne Lektion Rückmeldung und Übungsflächen finden

Das erste Werkzeug ist die Swiss Golf App. Mit der Funktion General Play können Sie kostenlos handicaprelevante Privatrunden erfassen, so oft Sie wollen. Die Runde muss vor dem ersten Abschlag in der App gestartet werden, mit Wahl von Platz und Abschlag und der Einladung eines Markers, der die Scorekarte am Ende elektronisch bestätigt. Neun Löcher müssen vollständig gespielt werden, bei 18 Löchern mindestens zehn. Im HCP Record Sheet sehen Sie danach, wie sich Ihre Resultate entwickeln. Fairways, Greens und Putts erfasst die App dabei nicht; diese Angaben führen Sie weiterhin auf der Scorekarte. Ideal ist die Kombination: fünf Runden mit eigener Buchhaltung, am Ende der sechs Wochen eine General-Play-Runde als Kontrolle.

Zum Üben ohne Clubmitgliedschaft bieten sich die öffentlichen Anlagen der Migros an. Im Golfpark Waldkirch in der Ostschweiz ist der Zugang zum Golfodrom kostenlos und frei, auch für Neugolfende. Es gibt 90 Rasenabschläge und 40 überdachte Plätze, dazu vier Putting Greens und drei Pitching Greens; die Jetons für die Rangebälle holen Sie im Sekretariat. Im Golfpark Oberkirch am Sempachersee ist das Golfodrom ebenfalls frei zugänglich, mit überdachten Abschlägen, zwei Putting Greens und einem Übungsbunker. Für die Formate auf dem Platz liegt dort ein Pitch-&-Putt-Campus mit neun Par-3-Löchern zwischen 31 und 67 Metern, offen für alle Golferinnen und Golfer, reservierbar bis sieben Tage im Voraus. Auf so kurzen Löchern lässt sich die Distanzleiter der Wedges ideal auf echtem Gras prüfen. Weitere Ideen liefert unser Beitrag über Neun-Loch- und Kurzplätze.

Ende September hat das Üben in der Schweiz eigene Regeln. Morgens liegt im Mittelland oft Nebel, die Greens sind feucht und langsamer, und viele Clubs aerifizieren im Herbst. Notieren Sie solche Umstände neben Ihren Zahlen, damit Sie Putts auf gelochten Greens nicht mit jenen aus dem Juli vergleichen. Und wählen Sie Abschläge, die zu Ihrer Länge passen: Nur dann spielen Sie die Annäherungen, die nach Broadie den grössten Teil ausmachen. Unser Beitrag Welche Abschläge passen hilft bei der Wahl.

Wann sich eine Lektion trotzdem lohnt

Kommt derselbe Fehler nach einem Monat ehrlicher Arbeit immer wieder, tut etwas weh, zeigt Ihr Video nicht, wo das Problem liegt, oder stehen Sie ganz am Anfang, dann buchen Sie einen Pro. Gerade am Anfang ersparen saubere Grundlagen später Jahre der Korrektur. Eine einzelne Lektion zu genau dem Punkt, den Ihre Notizen aufgedeckt haben, mit einer klaren Übung für zu Hause, fügt sich nahtlos in diesen Ablauf.

Sechs Wochen bis zum Saisonschluss

  • Woche 1 und 2: fünf Runden mit Buchhaltung, je eine Aufnahme von vorne und von hinten.
  • Woche 3: die teuerste Baustelle bestimmen und eine einzige Änderung aufschreiben.
  • Woche 3 bis 6: zweimal pro Woche eine kurze Einheit, halb Änderung, halb kurzes Spiel, jede mit einem gezählten Spiel am Schluss.
  • Jede Woche: neun ruhige Löcher mit einer klaren Aufgabe.
  • Ende Woche 6: neue Aufnahmen, Vergleich, eine General-Play-Runde. Dann entscheiden: behalten, anpassen oder Lektion buchen.

Sechs Wochen mit einem Ziel, einer ehrlichen Rückmeldung und einer Zahl, die Sie schlagen wollen, bringen mehr als eine Saison voller Vorsätze. Und wenn im Winter die Plätze schliessen, haben Sie Ihre Aufnahmen und Notizen bereit für den Neustart im Frühling.

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