Wasser und Mittel: was Golf und Natur verlangt
Die nützliche Frage lautet nicht, ob Golf gut für die Umwelt ist, sondern ob ein bestimmter Platz dieses Jahr besser bewirtschaftet wird als letztes.
Kurz gefasst
- Golf und Natur des DGV prüft Zahlen, nicht Absichten.
- Ein festes gelbes Fairway braucht weniger Wasser und weniger Fungizid.
- Zugelassene Wirkstoffe sind deutlich weniger geworden, die Pflege dafür aufwendiger.
- Ein Drittel der Fläche liegt außerhalb des Spiels: dort liegt der ökologische Wert.
- Die wichtigste Kennzahl ist der Anteil intensiv gepflegter Fläche.
Golf braucht Land, Wasser und Pflanzenschutzmittel, und die Branche hört das seit zwanzig Jahren. Was sich auf deutschen Plätzen tatsächlich verändert hat, ist interessanter als Kritik und Verteidigung zusammen.
Die Debatte läuft meist an der Sache vorbei, weil sie mit Bildern geführt wird: dem sattgrünen Fairway im August und dem Beregnungsbogen um die Mittagszeit. Beide Bilder sind aussagekräftig, aber nicht so, wie sie üblicherweise gelesen werden. Ein sattgrüner Platz im Hochsommer ist ein Platz, der viel Wasser bekommt, und Beregnung um zwölf Uhr ist der Beweis, dass es falsch eingesetzt wird. Beides ist inzwischen die Ausnahme.
Golf und Natur ist mehr als ein Aufkleber
Der Deutsche Golf Verband führt mit Golf und Natur ein eigenes Qualitätsmanagementprogramm, das Wasserverbrauch, Pflanzenschutz, Biotopflächen und Betriebsabläufe prüft und zertifiziert. Anlagen mit einer Auszeichnung in Silber oder Gold haben dafür Zahlen liefern müssen, und genau das unterscheidet das Programm von einer Broschüre.
Der praktische Nebeneffekt ist betriebswirtschaftlich: Eine Anlage, die ihren Wasser- und Energieverbrauch erfasst, weiß, wo sie Geld verliert. Die Zertifizierung ist deshalb häufig der Anlass, aus dem eine Beregnungssteuerung erneuert oder ein Speicherteich gebaut wird, und Ökologie und Kostenrechnung zeigen an dieser Stelle in dieselbe Richtung.
Wohin das Wasser geht
Die Bewässerung ist der größte ökologische Posten eines Golfplatzes und der, an dem Greenkeeper am härtesten gearbeitet haben. Sichtbare Zeichen sind Fairwayränder, die im August gelb werden, unbewässertes Rough und Regner, die im Sektor laufen. Die trockenen Sommer seit 2018 und regionale Entnahmebeschränkungen haben das beschleunigt.
Rechtlich ist das an vielen Orten keine Wahl mehr. In trockenen Sommern erlassen Landkreise und Kommunen Entnahmeverbote für Oberflächengewässer, und Anlagen ohne eigenen Speicher oder Brunnenrecht stehen dann ohne Wasser da. Der Speicherteich, der wie Landschaftsgestaltung aussieht, ist eine Versicherung gegen den August.
Beregnet wird zudem nachts oder am frühen Morgen, weil tagsüber ein erheblicher Teil verdunstet, bevor er die Wurzel erreicht. Wer Regner um die Mittagszeit laufen sieht, sieht in der Regel eine Reparatur oder eine Neuansaat, nicht den Normalbetrieb.
Gelb ist keine Vernachlässigung
Ein festes, goldenes Fairway rollt weiter, entwässert besser und braucht weniger Wasser und weniger Fungizid. Für ein an Fernsehbilder gewöhntes Auge sieht das nach einem Platz in Schwierigkeiten aus, und Mitglieder, die sich über die Farbe beschweren, sind eines der echten Hindernisse.
Golferisch ist die trockene Variante zudem die interessantere. Ein fester Platz verlangt, den Rollweg einzurechnen, macht den flachen Ball rund ums Grün wieder sinnvoll und bestraft jeden Schlag, der zu steil ankommt. Wer das einmal gespielt hat, vermisst das weiche Grün nicht.
Und die Gräser selbst sind ein Thema. Der Umbau von Grüns auf feinere, tiefer wurzelnde Arten läuft über Jahre, macht die Fläche in dieser Zeit unruhig und spart danach dauerhaft Wasser und Dünger. Wenn Ihre Anlage ihre Grüns über zwei Saisons umstellt, ist das der Grund, warum sie sich zwischendurch schlechter putten lassen.
Mittel: weniger, weil weniger erlaubt ist
Die Zahl zugelassener Wirkstoffe ist unter deutschem und europäischem Recht deutlich zurückgegangen, und die Anwendung ist vom Kalender zur gezielten Behandlung nach Wetter- und Krankheitsdruck übergegangen. Grüns werden weiter behandelt, weil ein verlorenes Grün ein Loch für eine Saison schließt; Fairways und Roughs immer seltener.
An die Stelle der breiten Anwendung sind vorbeugende Pflegemaßnahmen getreten: Belüften, Besanden, Taubürsten am frühen Morgen, angepasste Schnitthöhen und Sorten, die weniger krankheitsanfällig sind. Das ist arbeitsintensiver und braucht mehr Fachwissen, und es ist der Grund, warum gutes Greenkeeping heute teurer ist als vor zwanzig Jahren.
