Shank im Winter: Ursache finden und auf der überdachten Range in der Schweiz wegtrainieren
Der Shank kommt nicht aus dem Nichts. Er hat eine einzige Ursache, den Hosel, der dort ankommt, wo die Mitte der Schlagfläche hingehört, und die Wintermonate auf der überdachten Range sind die beste Zeit, ihn in Ruhe loszuwerden.
Kurz gefasst
- Beim Shank trifft der Ball den runden Hosel statt der Schlagfläche und springt flach und fast im rechten Winkel weg, ohne Kurve wie beim Slice.
- Fusspuder auf der Schlagfläche, der hängende Arm in der Ansprechposition und ein Video von hinten zeigen in zehn Minuten, welcher Auslöser Ihr eigener ist.
- Vier Übungen funktionieren auch auf der Matte: das Tor aussen am Ball, mit der Spitze zielen, Gewicht auf den Fersen und Kontakt nach hinten.
- Auf dem Platz helfen ein Zentimeter mehr Abstand und ein weicherer Schwung; ein Swiss PGA Pro, zu finden über den ProFinder des Verbands, sieht die Ursache meist auf dem Video.
Ein kühler Novemberabend, der Platz läuft längst im Wintermodus, und Sie stehen unter dem Dach der Driving Range, um den Schwung über die kalte Jahreszeit zu retten. Zwanzig Bälle fliegen ordentlich, dann zischt einer flach und fast im rechten Winkel nach rechts davon, prallt an die Trennwand der Nachbarbox und rollt zurück vor Ihre Füsse. Der Nachbar schaut kurz herüber. Sie greifen fester zu, der nächste Ball geht denselben Weg. Der Shank ist der Schlag, den kaum jemand beim Namen nennen mag, und gerade deshalb hält sich der Glaube, er komme aus dem Nichts. Das stimmt nicht. Er hat eine einzige mechanische Ursache, eine überschaubare Zahl von Auslösern und einige Übungen, die ihn meist innert einer Trainingseinheit zum Verschwinden bringen. Der Winter ist dafür sogar die beste Zeit: Niemand zählt Ihre Schläge, und auf der Range dürfen Sie so viele Bälle verschwenden, wie Sie wollen.
Ein Treffpunkt am falschen Ort, sonst nichts
Am Eisen und am Wedge geht der Schaft nicht direkt in den Schlägerkopf über. Dazwischen liegt der Hosel, der gebogene Hals, in den der Schaft gesteckt ist. Beim Shank trifft der Ball nicht die Schlagfläche, sondern genau diesen runden Hals oder die äusserste Kante der Ferse daneben. Weil die Oberfläche dort gewölbt ist, springt der Ball seitlich weg, bei Rechtshändern nach rechts, bei Linkshändern nach links, und zwar flach und ohne nennenswerte Kurve.
Daraus folgt ein Satz, den Sie sich merken sollten: Egal wie Ihr Schwung aussieht, beim Shank ist im Treffmoment der Hosel dort angekommen, wo eigentlich die Mitte der Schlagfläche hingehört. Der Schlägerkopf war beim Treffen also ein paar Zentimeter weiter von Ihrem Körper entfernt als in der Ansprechposition. Alles, was hilft, bringt den Kopf entweder zurück zu Ihnen oder verhindert, dass er nach aussen wandert.
Deshalb ist der Shank auch kein Verwandter des Slice. Der Slice entsteht, wenn die Schlagfläche zur Schwungbahn offen steht, und der Ball dreht sich in der Luft nach rechts. Beim Shank startet der Ball von Anfang an in die falsche Richtung, weil er an der falschen Stelle getroffen wurde. Wer seinen Slice korrigiert, ist den Shank nicht automatisch los, und umgekehrt.
Erst messen, dann üben
Bevor Sie Übungen ausprobieren, lohnt sich eine kurze Bestandesaufnahme. Zehn Minuten genügen, und sie ersparen Ihnen einen Winter voller Vermutungen.
Den Treffpunkt sichtbar machen. Sprühen Sie etwas Fusspuder-Spray aus der Apotheke auf die Schlagfläche eines Eisen 7 oder kleben Sie Treffbild-Etiketten auf. Schlagen Sie fünf Bälle und schauen Sie nach jedem Schlag hin. Sammeln sich die Abdrücke an der Ferse, nahe beim Hals, dann ist der Shank kein Zufall, sondern der schlimmste Ausreisser einer Serie, die ohnehin zu weit innen am Schläger liegt. Das ist eine gute Nachricht: Wer den Shank behebt, trifft danach auch die gewöhnlichen Eisenschläge satter.
Den Abstand zum Ball prüfen. Nehmen Sie mit dem Eisen 7 Ihre gewohnte Ansprechposition ein, lösen Sie dann die hintere Hand vom Griff und lassen Sie den Arm locker hängen. Er sollte ungefähr zwischen Ihrer vorderen Hand und dem Körper baumeln. Hängt er deutlich weiter innen als die Hände, stehen Sie zu weit weg und strecken sich nach dem Ball. Berühren die Hände fast die Oberschenkel, stehen Sie zu nah.
Ein Video von hinten. Stellen Sie das Mobiltelefon hinter sich auf Hüfthöhe oder auf den Boden, ausgerichtet entlang der Ziellinie. Vergleichen Sie zwei Bilder: die Ansprechposition und den Treffmoment. Rückt das Gesäss Richtung Ball, richtet sich der Oberkörper auf oder wandern die Hände nach aussen, haben Sie Ihren Verdächtigen gefunden.
Die üblichen Auslöser
Golflehrerinnen und Golflehrer sehen beim Shank immer wieder dieselben Muster. Meist ist eines davon im Spiel, manchmal zwei zusammen.
Das Gewicht rutscht auf die Fussballen. Bei Amateuren der häufigste Grund. In der Ansprechposition ruht das Gewicht in der Mitte der Füsse, im Abschwung wandert es nach vorne zu den Zehen, der Körper kommt dem Ball näher, und die Hände folgen. Dicke Winterkleidung und steife Muskeln verstärken das: Wer sich unter drei Schichten weniger frei drehen kann, kippt gerne nach vorne.
Falscher Abstand schon vor dem Schwung. Steht der Ball zu nah, haben die Hände keinen Platz und weichen im Abschwung nach aussen aus. Steht er zu weit weg, verlagert sich das Gewicht beim Schwingen Richtung Zehen. Beide Wege führen zum Hosel.
Aufrichten im Abschwung. Schiebt sich die Hüfte auf dem Weg nach unten Richtung Ball, schrumpft der Raum zwischen Körper und Ball. Die Arme müssen ausweichen, und der Schlägerkopf geht mit ihnen nach aussen.
Eine Bahn, die nach aussen drängt. Manche Spieler werfen den Schläger zu Beginn des Abschwungs von oben nach aussen. Andere, oft bessere Golfer, machen das Gegenteil: Der Schläger kommt zu flach von innen, die Schlagfläche bleibt offen, und die Hände stossen nach vorne, um den Ball noch zu retten. Die Bewegung ist verschieden, der Treffpunkt derselbe.
Verkrampfung. Ein harter Griff und feste Unterarme verhindern, dass sich die Schlagfläche schliesst und die Arme beim Körper bleiben. Nach dem ersten Shank greifen viele Spieler noch fester zu und schwingen vorsichtiger. Genau das macht den nächsten wahrscheinlicher, und so kommt der Shank oft in Serien.
Vier Übungen für die Wintermonate
Wählen Sie die Übung, die zu Ihrem Befund passt. Beginnen Sie mit halben Schwüngen und einem Wedge oder Eisen 9, erst danach mit vollen Schwüngen.