Das Land, das nicht im Spiel ist
Eine 18-Loch-Anlage hat ein Drittel oder mehr ihrer Fläche außerhalb des Spiels, und dort liegt der ökologische Wert: ungemähtes Rough, Waldränder, Teiche, Trockenmauern. In dicht besiedelten Regionen sind Golfanlagen mitunter die größten zusammenhängenden Grünflächen ihrer Gemeinde.
Die Bedingung ist allerdings, dass diese Flächen tatsächlich extensiv gepflegt werden und nicht nur unbespielt sind. Ein einmal im Jahr gemähter Streifen mit abgefahrenem Schnittgut ist Lebensraum; derselbe Streifen wöchentlich gemulcht ist es nicht. Genau diesen Unterschied macht ein Zertifizierungsverfahren sichtbar, und von außen ist er kaum zu beurteilen.
Was ein Spieler tun kann
Die eigene Pitchmarke ausbessern hält ein Grün ohne Mittel gesund. Carts und Trolleys von nassem Boden fernhalten reduziert Verdichtung, den Grund für die Hälfte der Aerifizierungen. Und im August nicht über gelbe Fairways klagen.
Zwei weitere Punkte kosten nichts. Zu Fuß gehen statt Cart fahren, wo es möglich ist, weil Bodenverdichtung genau das ist, was Greenkeeper anschließend mit Aerifizieren wieder aufheben müssen. Und Fahrgemeinschaften innerhalb der Spielgruppe, weil der größte Einzelposten in der Ökobilanz eines Golftages meist auf dem Parkplatz steht und nicht auf dem Platz.
Die ehrlichen Grenzen
Ein Golfplatz ist kein Naturschutzgebiet. Die nützliche Frage lautet nicht, ob Golf gut für die Umwelt ist, sondern ob ein bestimmter Platz dieses Jahr besser bewirtschaftet wird als letztes.
Ebenso ehrlich gehört dazu, dass die Erwartungen der Mitglieder der stärkste einzelne Treiber des Verbrauchs sind. Ein Club, der auf Optik pflegt, verbraucht mehr Wasser, mehr Energie und mehr Mittel als einer, der auf Spielbarkeit pflegt, und die Beiträge folgen dem. Der unbequeme Teil der Debatte liegt nicht bei der Anlage, sondern bei denen, die sie bezahlen.
Der Vergleich, der fehlt
Was der Debatte am meisten fehlt, ist ein Bezugspunkt. Ein Golfplatz verbraucht Wasser, und die sinnvolle Frage lautet, im Vergleich womit. Dieselbe Fläche als intensiv genutzter Acker, als Neubaugebiet oder als Rasensportanlage hat jeweils eine andere Bilanz, und keine davon ist automatisch besser.
Was für den Golfplatz spricht, ist die Struktur: eine große, dauerhaft begrünte Fläche, die weder gepflügt noch versiegelt wird, mit Gehölzen, Gewässern und Randstrukturen, und mit einem kleinen intensiv gepflegten Kern. Was gegen ihn spricht, ist genau dieser Kern, wenn er zu groß gehalten wird.
Deshalb ist die praktisch wichtigste Kennzahl nicht der Gesamtverbrauch, sondern der Anteil der intensiv gepflegten Fläche an der Gesamtfläche. Anlagen, die diesen Anteil in den letzten Jahren gesenkt haben, sind die, bei denen sich tatsächlich etwas geändert hat.
Wo Sie das in Deutschland nachprüfen
Der Deutsche Golf Verband führt das Programm Golf und Natur und listet die zertifizierten Anlagen samt Stufe. Das ist die einzige unabhängige Auskunft, die es zu diesem Thema gibt, und sie kostet nichts.
Auf der Anlage selbst ist der Head-Greenkeeper die am besten informierte und am seltensten befragte Person. Wer ihn auf dem Platz trifft und nach der Wasserstrategie fragt, bekommt in der Regel eine ausführliche und überraschend konkrete Antwort.
Und der Pflegekalender, den viele deutsche Clubs veröffentlichen, sagt mehr über die Führung eines Clubs als jede Broschüre: Er nennt die Aerifizierungstermine, die Besandung und die Zeiten, in denen Flächen geschont werden. Fragen Sie im Sekretariat danach, auch weil er Ihnen die Planung wichtiger Runden erleichtert.
Woran Sie eine gut geführte Anlage erkennen
Vier sichtbare Zeichen, alle kostenlos zu prüfen: extensiv gepflegte Randflächen mit hohem Gras und Blühstreifen, Grüns, die fest und schnell laufen statt weich und grün, sichtbare Wasserwirtschaft wie Speicherteiche, und ein Greenkeeping, das erklärt, was es tut, statt sich für braune Stellen zu entschuldigen.
Hinzu kommen zwei, die etwas kosten und viel sagen: Hinweistafeln an den Extensivflächen, die erklären, was dort wächst, und ein veröffentlichter Pflegekalender. Beides unterscheidet Anlagen, die eine Strategie haben, von Anlagen, die eine Broschüre haben.
Was Sie in Ihrem Club fragen können
- Woher kommt das Bewässerungswasser, und sind die Mengen gesunken?
- Welcher Anteil der Anlage wird extensiv gepflegt, und wird das Schnittgut abgefahren?
- Ist der Platz nach Golf und Natur zertifiziert, und auf welcher Stufe?
- Wann wird aerifiziert und besandet, und steht ein Pflegekalender zur Verfügung?
Die Antworten sagen mehr über die Führung eines Clubs als jede Broschüre.
Panxis Golf unterhält keine geschäftlichen Beziehungen zu den genannten Verbänden oder Anlagen.