Das Tor aussen am Ball. Legen Sie einen zweiten Ball oder eine Schlägerhaube etwa vier Zentimeter ausserhalb des Balles, den Sie spielen wollen, also auf der von Ihnen abgewandten Seite. Treffen Sie nur den inneren Ball. Fliegt der äussere mit, ist der Schläger nach aussen gewandert. Die Übung ist ein Klassiker, weil sie sofort Rückmeldung gibt und das Gehirn dazu bringt, die Spitze der Schlagfläche zu suchen. Auf einer Abschlagmatte funktioniert sie genauso gut wie auf Rasen.
Mit der Spitze zielen. Richten Sie den Schläger so aus, dass der Ball vor der Spitze liegt statt vor der Mitte. Viele Spieler, die zum Shank neigen, treffen so plötzlich mittig. Die ersten zehn Bälle fühlen sich merkwürdig an, danach wird das Gefühl zur Referenz, die Sie mit auf den Platz nehmen.
Gewicht auf den Fersen. Spielen Sie halbe Schläge und heben Sie dabei die Zehen in den Schuhen leicht an. Wer das Gewicht nicht auf die Fussballen bringen kann, kann auch nicht Richtung Ball kippen. Zehn Schläge so, dann zehn normale mit derselben Empfindung in den Fersen.
Kontakt nach hinten. Stellen Sie Ihr Golfbag oder einen Stuhl so hinter sich, dass das Gesäss in der Ansprechposition leicht anliegt. Schwingen Sie langsam und halten Sie den Kontakt bis durch den Treffmoment. Die Hüfte bleibt hinten, der Raum vor Ihnen offen. Zuerst ohne Ball, dann mit lockeren Schlägen. Diese Übung eignet sich auch für die Stube, wenn draussen Nebel liegt.
Für alle vier gilt: Lockern Sie den Griff. Auf einer Skala von eins bis zehn halten Sie den Schläger bei etwa vier, fest genug für die Kontrolle, locker genug, damit die Unterarme drehen können. Bei manchen Spielern ist der Shank damit allein schon erledigt.
Wo Sie im Schweizer Winter am Shank arbeiten können
Die überdachte Range. Viele Anlagen im Mittelland halten ihre Übungsanlage über den Winter offen, oft mit überdachten Abschlagplätzen, die bei Regen und Kälte das Training retten. Ein Korb Bälle, eine Dose Fusspuder und ein zweiter Ball als Tor ergeben eine vollständige Diagnose und Übungseinheit. Wie Sie eine solche Stunde aufbauen, steht in unserem Beitrag zur Übungsstunde auf der Driving Range.
Die Matte ehrlich lesen. Im Winter schlagen Sie auf der Range fast nur von Matten, und viele Clubs verlangen im Wintermodus auch auf den Fairways eine kleine Matte unter dem Ball. Die Matte hat einen Haken: Der Schläger gleitet über die Oberfläche, und ein leicht fetter Schlag sieht im Flug oft noch gut aus. Achten Sie deshalb auf den Treffpunkt an der Schlagfläche, nicht auf die Weite. Für die Shank-Arbeit ist die Matte dafür ideal, denn ein Fersentreffer klingt dort deutlich dumpfer und hinterlässt im Fusspuder eine klare Spur.
Trackman und Indoor. Die Migros-Golfparks bieten Trackman-Training an und werben damit, dass es bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit möglich ist. Ein Messgerät zeigt nicht immer den genauen Treffpunkt, aber die Startrichtung, und ein Shank fällt dort sofort auf. Mehr dazu in unserem Überblick über Launchmonitore in der Schweiz.
Ein Swiss PGA Pro. Der Shank gehört zu den Fehlern, die ein Golflehrer am schnellsten behebt, oft in einer einzigen Lektion, weil die Ursache auf dem Video sichtbar ist. Die Swiss PGA, der Berufsverband der Golfprofessionals, führt auf ihrer Website einen ProFinder, in dem Sie nach Ort und Umkreis Teaching Professionals suchen können. Sagen Sie gleich zu Beginn, dass Sie wegen des Shanks kommen; das spart Zeit. Wie Sie sich auf eine Stunde vorbereiten, lesen Sie in unserem Beitrag, wie Sie Golfstunden richtig nutzen.
Zuerst Griff und Stand. Ein grosser Teil der Shanks beginnt, bevor sich der Schläger bewegt, mit einer Ballposition oder Haltung, die sich über die Saison verschoben hat. Gehen Sie die Grundlagen in unserem Ratgeber zu Griff und Stand durch, bevor Sie an der Schwungbahn schrauben.
Wenn es auf dem Platz passiert
Übungen gehören auf die Range. Auf der Runde brauchen Sie etwas Einfacheres, das Sie durch den nächsten Schlag bringt, ohne den ganzen Schwung neu aufzurollen.
- Einen Zentimeter weiter weg stehen. Die schnellste Korrektur und die, die am wenigsten neue Fehler auslöst.
- Das Gewicht in die Fersen legen und etwas kürzer, ruhiger schwingen.
- Auf die Innenseite des Balles schauen, also auf den Teil, der Ihnen am nächsten liegt. Wohin die Augen schauen, folgt oft der Schläger.
- Einen Schläger mehr nehmen und weicher schwingen. Kraft schiebt den Körper zum Ball. Dreiviertelschwünge mit zwei Dritteln Tempo shanken viel seltener.
- Rund ums Grün den Putter oder einen flachen Chip mit dem Eisen 7 wählen, wenn der kurze Pitch plötzlich gefährlich wirkt. So bleibt der Hosel aus dem Spiel, bis Sie die Runde fertig haben.
Achten Sie auch auf die Lage. Liegt der Ball unter Ihren Füssen, kippen Sie fast zwangsläufig Richtung Zehen, und der Shank lauert. Wie Sie sich dort hinstellen, erklärt unser Beitrag zu Hanglagen.
Und zur Regel: Fliegt ein Shank über die weissen Pfähle, liegt der Ball im Aus, und grundsätzlich gilt Schlag und Distanzverlust. Manche Schweizer Clubs haben die Musterplatzregel E-5 von R&A und USGA eingeführt, die es erlaubt, gegen zwei Strafschläge in der Nähe der Stelle zu droppen, wo der Ball ins Aus ging, statt zurückzugehen. Sie gilt nur, wenn die Spielleitung sie in Kraft gesetzt hat, und oft nur für private Runden: Golf Vuissens etwa lässt sie bei Freundschaftsspielen zu, nicht aber bei Clubmeisterschaften und Zählwettspielen. Ein Blick auf die Platzregeln am Anschlagbrett oder auf der Scorekarte klärt das.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Ursache: Der Hosel erreicht den Ball dort, wo die Mitte der Schlagfläche hingehört; der Schlägerkopf ist beim Treffen weiter von Ihnen entfernt als beim Ansprechen.
- Der Test: Fusspuder auf der Schlagfläche, der hängende Arm in der Ansprechposition, ein Video von hinten.
- Die Übungen: das Tor aussen am Ball, mit der Spitze zielen, Gewicht auf den Fersen, Kontakt nach hinten.
- Auf dem Platz: etwas weiter weg stehen, Fersen belasten, die Innenseite des Balles anschauen, weicher schwingen.
- Die Hilfe: eine Lektion bei einem Swiss PGA Pro findet die Ursache meist auf dem Video.
Packen Sie für die nächste Wintersession auf der Range eine Dose Fusspuder und einen zweiten Ball ein. Besprühen Sie die Schlagfläche, schlagen Sie fünf Bälle mit dem Eisen 7 und schauen Sie, wo die Abdrücke liegen. Sitzen sie an der Ferse, legen Sie das Tor aus und spielen Sie zwanzig halbe Wedges, ohne den äusseren Ball zu berühren. Das dauert eine Viertelstunde, und für die meisten Golferinnen und Golfer ist der Shank danach Geschichte, oder zumindest die Angst davor, die ihn so hartnäckig macht. Im März, wenn die Sommergrüns wieder offen sind, werden Sie froh sein, dass Sie die kalten Monate dafür genutzt haben.






